Buchcover:

One to go – Auf Leben und Tod

von Mike Pace

»Was wäre, wenn sich ein furchtbarer Fehler im Leben rückgängig machen ließe? Mike Pace macht aus dieser faszinierenden Prämisse einen mitreißend guten Roman. Absolute Empfehlung!« [Douglas Preston, New York Times Bestsellerautor]

INHALTSBESCHREIBUNG


Würdest du töten, damit deine Tochter leben kann?

Tom Booker arbeitet als Anwalt bei einer großen Washingtoner Kanzlei. Beim Tippen einer SMS, während der Fahrt über die Memorial Bridge, verliert er die Kontrolle über seinen Wagen und rammt einen entgegenkommenden Kleinbus, in welchem seine Tochter und drei ihrer Freunde sitzen. Der Minivan droht in den Potomac zu kippen.

Die Zeit bleibt stehen, und plötzlich ist Tom ist allein auf der Brücke. Ein junges Paar nähert sich und bietet ihm an, die Zeit zurückzudrehen. Der Absturz könnte abgewendet werden, die Kinder gerettet. Im Gegenzug soll er alle zwei Wochen jemanden töten, als »Seelenaustausch«.

Einen Augenblick später sitzt Tom wieder in seinem verunglückten Auto, der tödliche Absturz des Minivan ist nicht eingetreten. Tom hält das Ganze für eine Illusion.

Zwei Wochen später erhält er jedoch eine SMS: Einer gegangen, noch vier übrig.

Tom hat noch nie in seinem Leben einen Schuss abgegeben, doch nun muss er sich in einen Serienkiller verwandeln – oder seine Tochter und ihre Freunde werden in diesem Spiel auf Leben und Tod sterben.

Pressestimmen

Was wäre, wenn sich ein furchtbarer Fehler im Leben rückgängig machen ließe? Mike Pace macht aus dieser faszinierenden Prämisse einen mitreißend guten Roman – straff erzählt, voller explosiver Spannung und glaubhafter Charaktäre. Absolute Empfehlung!

Douglas Preston, New York Times Bestsellerautor

Brillanter Mysterie-Thriller, dem ich eine absolute Leseempfehlung ausspreche.

Lesermeinung bei Lovelybooks

Trotz phantastischer Elemente wirkt das Buch nie unrealistisch. Mich hat es einfach nur begeistert!

Lesermeinung bei Was_liest_du

Kapitel 1


Tom Booker sah zu, wie die Zahlen auf der Anzeigetafel nach unten zählten. Mit jedem Stockwerk, das er passierte, wuchs seine Zuversicht, dass niemand zusteigen würde, bevor er die Tiefgarage erreicht hatte. 8 … 7 … Er stopfte den Kragen seines grünen Poloshirts unter seinen Blazer und glättete sein zerzaustes Haar. Er wollte bei Janie einen gepflegten Eindruck machen. 6 … 5 … Bing.

Der Aufzug hielt an, die Türen gingen auf und Robert »Bat« Masterson stieg zu. Toms Herz klopfte bis zum Hals. Masterson bildete den dritten Teil im Namen von Smith, Hale und Masterson, einer der renommiertesten Anwaltskanzleien in der Landeshauptstadt, die mit über fünfhundert Anwälten auch eine der größten war.

Masterson – groß, gebräunt und mit aristokratischen Gesichtszügen – war fast sechzig, sah aber mindestens zehn Jahre jünger aus. Abgesehen von ergrauten Schläfen war sein Haar noch immer voll und schwarz wie auf den großflächigen Werbeplakaten, die sich vor zwanzig Jahren entlang den Straßen von Fort Worth erstreckten. Mastersons Spitzname war auf einen berühmten Revolverhelden aus Dodge City zurückzuführen, der eine Zeit lang als Hilfssheriff unter Wyatt Earp gedient hatte und durch eine TV-Serie der Fünfziger bekannt gemacht wurde. Masterson, der darauf bestand, ein Nachfahre von Bat zu sein, fand Gefallen am Image des raubeinigen Gesetzeshüters und so war er weit davon entfernt, der Presse zu verbieten, ihn als Revolverhelden darzustellen, wenn er seine Klienten aus der oberen Mittelschicht verteidigte.

Seit Smith vor ein paar Jahren verstorben und Hale vor Kurzem in Rente gegangen waren, war Masterson der Hauptsenior der Seniorpartner.

»Guten Morgen«, grüßte Masterson. »Mr. Hooker, nicht wahr?«

»Booker, Sir.« Er hatte bisher nur einmal mit dem Mann gesprochen, und zwar während des Empfangs für neue Mitarbeiter, der stattfand, kurz nachdem er bei der Kanzlei angefangen hatte.

Er sah, dass Masterson die offizielle lässige Samstagsuniform von SHM trug: eine hellbraune Hose, Slipper, ein Poloshirt und ein navyblaues Sakko. Als Tom sich diesen Morgen ankleidete, hatte er kurz in Erwägung gezogen, die Uniform zu vernachlässigen und die Hose durch eine viel bequemere Jeans zu ersetzen, aber zum Glück hatte er es sich anders überlegt und sich gefügt.

»Aber natürlich«, entgegnete Masterson. »In welcher Abteilung sind Sie denn momentan untergebracht, Mr. Booker?«

»Firmenkunden, Sir.« Die Firmenpolitik sah vor, dass neue Mitarbeiter nacheinander vier oder fünf Fachgebiete in den ersten zwei Jahren durchliefen. Auf diese Weise beabsichtigte man, sowohl zugunsten der Kanzlei wie auch des Anwalts die geeignetste Stelle für ihn zu finden. Die Neulinge mussten auch noch ehrenamtlich gemeinnützige Praktika absolvieren, damit die Kanzlei so ihre Verpflichtungen gegenüber den Armen und Geknechteten erfüllen konnte, ohne Arbeitszeit von sehr viel höher bezahlten Anwälten investieren zu müssen.

»Vielleicht sehen wir Sie ja schon bald in der OP-Abteilung.«

OP war die Abkürzung für Oberschichtprozesse. Die meisten in Washington sahen in Masterson, der früher Generalstaatsanwalt der Vereinigten Staaten sowie Gouverneur von Texas war, den besten Strafverteidiger für Angeklagte aus der Oberschicht oder oberen Mittelschicht in der ganzen Stadt, wenn nicht sogar im ganzen Land. Die Wähler hatten Bats früheren Chef vor zwei Jahren mit einem Tritt in den Allerwertesten aus dem Oval Office verbannt, nun kam Bat in die engere Auswahl der möglichen Präsidentschaftskandidaten seiner Partei für die Wahlen in zwei Jahren.

»Sind Sie auf dem Weg in die Bibliothek?«, erkundigte sich Masterson. Er wollte gerade den Knopf für den ersten Stock drücken.

Tom hätte ihn einfach anschwindeln können – die Wahrscheinlichkeit, dass Masterson einen niederen Angestellten in den nächsten Stunden vermissen würde, lag quasi bei Null. Die Betonung lag jedoch auf ›quasi‹.

»Nein, Sir. Ich muss meine Tochter für einen kurzen Schulausflug abholen.« Er fügte rasch hinzu: »Aber ich werde in wenigen Stunden zurück sein und die verlorene Zeit nachholen.«

»Familie ist natürlich wichtig.« Sein Gesichtsausdruck ließ keinen Zweifel darüber, dass Masterson die Ansicht vertrat, dass Zeit, die ein Mitarbeiter am Samstagmorgen für etwas Anderes als von Klienten zu bezahlende Arbeitszeit aufwendete, dem Hauptsenior nur Geld kostete und daher definitiv nicht wichtig war.

Der Aufzug kam in der Lobby an und Masterson stieg aus. »Wir sehen uns am Nachmittag, Mr. Booker.«

»Na klar, Sir.«

Die Türen gingen zu. Tom atmete tief durch, dann hämmerte er auf den bereits aufleuchtenden T-Knopf, damit der Aufzug ohne weiteren Störenfried die letzten zwei Stockwerke hinter sich brachte.

In der Tiefgarage angekommen joggte er zu seinem silbernen Lexus GS 430. Der Wagen war schon fast fünf Jahre alt und der einzige Luxus, den sich Tom damals geleistet hatte, als er von SHM direkt nach dem Jurastudium an der Universität von Georgetown eingestellt worden war.

Er ließ den Motor an und fuhr zügig die Auffahrt hinauf aus der Garage, wobei er fast zwei junge Männer in Anzug und Krawatte über den Haufen fuhr. Beide zeigten ihm den Mittelfinger. Lobbyisten, dachte sich Tom. Tragen immer noch Krawatten am Samstag.

Die nervig bimmelnde Aufforderung, sich anzuschnallen, ertönte, als er in die M Street einbog, worauf er den Gurt mit einer Hand anlegte, während er nach Süden auf die New Hampshire Avenue fuhr. Er spähte auf die Uhr im Cockpit. Scheiße. Gayle würde ihn umbringen.

Nachdem er zum vierten Mal an eine rote Ampel geraten war, holte er widerwillig sein Handy hervor. Eigentlich war es im Distrikt gesetzlich untersagt, beim Fahren mit dem Handy zu telefonieren, aber jeder wusste, dass die gesamte Regierung und die Geschäfte all derer, die mit ihr ihren Lebensunterhalt verdienten, auf einen Schlag zum Stillstand kämen, wenn man dieses Gesetz mit aller Härte durchsetzen würde. Außerdem stand er an einer Ampel und fuhr somit technisch gesehen gar nicht.

Als er hörte, wie die Verbindung zustande kam, verzog er das Gesicht, denn er wusste, was gleich folgen würde.

»Wo zum Teufel bist du? Janie, Angie und die anderen beiden Siebenjährigen stehen hier in meiner Küche und warten auf dich.«

»Tut mir leid, ich …«

»Wie willst du es überhaupt schaffen, innerhalb von weniger als fünfundvierzig Minuten hierherzukommen, sie abzuholen und zum Luft- und Raumfahrtmuseum zu bringen?«

»O'Neal brauchte noch den Vertragsabschluss vor …«

»Das ist mir egal! Es ist immer irgendetwas. Du ziehst deine Arbeit und dich selbst immer der Familie vor.«

Die Antwort kam aus seinem Mund geschossen, noch bevor er sich davon abhalten konnte. »Man könnte der Familie auch vorziehen, mit dem Kinderarzt der eigenen Tochter zu schlafen.« Verdammt. Immer daran denken: Erst abwarten, dann reden. Erst abwarten, dann reden.

»Du blödes Arschloch.«

Tom atmete tief durch. Die Chancen standen prächtig, dass Janie in Hörweite war und das letzte, was sie jetzt brauchen konnte, nachdem sie sieben Monate mit der Trennung ihrer Eltern zu kämpfen hatte, waren erneute Streitereien. Er senkte die Stimme. »Schau, ich bin schon fast auf der Roosevelt Bridge. Kannst du sie mitnehmen? Ich kann dich am Museumseingang treffen und dir die Kinder dort abnehmen.«

»Meine Tochter ist kein Football. Außerdem haben David und ich etwas vor. Wenn du nicht in fünfzehn Minuten hier bist, kann ich vielleicht Rosie überreden, sie zu nehmen.« Sie legte auf.

Meine Tochter. Der Wechsel von unserer Tochter zu meiner Tochter vor ein paar Monaten war nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Gayle, Janie und Dr. Dave – er bestand darauf, dass ihn seine Patienten und ihre Mütter Dr. Dave nannten – wohnten in Toms ehemaligem Haus in Arlington, während Tom selbst nun ein winziges Ein-Zimmer-Apartment im Adams-Morgan-Viertel sein Zuhause nannte. Adams Morgan war bekannt für seinen vielfältigen Charme, eine Reihe der besten Latino-Restaurants der Stadt und die gewaltverseuchte Drogenkultur an seinen Randbezirken.

Rosie war Rosie Battaglia, Gayles Schwester. Sie, ihr Ehemann Gino und ihre junge Tochter Angie wohnten östlich der Connecticut Avenue im oberen Nordwesten von DC, nahe der Maryland Line, im versnobt-modischen Teil der Stadt.

Am Abend zuvor war Angie von Janie zum Übernachten eingeladen worden. Tom hätte sich gewünscht, dass das Übernachten bei Angie stattgefunden hätte; dann wäre seine Anfahrt aus der Innenstadt kürzer gewesen.

Die letzte Ampel vor der Brücke. Ein Auto stand vor ihm, ein uralter beigefarbener Buick mit Kennzeichen aus Ohio. Die Ampel wurde gelb.

»Fahr doch, fahr!« Aber anstatt Gas zu geben, wurde die Limousine langsamer und blieb an der Kreuzung ganz stehen. Tom hämmerte mit der Faust auf das Lenkrad ein. Er sah wieder auf die Uhr im Cockpit. Auf keinen Fall würde er es rechtzeitig schaffen.

Er konnte spüren, wie sein Gesicht mit steigendem Frust rot anlief. Er riskierte einen Blick zum Handschuhfach. Nur ein Schlückchen zur Beruhigung?

Die Ampel schaltete um. Er trat auf das Gaspedal und fuhr so dicht auf den Buick auf, dass er fast dessen Stoßstange touchiert hätte.

Als er um die Kurve bog, sah er blinkende Lichter auf der Brücke. Ein Unfall hatte den Verkehr zum Erliegen gebracht. Scheiße. Nur wenige Minuten von seiner Deadline entfernt, überlegte er, ob er die Fahrt nach Arlington aufgeben und noch einmal anrufen sollte, um Rosie anzubetteln, die Mädchen zu nehmen. Er könnte sie am Museum dann in Empfang nehmen.

Oder er versuchte es über das Memorial. Vielleicht gab ihm Gayle eine Gnadenfrist.

Er umfuhr den Buick und begab sich nach Süden, den Fluss entlang, dann bog er auf die Brücke und fuhr weiter nach Westen über den Potomac. Dort zog er rasch auf die Überholspur, wo ihn eine durchgezogene gelbe Linie vor dem aufkommenden Verkehr in östliche Richtung bewahrte.

In der Ferne sah er einen grünen Dodge Minivan von der westlichen Auffahrt der Brücke auf ihn zukommen. Rosie hatte einen grünen Minivan. Konnte es sein, dass Gayle die Kinder schon früh mit Rosie losgeschickt hatte? Warum hatte sie ihn dann nicht angerufen?

Er fischte sein Handy aus der Tasche, sah auf das Display hinab und scrollte bis zu ihrer Nummer. Er hatte ein System für sich entwickelt, bei dem er das Telefon mit rechts auf Augenhöhe halten konnte, um gleichzeitig weiter auf die Straße blicken zu können.

Er tippte rasch: auf der Mem brücke. Sind sie unterwegs? Dann drückte er ›Senden‹.

Der Minivan kam näher. Er erinnerte sich, dass Rosie ein orangefarbenes Band an die Antenne gebunden hatte, damit sie ihr Auto auf Parkplätzen schnell wiederfand. Ein roter Ford Pick-up vor dem Minivan fuhr hin und her, sodass Tom Schwierigkeiten hatte, die Antenne des Dodge zu erkennen.

Er hörte das Bimmeln einer ankommenden SMS und sah hinunter, um Gayles Nachricht zu lesen.

Ja. Konnten nicht warten. Sind nicht glücklich. Treffen bei Museum.

Großartig. Warum konnte sie nicht …?

Er wurde von quietschenden Reifen und lautem Hupen aus seinen Gedanken gerissen.

Tom sah hoch und erkannte, dass er auf die Gegenfahrbahn geraten war und schnurstracks auf den grünen Minivan zuhielt.

Er trat mit aller Kraft auf die Bremse und zog scharf nach rechts.

Anstatt zu gehorchen, schleuderte der Lexus wie ein Frisbee über den Gehsteig, rammte zuerst den Minivan frontal und prallte dann ab, um in das Heck des roten Pick-up zu krachen. Der Pick-up knallte in einem seltsamen Winkel gegen den Randstein. Er hob ab in die Luft und schien dort lange Zeit zu verweilen, bevor er mitten auf der Straße auf dem Dach landete. Die Wucht der Kollision stieß den Minivan auf den Bürgersteig, wo er von einer Straßenlaterne abprallte und auf den zwei rechten Reifen weiterrollte. Er rollte wippend neben das Brückengeländer, wo er in den Potomac zu kippen drohte.

Der kürzer als eine Sekunde dauernde Eindruck eines orangefarbenen Bändchens kam ihm in den Sinn.

Für einen Moment sah er Janies Gesicht gegen die Scheibe des Vans gepresst aufblitzen.

Dann sah er nichts mehr.

Ende der Leseprobe

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