Buchcover:

Versunken

von Cheryl Kaye Tardif

»VERSUNKEN liest sich wie ein herannahender Sturm, voller Dunkelheit, Schrecken und Elektrizität. Bereiten Sie sich auf eine Gänsehaut vor.« [Andrew Gross, New York Times Bestseller-Autor von 15 Seconds]

INHALTSBESCHREIBUNG


Zwei Fremde, zwei Schicksale, eine Angst.

Kummer und Verlust sind Marcus Taylors tägliche Begleiter geworden. Erst verlor er durch einen tragischen Autounfall seine Frau und seinen Sohn, wenig später durch Depressionen und Tablettensucht auch noch seine vielversprechende Karriere als Rettungssanitäter. Nun arbeitet er als Telefonist in der Notfallzentrale – für ihn der einzige Weg, etwas von seiner Schuld zurückzuzahlen. Bis er einen Anruf bekommt. Von einer Frau, die in ihrem Auto eingeschlossen ist …

Rebecca Kingston sehnt sich nach diesem Wochenendausflug, an dem sie in Ruhe über die drohende Scheidung von ihrem gewalttätigen Ehemann nachdenken will. Doch als sie ein mysteriöser Lastwagen von der Straße und in einen Fluß abdrängt, findet sie sich eingeklemmt hinter dem Lenkrad ihres Wagens wieder. Weder kann sie sich befreien, noch ihren beiden Kindern auf der Rückbank helfen. Ihr einziger Rettungsanker ist ihr Handy, dessen Batterie zur Neige geht, und die beruhigende Stimme eines Fremden, der ihr verspricht, dass alles gut werden wird …

Prolog


In der Nähe von Cadomin, Alberta – Samstag, den 15. Juni 2013 – 00:36 Uhr

 

An den Gestank des Todes gewöhnt man sich nie. Marcus Taylor kannte den Geruch nur zu gut. Er hatte schon die Ausdünstungen von verbranntem Fleisch, verrottetem Fleisch sowie krankem Fleisch eingeatmet. Lange, nachdem man ihn von der Leiche weggeholt hatte, roch er immer noch danach.

Die Erinnerung an die grauen Gesichter und blauen Lippen seiner Frau und seines Sohns schwappten wieder über ihn.

Jane … Ryan.

Zum Glück gab es an diesem Abend keine Leichen. Der einzige Geruch, den er identifizieren konnte, war der, der nassen Prärie und der dumpfen Atmosphäre nach dem Gewitter und dem Geruch des Flusses.

»Also, was ist passiert, Marcus?«

Die Frage kam von Detective John Zur, einem Polizisten, den Marcus noch von früher kannte. Von damals, bevor er sein sicheres Einkommen und seine angesehene Karriere für etwas eingetauscht hatte, das ihn geistig und körperlich kaputtmachte.

»Komm schon«, drängte ihn Zur. »Sag etwas. Und zwar die Wahrheit.«

Marcus war äußerst gut darin, manche Dinge nicht ans Licht kommen zu lassen. Das war schon immer so gewesen. Aber es war unmöglich zu verheimlichen, warum er gerade nass bis auf die Knochen war und am Ufer eines Flusses im Nirgendwo stand.

Er warf einen kurzen Blick auf den Fluss und versuchte zu erkennen, wo das Auto genau untergegangen war. Auf der Wasseroberfläche waren nur kleine Wellen zu sehen. »Du siehst doch, was passiert ist, John.«

»Du bist einfach so vom Schreibtisch weg. Angesichts deiner Vergangenheit nicht gerade eine rationale Entscheidung.«

Marcus schüttelte den Kopf. Er hatte immer noch den Geschmack des Flusses im Mund. »Nur, weil ich mal etwas Unerwartetes mache, falle ich doch nicht gleich in alte Gewohnheiten zurück.«

Zur musterte ihn eingehend, sagte aber nichts.

»Ich musste einfach etwas tun, John. Ich musste versuchen, sie zu retten.«

»Dafür gibt es doch den Notruf. Du bist kein Sanitäter mehr.«

Marcus' Blick wanderte wieder über den Fluss. »Das weiß ich. Aber ihr ward überall unterwegs und irgendwer musste doch nach ihnen suchen. Es war schließlich nicht mehr viel Zeit.«

Über ihnen zersplitterte ein Blitz den Himmel und Donner krachte laut.

»Verdammt noch mal, Marcus, das war gegen die Vorschriften!«, rief Zur. »Du weißt ganz genau, wie gefährlich so eine Aktion ist. Wir hätten jetzt auch genauso gut vor vier Leichen stehen können!«

Marcus schaute ihn finster an. »Statt nur drei, oder was?«

»Du weißt doch, wie das funktioniert. Schließlich gibt es einen Grund, warum wir immer als Team arbeiten. Jeder von uns braucht Unterstützung. Selbst du.«

»Alle Rettungsteams waren woanders unterwegs. Mir blieb keine andere Wahl.«

Zur seufzte. »Wir kennen uns jetzt schon so lange. Ich weiß, dass du getan hast, was du für richtig hältst. Aber das hätte sie alle das Leben kosten können. Und dich wird es vermutlich deinen Job kosten. Warum riskierst du so viel für eine Wildfremde?«

»Sie war keine Fremde.«

Marcus wurde sich in den Moment, als er es sagte, bewusst darüber, wie wahr diese Behauptung war. Er wusste mehr über Rebecca Kingston als über alle anderen Frauen. Abgesehen von Jane.

»Du kennst sie?«, fragte Zur überrascht und runzelte die Stirn.

»Sie hat mir alles Mögliche erzählt und ich ihr auch. Von daher – ja, ich kenne sie.«

»Ich kapiere immer noch nicht, warum du nicht einfach in der Zentrale geblieben bist und uns das erledigen hast lassen.«

»Sie hat mich angerufen.« Marcus schaute seinem Freund in die Augen. »Mich. Nicht dich.«

»Das verstehe ich ja, aber das ist doch schließlich auch dein Job. Zuzuhören und die Informationen weiterzugeben.«

»Du verstehst überhaupt nichts. Rebecca war völlig außer sich. Sie hatte panische Angst um sich und um ihre Kinder. Niemand wusste genau, wo sie waren, und ihr blieb nicht mehr viel Zeit. Wenn ich es nicht zumindest versucht hätte – was für ein Mensch wäre ich dann, John?« Er biss die Zähne zusammen. »Damit hätte ich nicht leben können. Nicht noch einmal.«

Zur atmete langsam aus. »Manchmal kommen wir einfach zu spät. Das passiert.«

»Aber ich wollte nicht, dass es dieses Mal passiert.« Marcus dachte an die Vision, in der er Jane mitten auf der Straße hatte stehen sehen. »Ich hatte ein … Gefühl, das ich nah dran war. Und als Rebecca sagte, dass Colton gerade fliegende Schweine gesehen hatte, fiel mir dieser Platz wieder ein. Jane und ich haben hier früher von dem Besitzer Rippchen und Koteletts gekauft. Vor sieben Jahren haben sie dann aber dichtgemacht.«

»Und dadurch hast du also die Farm gefunden.« Zurs Stimme wurde sanfter. »Gut, dass dein Gefühl gestimmt hat. Dieses Mal. Aber nächstes Mal hast du vielleicht nicht so viel Glück.«

»Es wird kein nächstes Mal geben, John.«

In Zurs Mundwinkeln zuckte ein Grinsen. »Mhm.«

»Wird's nicht geben.«

Zur zuckte nur mit den Achseln und ging zum Rettungswagen.

Marcus stand unter dem wilden Himmel am Ufer des Flusses. Tränen strömten über sein Gesicht. Die Ereignisse der Nacht hatten ihn wie ein Schlag in den Magen getroffen. Eine Welle von Erinnerungen schwappte plötzlich über ihn. Der erste Anruf, Rebeccas panische Stimme, das Weinen von Colton im Hintergrund. Er kannte diese Art von Angst. Er hatte sie auch schon gespürt. Aber das letzte Mal war es auf einer anderen Straße mit einer anderen Frau und einem anderen Kind gewesen.

Er schüttelte den Kopf. Er durfte jetzt nicht an Jane denken oder an Ryan. Er durfte nicht darüber nachdenken, was er alles verloren hatte. Er musste sich auf das konzentrieren, was er gefunden hatte, und was er in der gesichtslosen Stimme entdeckt hatte, die ihn getröstet und ihm gesagt hatte, dass es in Ordnung war, loszulassen.

Er warf einen Blick auf die Armbanduhr. Es war bereits nach Mitternacht, 00:39 Uhr, um ganz genau zu sein. Er konnte fast nicht glauben, wie sehr sich sein Leben in kaum mehr als zwei Tagen verändert hatte.

»Marcus!«

Er drehte sich um …

Ende der Leseprobe

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