SURVIVOR: GRAHAMS PRÜFUNG

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A.R. Shaw

POSTAPOKALYPTISCHER THRILLER

Band 1
Serie: Survivor

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Inhalt


Es geschieht, was die Welt am meisten fürchtet: Ein mutiertes Vogelgrippe-Virus (H5N1) löst eine weltweite Pandemie aus, die den Planeten verwüstet und die Menschheit fast ausrottet. Nur zwei Prozent der Weltbevölkerung überleben.
Eine sterbende Mutter weiß, dass ihr kleines Kind zu den wenigen gehört, die immun gegen das Virus sind. Was kann sie tun, um das Überleben ihres Kindes zu sichern, bevor ihr nahender, tragischer Tod eintritt?

Währenddessen trägt Graham das letzte Familienmitglied zu Grabe. Dem Rat seines Vaters folgend begibt er sich in die Wildnis, zur Blockhütte der Familie, und durchlebt dabei Triumphe und Tragödien. Wieder und wieder muss er sich anpassen, um zu überleben. Gerade als er das Gefühl hat, diese neue Welt endlich in den Griff zu bekommen, überrascht ihn die Nachricht, dass er nicht allein ist. Eine versteckte, aber verwundbare Gemeinschaft von Preppern (1) lebt in der Nähe. Wird er die Kraft haben, den Gefahren zu begegnen und zu überleben? Und noch wichtiger: Wird er in der Lage sein, die ihm Anvertrauten zu beschützen?

(1) »Prepper« bezeichnet Personen, die sich mittels individueller Maßnahmen auf jedwede Art von Katastrophe vorbereiten: durch Einlagerung von Lebensmittelvorräten, die Errichtung von Schutzbauten oder Schutzvorrichtungen an bestehenden Gebäuden, das Vorhalten von Schutzkleidung, Werkzeug, Waffen und anderem. Dabei ist es unwichtig, durch welches Ereignis oder wann eine Katastrophe ausgelöst wird. Viele Themen der Prepper überschneiden sich mit denen der Survival-Szene. [Quelle: Wikipedia]


Weitere Informationen

Ersterscheinung

2016

Formate

Klappenbroschur / Ebook (epub, mobi)

Seiten

392

ISBN

978-3-95835-168-4

eISBN

978-3-95835-169-1

Leseprobe


Schlimmer als der Tod

Zitternd stand Hyun-Ok im prasselnden Regen des pazifischen Nordwestens. Sie musste einfach mit eigenen Augen sehen, welche Bedrohung von dem grauenhaften Mann in der Ferne ausging. Einmal hatte sie sein Gebrüll gehört, gefolgt von einem Gewehrschuss und einem schrecklichen, menschlichen Schrei. Sie hatte ihn bereits von der Kandidatenliste gestrichen. Er konnte ihr nicht helfen. Jetzt musste sie sichergehen, dass er keine unmittelbare Gefahr für sie und ihren Sohn darstellte.
Mit todesstarrem Griff klammerten sich ihre Hände an die Seitenwände der Ladefläche des verlassenen schwarzen Pick-ups, hinter dem sie Zuflucht gesucht hatte. Entsetzt schnappte sie nach Luft, als der Wahnsinnige einen kleinen, völlig zerschrammten Radlader startete und sein Opfer mit der Schaufel aufhob. Noch lebendig und schreiend schüttete er es in das immense Feuer, das er den ganzen Tag in einem großen, stählernen Müllcontainer gefüttert hatte. Hyun-Ok trauerte still um den Unglücklichen, dessen Seele gerade als Funken himmelwärts stob.
Sie schlich sich davon. Ihr gebrochenes Schluchzen ging in einen Hustenanfall über, der tief aus ihrer infizierten Lunge kam. Endlich erstarben die gequälten Schreie. Sie mussten unbedingt aus diesem Teil der Stadt verschwinden! Der Verrückte namens Campos hatte Schilder aufgestellt: ›Unbefugten ist der Zutritt verboten‹. Was er getan hatte, sagte ihr, dass er seine Warnung ernst meinte.
Sie war die einzige Hoffnung ihres Sohnes. Sie hatte wenig Zeit, sein Überleben zu sichern. Mit jedem Tag schwächte die Krankheit Hyun-Ok mehr. Sie wusste, dass sie bald sterben würde. Aber sie durfte ihren fünfjährigen Sohn nicht sich selbst überlassen, schon gar nicht mit jemandem wie Campos in der Nähe. Nach tagelanger Suche war nur eine Person übrig geblieben, die infrage kam. Schon viel zu viel wertvolle Zeit und Energie hatte sie das gekostet. Schon bald musste Bang in Händen sein, die ihn beschützten.
Der, an den sie dachte, hatte ohnehin noch ein Mitglied seiner Familie zu begraben. Die wenige Zeit, die ihr noch blieb, konnte sie genauso gut mit ihrem Sohn verbringen. Es hatte keine Eile mehr.
So gut sie konnte, erholte sich Hyun-Ok von ihrem Hustenanfall und setzte ihren Heimweg fort. In der Stille der Nacht würde sie den Wald durchqueren, verborgen vor den wenigen verbliebenen Menschen. Seit sie erkannt hatte, dass ihr Sohn Bang keine Anzeichen der Viruserkrankung zeigte, war sie in jeder Nacht unterwegs gewesen.
Ein geliebter Mensch nach dem anderen war unter ihren Händen gestorben. Bang war ihr nicht von der Seite gewichen. Zuerst hatte ihre alte Mutter gehen müssen, dicht gefolgt von ihrem Vater. Kurz darauf ihr Mann, obwohl er sich verzweifelt an das Leben geklammert hatte und nicht gewillt gewesen war, seine Frau und seinen Sohn aufzugeben.
Bedeckt vom Schweiß des Fiebers und mit heiserer Stimme hatte ihm Hyun-Ok versichert, dass es seinem Sohn gut gehen würde. Sie hatte ihn gedrängt, sich fallen zu lassen ins friedliche Jenseits. »Ich werde bald bei dir sein, Liebster«, hatte sie gesagt, das Gesicht voller Tränen. So schwach, wie sie zu diesem Zeitpunkt schon gewesen war, hatten sie die Tränen überrascht.
Die Zärtlichkeit und die Wahrhaftigkeit ihrer Worte hatten ihn aufgeschreckt. Sein Blick war von ihr zu seinem Sohn an der Seite des Bettes gesprungen. Unter großen Schmerzen hatte er sich aufgerichtet, um Bang ins Gesicht zu sehen. »Er darf auf keinen Fall allein und wehrlos sein in dieser verrückt gewordenen Welt!«
Hyun-Ok hatte versucht, ihren Liebsten mit Worten zu trösten, während sie ihn sanft zurück auf das Kissen gedrückt hatte. Dann hatte sie ihm ihren Plan offenbart, wie sie ihren Sohn zu schützen gedachte. Er hatte sie beide fest an sich gedrückt und laut zu einem Gott mit tauben Ohren gebetet. Wie gerne hätte er seine Frau und seinen Sohn gleich mitgenommen. Dann hatte er sie leise für immer verlassen.
Seitdem war gerade einmal eine Woche vergangen. Noch in jener Nacht, nachdem Bang eingeschlafen war, hatte sich Hyun-Ok auf den Weg gemacht und begonnen, die wenigen Überlebenden in ihrer Nachbarschaft auszukundschaften. In schwarze Kleidung gehüllt und den zahlreichen Gefahren trotzend hatte sie die anderen ausgespäht und sich allein auf ihren Instinkt verlassen, wenn es darum ging, sie einzuschätzen. Sechshundert Menschen hatten ursprünglich in ihrer unmittelbaren Umgebung in Issaquah, einem Vorort von Seattle, gelebt. Bei einer Überlebensrate von nur zwei Prozent musste es ungefähr zwölf Überlebende geben. Überlebende, die man jetzt nur noch als Träger bezeichnete. Sieben hatte sie gefunden.
Die erste Person, auf die sie zwei Straßen weiter gestoßen war, hatte sie sofort ausgeschlossen. Sie war zu alt gewesen, um Beschützer eines Kindes von fünf Jahren zu sein. Die ältere Dame hatte ausgesehen, als habe sie höchstens noch ein Jahr vor sich, wenn überhaupt. Hyun-Oks Junge brauchte jemanden, der jünger war und ihn durch das Leben begleitete, zumindest bis er erwachsen war.
Beim Anblick des Mannes, den sie als Nächstes fand, hatte sie ebenfalls kein gutes Gefühl gehabt. Sie hatte beobachtete, wie entgrenzt er um seine verlorene Familie trauerte. Im Dunkeln hatte er draußen auf der Veranda in einem Liegestuhl gesessen und Obszönitäten in die Nacht hinausgeschrien. Als ob er geradezu auf die hungernden Hunde, die inzwischen verwildert waren, wartete. Er hatte zwar auf sie geschossen, aber nur, um einen Angriff zu provozieren. Hyun-Ok hatte seinen abgrundtiefen Schmerz spüren können. Sie hatte die Ahnung beschlichen, dass er es darauf anlegte, zu Tode zerfleischt zu werden. Wenn ihm das nicht gelänge, würde er sich wahrscheinlich bald selbst das Leben nehmen. Wahrscheinlich ging es vielen Überlebenden ähnlich. Also suchte sie weiter.
Als Nächstes hatte Hyun-Ok unbemerkt den Highway überquert und eine leicht bekleidete junge Frau gefunden, die auf einem verwaisten Grundstück Äpfel von einem Baum pflückte. Doch diese Frau würde die falsche Art Aufmerksamkeit erregen und wäre keine gute Wahl gewesen.
Der Mann, den sie letztendlich ausgewählt hatte, war der Einzige, der ihr fähig schien, der Beschützer ihres Sohnes zu sein. Außerdem hatte er etwas an sich – entweder war es die Art, wie er seine große Gestalt bewegte oder die bedächtige Würde, mit der er seine Lieben begrub – das Hyun-Ok das Gefühl gab, dass sich der Nachbar namens Graham als beste Wahl erweisen würde. Sie spürte, dass sie ihm ihren Jungen anvertrauen konnte. Nach dem bevorstehenden Tod von Grahams Vater würde er niemanden mehr zu begraben haben. Dann würde sie ihren Jungen zu ihm bringen und sich auf ihre eigene Reise in den Tod begeben. Noch einen Tag durchhalten, dachte sie. Aber bis es soweit ist, muss ich ihm alles über Bang aufschreiben.
  Mit einem traurigen Lächeln durchstreifte sie das Labyrinth der geparkten Fahrzeuge. Aufmerksam lauschte sie allen Geräuschen, immer auf der Hut vor Gefahren. Ein letztes Mal warf sie einen Blick auf das glutrote Leuchten in der Ferne, bevor sie sich auf den Weg nach Hause machte. Ihre letzte große Aufgabe bestand darin, Graham davon zu überzeugen, dass er den Jungen ebenso brauchte wie dieser ihn. Sie wusste, dass dies die größte Herausforderung sein würde. Sie musste ihn davon überzeugen, oder ihr Sohn war verloren.