THE END 3: ZUFLUCHT

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G. Michael Hopf

ENDZEIT-THRILLER

Band 3
Serie: The End

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Beschreibung


Die Angriffe zu überleben bedeutet mehr, als sie sich jemals hätten vorstellen können …

Monate, nachdem ein Super-EMP-Angriff die Vereinigten Staaten verwüstete, ist das Land nicht mehr wiederzuerkennen. Alle großen Städte sind in der Hand von marodierenden Banden, während die Überlebenden Hungers sterben und die Regierung machtlos gegen die Gesetzlosigkeit im Land ist. Diejenigen, die glaubten, auf das Ende vorbereitet zu sein, müssen nun feststellen, dass sie niemals vorbereitet waren.

Während einige nach Rache dürsten, für die Verluste, die sie erleiden mussten, sind andere entschlossen, die Nation wieder aufzubauen. Gordon, Samantha, Sebastian, Barone, Connor und Pablo – sie alle befinden sich auf verschiedenen Wegen heraus aus dem Chaos, in eine neue Heimat. Sie alle sind auf der Suche nach einer Zuflucht.


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Zusätzliche Information

Ersterscheinung

2014

Format

Klappenbroschur / Ebook (epub, mobi)

Seiten

352

ISBN

978-3-95835-022-9

eISBN

978-3-95835-023-6

Leseprobe


18. Oktober 2066

 

Olympia, Washington, Republik Kaskadien

Haley öffnete die Augen und schaute auf den Wecker, der neben ihr auf dem Nachttisch stand. Das grün fluoreszierende Zifferblatt der Uhr zeigte 7:18 Uhr an. Frustriert von einer weiteren schlaflosen Nacht blickte sie zum heller werdenden Horizont im Osten und vergaß für einen Moment das beklommene Gefühl, mit dem sie insgeheim lebte. Sie wollte ihre Augen nicht abwenden, weil sie befürchtete, die ersten Sonnenstrahlen des Tages zu verpassen.
  Wenn morgens kein typischer Nebelschleier über der Stadt hing, waren die Sonnenaufgänge atemberaubend. In solchen Momenten konnte sie die einfachen Freuden des Lebens genießen, das jetzt ganz anders war als in ihren jungen Jahren. Sie fragte sich oft, für wie selbstverständlich die Menschen in der alten Zeit ihr Leben gehalten haben mochten, und ob sie wohl gedacht hatten, der Alltag, den sie gewohnt waren, könne nie enden. Sie jedoch wusste nun, und zwar nicht nur aus eigener Erfahrung, sondern auch anhand dessen, was die Geschichte sie gelehrt hatte, dass nichts ewig währte. Das Leben und insbesondere der Tod waren wesentliche Aspekte des menschlichen Daseins. Sie hatte genug vom Tod gesehen, mehr als sie jemals wieder erleben wollte, wusste aber auch, dass der Friede in der Form, wie er jetzt in ihrem Land herrschte, eines Tages enden würde.
Das dunkelorange-farbene Licht der aufgehenden Sonne strahlte über den Horizont und erhellte ihr spartanisch eingerichtetes Schlafzimmer. Ihr Schlittenbett stand parallel zu dem breiten Fenster. Dem Bett gegenüber auf der anderen Seite stand ein alter Kleiderschrank, groß wie ein Monolith; er ragte über sechs Fuß hoch in den Raum. Sie zog sich die dicke Federdecke bis ans Kinn und schaute dabei zu, wie Mutter Natur einen neuen Tag gebar.
Das Brummen des Trucks, der ihre Auffahrt hinunterrollte, riss sie zurück in die Gegenwart. Der Mann vom Lebensmittelladen vor Ort lieferte ihre wöchentliche Bestellung: Eier, Milch, Butter und Sahne. Sie drehte sich auf den Rücken und schaute an die Zimmerdecke.
John wollte am späten Morgen kommen, um sein Interview fortzuführen. Ihr graute davor. Das ganze Wochenende lang hatte sie sich gefragt, warum sie überhaupt zugestimmt hatte, diese Befragungen über sich ergehen zu lassen. Die Vergangenheit war schmerzlich genug – ihre Erinnerungen breittreten zu müssen, holte jene fernen Momente nur in die Gegenwart. An einige der Menschen, die während ihrer frühen Kindheit Teil ihres Lebens gewesen waren, hatte sie vor Jahren zum letzten Mal gedacht. Die Aussicht darauf, sich abermals öffnen zu müssen, überwältigte Haley.
Sie fragte sich nicht zum ersten Mal, warum sich ihr Vater damals die Zeit genommen hatte, um ihr seine gesamte Lebensgeschichte zu erzählen. Nie würde sie jenen Wintertag vergessen, an dem er sich zu ihr gesetzt und geschildert hatte, wie alles begonnen hatte, wie die Gesellschaft auseinandergebrochen und wieder zusammengekommen war. Einige Einzelheiten verfolgten sie bis zum heutigen Tag.
Ihr knurrender Magen bewog sie letztlich dazu aufzustehen und ihren Tag zu beginnen. Außerdem freute sie sich auf ihre morgendliche Routine. Sie konnte nicht genau bestimmen, ob sie den frisch aufgebrühten Kaffee aus doppelt gerösteten Bohnen oder das leicht getoastete Roggenbrot, bestrichen mit einer dicken Messerspitze gesüßter Butter lieber mochte, aber so oder so konnte sie keinen Tag ohne beides antreten.
Blind griff sie zu ihrem Teekessel aus Edelstahl und füllte ihn mit gefiltertem Wasser aus einem Fünf-Gallonen-Kanister, den sie in ihrer Speisekammer aufbewahrte. Frisches, sauberes Wasser war ein kostbares Gut. Nach dem großen Zusammenbruch waren viele Systeme, die die Gemeinden mit Trinkwasser versorgt hatten, mitsamt der Infrastruktur zusammengebrochen. Selbst nach jahrzehntelangem Wiederaufbau waren nur wenige instand gesetzt beziehungsweise den Standards angeglichen worden, die das Volk zuvor gewöhnt gewesen war. Olympias kommunale Wasserversorgung litt immer noch unter Kinderkrankheiten, weshalb Haley nicht darauf vertraute. So hatte sie vor Jahren ein Filtersystem in ihr Haus bauen lassen, zog es aber trotzdem weiterhin vor, sich jede Woche Trinkwasser von einem Betrieb liefern zu lassen, der ein kleines Reservoir 15 Meilen außerhalb der Stadt unterhielt.
Obwohl sie bereits vor dem Stromausfall auf der Welt gewesen war, fiel es ihr schwer, sich an die Bequemlichkeiten zu erinnern, an die sich ihre Eltern immer gern erinnert hatten: frisches, leicht erhältliches Obst, unterschiedliche Fleischsorten, verlässliche Elektrizität, Reisefreiheit und vor allem unverdorbenes Wasser. Sie wusste, die Art und Weise, wie die Menschen Wasser jetzt behandelten und wertschätzten, hob sich deutlich von der Zeit vor alledem ab. Als das Wasser aufgehört hatte, ganz einfach überall zu fließen, war mit ihm auch das ordentlich gepflegte Landschaftsbild verschwunden. Jene malerischen Szenen von saftig grünen Rasen und immerzu blühenden Beeten waren durch Gärten mit widerstandsfähigen Pflanzen ersetzt worden. Mit dem wenigen Wasser, das die Menschen zugeteilt bekamen, gingen sie sparsam und produktiv um, damit ihre Grundlage gesichert war. Haley fand Blumen und Grasflächen ums Haus durchaus hübsch, aber sinnvoll waren sie nicht. Nachdem sie die Entbehrungen in der Zeit nach den Anschlägen und dem Großen Bürgerkrieg erlebt hatte, war sie stets auf alles vorbereitet. Nicht wenige in Kaskadien teilten ihre pragmatische Ansicht. Kaum jemand baute auf die Regierung, geschweige denn seine Mitmenschen, wenn es um persönlichen Schutz ging. Eine ganze Generation hatte ihren Nachkommen beigebracht, selbstständiger zu sein und autark zu leben.
Das Pfeifen des Kessels lenkte sie ab. Sie goss das kochende Wasser über den fein gemahlenen Kaffee in der Stempelkanne, woraufhin ihr das starke, leicht rauchige Aroma in die Nase drang. Allein dieser Duft versüßte ihr den Tag. Sie machte sich auf den Weg zur Haustür, um die Milchprodukte hereinzunehmen, die dort abgestellt worden waren. Von der kühlen Sahne würde sie gleich etwas in ihren heißen Kaffee geben.
Als sie die Tür öffnete, war sie überrascht, einen Mann vor sich zu sehen. Er hatte sein Gesicht von ihr abgewandt.
»Kommst du, um das hier zu holen?«, fragte er, indem er einen Korb mit den Lebensmitteln hochhielt, die sie brauchte. Sie erkannte seine Stimme sofort, konnte es aber kaum fassen.
»Hunter? Hunter, bist du das? Oh mein Gott, du bist es!« Haley schrie praktisch. Sie packte ihren Sohn und umarmte ihn. Während sie ihn fest drückte, sagte sie: »Mein Junge! Wie geht es dir? Ich kann nicht glauben, dass du hier bist!«
»Mom, hi. Äh, Mom, du erwürgst mich und machst die Eier kaputt«, erwiderte Hunter.
»Tut mir leid, ich bin nur so überrascht, dich zu sehen. Hätte ich das gewusst, hätte ich Eier Benedikt vorbereitet.« Haley strich ihm übers Haar. Sie umarmte ihn immer noch innig, fast als fürchte sie sich davor, ihn loszulassen.
»Tut mir leid, dass ich nicht angerufen habe, doch ich wollte dich überraschen«, erklärte Hunter.
Sie entzog sich und schaute in seine blauen Augen.
Hunter Rutledge war ihr ältester Sohn. Mit sechs Fuß und zwei Zoll war er ein großer Mann mit braunem Haar und den aufgeweckten Augen, die so typisch für die Van Zandts waren. Haley erkannte ihren eigenen Vater in ihm.
»Komm rein, bevor du dich noch erkältest«, forderte sie ihn auf und führte ihn ins warme Haus.
»Ich wollte dich nicht erschrecken, Mom, aber dein Timing war unheimlich. Ich hob den Korb auf und wollte gerade klopfen, als du die Tür aufgemacht hast.« Hunter redete mit leicht nasaler Stimme; im Zuge der kalten, feuchten Luft war er ein wenig verschnupft. Sie nahm ihm den Korb ab und eilte zurück in die Küche. »Willst du eine Tasse frischen Kaffee?«, rief sie.
»Sicher, klingt gut«, antwortete er, als er seine Jacke auszog. Dann ging er ins Wohnzimmer und schaute sich um. Sein letzter Besuch bei seiner Mutter war lange her. Das Haus, in dem sie jetzt wohnte, kannte er nicht. Sie war vor ein paar Jahren nach dem Tod seines Vaters hier eingezogen. Müde von seiner langen Reise nahm er auf einem Zweisitzer im viktorianischen Stil Platz.
Haley huschte in den Raum, stellte die Kaffeetasse vor ihm auf den Tisch und drehte sich wieder um, um noch einmal in die Küche zu gehen. Nachdem sie ein paar Schritte getan hatte, wandte sie sich ihm erneut zu. »Du trinkst deinen Kaffee immer mit Sahne, richtig?«
»Ach ja. Danke, Mom.«
Er sah, wie der Dampf aus der Tasse stieg, nippte daran und grinste. Der kräftige Geschmack des Kaffees tat gut.
Haley kam wieder herein und setzte sich ihm gegenüber hin. Sie unterhielten sich über Hunters Reise, und Haley merkte, wie nervös sie war, weil sie von seinem Besuch überrascht worden war. Über viele Geheimnisse, die sie John für das Interview anvertraute, hatte Haley ihrer Familie gegenüber kein Sterbenswort verloren. Um alles mit ihren Söhnen zu teilen, würde es eine richtige Zeit und einen passenden Ort geben, doch noch fühlte sie sich nicht bereit. Hunters Anwesenheit bedeutete nun jedoch, dass es eher früher als später geschehen musste.
»Mom, ist alles in Ordnung?«, fragte er mit leicht besorgtem Unterton. Wenngleich er seine Mutter lange nicht gesehen hatte, kannte er sie gut, um zu wissen, dass ihr etwas Sorgen bereitete.
»Ja, alles gut, ich bin nur glücklich, dich zu sehen! Mich verblüfft immer noch, dass du hier bist«, entgegnete sie heiter.
»Bist du sicher?«
»Ich muss gestehen, ich kann kaum glauben, dass du gekommen bist. Dich zu sehen, macht alles so viel schöner.« Haley grinste über beide Ohren.
»Mom, was ist los?«, beharrte er. Sein Tonfall war sanfter geworden. Er stand auf und rückte einen Sessel dicht zu ihr.
Sie nahm seine Hand. »Oh Hunter, mach dir keine Gedanken um mich. Ich will von dir hören! Wie lange kannst du bleiben?«
»Der Botschafter ist wegen eines kurzerhand anberaumten, außerordentlichen Treffens hier, und morgen Abend brechen wir wieder auf.«
»Ich begreife nach wie vor nicht, warum du eine Stelle bei der Republik Texas angenommen hast, wo du doch leicht hier einen Job bekommen hättest.« Haleys Stimme verhehlte ihre anhaltende Enttäuschung nicht.
»Geht das schon wieder los?«
Sie erkannte seine Gereiztheit und wählte rasch eine andere Gesprächsrichtung: »Wie stehen die Dinge in Texas?«
»Gut. Doch, wirklich, uns geht es bestens dort unten.«
»Bist du auch weiterhin in Sicherheit?«
»Wir sind dort so sicher wie irgend möglich. Die ganzen Spannungen sind mehrere Stunden weit entfernt. In Austin ist es genauso sicher wie in Olympia«, betonte er.
»Schatz, ich bin nicht von gestern und lese die Zeitung! Außerdem hast du wohl nicht vergessen, dass dein Cousin Brian für den Präsidenten arbeitet, oder? Das bedeutet, nichts geschieht, ohne dass ich Wind davon bekomme. Man erzählt mir ausführlich, was dort unten vor sich geht.« Haley starrte ihn an, bevor sie einen kräftigen Schluck Kaffee nahm.
»Mein Auftrag in Texas ist bedeutsam. Die Republik so gut wie möglich zu unterstützen, steht für uns an erster Stelle. Das sind unsere Verbündeten, und ohne sie steht nicht viel zwischen uns und …«
»Ich kenne die Kernfragen«, unterbrach Haley. »Aber ich bin den Krieg furchtbar leid.«
»Diese Arbeit ist wichtig.«
»Das weiß ich, Sohn, glaub mir«, beteuerte sie und wechselte das Thema: »Irgendetwas Neues von deinem Bruder Sebastian?«
»Nein, ich habe seit Monaten nichts von ihm gehört.«
»Ich auch nicht. Er macht mir Sorgen«, gestand sie und zwang sich zu einem Lächeln. »Muss an dem verdammten Blut der Van Zandts liegen, das auch durch deine Adern fließt. Es treibt die Männer der Familie dazu an, sich auf- und davonzumachen.«
»Großvater ist schuld daran, richtig?«
»Interessant, dass du ihn erwähnst.« Sie machte es sich in ihrem Sessel bequem. »Ich möchte ehrlich zu dir sein: Mit mir ist nicht alles in Ordnung.«
Er wurde kreidebleich. »Was hast du?«
  Sie holte tief Luft. »Vor ein paar Wochen wurde mir angeboten, ein in die Tiefe gehendes Interview zu führen – über Großvater und Nana, deinen Onkel Sebastian, alles.« Sie hielt inne und räusperte sich. »Ich habe mich einverstanden erklärt. Die erste Sitzung fand letzten Freitag statt. Das klingt jetzt vielleicht erbärmlich, aber es war … viel anstrengender als gedacht, nicht weil ich über schwierige Zeiten spreche, sondern mir vorgenommen habe, ausnahmsweise offen zu sein und der Welt zu erzählen, was wirklich geschah. Dadurch bietet sich mir nicht nur die Gelegenheit, die Geschichte unseres Landes wiederzugeben; es ist auch eine Chance, den Werdegang unserer Familie zu beschreiben … so, wie es tatsächlich passiert ist.«
  »Gut für dich, Mom!«, rief Hunter begeistert. Dann fügte er ernster hinzu: »Es mag anstrengend sein, aber auch wichtig.«
Sie nickte und sprach weiter: »Ich glaube, dass ich jahrelang bewusst bestimmte Teile meiner Erinnerung abgeschaltet habe, doch jetzt ist mir klar, weshalb sich dein Großvater vor langer Zeit mit mir zusammensetzte. Er wollte, dass ich in der Lage bin, diese Geschichte zu erzählen. Wahrscheinlich sah er es kommen.« Sie machte eine Pause. »Er hat es schon immer gewusst.«

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