Buchcover:

Die letzte Firewall

von William Hertling

Serie: Singularity
Band 3

»Ein erstaunlicher Ausblick in eine plausible Zukunft.« [Brad Feld, Geschäftsführer der Foundry Group]

INHALTSBESCHREIBUNG


Im Jahr 2035 sind Roboter, Künstliche Intelligenzen und Neuralimplantate zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Das Institut für Angewandte Ethik sorgt durch ein soziales Reputationssystem für Ausgleich, um sicherzustellen, dass Menschen und Roboter nicht der Gesellschaft oder sich gegenseitig Schaden zufügen. Doch eine mächtige KI namens Adam hat eine Methode entwickelt, diese Beschränkungen zu umgehen. Die neunzehnjährige Catherine Matthews hat eine einzigartige Fähigkeit: Sie kann das globale Netz mit ihrem Neuralimplantat manipulieren. Unvermittelt aus ihrem normalen Alltagsleben gerissen muss sie zur letzten Firewall zwischen Adam und seinen Plänen zur Weltherrschaft werden.

Pressestimmen

Eine ebenso hellsichtige wie eindringliche Geschichte über das, was aus der Menschheit werden könnte und über die Maschinen, die sie erschaffen könnte.

Ben Huh, CEO von Cheezburger

Ein echter Lesespaß und eine verblüffende Studie über die Technologien der Zukunft: schockierend und einladend zugleich.

Harper Reed, früherer CTO von Obama for America und Threadless

Ein faszinierender und hellsichtiger Blick auf unsere Welt und wie sie aussehen könnte, wenn die Computer intelligenter als die Menschen werden. Sehr zu empfehlen.

Mat Ellis, Gründer und CEO von Cloudability

Ein phänomenaler Ritt durch eine Welt des Überflusses, in der Menschen zum Spielball einer abtrünnigen KI werden. Wenn sie ihren Geist erweitern wollen, müssen sie dieses Buch lesen!

Gene Kim, Autor von The Phoenix Project: A Novel About IT, DevOps und Helping Your Business Win

Kapitel 1


Catherine streifte sich ihr Shirt über und blickte zum Bett zurück, in dem Nick noch schlief. Sie sah zu, wie er atmete, und blickte stirnrunzelnd auf seinen Dreitagebart. Niedlich, aber nicht wirklich smart. Sie band ihr blondes Haar zu einem Pferdeschwanz zusammen und warf einen prüfenden Blick in den Spiegel, während sie die Spiegelschrift ihres T-Shirt-Aufdruckes las: Ein Leben ohne Geometrie ist sinnlos. Lächelnd trat sie auf den Korridor.

Leise tappte sie die Treppe hinunter. Da sie immer als Erste auf war, hatte sie nicht lange gebraucht, um zu bemerken, dass ihre Mitbewohner keine Frühaufsteher mochten. Im Erdgeschoss schlief ihr Katze-Hund-Hybrid Einstein, ein Welpum, auf der nach Osten liegenden Fensterbank, um die ersten Strahlen der Morgensonne einzufangen. Catherine krabbelte ihn hinter den Ohren, bis er schnurrte. Der feline Anteil bei Einsteins Genen überwog, auf den ersten Blick sah man nur eine große Katze. Aber wenn man Einstein mit in den Park nahm, dann holte er Stöckchen wie ein richtiger Hund.

Catherine schlüpfte durch die Schiebetür der Küche in den Innenhof, wo Pflanzen wild um die Terrasse aus recycelten Ofenziegeln wucherten. Sie wandte sich nach Osten dem Haus zu und begann das Ba Duan Jin oder ›Die Acht Brokate‹ aus dem Qigong. Sie bewegte sich langsam, brachte ihren Körper mit der uralten chinesischen Form des Chi-Flusses oder der Lebenskraft in Einklang. Ihre Augen blickten ins Leere, während sie die vorgegebenen Schrittfolgen ausführte, wobei ihre Arme kunstvolle Bögen in die Luft zeichneten. Wie aus weiter Ferne spürte sie den Wind, der durch die Blätter der kleinen Bäume strich, hörte nur das Windspiel eines Nachbarn und ihren eigenen Atem. Sie wiederholte die Übung zweimal, pausierte dann für ein paar meditative Atemübungen und begann mit der ›Jadeprinzessin‹. Als sie die Übung beendete, verbeugte sie sich einmal. Die friedvollen Bewegungen des Qigong wurden durch die kurzen, harten Schläge des Naihanchi ersetzt, ihrer ersten Karate-Kata. Vierzig Minuten später beendete sie ihr Training mit Kusanku und verbeugte sich wieder. Ihr Körper sank dankbar in eine sitzende Meditationshaltung, die Beine überkreuzt, die Hände auf den Knien liegend. Ein dünner Schweißfilm bedeckte ihre Haut und ihre Muskeln waren warm und locker. Die Geräusche der Kaffeemaschine, Gelächter und das Spülen einer Toilette waren aus dem Haus zu hören. Sie ließ die Gedanken fließen. Leere deinen Geist. Leere deinen Geist.

Neunzig Minuten später öffnete sie die Augen und betrachtete die Welt von Neuem. Sie beobachtete das Spiel des Sonnenlichts auf den Blättern und streckte Arme und Beine weit von sich.

Manche Menschen sagten, dass Meditation ihnen schwerfiele, dass ihr Verstand immer auf Wanderschaft sei und in seinen Gedanken gefangen. Das konnte sie nicht verstehen. Wenn sie eigentlich meditieren wollten, warum dachten sie dann noch über andere Dinge nach?

Sie ging barfuß die Treppe zum Haus hinauf und schob die Tür auf. Nach der kühlen Morgenluft erschien ihr das Innere des Hauses stickig. Ihre Mitbewohner waren jetzt in der Küche.

»Hallo, Karate Kid«, sagte Tom in liebevollem Ton. Er winkte mit einer Kaffeetasse in ihre Richtung, sein abgelenkter Blick sagte ihr, dass er tief im Cyberspace versunken war.

Catherine konzentrierte sich und schaltete ihr Neuralimplantat ein. Einen Augenblick später flackerte ihre visuelle Wahrnehmung, als ihr Implantat online ging. Nachdem es sich mit dem Netz synchronisiert hatte, zeigte es über Toms Kopf seine Statusblase: ›beschäftigt‹.

»Wie war letzte Nacht?«, fragte Maggie, die selbst ernannte Mutter ihrer kleinen Wohngemeinschaft. Jeder, der bei gesundem Verstand bleiben wollte, musste sich neu erfinden, weil die künstlichen Intelligenzen, die KIs, alle Jobs übernommen hatten.

»Ich habe einen Typ kennengelernt«, sagte Catherine. Sie lächelte. »Nick. Er ist oben.« Sie hielt eine Hand über ihre Tasse, um Maggie davon abzuhalten, ihr Kaffee einzuschenken. »Nein, Kaffee und Meditieren passt nicht zusammen. Rieche ich da Eier?«

»Die Quiche ist in fünf Minuten fertig«, sagte Maggie und versuchte nicht länger, ihr Kaffee aufzunötigen.

»Lecker.« Es war angenehm ruhig in der Küche. Aber plötzlich hatte Catherine einen hässlichen Verdacht. »Wo ist Sarah?«, fragte sie.

»Ich glaube, ich habe sie oben gehört.« Maggie drehte sich weg und hatte es plötzlich sehr eilig, nach dem Ofen zu sehen.

Catherine sah zur Zimmerdecke, drehte sich auf dem Absatz um und schlich durch das Wohnzimmer. Sie lief die Treppe hinauf. Der alte Teppichboden dämpfte das Geräusch ihrer Schritte.

Vom Treppenabsatz aus konnte sie Nick und Sarah im Korridor zwischen den Schlafräumen sehen. Sarah saß in BH und Unterwäsche gegen die Wand gelehnt. Nick stand kaum eine Handbreit über sie gebeugt, beide Hände an die Wand über ihrem Kopf gestützt. Wegen des Ausdrucks auf ihren Gesichtern hatte Cat keinerlei Zweifel: Die beiden waren verlinkt. Im Netz konnte sie eine Verbindung mit hoher Bandbreite zwischen ihnen sehen: einen dicken, blauen Strom, der ihre Köpfe miteinander verband und über den sie ihre Sinneseindrücke austauschten.

Catherines Fingernägel gruben sich in ihre Hände, als sie sie zu Fäusten ballte. Sie drückte fester, spürte aber kaum den Schmerz. Sie wartete einen Augenblick, doch Nick und Sarah waren zu tief im virtuellen Sex versunken, um ihre Anwesenheit überhaupt zu bemerken.

Sie konzentrierte sich auf ihr Implantat, tastete sich durch das Netz, um Sarahs und Nicks Verbindung zu finden, und trennte sie. Der blaue Datenstrom zwischen den beiden verschwand. Nick flog quer über den Korridor, schrie auf und hielt sich den Kopf. Sarah schaukelte vor und zurück und presste zwei Finger gegen ihre Schläfen, während sie die Wand anstarrte. »Oh Mann, Cat, so was kannst du doch nicht machen.«

»Dann schlaf du nicht mit Kerlen, die ich nach Hause bringe.« Cats Stimme brach und sie kämpfte gegen die Tränen an.

Sarah stand auf und starrte sie an. »Du hast doch selbst erzählt, wie dumm er sich in der letzten Nacht in der Bar angestellt hat. Ich verstehe nicht, warum er dich überhaupt interessiert.«

»Weil …«

»Bleib raus aus meinem Kopf«, sagte Sarah wütend, während sie zum Badezimmer ging. »Spiel nicht mit meinem Implantat herum. Nur weil du es kannst, hast du noch lange nicht das Recht dazu.«

Nick sah Sarah nach, wie sie den Korridor hinunterging, und wandte sich Catherine zu.

»Was hast du gerade mit meinem Kopf angestellt? Hör doch, ich …«

Cat hob die Hand, um ihn zum Schweigen zu bringen. »Halt die Klappe und hau ab.« Sie war nicht in der Stimmung, um ihm eine Erklärung zu geben. Weder über ihre Fähigkeit, das Netz zu manipulieren, noch über sonst irgendetwas.

Catherine drehte ihm den Rücken zu, ging wieder nach unten und fand sich ein paar Sekunden später heulend in Maggies mütterlicher Umarmung wieder. Verdammte, dämliche Männer. Bescheuertes Implantat. Sie war, so schien es, die einzige Person auf der ganzen weiten Welt, die sich nicht mit einem anderen Menschen verlinken konnte.

Sie hob ihren Kopf von Maggies Schulter und trocknete ihre Tränen mit dem Ärmel.

Tom saß immer noch da und bekam nichts von dem Drama mit, da er nach wie vor im Netz verschollen war.

Maggie zwang sie, am Küchentresen auf einem der Barhocker Platz zu nehmen. Ein dampfendes Stück Quiche lag auf einem Teller, der Geruch von Ziegenkäse und Lauch war verlockend. Maggie hielt ihr eine Gabel hin. Catherine stieß sie in die Quiche.

»Lass es nicht am Essen aus, Kleines. Iss einfach.«

Sie nahm ein paar Bissen, aber sie blieben ihr im Hals stecken. Das Knallen der Vordertür verkündete, dass Nick gegangen war. Nachdem sie ihr Essen lange genug auf dem Teller herum geschoben hatte, um nicht unhöflich zu erscheinen, stand sie auf.

»Ich gehe jetzt zur Schule«, sagte sie in den Raum hinein.

»Tut mir leid für dich, Schatz«, sagte Maggie und kam, um sie zu umarmen.

Sarah wählte genau diesen Moment, um wieder in Erscheinung zu treten, dieses Mal angezogen.

»Wozu die Mühe? Keiner von uns wird jemals einen Job kriegen.«

Catherine starrte Sarah an und versuchte, ihren rasenden Herzschlag zu beruhigen.

»Mein Schulstipendium zahlt unsere Miete. Du könntest zumindest dafür ein wenig Dankbarkeit zeigen.«

Catherine stapfte an Sarah vorbei und ging zur Haustür.

Ende der Leseprobe

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