OVERKILL – ASYLUM

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Sönke Hansen

ZOMBIE-THRILLER

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Beschreibung


Ein mutierter Tollwutvirus stürzt die Menschheit in einen Krieg gegen sich selbst. Als die Lage immer aussichtsloser wird, verschanzt sich Krankenpfleger Max zusammen mit Patienten auf einer psychiatrischen Station.
Doch der Feind ist bereits mitten unter ihnen …


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Zusätzliche Information

Ersterscheinung

2015

Format

Klappenbroschur / Ebook (epub, mobi)

Seiten

264

ISBN

978-3-95835-051-9

eISBN

978-3-95835-050-2

Leseprobe


Hätte Max gewusst, wie der Tag für ihn enden würde, wäre er nicht mit Nora zum Bach spielen gegangen.
  Die beiden Neunjährigen arbeiteten unter der heißen Augustsonne an einem Staudamm. Um sie herum zirpten Grillen im kniehohen Gras, Mückenschwärme tanzten in nervösen Wolken am Ufer.
  Der Bach schlängelte sich aus einer dichten Baumreihe hervor, plätscherte durch die Lichtung und verschwand auf der anderen Seite wieder im Wald.
  Max wischte sich den Schweiß von der Stirn. »So wird das nichts.«
  Nora warf ihm einen fragenden Blick aus ihren großen Augen zu. Die Sonne ließ das Blau darin wie Edelsteine funkeln. »Was schlägst du vor, Mäxchen?«
  Er spürte, wie ihm die Röte ins Gesicht schoss. Das passierte immer, wenn sie ihn so nannte. »Ich denke, wir brauchen etwas Größeres, einen Stein oder so.«
  Das Mädchen richtete sich auf. Ihr Kleid starrte vor Matsch, der Saum war mit Wasser vollgesogen und klebte wie eine zweite Haut an ihren Beinen. »Vielleicht dort drüben?« Sie deutete auf einen Geröllhaufen in der Nähe des Waldrandes.
  »Ich geh mal rüber.« Froh darüber, das rote Gesicht von ihr abwenden zu können, watete er durch das Gras in Richtung der Steine.
  Als er die Hälfte des Weges zurückgelegt hatte, ertönte Gelächter hinter ihm. Trotz der Hitze richteten sich die Härchen auf seinen Armen auf. Der Klang der Stimmen brachte sein Herz zum Rasen. Er drehte sich um.
  Aus dem Wald auf der gegenüberliegenden Seite rannten drei Jungen auf die Lichtung hinaus. Sie schubsten sich gegenseitig, lachten und ließen Stöcke durch die Luft sausen.
  Der Größte war zugleich der Dickste. Er schwang seinen Knüppel wie ein Schwert, schlug damit im Vorbeilaufen in einen Strauch Brennnesseln.Bill.
  Bill brachte zwei Freunde mit; Max erkannte nur einen auf Anhieb: Alex – ein hagerer Schläger mit blondem Haar, Sommersprossen und blödem Blick, dem ständig der Mund offen stand.
  Die Drei hielten direkt auf Nora zu.
  Max hoffte, dass sie einfach wieder verschwanden. Doch im selben Augenblick wusste er, dass das nicht passieren würde. Wenn Bill mit seinen Freunden aufkreuzte, gab es immer Ärger.
  In der Schule, wo die Lehrer ein Auge auf sie warfen, hatte man halbwegs Ruhe vor diesen Rowdys. Aber hier draußen …
  Er kaute auf seiner Unterlippe. Sollte er so tun, als hätte er sie nicht bemerkt? Einfach umdrehen und weiter zum Steinhaufen gehen?
  Die Gruppe baute sich vor Nora auf.
  Sie hob protestierend die Hände, da schlugen Alex und der Fremde mit ihren Stöcken schon auf den Staudamm ein.
  Max war zu weit weg, um ihre Worte zu verstehen, aber er hörte, wie sie auf die Jungen einredete. Sie schob Bill beiseite, doch das Arschloch packte sie am Oberarm, so fest, dass sie aufschrie.
  Max entschloss sich einzuschreiten.
  Er preschte durch das Gras zurück. Beim Näherkommen hörte er Nora vor Schmerzen quieken.
  Sein Magen krampfte sich zusammen. »Lasst sie los!«, brüllte er ihnen entgegen.
  Die Jungen ließen vom Staudamm ab und stellten sich neben Bill auf, der angriffslustig die Augen zusammenkniff. Er ließ Nora los und hob seinen Stock. »Oho! Der Ritter kommt, um seine Prinzessin zu retten!«
  Alex und der fremde Junge, der wie eine lebendig gewordene Version von Ernie aus der Sesamstraße aussah, gackerten los.
  Max kam neben seiner Freundin zum Stehen. Sie rieb ihren Oberarm, in ihren Augen glitzerten Tränen. Das schürte seine Wut ins Unermessliche.
  Bill grinste. »Alex, Holger – seht, was wir da haben: Ein Hosenscheißerchen, das seiner Freundin zur Hilfe kommt. Sag\‘, Max. Liebst du Nora?«
  Max errötete wieder. Dieses Mal vor Hass. Irgendwo lauerte auch Angst in ihm, doch der Zorn überwog. »Verpisst euch, ihr asozialen Spastis!«
  Er spürte Noras Hand auf seinem Unterarm. »Nicht. Lass das lieber.«
  »Ja genau, Max, lass das lieber!«, äffte Bill sie nach. Er ging einen Schritt auf ihn zu und baute sich wie King Kong vor ihm auf. Sein Kinn berührte beinahe Max\‘ Nase, sodass er seinen schlechten Atem roch. »Lauf schnell zu Mama, Mäxchen, bevor ich dir deinen Hintern versohle.«
  Max stieß ihn von sich.
  Mit vor Schreck aufgerissenen Augen taumelte Bill zurück. Er ruderte mit den Armen, kämpfte um sein Gleichgewicht. Doch vergebens. Ein Platschen, Wasser spritzte auf, dann saß er mitten im Bach vor dem Damm.
  Einen Fluch ausstoßend rappelte er sich wieder auf. »Na warte …«, flüsterte er.
  Es war dieses Flüstern, das Max eine Warnung hätte sein müssen. Er hätte auf Nora hören sollen, die an seinem Shirt zog. »Max, lass uns verschwinden.« Aber er ignorierte ihr Flehen.
  Zu groß war die Verlockung. Er – Max – hatte es geschafft, Bill umzuwerfen. Er fühlte sich wie ein Superheld. Unbesiegbar.
  Alex und der andere Junge, den Bill Holger genannt hatte, blinzelten verwirrt vom Ufer auf ihren Anführer herab.
  Da stand Bill auch schon wieder. Die Fäuste so fest um den Stock geschlossen, dass die Fingerknöchel weiß hervortraten. Den Kopf gesenkt, nass und voller Dreck, erinnerte er Max an einen Stier.
  Das war der Moment, in dem er begriff, dass es besser gewesen wäre, auf Nora zu hören.
  Zu spät.
  Bill sprang auf ihn zu und schwang den Stock. Im letzten Augenblick gelang es Max, die Arme zu heben. Das Holz donnerte gegen seine Handgelenke, der Schmerz ließ ihn aufschreien.
  Dann krachte der Knüppel seitlich gegen seinen Schädel.
  Er hatte einen noch viel schlimmeren Schmerz erwartet, doch stattdessen fühlte er nichts.
  Er stand einfach nur da und schaute zu, wie sein Gegenüber noch einmal ausholte. Die Welt flirrte um ihn herum, die Ränder zerrissen zu einem Spinnennetz aus Scherben.
  Wieder krachte der Stock gegen seine Schläfe.
  Etwas knackte in seinem Kopf, schwarze Tinte floss ihm vor die Augen.
  Das Letzte, was er hörte, war Noras Kreischen.