MIT ZÄHNEN UND KLAUEN

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Craig DiLouie

PANDEMIE-THRILLER

»Fans des Genres darf dieser Titel unbedingt ans Herz gelegt werden – ein heftiger, gut geschriebener und dramatischer Roman mit einer äußerst apokalyptischen und dennoch (im Rahmen des Genres) glaubhaften Handlung. Meiner Ansicht nach eines der stärksten Bücher dieses Genres!« [Parsec]

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Inhalt


Wie die Welt enden wird? Nicht mit einem Knall, nicht mit einem Wimmern, sondern in einem Gemetzel!

Als eine neue Pest in Form eines Tollwutvirus Millionen Menschen infiziert, holt Amerika seine Streitkräfte aus der ganzen Welt zurück, um seine Krankenhäuser und andere wichtige Gebäude zu schützen.
Die Infektion weitet sich unkontrollierbar aus, die tollwütigen Opfer werden extrem gewalttätig.
Lieutenant Todd Bowman führte seine Einheit durch die Schrecken des Krieges im Irak. Jetzt muss er seine Männer in New York durch einen Sturm der Gewalt führen, um eine Forschungseinrichtung zu sichern, die ein Heilmittel verspricht. Doch in dieser Mission sehen sich die Männer der Charlie Company einer schrecklichen Schlacht mit einer furchtlosen und endlosen Horde gegenüber – einer Horde, bewaffnet mit Zähnen und Klauen.
WAR IS HELL – dieses Sprichwort bekommt für die Jungs der Charlie Company in dieser Apokalypse eine ganz neue Bedeutung!

Zusätzliche Information

Ersterscheinung

2014

Formate

Klappenbroschur / Ebook (epub, mobi)

Seiten

400

ISBN

978-3-943408-23-2

eISBN

978-3-943408-64-5

Leseprobe


Die Welt wird nicht ohne einen Krieg untergehen

Als er nur kurz die Augen schließt, schläft Private First Class Jon Mooney sofort ein, obwohl er schweißgebadet in Panzerweste und mit einem M4-Karabiner in Händen hinter Stacheldraht und Sandsäcken am Checkpoint steht. Sein Kopf fällt ihm unter dem Gewicht des Kevlar-Helms auf die Brust, vor seinen Augen beginnt es zu flimmern und er wähnt sich wieder im Irak – nur einen Augenblick lang – als Wachposten an einer Straßensperre im Bezirk Adamiyah in Bagdad, während über ihm Apache-Hubschrauber knattern, einheimische Kinder auf der Straße Kaltgetränke feilbieten und Scharfschützengewehre in Fensterrahmen auftauchen.
Sein Herz rast, die Augen irren auf der Suche nach Bedrohungen umher und fokussieren schließlich zum gefühlten hundertsten Mal die Werbetafel auf der gegenüberliegenden Seite der Kreuzung. Das breite Plakat, auf dem mehrere Models in rosafarbenem Schaumbad herumplanschen, prangt vom Dach einer Burger-King-Filiale, zwischen einem Elektronikgeschäft und einem Kleiderdiscounter. Er begreift den Sinn des Fotos nicht und weiß nicht einmal, wofür es wirbt, aber es spricht ihn an. Es macht ihm ein Angebot zur Flucht, nach der er sich geradezu händeringend sehnt, obwohl er keine Worte dafür findet.
Das hier ist nicht der Irak, sondern New York City.
Der Burger King und alle anderen Geschäfte in diesem Bereich der First Avenue wurden wegen der Epidemie geschlossen, ihre Fassaden mit schwarzen Metallgittern verbarrikadiert, als sei die gesamte Straße ein riesiges Gefängnis. Verlassene Autos und Müll versperren die Fahrbahn und den Fußgängerweg, ausgehend vom Checkpoint bis zu den Straßensperren aus Beton einen Häuserblock weiter.
Eigentlich ist dies sein Zuhause. Die Wolkenkratzer Manhattans ragen über der schmutzigen Straßenszene in die Höhe und die Sonne reflektiert von ihren Fenstern. Mooney späht blinzelnd ins Licht, bis er die funkelnde Spitze des Chrysler Buildings ausmacht. Dort oben sieht alles ruhig, fast unbeschwert aus. Man könnte innehalten und eine Weile im lauen Wind ausharren.
Vor 46 Stunden noch saß er am anderen Ende der Welt mit dem Rest des 2. Platoons der Kompanie Charlie auf einer Landebahn und wartete auf seinen Flug nach Hause. Natürlich nannten sie es nicht Flucht; die Obrigkeit umschrieb es als »notfallmäßige Versetzung«, ihre Vorgesetzten am Boden sprachen von »Rückzug« und die Soldaten von einer »Riesenschweinerei«, dem »Inbegriff des Chaos« oder einer »klasse Gelegenheit, zu sterben«. Egal wie man es bezeichnete: Die Armee holte auf einen Schlag Zehntausende Einheiten zurück, während die irakische Regierung ihre Zelte in der internationalen Zone abbrach und die verschiedenen Stämme sogleich dazu übergingen, alte Rechnungen zu begleichen, wenn sie zwischen ihren fanatischen Attentaten auf die sich zurückziehenden Amerikaner Zeit dazu hatten.
Mit allem, was fliegen oder schwimmen konnte, kehrten die Soldaten nach Hause zurück und wurden an verschiedene Standorte in den Vereinigten Staaten versetzt. Die logistische Leistung des Truppenrückzugs von Stützpunkten überall auf der Welt in die Heimat war verblüffend. Mooneys Zug – Schützen der leichten Infanterie, deren Haut verbrannt war von der Sonne des Mittleren Ostens und die aus ihren Hosentaschen noch Sand schöpften – wies man diesen Abschnitt der First Avenue von Manhattan zu. Ihr Auftrag: Das Trinity Hospital absichern.
Zwar war dies nicht die Heimkehr, auf die sich Mooney während des vergangenen Jahres gefreut hatte, doch wenigstens schoss niemand mehr auf ihn.
Er zwingt seine Gedanken zurück in den Augenblick. In der Nähe des Checkpoints taucht der alte Mann wieder auf und belästigt wie gehabt jeden, der versucht, zu den Soldaten und ins Krankenhaus zu gelangen. »Ich würde an Ihrer Stelle nicht da reingehen«, gibt er zu bedenken. Er ist glatt rasiert und hat lange, graue Zotteln. Auf seinem T-Shirt steht: CLEVERSTER DUDE WEIT UND BREIT.
»Aber ich bin hungrig«, meint der Angesprochene. »Es gibt kaum mehr Lebensmittel in den Läden, und ich habe nichts.«
Mooneys Zugführer, Corporal Eckhardt, winkt eine junge Frau durch, die offensichtlich mit Hongkong Lyssainfiziert ist und sich auf einen Mann stützt, der wohl ihr Gatte oder Freund ist. Sie glüht vor Fieber und leidet an Zuckungen.
»Tut mir leid«, gibt Eckhardt denjenigen zu verstehen, die nach ihnen in der Schlange stehen. »Wir verteilen auf diesem Posten keine Nahrungsmittel. Versuchen Sie es an den Adressen auf dieser Liste; die Stadtverwaltung hat sie ausgegeben.«
»Leute gehen da rein«, bemerkt der Alte, indem er jedem in Sichtweite zunickt, »kommen aber nie wieder raus.«
Der elende Bastard weidet sich offensichtlich an dieser Tatsache.
Mooney seufzt, während er dabei zusieht, wie die Menschen zwischen den verlassenen Fahrzeugen hindurchströmen, um sich in einem der zusehends schwindenden freien Betten des Trinity Hospitals behandeln zu lassen. Der Andrang der Infizierten scheint nicht abzureißen.
Jon Mooney ist seinen Militärdienst leid, aber bald hat er alles überstanden: noch 27 Tage und ein Morgenappell, bis seine Verabschiedung offiziell ist und die Army ihn gehen lässt. Dann sagt er dem Irak, New York und dem Rest der Welt Alpha Mike Foxtrot – Adios, Motherfucker.
Doch die Tage ziehen sich dahin. Wie die meisten Angehörigen seines Platoons ist er noch ein halbes Kind, 19 oder 20 Jahre alt, aber mit Abzeichen auf der Schulter, die von Kampferfahrung zeugen und sie als Veteranen ausweisen – Infanteristen: schlank, fit und hungrig.
Mooney ist erschöpft und hat bereits zu viel gesehen, das er liebend gerne vergessen würde. Er will einfach nur noch nach Hause, alte Schallplatten sammeln und bis zwei Uhr morgens vor der Glotze hängen. Vielleicht gelingt es ihm auch, wieder mit Laura anzubandeln und sich eine Wohnung zu besorgen – irgendeinen abgeschiedenen Zufluchtsort, an dem er eine Zeit lang allein sein kann.
»Nächster!«, bellt Eckhardt. »Los Leute, kommt in die Gänge.«
»Alle gehen rein, und keiner kommt wieder raus«, kräht der alte Mann.
»Mister, ich glaube, es ist an der Zeit, dass Sie Ihr Schandmaul halten«, sagt Specialist Martin von der Waffenstaffel, während er sich über sein M240 Kaliber .30 beugt, das auf einem Dreibein montiert von einem Haufen Sandsäcke aus in die First Avenue zielt. Auf dem Boden neben ihm sitzt der Ladekanonier – ein Typ, den alle Boomer nennen – und lacht.
»So gehen Sie also mit einem um …«, hebt der Alte an, ehe er sich in Bewegung setzt und davontrottet, da Martin sein Maschinengewehr gerade so weit herumschwenkt, dass es bedrohlich wirkt. »Schon klar, ihr Kerle habt den richtigen Beruf gewählt«, ruft er mit Blick über die Schulter nach hinten, während er sich torkelnd zwischen den Autos entfernt. »Ohne einen Krieg wird die Welt nämlich nicht untergehen!«
»Alpha Mike Foxtrot!«, gibt ihm Martin grinsend mit auf den Weg, woraufhin sein Ladekanonier erneut kichert.
»Einen Krieg, Bruder gegen Bruder!«, ergänzt der Mann von Weitem.
Mooney ist sich der Bedeutung dieser Worte nur vage bewusst, schaudert aber, aus welchem Grund auch immer.
»Das gibt’s nur in New York«, meint Boomer und schüttelt den Kopf.