PLÖTZLICH ZAUBERER

4,99 13,50 

Scott Meyer

Fantasy

Band 1
Serie: Magic 2.0

»Plötzlich Zauberer ist ein Science-Fiction- und Fantasy-Titel, den man nicht verpassen darf.« [Blog IO9]

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Inhalt


Martin Banks ist ein ganz gewöhnlicher Typ, der eine sehr ungewöhnliche Entdeckung gemacht hat:
Er kann die Realität manipulieren, denn die Realität ist nichts anderes als ein weiteres Computerprogramm. Doch seine kleinen Veränderungen der Realität hier und da bleiben nicht unbemerkt.
Um seinen Verfolgern ein Schnippchen zu schlagen, entschließt er sich, in der Zeit zurückzureisen und im Mittelalter sein Glück als Zauberer zu versuchen.

Denn was sollte da schon schief gehen?

Als hackender Yankee an König Artus Hof muss Martin sich nun alle Mühe geben, um ein vollwertiger Meister seiner Fähigkeiten zu werden, das Geheimnis um den uralten Zauberer Merlin zu lüften und … ja, ihr wisst schon, möglichst nicht dabei umzukommen und so.


»… wenn IT-Nerds zu Magiern werden, ein herrlich amüsanter Genremix mit liebenswerten Figuren. Ich habe mich richtig gut unterhalten gefühlt.« [Ka6uki, lovelybooks]

»… und wer denkt um Zauberer zu werden erstmal eine Ausbildung aller Harry Potter machen zu müssen der irrt gewaltig.
Denn wie es schneller geht zeigt “Plötzlich Zauberer” und das einzige was man dafür braucht ist eine gewisse Datei aus dem Internet. Klingt super oder?« [MeinBuchregalUndIch]

»… wenn man sich auf diese abgedrehte Geschichte einlässt, bekommt man mit “Plötzlich Zauberer” ein Buch, das für gute Unterhaltung sorgt und mit einem großartigen Humor glänzt. Scott Meyer hat es hier geschafft, Fantasy, Zeitreise und Comedy gekonnt miteinander zu verbinden und einen unheimlich kreativen Roman zu erschaffen, der nicht nur computeraffine Menschen begeistern wird.« [Zeilenspringerin]

Weitere Informationen

Ersterscheinung

2016

Formate

Taschenbuch / Ebook (epub, mobi)

Seiten

432

ISBN

978-3-95835-154-7

eISBN

978-3-95835-155-4

Leseprobe


Kapitel 1

 

Schrecken

 

Martin Banks war von der Wissenschaft begeistert. Als Kind hatte er alles über Menschen gelesen, die gewaltige Entdeckungen gemacht hatten. Entdeckungen, die die Welt verändert hatten. Er hatte sich immer gefragt, was für Empfindungen er wohl hätte, wenn er selbst jemals etwas wirklich Weltbewegendes entdecken würde. Jetzt wusste er es. Denn er hatte gerade eine solche Entdeckung gemacht. Er war überrascht, denn er fühlte nun einen Schrecken, der ihn fast dazu brachte, sich in die Hose zu machen.
Martin sah sich nicht als Hacker. Er mochte das Image nicht, das mit dieser Bezeichnung einherging. Sicher, als Teenager hatte er mit der ganzen Bandbreite dieses Images experimentiert, aber er fand es einfach zu anstrengend, die ganze Zeit gegen alles rebellieren zu müssen. Es war ein emotionales Hamsterrad. Es hörte nie auf und brachte einen nirgendwo hin. Wenn man in einem Zustand ständiger Rebellion lebt, wird man unweigerlich von allen wichtigen Personen seines Lebens missachtet.
Martin beschloss also, dass er kein Hacker war. Er war nur ein Kerl, der es wirklich mochte, seine Zeit am Computer zu verschwenden.
Es war ein ganz gewöhnlicher Abend gewesen. Martin surfte gerade im Internet und schaute sich nach Seiten um, von denen er ungestraft etwas abgreifen konnte.
Im Hintergrund lief der Fernseher und tauchte das Zimmer in ein schummriges Licht.
Die Flimmerkiste bot ihm gelegentlich Ablenkung und die Illusion von menschlichem Kontakt. Ihm war klar, dass er Dinge tat, die bei genauer Betrachtung illegal waren, aber er trieb die Rumpfuscherei auf den Computern anderer Menschen nie besonders weit. Im Grunde war es harmlos, was er tat. Die Behörden würden sich nicht für ihn interessieren, solange Täter mit höherer krimineller Energie noch frei herumliefen. Das redete er sich zumindest immer wieder ein, aber er war zu schlau, um es wirklich zu glauben. Das hielt ihn dennoch nicht davon ab, jeden Abend den Computer einzuschalten, um zu schauen, was es dort zu sehen gab.
In dieser Nacht sah er sich auf den Servern eines Herstellers für Mobiltelefone um, der schon seit den 1930ern im Geschäft war. Allerdings hatten sie zu dieser Zeit Radios in der Größe von Briefkästen hergestellt. Er hatte eigentlich gar nichts Schlimmes getan. Martin hatte nicht einmal gewaltsam eindringen müssen. Jeder, der gute Kenntnisse von Netzwerkstrukturen hatte und gewillt war, sich eine unglaubliche Menge von verblüffend langweiligen Informationen anzusehen, hätte diese Datei finden können.
Sie gehörte in die Kategorie: besonders uninteressant.
Fünf Terabyte einfacher ASCII-Textzeichen. Selbst der Name machte Martin schläfrig – repository1-c.txt. Der Moment, in dem er dachte, dass kein vernünftiger Mensch an einer Datei wie dieser interessiert sein könnte, war der Moment, in dem er beschloss, einen Blick hinein zu riskieren.
Er schätzte, dass es zu lange dauern würde, sie komplett herunterzuladen, darum entschied er stattdessen, direkt mit einem Terminal-Emulator auf sie zuzugreifen. Als die Datei sich öffnete, schien sie aus einer endlosen Reihe riesiger, unterschiedlicher Datenblöcke zu bestehen. Die einzelnen Datenblöcke waren ein gewaltiges Zahlenwirrwarr, in dem sich nur ab und zu Bruchstücke von erkennbarem Text fanden. Er hätte die Datei einfach komplett ignorieren können, wenn da nicht die Tatsache gewesen wäre, dass sich viele der Zahlen scheinbar ständig änderten. Er überprüfte das schließlich genauer. Er arbeitete mit seinem Standard-Texteditor, und soweit er wusste, hatte er bislang kein Update eingespielt, durch das so etwas möglich wäre. Aber er sah es – ganz deutlich.
Das Erste, was Martin immer tat, wenn er eine neue Datei fand, war nach seinem eigenen Namen zu suchen. Es mochte egozentrisch erscheinen, aber Martin machte sich darüber keine Sorgen. Er hatte eine Menge Zeit damit verbracht, über sich selbst nachzudenken, und war zu der Erkenntnis gelangt, dass er definitiv nicht von sich selbst eingenommen war.
Er suchte also nach »Martin Kenneth Banks«.
In der Regel dauerte die Wörtersuche in einer simplen Textdatei nicht allzu lange. Es war leicht für einen Computer, mit einfachem Text zu arbeiten. Dieses Mal dauerte Martins Suche nach sich selbst aufgrund der schieren Größe der Datei allerdings fast zehn Minuten. Schließlich fand er seinen Namen, der sich tatsächlich am Ende der Datei befand.
Über eine Stunde verbrachte er damit, auf die Datei zu starren, und irgendwann war er in der Lage, ein paar erkennbare Informationen aus ihr herauszukitzeln. Wer auch immer diese Datei erstellt hatte, wusste anscheinend eine Menge über ihn. Es irritierte ihn nur, dass seine Größe nicht stimmte. Da stand allerdings auch nicht Größe – da war nur eine Zahl. Aber es war unverkennbar. Ein Meter achtzig.
Das stimmte aber nicht. Es könnte Martins Größe sein, wenn man sich die Mühe machen würde, ihn zu vermessen, doch in jedem Formular, das er seit der Highschool ausgefüllt hatte, hatte er einen Meter siebenundachtzig angegeben. Er änderte die Zahl also und drückte auf Speichern. Weitere Augenblicke verbrachte er damit, sich verschiedene Nummern in der Datei anzuschauen, dann stand er auf, um ins Badezimmer zu gehen.
Martin streckte sich und fühlte plötzlich ein ziemliches Unbehagen in seiner Leistengegend. Es schien so, als hätte jemand den Bund seiner Jeans gepackt und hochgezogen. Es war seine Lieblingsjeans. Sie war schon immer ein wenig eng gewesen, denn er mochte Hosen, die einen ständig daran erinnerten, dass man auch Hosen trug, aber sie hatte ihm nie so ein Unbehagen wie heute beschert. Er sah nun an sich hinab auf seine Taille. Sein Gürtel war genau dort, wo er hingehörte, aber die Hosenbeine der Jeans waren definitiv kürzer als gewöhnlich. Er trug Hochwasserhosen. Der Saum war definitiv höher, als er es in Erinnerung hatte.
Seltsam, dachte er, als er seine Hose ein wenig herunterzog und ins Badezimmer ging. Während er geistesabwesend pinkelte, warf er einen Blick auf den Spiegelschrank. Er sah, dass sich Staub darauf gesammelt hatte, und dachte, dass er da oben wirklich mal dringend wieder sauber machen müsste. Er wischte den Staub nicht oft genug weg, weil er nicht dort hochsehen konnte. Martin starrte auf den Staub und ließ den Gedanken kurz sacken, bis er erkannte, dass er sein Ziel verfehlt hatte und gerade gegen die Wand urinierte.
Die ganze Zeit, während er die Wand hinter der Toilette säuberte, lachte er über sich selbst. Als Kind hatte er ab und zu nachts das Haus verlassen müssen, um für seine Eltern etwas aus dem Auto zu holen. Dabei hatte er immer darüber nachgedacht, wie gruselig es doch wäre, wenn ihn irgendein schreckliches Monster verfolgen würde, und er auf dem Weg zurück ins sichere Haus mit zusammengekrampften Magen um sein Leben rennen müsste. Dann hatte er stets gelacht, weil es einfach lächerlich erschien, dass ihn ein Monster auf einer gut beleuchteten Straße in einer Vorstadt in seinem eigenen Vorgarten jagen würde.
Das hier, so wusste er, war nichts anderes. Seine Hose war einfach hochgerutscht. Wahrscheinlich bedeutete es, dass er an Gewicht zugelegt hatte. Das war zwar nicht gut, aber auch nichts, weswegen man gleich ausflippen musste. Und der Spiegelschrank war vielleicht etwas abgesenkt oder eine der Schrauben, die ihn hielten, hatte sich aus der Trockenbauwand gelöst – oder vielleicht bildete er sich das alles auch einfach nur ein. Die ganze Nacht in einem dunklen Apartment herumzusitzen, in dem nur der Fernseher und die Computerbildschirme etwas Licht spendeten, veränderte nach einiger Zeit nun mal die Wahrnehmung.
Als die Wand wieder sauber war, richtete er seine Aufmerksamkeit auf den Spiegelschrank. Er war immer noch fest an der Wand angebracht und schien sich kein Stück bewegt zu haben. Martin konnte sehen, dass er oben mit Staub bedeckt war, und war sich außerdem ziemlich sicher, dass er sich immer in die Augen hatte schauen können, wenn er in die verspiegelte Front geblickt hatte. Er erinnerte sich daran, dass sein Spiegelbild ungefähr auf der Hälfte der Augenbrauen abgeschnitten worden war. Jetzt sah er in den Spiegel, und das Einzige, was er sehen konnte, war seine Nase. Er blickte erneut auf seine Füße, um sich zu vergewissern, dass er barfuß war. Dann stand er einfach nur verwirrt da.
Schließlich verließ Martin das Badezimmer. Er schaltete jetzt überall in der Wohnung das Licht ein, im Wohnzimmer, der Küche und auch im Esszimmer. Da es sich um ein Single-Apartment handelte, war alles in einem großen Raum untergebracht. Einzig die Küche konnte man als separat bezeichnen, weil sich darin die entsprechenden Geräte befanden. Das Esszimmer konnte man nur daran erkennen, dass ein billiger Kronleuchter genau an der Stelle von der Decke hing, wo der Architekt offensichtlich gewollt hatte, dass Martin seinen Tisch und die Stühle hinstellte. Doch Martin hatte die Stelle lieber freigelassen. Deshalb hing der Kronleuchter nun auf Augenhöhe direkt hinter seinem Schreibtischstuhl und beleuchtete nichts weiter als den Boden.
Martin lief nun durchs Zimmer und redete sich ein, dass er sicher schon immer in der Lage gewesen war, auf den Kühlschrank zu blicken. Ihm wurde es jetzt nur deshalb bewusst, weil es dort extrem staubig war. Genug davon, dachte er und ging zum Schlafzimmerschrank, um seinen Werkzeugkasten zu durchwühlen. Als er aus dem Haus seiner Eltern ausgezogen war, hatte sich Onkel Ray angeboten, den gemieteten Lastwagen zu fahren. Ray hatte im klimatisierten Führerhaus gesessen und von seinem bequemen Sitz aus beobachtet, wie Martin und seine Freunde die Sachen einluden. Dann hatte Ray bemerkt, dass Martin gar keinen Werkzeugkasten besaß, und ihn darauf angesprochen, doch Martin hatte erwidert: »Bisher brauchte ich keine Werkzeuge, weil ich bei Dad gelebt habe. Während du hier herumsitzt und zuschaust, lässt du einfach den Motor laufen und die Klimaanlage ist eingeschaltet. Das kostet mich ein Vermögen an Benzin. Hast du das mal bedacht?«
Onkel Ray hatte entgegnet, dass er das sehr wohl bedacht hätte, es ihn aber nicht störte.
Später hatte Onkel Ray ihm eine Werkzeugkiste als Einweihungsgeschenk für die neue Wohnung überreicht, die recht ordentlich ausgestattet war, und Martin hatte gemeint: »Danke! Aber … äh … ist dir aufgefallen, dass die Werkzeugkiste pink ist und mit glitzernden Buchstaben Mein erster Werkzeugkasten draufsteht?«
Onkel Ray hatte entgegnet, dass ihm das aufgefallen wäre, es ihn aber nicht weiter störte. Der gute, alte Onkel Ray. Dieser Kerl war wirklich nicht aus der Fassung zu bringen.
Martin kehrte nun mit einem pinkfarbenen Maßband und einem winzigen, pinkfarbenen Zimmermannswinkel zurück. Er schnappte sich einen Bleistift und stellte sich mit dem Rücken an den Türrahmen des Schlafzimmers. Dort legte er sich den Zimmermannswinkel auf seinen Kopf und machte behutsam einen Strich an der Stelle, wo der Winkel auf die Wand traf. Martin schmunzelte über sich selbst, weil er seine Zeit mit so etwas Bescheuertem verschwendete, während er das Maßband an der Wand bis zur Markierung hochzog. Er beugte sich nach vorne, um die Zahlen auf dem Maßband abzulesen.
Der Strich, den er gemacht hatte, lag nur ein klein wenig über einem Meter achtundachtzig. Er wiederholte den Vorgang und kam zu demselben Ergebnis.
Offensichtlich bin ich im Laufe der letzten Jahre nach und nach etwa sieben Zentimeter gewachsen und habe es erst jetzt bemerkt. Und zwar direkt, nachdem ich meine Größe in einer seltsamen Textdatei geändert habe, die ich online gefunden habe. Das ist alles vollkommen normal, dachte er.
Während er weiter nachdachte, saß Martin an seinem Computer und sah sich die Datei genauer an. Er wollte nun einfach mal ein paar Dinge ändern, um sich selbst zu zeigen, wie lächerlich er sich benahm, aber gleichzeitig wollte er die Datei am liebsten auch schließen und so tun, als hätte er sie niemals gefunden. Darum saß er eine Zeit lang einfach nur da. Nach etwa zwanzig Minuten beschloss er, dass er sich ein für alle Mal beweisen musste, wie albern er sich verhielt. Der Cursor war immer noch an der gleichen Stelle wie zuvor. Nämlich bei der Größenangabe. Martin änderte die 1,87 nun in 1,85 m um.
Dann ging er wieder zur Schlafzimmertür und stellte sich gerade mit dem Rücken an den Türrahmen. Den Zimmermannswinkel legte er vorsichtig auf seinen Kopf und markierte die Höhe am Türrahmen erneut mit dem Bleistift, dann legte Martin das Maßband sorgfältig an und zog es bis zur Markierung aus. Dabei achtete er darauf, dass es wirklich gerade und senkrecht ausgerichtet war. Schließlich nahm er mit großem Interesse zur Kenntnis, dass seine Größe nun 1,85 m betrug.
Martin wiederholte das Ganze fünf Mal. Er hätte es auch noch ein sechstes Mal versucht, wenn seine Hände nicht so sehr gezittert hätten, dass er keinen ordentlichen Strich mehr ziehen konnte.
Eine Stunde lang saß er da und starrte irritiert auf den Fernseher. Er hatte keine Ahnung, was gerade lief und es war ihm ehrlich gesagt auch vollkommen egal. Er ging zu dem Computer zurück, änderte seine Größe wieder in 1,80 m, dann schloss er die Datei. Er ging ins Badezimmer und spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht.
Im Spiegelschrank konnte er sich selbst nun wieder in die Augen sehen.
Er beschloss, ins Bett zu gehen. Nicht zum Schlafen. Einfach nur ins Bett. Jedes Licht im Apartment war noch an und er trug auch noch seine Kleidung. Er lag einfach nur da und dachte darüber nach, welche Konsequenzen das, was gerade passiert war, wohl hatte, und das war der Moment, in dem er den Schrecken verspürte. Jeder, der bei Science-Fiction Dingen und auch in Naturwissenschaften aufgepasst hatte, stieß irgendwann auf das Konzept, dass die Realität, wie wir sie kannten, ein Computerprogramm war. Die Menschen waren lediglich Unterprogramme. Sie waren keine biologischen Organismen, die sich an eine Felskugel klammerten, die um einen Feuerball umgeben von einem Meer aus Nichts herumraste, sondern sie waren simulierte Organismen, die an einem virtuellen Felsbrocken hingen, der sich in einem unergründlichen Programm befand, das ein Spiel, eine Wettersimulation oder sogar ein Bildschirmschoner sein konnte.
Nein, kein Bildschirmschoner, dachte Martin. Eine Gesellschaft, die fortgeschritten genug war, um ein solch anspruchsvolles Programm hervorzubringen, hätte längst einen Monitor entwickelt, in den sich keine Pixel mehr einbrannten.
Sobald sich sein psychischer Zustand etwas beruhigt hatte und der Schrecken einer schweren Erregung gewichen war, erkannte Martin die Ironie der ganzen Situation. Seit Anbeginn der dokumentierten Zeit hatte man über das Wesen des Daseins diskutiert. Die größten Denker hatten ihr gesamtes Leben damit verbracht, sich mit den Grundfragen des Lebens herumzuschlagen. Selbst ganz einfache Entdeckungen wie das Rad und die Hebelgesetze hatten die menschliche Existenz tief greifend verändert.
Jetzt hatte Martin den Beweis dafür gefunden, was genau wir wirklich waren, und er hatte die Mittel, um Dinge ohne größere Anstrengung sofort zu ändern. Er war durch eine zufällige Entdeckung zur wichtigsten Figur der Menschheitsgeschichte geworden, und er wünschte sich verzweifelt, dass er all dies wieder rückgängig machen könnte.
Martin schaute auf die Uhr. Es war mittlerweile drei Uhr morgens. Er hatte sechs Stunden einfach nur dagelegen, an die Decke gestarrt und so die Panik etwas gelindert. Er stand wieder auf und schluckte zwei Schlaftabletten mit einem doppelten Bourbon herunter, dann schaltete er überall das Licht aus und verlor schließlich das Bewusstsein.