PROJECT: DIE LANZE

12,99 

Alex Lukeman

Thriller

Band 2
Serie: Project

»Eine starke, schnelle Geschichte, die den Leser auf eine unglaubliche Reise in die Welt der Agenten und Terroristen mitnimmt. Atmosphärisch hervorragend.« [J. Bryden Lloyd]

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Beschreibung


In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges arbeiten ranghohe Funktionäre des Dritten Reiches fieberhaft daran, die wertvollsten Artefakte außer Landes zu schaffen. Ein SS-General wird damit beauftragt, die Heilige Lanze – jene Waffe, mit der Longinus den sterbenden Jesus am Kreuz in die Seite gestochen haben soll und die ihrem Besitzer der Legende nach unglaubliche Macht verleiht – im ewigen Eis der Antarktis zu verstecken.
Nun, Jahrzehnte später, taucht die Lanze wieder auf, und mit ihr ein von langer Hand vorbereiteter Plan, die Länder des Mittleren Ostens gegeneinander aufzuhetzen und schließlich sogar Amerika in die Knie zu zwingen. Die Verschwörer sind selbst im Weißen Haus zu finden, und nur Nick Carter, Selena Connor und das Project-Team können die neuen Träger der Lanze noch aufhalten.


Zusätzliche Information

Ersterscheinung

2017

Format

Klappenbroschur / Ebook (epub, mobi)

Seiten

ca. 350

ISBN

978-3-95835-286-5

eISBN

978-3-95835-287-2

Leseprobe


Antarktika, 19. Februar, 1945

Das Fenris-Gebirge erhob sich kahl und schwarz im blendenden Weiß der antarktischen Ebene. SS-General Dieter Reinhardt beobachtete zwei Besatzungsmitglieder der U-886, während sie Eis und Schnee von Stahltüren entfernten, die sich an der Seite eines der namenlosen Gipfel befanden. Ein Motorschlitten wartete in der Nähe. Reinhardt war groß und dünn, sein Gesicht beinahe ein Abbild des Totenkopf-Emblems an seiner hohen Schirmmütze. In seinem langen Mantel und der dunklen runden Schneebrille sah er wie ein bösartiges Insekt aus.
Die Türen schwangen auf. Zwei Matrosen hoben eine Holzkiste vom Schlitten und folgten Reinhardt durch einen dunklen Gang, hinunter ins Innere des Berges. Der Korridor endete an einer Tresortür. Reinhardt drehte zuerst an einer Zahlenscheibe, dann an einem großen Speichenrad und zog daraufhin die schwere Tür auf.
Metallkisten standen an einer Seite des Tresorraumes. Auf der anderen Seite glänzten Goldbarren mit geprägtem Adler und Hakenkreuz im hellen Licht von Reinhardts Taschenlampe.
»Stellt sie dort hinten hin.« Sein Atem bildete beim Sprechen Wolken in der kalten Luft.
Die Männer stellten die Kiste auf den Boden. Reinhardt zog seine Pistole und trat hinter einen der Männer, setzte die Mündung an seine Schädelbasis und feuerte. Der Knall war ohrenbetäubend in dem geschlossenen Metallraum. Sein Kamerad drehte sich mit vor Schreck weit aufgerissenen Augen um. Reinhardt feuerte ein weiteres Mal. Blut spritzte über die aufgestapelten Goldbarren.
Reinhardt verstaute seine Pistole und trat an den Leichnamen vorbei zurück in den Korridor.
Er schloss die Tresortür, versperrte sie und ging wieder hinaus in das blendende Polarlicht. In aller Ruhe platzierte er Sprengladungen um den Eingang des Bunkers. Die Explosion begrub die Stahltüren unter einer Lawine aus Eis und Schnee. Niemand würde jemals den Eingang finden können, es sei denn, er wüsste genau, wo er sich befand.
Reinhardt stieg auf den Motorschlitten und fuhr zurück zu dem in der Ferne liegenden Rand der Eisdecke und dem dort wartenden U-Boot. Er erinnerte sich an die Nacht, als er nach Berlin beordert wurde.

Jeweils zwei 20mm-Flak-Geschütze am vorderen und am hinteren Ende von Himmlers privatem Zug waren in den mondlosen Nachthimmel gerichtet. Nicht weit entfernt, auf der anderen Seite des Rheins, signalisierten Lichtblitze und das entfernte Dröhnen der Artillerie das Voranschreiten der alliierten Armeen. Ein schwaches Glimmen ließ die Feuer in den Kesseln von zwei riesigen Lokomotiven erahnen. Das leise Zischen von entweichendem Dampf verriet, dass der Zug bereit zur Abfahrt war.
Milchglaskugeln erhellten das Innere des Führungsabteils. Die Fenster waren mit Verdunkelungsvorhängen abgedichtet und hielten so das Licht im Inneren des Wagens gefangen. SS-Reichsführer Heinrich Himmler saß in der Mitte des Abteils hinter einem Schreibtisch. Er blickte auf, als Reinhardt hereinkam.
Das gelbe Lampenlicht spiegelte sich in Himmlers runden Brillengläsern. In Zivilbekleidung hätte man ihn mit seinen zurückweichenden dünnen Haaren und dem sandigen Schnurrbart für einen sanftmütigen Kassierer in einem Lebensmittelgeschäft halten können. In seiner SS-Uniform allerdings, mit Silberkranz und Eichenblättern am Kragen, hielt man ihn für genau das, was er war: den gefährlichsten Mann in ganz Nazi-Deutschland. Nur Hitler hatte mehr Macht.
Reinhardt hob seinen Arm und schlug die Fersen zusammen.
»Folgen Sie mir, General.« Himmler stand auf. Reinhardt begleitete ihn zum Gepäckwagen. Vier mit Schmeisser-Maschinenpistolen bewaffnete SS-Wachen nahmen die Habachtstellung ein.
»Lasst uns allein.«
Himmler bedeutete ihnen mit einer Handbewegung, zu gehen. Auf einem Tisch an der Seite des Wagens stand eine offene Kiste. In der Kiste befand sich eine polierte Box aus schwarzem Walnussholz. Auf dem Deckel prangte ein Hakenkreuz mit Siegeskranz aus purem Gold und mit eingelassenen Diamanten. Die Steine glitzerten im Lampenlicht.
Himmler hob den Deckel. Die heilige Lanze war darin auf blutroter Seide gebettet. Der Speer, der Christus durchbohrt hatte. Reinhardt legte seine Hand auf die antike Klinge. Selbst in der Kälte des ungeheizten Eisenbahnwaggons fühlte sie sich warm an.
Es hieß, wer auch immer die Lanze besaß, würde das Schicksal der Welt bestimmen. Die Legende wurde von Jahrhunderten in Blut und Eroberung geschrieben. Alle großen europäischen Eroberer trugen die Lanze vor ihren Armeen in die Schlacht. Nur Napoleon hatte sie nicht in seinen Besitz bringen können.
Manche glaubten, die Macht der Lanze käme vom Antichrist. Reinhardt und Himmler war es egal, woher die Macht stammte. Sie wussten, sie war real. Das war das Einzige, was von Bedeutung war. Nur die Ritter des Großen Rates wussten, dass Himmler die Lanze besaß. Nur Himmler und der Rat wussten, dass es die Lanze war, die während der frühen Kriegsjahre den Sieg gebracht hatte.
Himmler reichte Dieter ein dickes Paket.
»Ihre Befehle. Bringen Sie die Lanze nach Antarktika, verbergen Sie sie dort und begeben sich dann nach Argentinien.«
»Basis 211?«
Himmler nickte. Nur wenige Menschen, die von der verborgenen Forschungseinrichtung in der antarktischen Wüste wussten, waren noch am Leben. Niemand war seit \’42 dort gewesen.
»Wir werden uns in Argentinien neu gruppieren. Zu gegebener Zeit werden wir die Lanze bergen und unseren Kampf fortführen.«
Himmler legte in ungewohnt kameradschaftlicher Geste eine Hand auf Reinhardts Schulter.
»Dieter. Es ist möglich, dass ich diesen Krieg nicht überlebe.«
Er hob seine Hand, um Reinhardts Protest zu unterbinden. Das Licht spiegelte sich in Himmlers Brille und auf dem Totenkopfring an seinem Finger.
»Sollte ich fallen, wird es einen neuen Großmeister geben. Unterstützen Sie ihn in jeder Hinsicht.«
»Zu Befehl, Reichsführer.«
Ich werde der Großmeister sein, dachte Reinhardt.
Sie betrachteten beide die heilige Lanze. Es schien, als würde ein leichtes blutrotes Glühen von ihr ausgehen.
»Für den Augenblick haben wir verloren«, sagte Himmler. »Aber solange sich die Lanze in unserem Besitz befindet, werden wir niemals besiegt werden.«

Das Rütteln des Schlittens, als er über eine raue Eisfläche fuhr, riss Reinhardt aus seinen Erinnerungen zurück in die Gegenwart. Er konnte das U-Boot in der Ferne sehen, wo es, dunkel wie Jonahs Wal, im offenen Wasser hinter dem glänzenden Rand des Eises wartete.
Er würde dem Kapitän der U-886 berichten, dass seine Männer von herabstürzendem Eis begraben worden seien. Es spielte keine Rolle. Wenn sie Argentinien erreichten, würden der Kapitän und die anderen sich schon bald zu ihren toten Kameraden gesellen. Es war alles arrangiert.

Drei Tage später wurde die U-886 von britischen Wasserbomben getroffen, während sie sich der argentinischen Küste näherte. Sie stieg für einen kurzen Moment an die Oberfläche – lange genug, dass der wachhabende Offizier ihren Typ und ihr Abzeichen vermerken konnte – um dann für immer unter den Wellen zu verschwinden.
Im lichtlosen Gewölbe unter dem Berg wartete die Lanze unter einem Hakenkreuz aus Diamanten. Eines Tages würde jemand kommen. Es war nur eine Frage der Zeit.

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