SALVAGE MERC ONE

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Jake Bible

Science Fiction

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Beschreibung


Joseph Laribeau war dafür geboren, ein Marine der Galaktischen Flotte zu sein. Er war dafür geboren, die als SKRANG ALLIANCE bekannten feindlichen Aliens zu bekämpfen und als Marine Sergeant durch die Galaxie zu reisen. Er liebte sein Leben. Doch dann endete der Krieg und Joe wurde aus gesundheitlichen Gründen entlassen. Damit verlor er den besten Job, den er je hatte, und es schien, als würde er nicht wieder in ein geregeltes Leben zurückfinden.

Doch dann tritt eine wunderschöne Außerirdische in sein Leben und bietet ihm eine Chance an, die noch größer ist, als in der Flotte zu dienen: das Salvage Merc Corp.

Unter seinem neuen Namen Salvage Merc 1-84 bekommt Joe Laribeau von seinen Vorgesetzten beim Corp den ultimativen Auftrag. Doch zu seiner Überraschung ist es keine militärische Rettungsaktion und auch keine Bergungsmission für ein Unternehmen. Vielmehr muss Joe sein Leben für einen seiner eigenen Leute riskieren. Er soll jene Legende finden und zurückbringen, mit der das Corp überhaupt erst begann.

Er soll IHN finden – den Salvage Merc One.


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Zusätzliche Information

Ersterscheinung

2017

Format

Klappenbroschur / Ebook (epub, mobi)

Seiten

312

ISBN

978-3-95835-206-3

eISBN

978-3-95835-207-0

Leseprobe


Wenn du bei den Marines bist, lernst du ganz schnell, dass du im Kampf nur zwei Verbündete hast: Dein H16 Plasma-Sturmgewehr und den Soldaten, der direkt neben dir steht.

  Alles andere kann zur Hölle fahren. Schon alleine deswegen, weil es dein verdammter Job ist, alles dorthin zu schicken!

  Eine wirklich passende Philosophie, wenn man dreckige Skrang und ihre noch viel schlimmeren Verbündeten, die B’clo’no, bekämpft.

  Das Dumme ist nur, in der Sekunde, in welcher der Krieg vorbei war, hatte ich diese beiden Freunde verloren. Mein H16 vermisste ich wirklich. Es war die beste Multiwaffe, die sich ein stahlharter Marine wünschen konnte, wenn er mal in die Enge getrieben wurde. Ich habe mit diesem Baby einen ganzen Haufen Skrangs erledigt. Aber ich sehe natürlich ein, dass man am Ende seiner Dienstzeit die Waffe abgeben muss. So läuft das eben bei der Galaktischen Flotte.

  Wie ich meinen zweiten Freund verloren habe? Den Marine, der in all diesen Feuergefechten gegen muskelbepackte Reptilien und Schleimmonster nicht von meiner Seite gewichen ist? Okay, den habe ich nicht wirklich verloren. Crawford ist bei der Flotte geblieben. Ihn haben sie nicht gebeten, zu gehen, denn er war immer noch im Vollbesitz all seiner Organe und Gliedmaßen. Er musste nie einen einzigen Chit für Implantate ausgeben. Er war zu hundert Prozent menschlich.

  Oder anders gesagt: Bei ihm mussten sie nicht draufzahlen.

  Ich dagegen habe die mir zustehenden Repchits im zweiten Dienstjahr gleich beide auf einmal einlösen müssen, denn ich war dummerweise in eine B’clo’no Paarungsfalle getreten, und das hat mich beide Beine gekostet, bis knapp unter die Knie. Ich weiß nicht mal, ob es ein Männchen oder ein Weibchen war, das da in der Grube auf mich gelauert hat, denn das ist bei diesen Schleimwesen schwer zu sagen. Ich weiß nur, dass nicht mehr viel von dem Viech übrigblieb, als ich damit fertig war. Ist mir auch egal, ob es eine Milliarde Eier enthalten hat, so wie die Weibchen, oder nur eine Million, so wie die Männchen. Ich habe diesen Riesenhaufen Schnodder komplett in Stücke geschossen, als er mir die Beine weggefressen hat. Ein doppeltes Hurra auf mein H16!

  Nachdem ich meine beiden Repchits also ausgegeben hatte und dann auch noch die Wartungskosten für meine schönen neuen Cyborg-Beine aufgelaufen waren, haben die Oberen entschieden, dass ich nicht gerade wirtschaftlich war. Nachdem der Krieg zu Ende ging, war die Galaktische Flotte wirklich ganz schön knauserig geworden. Nun musste das Geld für den Frieden ausgegeben werden, statt für die Vernichtung von Skrang und diesen verdammten, klebrigen B’clo’nos.

  Crawford durfte bleiben und mich haben sie rausgekickt.

  Ist mir aber egal. Also, inzwischen ist es das. Am Anfang hat es mich tierisch gekränkt, aber so ist das im Leben. Ich habe mich einfach ein paar Monate um Sinn und Verstand gesoffen, bis ich in eine Wubloov-Kneipe auf diesem einen Planeten gestolpert bin … wie hieß er noch … ach ja, auf Xippeee war das.

  Ich weiß, ich weiß… ich frage mich selbst immer, wer sich diese bescheuerten Namen für Planeten ausdenkt! Xippeee mit drei »E«? So ein Quatsch treibt mich in den Wahnsinn!

  Wo war ich stehengeblieben?

  Ach ja, bei Xippeee.

  Da hing ich also volltrunken in dieser Bar, als eine Frau hereinkam. Sie war eine Halferin, eines dieser seltenen Mischlingswesen, die es in der Galaxis gibt. Sie war halb Mensch, halb Gwreq. Von denen hatte sie die Steinhaut abbekommen, aber sie besaß nur zwei Arme statt vier. Und sie war heiß. Damit meine ich, dass jeder in dieser Kaschemme sofort alles stehen und liegen ließ. Männer, Frauen und Asexer aller Rassen bekamen den Mund nicht mehr zu und starrten sie einfach nur an.

  Ich für meinen Teil trank auch noch Wubloov, und das Zeug hat nach dem sechsten Pitcher ernsthafte halluzinogene Effekte. Deswegen bin ich erst mal davon ausgegangen, dass sie nur ein Hirngespinst war. Ohne Scheiß. Aber diese Halferin kam auf mich zu, ignorierte die Blicke aller Anwesenden, und setzte sich an meinen Tisch. Genau in diesem Moment bestellte ich einen weiteren Pitcher Wubloov, weil ich nicht wollte, dass dieser Trip jemals endete.

  Als sie jedoch eine KL09-Blasterpistole aus einem Holster zog und sie auf den Tisch legte, dämmerte mir, dass sie vielleicht mehr als ein Produkt meiner Fantasie sein könnte. Was irgendwie ziemlich ätzend war, denn in meiner Fantasie hätte ich ihr bestimmt an die Wäsche gehen können. Aber im wirklichen Leben würde sich eine Traumfrau wie sie garantiert nicht mit einem vernarbten, abgehalfterten und sehr betrunkenen Ex-Marine einlassen. Egal wie sexy meine Cyborg-Beine auch waren.

  »Sergeant Joe Laribeau?«, fragte sie, nachdem die Kellnerin meinen Pitcher Wubloov auf den Tisch gestellt hatte. Mein Gegenüber wartete, bis die Bedienung verschwunden war, dann goss sie sich ein Glas ein, schüttete es sich in den Rachen und deutete dann mit dem leeren Glas in meine Richtung. »Ich spreche Common, von daher weiß ich, dass Sie mich verstehen. Sind Sie Sergeant Joe Laribeau oder nicht?«

  Sie sagte den letzten Satz wirklich sehr, sehr langsam, als wäre ich ein Zurückgebliebener, der nicht mehr als drei Worte pro Minute verarbeiten konnte. Und da ich gerade im Begriff war, meinen siebten Pitcher Wubloov zu leeren, hatte sie damit vermutlich gar nicht so unrecht.

  Allerdings habe ich eine Gabe. Keine Ahnung, woher ich sie habe. Die Ärzte der Flotte dachten, dass es ein Alien-Virus sein könnte, den ich mir auf einem unserer Einsätze eingefangen habe, aber natürlich wollte sich keiner darauf festlegen. Denn dann wäre das ja im Dienst passiert, ein Arbeitsunfall sozusagen, und die Flotte müsste für die Folgen aufkommen.

  Und was ist diese Gabe? Eine Form der absoluten Klarheit.

  Vereinfacht gesagt, egal wie betrunken, krank, verletzt oder was auch immer ich bin, im Bruchteil einer Sekunde kann mein Verstand zu rasiermesserscharfer Konzentration zurückkehren. Das Grundrauschen des Lebens ist dann einfach verschwunden und ich kann kristallklar jedes noch so feine Detail wahrnehmen. Das hat aus mir einen Soldaten gemacht, der nicht danebenschießen kann. In diesen Momenten kommt es mir immer vor, als würden sich meine Gegner nur in Zeitlupe bewegen, sodass ich auf einzelne Moleküle zielen könnte, wenn ich wollte.

  Jetzt würde man denken, dass die Flotte so einen Mann wie mich doch um jeden Preis behalten wollen müsste, aber wie gesagt, das Budget wurde zusammengestrichen und sie wollten nicht für mich verantwortlich sein, falls meine Gabe auf einmal verschwände und mir stattdessen acht Zehen aus der Stirn wüchsen. Denn genau das habe ich auch schon persönlich miterlebt. Es ist alles andere als schön anzusehen!

  Dazu kommt, dass ich mich auf meine Gabe nicht verlassen kann. Ich kann sie nicht bewusst aktivieren, das passiert einfach von selbst – oder auch nicht. Aber bei dieser Halferin klappte es, und deswegen passte ich ganz genau auf. Eine fremde Person kennt meinen Namen und gießt sich ein Glas aus meinem Pitcher ein, ohne vorher zu fragen. Scheißegal, wie gut sie aussieht, da werde ich doch gleich misstrauisch.

  »Wer?«, frage ich also.

  »Sie sind es«, stellte sie fest und setzte dazu an, ihr Glas noch einmal zu füllen, aber ich packte ihre Hand und schüttelte meinen Kopf. Sie zog eine Augenbraue hoch, und da ihre Haut aus Stein bestand, sah das aus, als würde ein Haufen Kiesel einen Steinbogen über ihrem Auge bilden. Sie starrte böse auf meine Hand.

  »Wer zur Hölle bist du?«, fragte ich, und verstärkte meinen Griff. Sie starrte immer noch auf meine Hand, ich starrte ihr ins Gesicht, und der ganze Laden war auf einmal stumm wie ein toter Nuft.

  »Nimm bitte deine Hand weg«, sagte sie.

  Ich warf einen Blick auf ihre KL09 und sie verlagerte ebenfalls ihre Aufmerksamkeit auf die Handfeuerwaffe.

  »Ich habe sie extra auf den Tisch gelegt, damit du weißt, dass ich sie nicht heimlich auf deine Eier richte«, sagte die Frau. Sie seufzte und schob die Waffe mit ihrer freien Hand weiter in meine Richtung. »Du kannst sie ruhig behalten. Ich habe noch ein dutzend andere davon auf meinem Schiff. Du musst nur bestätigen, dass du Sergeant Joe Laribeau bist und mir dann für fünf Minuten zuhören.«

  »Fünf galaktische Minuten oder Sterli-Minuten? Ich war nämlich mal auf Sterli, und die ziehen sich wirklich ewig hin«, antwortete ich.

  »Echte Minuten«, sagte die Frau. Dann seufzte sie wieder. »Bitte, lass meine Hand los.«

  Das tat ich. War ja nur fair, nachdem sie mir ihre Pistole rübergeschoben hatte. Sie ließ den Pitcher los und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. Die nackte Haut ihrer Oberarme rieb sich an der Lehne und der halbe Laden zuckte bei dem Geräusch zusammen. Es klang nicht ganz so wie Fingernägel auf einer Tafel, war aber verdammt nah dran.

  »Muss ich noch einmal fragen?«, sagte sie, fast flehend.

  Dieser Tonfall änderte alles. Warum sollte eine Halferin mich anflehen, meinen Namen zu bestätigen? Das machte keinen Sinn. Vor allem, weil sie wahrscheinlich nur über den Tisch langen musste, um meinen Schädel mit ihren bloßen Händen zu zerquetschen, falls ihr der Sinn danach stand. Jedenfalls, wenn sie zusammen mit der Haut der Gwreq auch deren Stärke geerbt hatte. Wenn sie mich tot gewollt hätte, wäre ich das längst. Ich meine, die Hälfte der Leute in der Kneipe hätten zu viel Schiss, sie zu melden, und die anderen waren so heiß auf sie, dass sie das Ganze garantiert für ein sexy Lächeln vergessen hätten. Ich wäre dann nur noch ein Haufen Blut und Knochen mit zwei Cyborg-Beinen in der Mitte, und sie bräuchte keinerlei Konsequenzen zu fürchten.

  »Ja, ich bin Joe Laribeau«, antwortete ich also wahrheitsgemäß.

  Der erleichterte Ausdruck in ihrem Gesicht war unbezahlbar. An ihrem Gürtel piepte etwas und sie zog einen kleinen Scanner hervor. Den hielt sie für zwei Sekunden an ihr Auge, bis er zu piepsen aufhörte. Dann entspannte sie sich, clippte den Scanner wieder an ihren Gürtel und seufzte ein drittes Mal. Dieser Seufzer wurde von einem Lächeln begleitet, der die Außenhaut einer Sternenfregatte zum Schmelzen hätte bringen können.

  »Ich bin Hopsheer Balai«, sagte sie und reichte mir ihre Hand.

  Ich schlug ein und schob die Pistole zurück auf ihre Seite.

  »Ich habe selbst eine«, sagte ich und tätschelte die Kanone, die an meine Wade geschnallt war. »Ich brauche keine Zweite.«

  »Man braucht immer eine Zweite«, sagte Hopsheer und schob die Waffe wieder in meine Richtung. »In unserer Zunft verbrauchen wir Schusswaffen wie Toilettenpapier.«

  »Wir? Zunft?!?«, fragte ich. »Erkläre mir mal bitte, worum es überhaupt geht, bevor mein Wubloov wieder seine Wirkung entfaltet.«

  »Wieder seine Wirkung entfaltet?« Hopsheer lachte. »Deine Pupillen sind größer als die Monde von Venti. Ehrlich gesagt wundert es mich sogar, dass du dein Sprachzentrum noch ansteuern kannst. Wie viele Gläser hast du denn schon getrunken?«

  »Gläser? Keine Ahnung«, sagte ich, während ich mir erneut einschenkte. »Aber dies ist Pitcher Nummer sieben. Nimm dir ruhig auch noch einen Schluck, wenn du willst. Aber nur, wenn du mir sagst, was zur abgefohten Hölle hier los ist!«

  »Danke«, sagte Hopsheer und bediente sich. Sie deutete kurz mit dem Glas in meine Richtung und schüttete es dann wieder auf Ex in sich hinein. »Oh Mann, das ist gut. Der einzige Stoff in der Galaxis, der meinen Metabolismus durchdringen kann. Wenn man zur Hälfte Gwreq ist, macht das einem den Spaß an so ziemlich allen halb- und illegalen Substanzen kaputt.«

  »Das ist die traurigste Geschichte, die ich je gehört habe«, antwortete ich. »Ich hatte keine Ahnung, dass das überhaupt möglich ist!«

  »Nur für Halfer wie mich«, sagte sie, als sie wieder nach dem Pitcher griff und plötzlich innehielt. Ich nickte ihr zu, und sie goss ihr Glas voll.

  »Ich bin kein Rassist, aber das wäre mal ein Argument gegen artenübergreifende Fortpflanzung.« Ich lächelte, damit sie auch ganz sicher verstand, dass das ein Witz sein sollte.

  »Das brauchst du mir nicht erzählen«, sagte sie und nippte diesmal nur an ihrem Drink. »Ich habe mal sechs Schüsse in den Bauch bekommen und musste daraufhin siebzehn Stunden operiert werden … und die Narkose hat nichts gebracht, außer ein bisschen zu kitzeln.«

  »Foh«, sagte ich, wartete ein paar Sekunden ab und schaute sie einfach nur an, denn wer würde das nicht tun wollen? Doch sie sagte nichts weiter.

  »Okay, aber insgesamt ist das schon ein bisschen gruselig«, meinte ich dann. »Du bist wirklich heiß, aber ich stehe nicht auf verrückte Weiber. Tut mir leid. Habe schon meinen Anteil von denen durchgefoht. Diese eine Nemorianerin bin ich erst nach drei Wochen wieder losgeworden. Die hat doch glatt ihren Wassertank in einen GF-Frachter geladen, um mir zu folgen. Nur um mir zu sagen, dass sie mich liebt, hat sie ihren Wasserplaneten verlassen!«

  »Nemorianer sind eine Nymphenrasse«, erklärte Hopsheer, »Die gehen eine permanente emotionale Verbindung ein, wenn sie Sex haben. Hättest du dir also denken können, dass das kompliziert wird.«

  »Tja, bei dem Teil hat mir meine Gabe leider nicht weitergeholfen«, sagte ich.