Z BURBIA 2- TRIP IN DIE HÖLLE

4,19 12,99 

Jake Bible

ZOMBIE-THRILLER

Band 2
Serie Z Burbia

Lieferzeit: sofort nach Zahlungseingang, versandkostenfrei

Auswahl zurücksetzen

Beschreibung


Das Grove Park Inn.

Vom frühen 20. Jahrhundert bis zum Z-Tag war das Grove Park Inn der Ort, an dem die Reichen verweilten, wenn sie in Asheville, NC, Urlaub machten. Jeder von F. Scott Fitzgerald bis hin zu Präsident Barack Obama war im Grove Park zu Gast gewesen. Künstler, Schauspieler, Diplomaten, Industriegrößen, alle hatten  es irgendwann einmal ihr Zuhause auf Zeit genannt. Aber das war vor der Zombie-Apokalypse gewesen.

Jetzt ist die fünfstöckige Luxusherberge aus Stein, Backstein und Holz das Zuhause von jemand anderem. Noch ist nicht klar, um wen es sich handelt. Fakt ist aber, er ist schwer bewaffnet.

Whispering Pines wird wieder aufgebaut und so hat Jace »Long Pork« Stanford nichts  Besseres zu tun als herauszufinden, wer die Neuankömmlinge sind. Natürlich nur , wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, mit den allgegenwärtigen Z-Horden fertig zu werden … o der vor paramilitärischen Söldnern um sein Leben zu laufen … o der möglicherweise mehr von der Zombie infizierten Stadt hochzujagen , weil er es nicht sein lassen kann, auf irgendwelche Knöpfe zu drücken. Knöpfe sind schließlich dazu da, dass man sie drückt, auch während der Apokalypse, richtig?

Sieht also aus, wie ein ganz gewöhnlicher Tag in Z Burbia!


auch hier erhältlich (Auswahl) … AMAZON | THALIA | WELTBILD | HUGENDUBEL | MAYERSCHE | BÜCHER.DE | KOBO

Zusätzliche Information

Ersterscheinung

2016

Format

Klappenbroschur / Ebook (epub, mobi)

Seiten

344

ISBN

978-3-95835-165-3

eISBN

978-3-95835-166-0

Leseprobe


Kapitel 1

»Deine Vermutung ist genauso gut, wie meine«, sagt James Nenn-mich-nicht-Jimmy Stuart, während er das Fernglas senkt und zu Weapons Sergeant Sammy John Baptiste hinübersieht. »Aber ich glaube nicht, dass sie zu der Gruppe von Vance gehören.«
»Nein, das tun sie nicht«, erwidert John und nimmt sein Auge vom Sucher seines M110 Scharfschützengewehrs. Er schaut zu Stuart und runzelt die Stirn. »Das sind keine Gauner und das ist kein Verbrechen. Das ist rein geschäftlich.«
»Geschäft?«, fragt Stuart und schaut wieder durch das Fernglas. »Welches Geschäft könnte das wohl sein?«
Johns Auge wandert wieder zum Sucher und beide beobachten das Gebäude auf der anderen Seite des zerstörten Golfplatzes. Das Grove Park Inn. Vom frühen 20. Jahrhundert bis zum Z-Tag war das GPI der Ort gewesen, an dem Wohlhabende verweilten, wenn sie Urlaub in Asheville, NC machten. Jeder von F. Scott Fitzgerald bis Präsident Barak Obama hatte im GPI übernachtet. Schauspieler, Diplomaten, führende Größen aus der Industrie, alle hatten es irgendwann einmal ein vorübergehendes Zuhause genannt. Nun war die fünfstöckige Luxusherberge aus Ziegeln und Holz das Zuhause eines anderen, unbekannten Elements.
Der Z-Tag hatte Asheville am selben Tag wie den Rest der Welt getroffen. Niemand wusste bis jetzt, was es letztendlich verursacht hatte. Ein Virus wurde ausgeschlossen, da sich die Untoten überall zur gleichen Zeit aus den Gräbern, Betten, Leichenhallen und Schlachtfeldern erhoben. Einige vermuteten, es könnte ein Komet gewesen sein, der zu nahe an die Atmosphäre der Erde herangekommen war; andere waren sich sicher, dass es Gottes Zorn auf die Gottlosen war.
Aber was immer es verursacht hatte, das Resultat war das gleiche: Die Toten erhoben sich und sie waren hungrig. Sie gierten nach dem Fleisch der Lebenden. Die Apokalypse war in vollem Gange und auch die Blue Ridge Mountains im westlichen North Carolina konnten dem nicht entkommen. Die Zivilisation war zusammengebrochen, als sich die lebenden Toten exponentiell vermehrt hatten. Ein Biss bedeutete zuerst Erkrankung, Tod und dann war man untot. Diejenigen, die eines »natürlichen« Todes starben, erhoben sich ebenfalls. Schon bald waren die Lebenden in der Unterzahl. Die Welt, wie jeder sie kannte, hörte auf zu existieren und eine post-Z-Welt hielt sich in den Schatten versteckt.
Die Untoten oder Zs konnten hören, riechen und die Lebenden sehen. Bewegungen und Geräusche lockten sie an; der Geruch von Fleisch versetzte sie in Raserei. Die Raserei ging zwar nur langsam und torkelnd vonstatten, aber wenn genug Zs an einem Ort waren, würde sich automatisch eine Herde bilden und alle Lebenden umzingeln, die das Pech hatten, von ihnen geschnappt worden zu sein.
Die Überlebenden gründeten daraufhin Enklaven. Einige davon waren gut, andere nicht. Die Farm, Whispering Pines und Critter\’s Holler waren einige der guten Enklaven. Orte, die die Menschen errichtet hatten, um darin überleben zu können. Der Großteil von Asheville war mittlerweile unbewohnt (zumindest was die Lebenden anbelangte) bis auf vereinzelte Individuen und Kannibalengruppen. Kannibalen! Jeder muss schließlich irgendwann auch mal etwas essen.
Stuart beobachtet die Männer und Frauen, die auf dem rückseitigen Balkon und der massiven Veranda des Grove Park Inn patrouillieren und versucht dabei herauszufinden, in welche Kategorie sie passen: gut oder böse. Sie alle tragen verschiedene automatische Gewehre zur Schau. Es ist keine militärische Standardausrüstung und auch kein Abhängen am hiesigen Wal-Mart. Stuart zählt nicht weniger als sechs verschiedene, hochgradig anpassbare Arten, die die in Rüstung gekleideten Männer und Frauen mit sich tragen. Die meisten sind jedoch Varianten des Ares Defense Strike.
»Dann sind es also Söldner?«, fragt Stuart.
»Nein«, antwortet John. »Denn dafür sehen sie zu einheitlich aus. Sieh dir doch mal die Ausrüstung an. Bis auf die Waffen tragen sie alle die gleichen Klamotten und die gleichen Schutzwesten. Scheiße Mann, sie tragen sogar die gleichen Stiefel.«
»Dann stecken also private Auftraggeber dahinter?«
»Das vermute ich mal«, meint John. »Du sagst, sie waren schon da, als du vor Vance und seinen Schlägern davongelaufen bist?«
»Richtig«, entgegnet Stuart. »Sie patrouillierten genau so im Inn wie jetzt. Ich hatte nur eine Minute, um sie zu beobachten, deshalb habe nicht so sehr darauf geachtet. Ich habe vermutet, dass sie mit Vance zusammen hier waren.«
»Aber offensichtlich sind sie das nicht. Das ist nicht gut.«
»Wenn sie sich im Grove Park gegen Vance und seine Leute behaupten konnten, dann sollten wir uns nicht mit ihnen anlegen«, antwortet Stuart.
»Oh, ich würde mich liebend gerne mit ihnen anlegen«, sagt John, »aber vorher müssen wir noch mehr über sie herausbekommen. Sie stinken förmlich nach privaten Auftraggebern.«
»Blackwater vielleicht?«
»Wer verdammt noch mal weiß das heutzutage schon? Es ist mir wirklich egal, wer die sind. Es interessiert mich nur, wer sie angeheuert hat.«
»Vielleicht sind sie ja auf sich allein gestellt und niemand hat sie angeheuert. Wenn ich ein privates Militärunternehmen leiten würde, würde ich all meine Ressourcen und Güter für mich allein haben wollen. Scheiß auf die Klienten. Der Z-Tag hat so einen Handel für immer verändert.«
»Es sei denn, jemand hat genug Ressourcen, wodurch sich der Job lohnt«, meint John, »und das macht mir ehrlich gesagt Angst.«
»Ja, mir auch.«
»Wir kehren besser nach Whispering Pines zurück und melden uns dort«, entgegnet John und rutscht in den Rhododendrenbüschen, in denen sie sich verstecken, langsam rückwärts. »Captain Leeds und Long Pork werden ebenfalls bald zurück sein.«
»Vielleicht«, bestätigt Stuart, »wenn sie herausgefunden haben, was an der Gastransferstation nicht gestimmt hat.«

***

Gas stinkt, Mann.
Oder um genauer zu sein: Erdgas. Wusstest du, dass sie ihm den Geruch von totem Fleisch beifügen? Auf diese Art und Weise können sie, falls einmal mitten im Nirgendwo ein Leck sein sollte, dieses Leck schnell orten, da Bussarde darüber kreisen würden. Irgendwie cool, oder?
Weißt du, was auch cool ist? Die Erdgasinfrastruktur, die ich momentan anstarre. Ich habe keine Ahnung, wonach ich eigentlich suche. Ich weiß nur, dass der Gasstrom versiegt ist und wir das Gas brauchen, um Whispering Pines wieder aufbauen zu können. Nicht eine einzige Person hat sich zurückgehalten. Alle haben mich daran erinnert, dass meine Idee vor zwei Monaten, Whispering Pines hochzujagen, höchstwahrscheinlich der Grund war, weshalb sich die Gastransferstation abgeschaltet hat. Einige Gasmangelsicherungen haben die Gaszufuhr unterbrochen und die Leitungen waren plötzlich tot. Es war das letzte Überbleibsel der post-Z Zivilisation. Alles andere hat vielleicht nicht funktioniert, aber wir haben uns zumindest darauf verlassen können, dass das Gas floss und das Wasser heiß war. Und dass die Gasöfen in diesen extrem kalten Nächten liefen.
Ja, was die Vorzüge der Apokalypse anbelangt, waren wir vielleicht ein bisschen verwöhnt in Whispering Pines. Aber jetzt sind wir es bestimmt nicht mehr. In unserem ganzen Vorort gibt es kaum noch eine einzige Wohnung. Dort gibt es nur noch Mannschaften, die den Schutt in nutzbare und nicht nutzbare Dinge sortieren. Und das alles zwischen den Attacken der Zs. Die Befestigungsanlagen, die das Viertel umgaben, waren mittlerweile beschädigt. Das bedeutet, dass die Zs die ganze Zeit hereinkommen können. Und auch dafür werde ich verantwortlich gemacht. Arschlöcher!
»Fällt dir irgendwas ein, Stanford?«, fragt mich Captain Leeds, während wir auf einem kleinen Hügel stehen und über die Transferstation hinwegschauen.
Ich bin sehr dankbar, dass er mich nicht wie jeder andere Long Porknennt. Diesen unglücklichen Spitznamen habe ich von einem Kannibalenmädchen bekommen, das ich gerettet habe. Elsbeth. Bad-Ass. Man macht Elsbeth besser nicht wütend. Sie hat mich zuerst Long Pork genannt und alle anderen haben sofort mitgemacht. Das ist ziemlich ätzend. Weißt du warum? Weil Long Pork eigentlich eine Umschreibung für menschliches Fleisch ist, das auf dem Teller von Kannibalen landet.
»Mir geht gerade vieles durch den Kopf, Captain«, sage ich und schaue auf die Rohrleitungen und die Geräte vor mir. »Aber nichts Nützliches, fürchte ich. Ich weiß nämlich überhaupt nichts über Erdgasleitungen.«
»Critter?«, fragt Leeds und wendet sich dem älteren, schlaksigen und drahtigen Mann neben uns zu. »Irgendwelche Erfahrungen damit?«
»Keine, fürchte ich«, sagt Critter, während er sich ungezwungen am Sack kratzt. »Long Pork hat diesen Scheiß verkackt. Wir brauchen hier einen Experten.«
»Du hast wohl nicht zufällig einen in deiner Bodensenke, oder?«, fragt Leeds. »Vielleicht einer deiner Kunden, die Glückspiel betreiben oder trinken?«
»Ich nenne sie nicht Kunden«, sagt Critter. »Ich bevorzuge die Bezeichnung Trottel. Während der Apokalypse ist es nicht notwendig, ein Blatt vor den Mund zu nehmen.«
»Na gut«, sagt Leeds lächelnd. »Kennt sich einer dieser Trottel mit Erdgas aus?«
»Wäre möglich«, meint Critter, zuckt mit den Achseln und studiert dann die Gastransferstation, »aber ich wüsste nicht wer. Vielleicht sollten wir mal reingehen und nachsehen, ob dort irgendein Schalter ist, den wir betätigen können. Es könnte vielleicht etwas ganz Einfaches sein.«
»Das würde ich mir wünschen«, sage ich. »Aber nichts ist jemals einfach.«
»In der Regel ist es das schon für mich«, erwidert Critter lächelnd, »aber dann vermeide ich auch all die harte Scheiße. Das grenzt die Optionen deshalb ziemlich schnell ein.«
»Das ist natürlich auch eine Art durchs Leben zu gehen«, antwortet Leeds grinsend.
Captain Walt Leeds ist der kommandierende Offizier von ODA Cobra, einem US Army Special Forces Team aus Fort Bragg, das gerade eine Trainingsübung absolvierte, als der Z-Tag eintrat. Sie blieben am Leben und versteckten sich während der gesamten Apokalypse, bis sie irgendwann auf mich trafen. Zwei von Leeds Männern, Weapons Sergeant Danny Stick Kim und Engineer Sergeant Dale Cob Corning, waren getötet worden, als sie meinen Arsch in Whispering Pines gerettet hatten. Das ist allein meine Schuld. Dafür übernehme ich die volle Verantwortung; und das werde ich für den Rest meines Lebens.
»Jungs«, sagt Critter und wendet sich einer Gruppe Männer zu, die an der Seite stehen. »Wie wäre es, wenn ihr einmal da runter geht und euch um diese Zs kümmert? Macht das Tor auf und wir sind dann bald unten.«
Die meisten Männer sahen so aus, als würden sie rostige Nägel fressen und es lieben, sie blinzelten nicht einmal bei dem Befehl, den Critter ihnen gegeben hatte. Wenn sie es getan hätten, würden sie auch nicht lange überleben. Nicht bei Critter. Er ist ein guter Kerl, versteht mich nicht falsch, aber auch schon vor dem Z-Tag ist er kein Moralapostel gewesen. Und jetzt? Sagen wir einfach, er hat nicht die Zeit oder Geduld für jemanden, der seine Zeit oder seine Geduld verschwenden will.
Wir beobachten, wie die Männer zu Fuß den grasbewachsenen Hügel hinunter auf den Schwarm Zs zugehen, der die Transferstation umgibt. Habe ich den Geruch nach totem Fleisch schon erwähnt? Das ist nicht allzu hilfreich, wenn die Welt gerade von Untoten überrannt wird, die nach Fleisch hungern. Da es innerhalb des Zauns keinerlei Bewegungen oder Geräusche gibt, werden die Zs nicht wild. Der Geruch zieht sie einfach nur an. Dann stehen sie da, starren zwischen dem Maschendraht hindurch und warten.
Obwohl Pistolen an ihren Holstern hängen, nutzen die Männer nur Nahkampfwaffen: Brechstangen, Rohrstücke, Baseballschläger und Macheten. Ich habe meinen eigenen Baseballschläger, den ich liebevollDas Miststück nenne. Früher gehörte er Elsbeth, aber sie hat ihn mir gegeben, nachdem ich meinen verloren hatte. Wir dachten, Das Miststück sei ebenfalls verloren gegangen, aber wir fanden ihn in den Trümmern von Whispering Pines wieder. Das Holz war ein bisschen verbrannt, aber mit den Stahlspitzen, die durch das Ende getrieben waren, war er immer noch tödlich wie die Hölle.
Die Männer verteilen sich nun, um den Schwarm Zs herum. Es dauert nicht allzu lange, bis die Dinger bemerken, dass sich frisches Fleisch hinter ihnen befindet. Einer dreht sich um, dann ein weiterer und schließlich tun es alle. Ihre verwesenden Körper bewegen sich ruckartig, als sie auf die Männer zuschreiten. Dies sind keine schnellen Zs wie in den klassischen Zombiefilmen. Das sind welche der torkelnden Art. Langsam und leicht zu pflücken; sie werden einem nicht gefährlich, es sei denn, es sind eine ganze Menge von ihnen oder man wird unachtsam und einer von ihnen schleicht sich an.
Das ist allerdings kein Problem für Critters Männer. Denn diese Jungs sind Profis. Seit dem Z-Tag töten sie nun schon Zs und sie sind verdammt gut darin. Ich beobachte, wie einer der Männer auf ein Knie sinkt und so tut, als sei er verwundet. Der ganze Schwarm stürzt sich daraufhin auf ihn, weil sie ihn als leichte Beute betrachten. Systematisch nehmen die anderen nun den Schwarm auseinander und zertrümmern und durchbohren in einem wohlüberlegten Muster Schädel. Dadurch teilen sie den Schwarm in kleinere Gruppen auf, die man besser im Griff hat. Gruppe für Gruppe dezimieren die Männer die Zs, bis nur noch ein paar von ihnen übrig sind. Sie knirschen mit den Zähnen, als die Männer sie umzingeln.
Ich schwöre, ich sehe fast so etwas wie Angst in ihren Augen, aber das ist in Wirklichkeit nur die graue Fäulnis, die einen Schleier auf die Augäpfel legt. Zs sind tot; da ist nichts mehr, das Angst kennt, Glück, Liebe oder Verlust. Sie sind lediglich leere, fleischfressende Monster. Sie niederzustrecken ist eigentlich nur ein Akt der Gnade, schließlich waren sie einmal menschlich.
»Sauber«, ruft einer der Männer nun aus.
Ich schaue mich sofort um, denn ich bin besorgt, dass seine Stimme noch mehr Zs anlocken könnte, aber nach ein paar Augenblicken ist offensichtlich, dass wir allein in der Gegend sind. Fürs Erste zumindest.
»Was zum Teufel …?«, sagt nun ein anderer Mann, als er am Maschendrahtzaun angelangt ist. »Die Scheiße ist verschlossen!«
»Das ist merkwürdig«, entgegnet Critter, während wir den Hügel hinuntergehen. »Wer würde denn dort hingehen und so dummes Zeug machen?«
»Das ist eine sehr gute Frage«, antwortet Leeds, »und ich möchte unbedingt eine Antwort darauf.«
»Vielleicht hat Vance es ja verschlossen, bevor er starb«, werfe ich ein.
»Du meinst, bevor du eine Spitzhacke in seinen Schädel gerammt hast?«, erwidert Critter lachend. »Ehre, wem Ehre gebührt, Junge. Schäm dich nicht für deine Fertigkeiten. Sie sind schließlich alles, was wir in dieser verdammten Apokalypse noch haben.«
»Ja, das hast du schon mal gesagt«, sage ich. »Aber ich bin trotzdem nicht stolz darauf. Zs töten ist eine Sache, aber Menschen töten? Selbst Menschen, die es verdienen? Das liegt einem etwas schwerer im Magen.«
»Das sollte es ja auch«, bestätigt Leeds. »Ein Leben zu nehmen ist schließlich keine beiläufige Sache.«
Critter zuckt mit den Achseln. »Ihr beide könnt euch später gerne noch umarmen. Aber wie wäre es, wenn wir jetzt erst einmal durch den Zaun gehen und sehen, was wir dort finden?«
Einer der Männer holt einen Bolzenschneider hervor und schneidet die Kette durch, wodurch das Vorhängeschloss auf den Bürgersteig fällt. Dann schieben sie das Tor auf und wir gehen zum Betongebäude, in dem die Bedienelemente der Transferstation untergebracht sind. Fenster umrahmen den Mauerabsatz, damit etwas natürliches Licht ins Innere fallen kann, aber davon abgesehen ist dort nur massiver Beton und die Stahltür. Critter versucht die Türklinke herunterzudrücken, doch die Tür ist verschlossen.
»Verdammt«, ruft Critter. »Wer hat den Hammer?«
Einer der Männer tritt jetzt mit einem Schlüsselring und einem Hammer vor. Ich habe wirklich versucht, ihre Namen zu lernen, aber Critter hat deswegen nur die Stirn gerunzelt. Er hat gesagt, dass er wolle, dass seine Jungs von dem Rest von uns unabhängig sind, falls er uns alle irgendwann mal töten muss. Ich bin mir zu fünfundsiebzig Prozent sicher, dass er nur einen Scherz gemacht hat.
Der Typ steckt nun einen Schlüssel hinein und schlägt mit dem Hammer darauf herum, während er ihn dreht. Nach drei Versuchen schafft er es tatsächlich, die Tür zu entriegeln.
Leider ist er somit auch der Erste in der Reihe, als die Zs aus dem Gebäude platzen und auf uns losgehen. Der Mann fällt zu Boden und die gezackten Zähne eines Zs in Postuniform reißen ihm die Kehle auf. Er schreit und schiebt das Monster weg, aber dabei wird auch die Hälfte seines Halses mitgerissen. Hautlappen hängen nun zwischen den Zähnen der Kreatur. Blut spritzt in alle Richtungen, wodurch auch noch der Rest der Zs in Rage gerät. Bald werden noch mehr kommen, denn Zs können frisches Blut meilenweit riechen.
»Fuck!«, brüllt Critter, während er einem Z mit seiner Machete den Kopf abschlägt. Der Körper fällt zur einen, der Kopf zur anderen Seite. Die Zähne des Zs knirschen immer noch. Critter tritt den Kopf an die Seite, aber er wird zu einem späteren Zeitpunkt bestimmt zu ihm zurückkommen.
Leeds hält einen stählernen Teleskopschlagstock, dessen Ende geschärft worden ist, in den Händen. Diesen lässt er nach vorne schnellen, wodurch er komplett ausfährt und dann einrastet. Leeds weicht nun einem Z aus, dann rammt er einem anderen das angespitzte Ende des Schlagstocks ins Auge. Das Ding hört auf, sich zu bewegen, und fällt um, als Leeds den Schlagstock wieder herausreißt. Danach wirbelt er herum und fertigt den Z ab, dem er gerade ausgewichen ist. Anschließend sinkt er auf ein Knie und lässt einen weiteren Z über sich fallen. Das Ding kommt hart auf dem Boden auf und macht einen Purzelbaum.
Ich habe dieses Wort immer sehr gerne gemocht. Ich muss meine Frau Stella mal fragen, woher es wohl kommt. Denn sie ist Lehrerin und wird es wahrscheinlich wissen.
»Jace!«, schreit Critter, als plötzlich drei Zs auf mich zukommen. »Krieg deinen Arsch hoch!«

Weitere Titel der Serie …