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RAG MEN

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Rocky Alexander

ZOMBIE-THRILLER

Ein spannender Hard-Boiled Thriller im Endzeit-Setting …

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Inhalt


So könnte der Anfang vom Ende aussehen … Sie nennen es das Qilu Virus. Es kam aus dem Osten, von irgendwo entlang des Gelben Flusses in China. Es fegte innerhalb weniger Wochen über die ganze Welt und verwandelte normale Menschen in wilde Verrückte. Es gibt nichts, was es stoppen kann.

Der ehemalige Boxer Colin Ross ist entschlossen, aus der kleinen Stadt Wenatchee zu fliehen, bevor sie durch das Virus überrannt wird. Dabei muss er überforderte und schießwütige Polizisten, Horden von Infizierten und den brutalen Wintereinbruch überstehen.

Im verseuchten Seattle hinterlässt ein Mann namens Rooster einen Pfad sadistischer Gewalt und Mord auf seinem Rachefeldzug gegen einen Feind, der noch gefährlicher als das Virus zu sein scheint.

Weitere Informationen

Ersterscheinung

2014

Formate

Klappenbroschur / Ebook (epub, mobi)

Seiten

272

ISBN

978-3-95835-003-8

eISBN

978-3-95835-005-2

Leseprobe


»Die Welt stirbt wieder und wieder, doch das Gerippe steht abermals auf und geht weiter.«
Henry Miller

Colin Ross saß auf der Kante des Bettes und zog seinen Revolver aus dem schwarzen Lederhalfter auf dem Nachttisch. Er schwenkte die Trommel heraus, nahm eine rechteckige Schachtel mit Hochdruck-Spezialmunition vom Kaliber .38 zur Hand und entnahm ihr fünf Patronen, die er in die Lager steckte. Während der folgenden Minute starrte er nur auf den Edelstahlrahmen der Waffe und wog sie, wobei er sich fragte, ob es wehtun würde, wenn er es wirklich fertigbrachte, und falls ja, wie lange. Bestimmt ging es schnell; ja, sehr wahrscheinlich starb er, noch bevor er den Schuss hörte.
  Als er den Revolver hochhob und sich den zwei Zoll langen Lauf in den Mund steckte, zuckte er vor der Kälte an seinen Lippen zusammen. Vielleicht gab es doch einen besseren Weg.
  Er erinnerte sich an seine Zeit als Teenager, in der er zum Spaß auf die verrostete Karosserie eines alten Mercury Cougar gefeuert hatte, der am Bauernhof seines Großvaters auf Betonblöcken im Gestrüpp hinter dem Heuschober aufgebockt gewesen war, und zwar ebenfalls mit einem .38er, einem ähnlichen Modell wie diesem. Er entsann sich des ersten Schusses, der von der Windschutzscheibe abgeprallt war und wenig mehr als einen Sprung im Glas hinterlassen hatte. Für einen Selbstmord schien dieses Kaliber nicht unbedingt das verlässlichste zu sein; dass er sich in den Kopf schießen würde, ohne dass die Kugel etwas Lebenswichtiges traf, dafür aber einen unvorhersehbar schweren Hirnschaden verursachte, war durchaus möglich, und das Mündungsfeuer zwischen seinen Kiefern zog vermutlich eine üble Entstellung des Gesichts nach sich. Wenn er eines nicht wollte, dann für den Rest seines Lebens als hässliches, stumpfsinniges Etwas dahinzudämmern, das von irgendeinem fetten, haarigen Typen in einem Pflegeheim mit Haferschleim und Gemüsebrei gefüttert wurde.
  Also zog er den Lauf wieder aus dem Mund und hielt ihn sich hinters rechte Ohr. Seine Hand fing an zu zittern, als er den Hahn zurückzog. Tu es, elender Feigling, tu es einfach. Er schloss die Augen, atmete tief ein und spannte den Finger am Abzug an. Als er sie lächeln sah und lachen hörte, wollte er sie so unheimlich gern festhalten, wie er sich in seinem gesamten Dasein nichts anderes je gewünscht hatte. Er glaubte nicht an Gott, einen Himmel oder ein Leben nach dem Tod, machte sich also keine Illusionen dahingehend, vielleicht wieder in einem Jenseits mit ihr zusammenzukommen. Wovon er aber überzeugt war? Dass er nicht ohne sie leben konnte und selbst wenn, es nicht gewollt hätte. Hier gibt es nichts mehr für dich. Beende es. Alles kann innerhalb eines Augenblicks verschwinden, genauso sein wie zuvor, als noch überhaupt nichts war.
  Da die Hand, mit der er die Waffe hielt, noch unruhiger wurde, legte er sie fest auf seine Brust. Aus der Tiefe seines Unterbewusstseins drang ihr Flüstern: Ich liebe dich, Colin, und dort spürte er sie auch – in sich. So kam er auf den Gedanken, dass sie, sollte er am Leben bleiben, ebenfalls weiterexistieren mochte, sozusagen als Teil von ihm.
  Aber das ist sie doch nicht, es sind nur Erinnerungen an sie.
  Nun ja, vielleicht war das besser als gar nichts.
  Beschissene Ausflüchte.
  Er schrie in den dunklen, leeren Raum hinein, holte mit der Pistole aus, um sie zu werfen, besann sich dann aber, sie zuerst zu sichern, und steckte sie zurück in den Halfter. Danach saß er lange still da und hielt sich beide Hände an die Stirn, bevor er aufstand, sein Handy sowie den Autoschlüssel von der Kommode nahm und hinaus zu seinem Van ging, der in der Auffahrt stand.
  Fünf Minuten später fuhr er an einem Ziegelsteingebäude vor, dessen der Straße zugewandte Fassade in großen, weißen Lettern mit BOXCLUB ROSS bemalt worden war. Nachdem er aufgeschlossen hatte, trat er ein, ging durch den dunklen Vorsaal, um die Neonröhren an der Decke hinter dem Empfangstisch einzuschalten, und dann die Treppe hinauf zu seinem Büro. Jeder Schritt verursachte stechende Schmerzen in seinen Knien. Mit 40 war er zwar noch gut in Form, doch jahrelanges, intensives Krafttraining und Sportwettkämpfe forderten allmählich ihren Tribut. Jeder Gang die Stufen hinauf – es waren Hunderte, falls nicht gar Tausende gewesen, seitdem er das Studio sechs Jahre zuvor eröffnet hatte – rief ihm ins Gedächtnis, dass auch er nicht vom Altern unberührt blieb, egal wie verbissen er dagegen ankämpfte.
  Er drückte auf den Lichtschalter neben der Tür und blieb einen Moment lang stehen, um sich das Zimmer anzusehen. Am Holzfußboden verstreut lagen Pappschachteln und Verpackungen aus Plastikfolie, auf mehreren Ablageflächen standen halbvolle Getränkebehälter, und die beiden Abfalleimer quollen über. Er trat ein paar Schachteln aus dem Weg, ging zum Kühlschrank und nahm eine Flasche Wasser heraus. Es war 00:01 Uhr am 4.2. und so kalt im Büro, dass Ross seinen Atemhauch sah. Deshalb drehte er das Thermostat auf und zog sich einen elektrischen Radiator an den Schreibtisch, ehe er sich hinsetzte, um mit einer Einweggabel Dosenthunfisch zu essen, wobei er am Wasser nippte und sich an seinem PC-Monitor durch Internetnachrichten klickte. Angesichts der neusten Meldungen bedauerte er es, den Auslöser seiner Handfeuerwaffe doch nicht betätigt zu haben, als er sich die Waffe an den Kopf hielt.
  Die Ausschreitungen waren schlimmer geworden, die Berichterstattung geprägt von Fotos und Videomaterial über Polizeistreitkräfte und Nationalgardisten in Ganzkörper-Schutzanzügen gegen biologische Gefahrstoffe, die Gesichtsschirme aus Polycarbonatglas beziehungsweise Gasmasken trugen und Zivilisten mit Schlagstöcken oder Gewehrkolben verprügelten. Tränengas gegen Molotowcocktails, blutende Verletzte auf der Straße oder wie Schlachtvieh zusammengepfercht in Militärlastern und Gefängniswagen, zum Schreien aufgerissene Münder, auf Geländewagen montierte Maschinengewehre, ganze Bezirke der Stadt abgeriegelt mit zweieinhalb Meter hohen Maschendrahtzäunen, an deren Spitzen sich Bandstacheldraht entlang zog. Qualm und Feuer, Gewalt und Chaos biblischen Ausmaßes wie aus dem Buch der Offenbarungen.
  Ross lud eine Website mit einer größenveränderbaren Karte der USA, die gespickt war mit kleinen, roten Punkten und beschriftet mit dem Titel: AUSBREITUNG DES QILU-VIRUS. Jede Markierung bedeutete eine labormäßig bestätigte Infektion. Am 14. Januar waren 13 Punkte auf der Karte gewesen, sieben für Los Angeles und zwei für San Francisco sowie je einer über den Städten Seattle, Las Vegas und Chicago. Jetzt – nur drei Wochen später – konnte man sie gar nicht mehr zählen. Rote Anhäufungen in fast allen Bundesstaaten und am dichtesten an der Westküste. Nord- und Süddakota sowie ein paar der kleineren Neuengland-Staaten waren bislang verschont geblieben, doch Ross glaubte nicht, dass dies noch lange so bleiben würde. Das Virus verbreitete sich wie ein Lauffeuer bei heißem Sommerwind, und anscheinend konnte niemand irgendetwas unternehmen, um es aufzuhalten.
  Er bewegte den Cursor über die Karte und zoomte den zentralen Bereich des Staates Washington heran. Es erleichterte ihn, dass Wenatchee und das Umland sauber waren – zumindest fürs Erste, denn die Lage änderte sich andauernd. Er spielte mit dem Gedanken, seinen Van mit Lebensmitteln vollzuladen und die Stadt zu verlassen, um die Sache an einem abgeschiedenen Ort auszusitzen, konnte sich aber nicht so recht vorstellen, wo dieser sein mochte. Wohin sollte man sich zurückziehen, wenn die ganze Welt vor die Hunde ging? Sein Onkel Charlie besaß eine Sommerhütte an einem kleinen Angelsee in der Nähe von Eatonville, 300 Kilometer weiter westlich, doch dorthin zu gelangen, erwies sich womöglich als Herausforderung. Die Strecke führte über die Cascade Mountains und durch die Vororte von Seattle – eine Stadt, die man momentan mit der Hölle gleichsetzen konnte. Auch falls er sich dazu durchrang, dieses Wagnis einzugehen, blieben die Zu- und Ausfahrten in diesem Bereich unter Ausnahme des notwendigsten Verkehrs abgesperrt.
  Sich nicht vom Fleck zu rühren war vermutlich das Beste. Im Lager des Studios standen kistenweise Wasser und isotonische Getränke, Proteinpulver und Energieriegel, im Erdgeschoss ein Kühlschrank voller Sojamilch und Tiefkühlwurst im Gefrierfach sowie eine Palette Thunfisch obendrauf. Zu Hause hatte er ebenfalls noch Vorräte, obwohl er nicht beabsichtigte, dort zu bleiben, weil es ihn an sie erinnerte. Er nahm sich vor, seiner Waffe wegen zurückzukehren und zusammenzupacken, was er vielleicht sonst noch brauchte, bevor er wieder herfuhr und abwartete, wie sich die Situation entwickeln würde. Das Schlimmste, was ihm passieren konnte, war zu sterben. Doch als Problem erachtete er dies beileibe nicht; ein wenig Glück, und er brauchte sich nicht selbst zu richten.
  Ross legte sich aufs Sofa im hinteren Teil des Büros, zog sich eine dicke Decke unters Kinn und schloss die Augen. Bald sank er in einen tiefen, tröstlichen Schlaf. Er träumte von ihr und weinte – jedenfalls in diesem Traum.