RETREAT (2): SCHLACHTHAUS

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Stephen Knight

ENDZEIT-THRILLER

Band 2
Serie: Retreat

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Beschreibung


Mit dem Lachen kommt der Tod …

Die rauchenden Trümmer von Boston hinter sich lassend, führt Oberstleutnant Harry Lee das Erste Bataillon des 55. Infanterie-Regiments auf eine gefährliche Mission zu ihrer belagerten Heimatbasis Fort Drum. Auf dem Weg liegen ganze Legionen kranker Killer auf der Lauer und die Soldaten müssen sich grauenvoller Angriffe erwehren. Lee kämpft verbissen darum, das Bataillon zusammenzuhalten und durch diesen Wahnsinn zu lenken.


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Zusätzliche Information

Ersterscheinung

2014

Format

Taschenbuch / E-Book (epub, mobi)

Seiten

222

ISBN

978-3-943408-54-6

eISBN

978-3-943408-55-3

Leseprobe


Eins

 

Boston brannte.
  Dunkle Wolken schwebten über der Stadt, während der Donner in unregelmäßigen Abständen dröhnte. Es hörte sich an wie ein geschwächtes Herz, das unregelmäßig schlug, bevor es nur Augenblicke später endgültig aussetzte. Aber die Wolken waren aus Rauch und das unregelmäßige Grollen wurde nicht von Donner hervorgerufen, sondern von Explosionen. Die Artillerie, die Königin der Schlacht, feuerte die letzten Salven, bevor sich der Vorhang senkte. Das Stück aus Mord, Tod und Wahnsinn war zu Ende. Boston verbeugte sich zum letzten Mal und die Menge tobte. Eine Wildheit, die aus lachendem Wahnsinn geboren wurde.
  Die Infizierten tänzelten und huschten durch die verrauchte Dunkelheit, streckten ihre Zungen raus und versuchten die fallende Asche zu fangen, als ob es sich dabei um Schneeflocken handeln würde. Sie trugen grausige Trophäen – abgetrennte Hände, Köpfe, Brüste, Penisse. Sie kamen aus allen Bereichen des Lebens. Postangestellte. Feuerwehrleute. Ärzte. Saufbrüder. Schauspieler. Tischler. Kriminelle. Priester. Hausfrauen. Führungskräfte. Versicherungsvertreter. Alle lachten und gackerten vor unkontrollierbarer Freude, während sie diejenigen jagten, die schrien, versuchten zu kämpfen oder zu fliehen. Die Erwachsenen waren leicht zu fangen. Bei den Kindern war es schwerer, aber sie verdienten dadurch einen besonderen Platz unter den Klowns. Die Infizierten spießten die Jugendlichen auf und trugen sie an der Faneuil Hall vorbei, während sie sich wanden und schrien. Lebende Bildnisse der Beute, die sie jagten.
  Die Klowns taten das, wovon die Briten Jahrhunderte zuvor nur geträumt hatten. In weniger als zwei Monaten war die Stadt Boston gemeuchelt worden und starb einen grausamen Tod durch tausende Schnitte, rostiger, salzverkrusteter Schwerter.

 

Zwei

 

  »Wizard Sechs, hier ist Tomcat Sechs. Over.«
  Lieutenant Colonel Harry Lee konnte den leitenden Apache-Piloten über das Dröhnen der Doppelwellenturbinen und dem hämmernden Schlag der Rotorblätter kaum hören. Durch die Windschutzscheibe seines Humvees konnte er sehen, wie Kampfhubschrauber eine Meile entfernt ausschwärmten. Zwanzig AH-64D Apache Longbow wurden von vier kleineren OH-58D Kiowa Warrior flankiert. Der Konvoi hatte noch nicht einmal das Tor passiert und schon kreisten die Helikopter über der North Great Road.
  Lee nahm den Hörer des AN/VRC-89 Funkgerätes und hielt ihn an sein Ohr. »Tomcat Sechs, Wizard Sechs. Over.«
  »Wizard, hier ist Tomcat Sechs. Einige wenige Feindformationen auf der Route Zwei-Alpha, genau hinter der Phasenlinie Alpha, die von Osten nach Westen verläuft. Sieht aus, als wären es blockierende Streitkräfte. Sie haben Feuerwehrfahrzeuge und schwere Baumaschinen zur Kreuzung von … äh … Zwei-Alpha und dem Hanscom Drive gebracht. Wir würden sie jetzt gern unter Beschuss nehmen. Over.«
  Lee zog eine Grimasse. Phasenlinie Alpha war der erste Wegpunkt des Konvois. Es war ein Schnittpunkt, der weniger als eine halbe Meile entfernt lag, dort wo der Hanscom Drive an der Route 2A endete. Das war eine zweispurige Strecke, die von Osten nach Westen verlief. Die Kampfhubschrauber hatten sie vor fünf Minuten passiert und berichtet, dass der Weg frei war. Mehrere Säulen schwarzen Rauchs stiegen in die Luft und bewiesen, dass die Apaches bereits eine kurze Trainingseinheit absolviert hatten. Aber die Klowns kamen wieder und dieses Mal mit anderen Vorrichtungen. Lee musste sich schnell etwas einfallen lassen.
  Die Apache und ihre leichter bewaffneten Späher waren die gepanzerte Faust der Einheit. Sie waren in der Lage auf Ziele zu schießen, die Meilen entfernt waren. Sie könnten ein ganzes Hochhaus niederreißen, wenn es erforderlich war, und wurden sogar dazu benutzt, um Krankenhäuser, welche die Infizierten beherbergten, dem Erdboden gleichzumachen. Aber die Kampfhubschrauber waren eine endliche Ressource und sie wurden für die Langstrecke benötigt. Also konnte er sie nicht alles sprengen lassen, was sich auf der Straße befand und dann erwarten, dass sie ohne zu landen und sich wieder zu bewaffnen für den nächsten Kampf bereit waren. Der Hanscom Luftwaffenstützpunkt verschwand im Seitenspiegel des Humvees und Lee wusste nicht, wo die nächste sichere Landezone sein würde. In der Luft waren die Helikopter der leibhaftige Tod. Am Boden waren sie ein leicht verwundbares Ziel. Wie dicke, alte Männer, die Muskelshirts trugen, welche am Bauch hochgerutscht waren. Eine schlaffe Bauchgegend, die entblößt war, so dass sie jedermann sehen konnte.
  Lee betätigte das Mikrofon. »Tomcat, Wizard. Ein Durchgang. Macht den Weg für uns frei und sichert dann Phasenlinie Bravo. Over.«
  »Roger, Wizard. Wir machen einen schnellen Durchgang und berichten über die Ergebnisse. Over.«
  »Roger, Tomcat. Break. Bushmaster, hier ist Wizard. Over.«
  »Hier Bushmaster. Over.«
  »Marsh, Sie und Ihre Jungs sind dran. Was auch immer die Flieger uns übrig lassen, Ihr Team muss sich da durchboxen. Begeben Sie sich zur Phasenlinie Bravo und halten die Stellung, bis Chaos vorbeihüpft. Genau so ist der Plan. Over.«
  »Roger, Wizard. Bushmaster ist in Bewegung. Over.«
  »Ich bin froh, dass wir nicht an der Spitze sind, Sir«, sagte Staff Sergeant Michael Murphy. Er hielt weiter beide Hände am Lenkrad des Humvees und ausnahmsweise steckte einmal nicht der übliche Kautabak in seinem Mund.
  Das war ganz in Lees Sinne. Er hatte immer gedacht, dass diese Angewohnheit ekelhaft war.
  »Das wird sich früh genug ändern«, erzählte ihm Lee.
  Bei jeder Phasenlinie würden ein paar Squads aus der Formation fallen, das Ziel sichern und diese Sicherheit bewahren, bis der Rest des Konvois vorbeigerollt war. Die Zeit würde kommen und Teile von Lees Führungstrupp würden anhalten müssen, um sich abzuwechseln. Lee hatte bereits beschlossen, dass er an der Operation teilnehmen würde. Auch wenn es für ihn wenig taktischen Sinn machte, das zu tun. Schließlich war das dezente Abzeichen des Lieutenant Colonel an seinem US-Army Kampfanzug nicht wirklich seins. Er hatte sie dem ehemaligen Kommandeur des Bataillons, Lieutenant Colonel Prince, abgenommen. Etwas, das sowohl ordnungswidrig als auch illegal war. Ohne formale Beförderung hatte Lee kein Recht auf diesen Rang, aber die Welt hatte sich geändert. Boston war den Infizierten anheimgefallen und er war sich ziemlich sicher, dass Fort Drum ebenso untergegangen war. Lee hatte das Kommando über die Reste des Ersten Bataillons übernommen, weil der einzig verbliebene Offizier, Major Walker, sich für die Leitung als nicht geeignet erklärte. Nicht, dass Lee sich als besonders geeignet angesehen hätte. Nach weniger als fünfzehn Jahren im Dienst war sein offizieller Rang der eines Captains und er war nicht mal für die Beförderung zum Major vorgesehen gewesen. Den Übergang vom Kompanie-Rang zu einem kommandierenden Stabsoffizier zu schaffen war ein verdammt großer Schritt. Lee wusste, dass mehr als ein paar Offiziere und Mannschaften durch die plötzliche Reorganisation nicht nur verwirrt waren, sondern es ihm auch übelnahmen. Prince – Gott hab‘ ihn selig – war von der Army geprüft worden, bevor man ihm das Kommando über das Erste Bataillon, des 55zigstes Infanterieregiment gegeben hatte. Lee wurde es nicht, und auch wenn er einen hohen Dienstgrad hatte, musste er dem Rest des Bataillons immer noch etwas beweisen.
  Eines der ersten Dinge, die er zu tun versucht hatte, nachdem er das Kommando übernahm, war es, dem kommandierenden Offizier des Kampfhubschrauberbataillons die Hand zu reichen, einem Lieutenant Colonel namens Jacoby. Lee kannte den Mann nicht persönlich, obwohl er ihn sicherlich während Meetings für diverse Operationen gesehen hatte. Aber Jacoby war an demselben Tag gestorben, als seine AH-64D in einem Feuerball aufging. Der Executive Officer der Einheit, Major Fleischner, war nicht an Lees Problemen interessiert gewesen.
  »Sie wollen ein Lieutenant Colonel sein, dann ran an die Buletten«, hatte ihm Fleischer gesagt. »Ich habe meine eigene Einheit zu leiten. Wir werden all die Luftunterstützung zur Verfügung stellen, die wir können. Aber wenn Sie den Rang eines anderen Mannes annehmen möchten, dann ist das Ihre Sache. Sie haben die Kontrolle über alles unter einer Höhe von viereinhalb Metern.«
  »Werden Sie meine Anweisungen befolgen?«, fragte Lee.
  Fleischer zuckte nicht einmal mit der Wimper. »Soweit ich weiß, ist Wizard Sechs immer noch der gleiche Kerl, mit dem wir gestern noch gesprochen haben. Solange Sie uns nicht den Wölfen zum Fraß vorwerfen, werden wir da sein.« Fleischer hat absichtlich nicht das Wort Sir benutzt, aber das spielte für Lee keine Rolle. Alles, was er brauchte, war sicherzustellen, dass die Lufteinheiten den improvisierten Organisationsplan anerkannten.
  Und das war es. Harry Lee wurde der kommandierende Offizier des Ersten Bataillons, des 55zigstes Infanterieregiment, einer der untergeordneten Einheiten der Zehnten Gebirgsdivision (Leichte Infanterie). Und wegen der unregelmäßigen Befehlskette, die er und Walker eingeführt hatten, fühlte Lee sich durch seine Ehre dazu verpflichtet, das Motto des Bataillons zu verkörpern: Vorrücken. Er musste seinen eigenen Beitrag leisten, während man nach Drum zurückging. Und wenn das bedeutete, sich selbst der Gefahr auszusetzen, dann war es das, was er zu tun hatte.
  »Nun, lassen Sie es uns nicht zur Angewohnheit machen zu streiten, Colonel«, sagte Murphy. »Konzentrieren wir uns darauf, nach Drum zurückzukommen. Okay?«
  »Genau das tun wir, Mike. Genau das tun wir.«
  Foster ließ sich von der Kuppel des Humvees fallen, die er mit seinem großen M2 .50 Kaliber Maschinengewehr bestückt hat, das auf eine Zapfenbefestigung montiert war. »Hey, Murphy? Wenn wir endlich anhalten, tust du mir einen Gefallen?«
  »Willst du tanzen, Liebling?«
  »Hä? Nein, du kannst nicht mit mir Schritt halten und ich weiß, dass du die Art, wie ich führe, hasst. Aber wenn wir endlich anhalten, könntest du aussteigen und für eine Weile auf und ab springen?«
  Murphy behielt seine Augen auf der Straße. »Wozu das denn, zum Teufel?«
  »Ich hoffe nur, dass dir deine Eier irgendwann abfallen«, sagte Foster. »Du magst voller Kautabak sein, aber was die Kriegerethik anbelangt, bist du ein bisschen schwach, Kumpel.«
  »Aufgepasst, Sir. Geben Sie einem Kerl eine .50 und plötzlich ist er eine Mischung aus Rambo und Patton«, sagte Murphy.
  Lee lächelte flüchtig. »Gehen Sie zurück an die Waffe, Foster.«
  Foster nickte. »Hooah.«

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