LEVIATHAN RISING

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Jonathan Green

FANTASY/STEAMPUNK

Band 2
Serie: Pax Britannia

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Beschreibung


Er erhebt sich aus der Tiefe … und er hat Hunger!

In 80 Tagen um die Welt – mit Stil! Dieses vollmundige Versprechen der Carcharodon Shipping Company soll mit der Jungfernfahrt des neuesten und mehr als beeindruckenden Unterwasserkreuzfahrtschiffs Neptune auf die Probe gestellt werden.
Unter den Reisenden befindet sich auch Ulysses Quicksilver, der Dandy-Abenteurer und Held von Magna Britannia, um sich eine wohlverdiente Ruhepause nach den traumatischen Erlebnissen des 160. Thronjubiläums von Queen Victoria zu gönnen.
Doch bereits wenige Tage nach dem Besuch der Unterwasserstadt Pacifica kommt es zur Katastrophe. Ein brutaler Mord wird begangen, und kurz darauf wird die Neptune Opfer einer Sabotage, welche das Schiff in die bodenlose Tiefe des Meeres sinken lässt. Doch gefangen auf dem Meeresgrund, haben die Probleme für die Überlebenden gerade erst begonnen. Denn hier unten lauert ein jahrzehntealtes Geheimnis auf sie.
Der Leviathan ist erwacht und erhebt sich hungrig aus der Tiefe. Wenn er sich auf die Jagd begibt, wird niemand seiner urzeitlichen Wut entkommen …


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Zusätzliche Information

Ersterscheinung

2014

Format

Klappenbroschur / Ebook (epub, mobi)

Seiten

432

ISBN

978-3-95835-030-4

eISBN

978-3-95835-031-1

Leseprobe


Reise zum Meeresgrund

 

Die Venture – ein Dampfschiff, welches vor sechs Tagen Shanghai verlassen hatte – tuckerte Rauch und Dampf rülpsend durch die Wildnis des Ozeans und kämpfte gegen das Auf und Ab der Wellen an. Mit seinem rostigen Deck und den vom Wetter gekrümmten Planken, stemmte sich das dreckige und laute Schiff gegen die Wogen des Meeres. Der Horizont war wolkenverhangen, darunter lag der Pazifik wie eine wogende Masse brodelnder Dunkelheit. Seevögel, weiße Flecken auf dem Grau des Himmels, erhoben sich weit über der einsamenVenture. Ihre misstönenden Schreie verloren sich im heulenden Wind und dem Krachen der Wellen gegen den Bug des Schiffes. Der Dampfer wirkte wie ein rostiger Fleck im trägen Steigen und Fallen des schwarzen Wassers.
  Das Schiff schlug in einen weiteren Wellenkamm, und das dröhnende Scheppern des Aufpralls schallte durch den Rumpf und ließ die Kielräume erzittern. Captain Engelhard – ein Deutscher bayrischer Abstammung – blickte durch das salzverkrustete Glas vor sich auf die wellenförmige Berge aus Wasser, welche die Venture umschlossen. Soweit das Auge reichte war kein Land in Sicht. Nach Engelhards Erfahrung gehörte das wilde Wasser des südchinesischen Meeres zu den rauesten und unberechenbarsten Gewässern der ganzen Welt – nicht unähnlich dem abgebrühten Captain selbst. Mager wie eine Seeschlange und potenziell doppelt so giftig, verlangte Engelhard den Respekt seiner Crew – und deren Furcht. Es war genau wie beim alten Runcorn, unter welchem er seine erste Anstellung als Schiffsjunge auf den Handelsrouten zwischen dem Imperium von Magna Britannia und China inne hatte, und nach welchem Vorbild er seinen eigenen Führungsstil modellierte, nachdem er das Kommando über die Venture aufgrund Runcorns vorzeitigem Ableben übernahm.
  Nach seiner Erfahrung lief es so: Ein Seemann, der seinen Captain respektierte, seinem Urteil vertraute und seine Entscheidungen ehrte, würde ihm über die sieben Weltmeere bis zum Ende der Welt folgen. Aber einen Mann, der einen fürchtet, den konnte man hinab in Davy Jones Reich oder gar in den Schlund der Hölle selbst führen. Und das war die Sorte Mann, die Engelhard auf seinem Schiff haben wollte.
  Einer dieser Männer war sein Erster Offizier, Mr. Hayes. Die Crew derVenture war eine weltbürgerliche Gemeinschaft, Hayes selbst kam aus Rhodesien. Der cremefarbene Wollpullover den er trug, stand im scharfen Kontrast zu seiner wie poliert wirkenden ebenholzfarbenen Haut. Er war ein Riese von einem Mann, größer und breiter als Engelhard; seine Loyalität erkauft mit dem Versprechen auf Reichtum, seine Grausamkeit hingegen mit dem, was auch immer ihm in seiner Jugend widerfahren war und dafür gesorgt hatte, dass er aus seiner Heimat aufs offene Meer geflüchtet war.
  Eine volle Ladung des besten Opiums von den Mohnblumenfeldern der Provinz Sichuan, gebündelt für die Räucherhöhlen von Magna Britannia, befand sich im Bauch des Schiffes. Engelhard brauchte eine Crew, auf die er sich blind verlassen konnte. Er kannte die Risiken solcher Unternehmungen gut genug. Die Risiken, die man für einen gesteigerten Profit und die Aussicht auf ein sorgenfreies Leben auf sich nahm – für willige Ladys und eine nie versiegende Menge Rum. Deshalb brauchte er Männer, die nicht zu zittern anfingen, sobald sie einem Beamten der königlichen Finanzbehörden gegenüberstanden. Auch das Risiko, auf einen Konkurrenten auf hoher See zu treffen, war jederzeit gegeben; ein anderer Captain, der mit einer Lieferung Opium für den Westen das große Ding drehen wollte.
  Seit jeher gab es alte Seefahrerlegenden über diese Gewässer. Die meisten handelten vom mysteriösen Verschwinden verschiedener Schiffe während der letzten Jahrhunderte. Es wurde behauptet, dass die unergründlichen Tiefen des südchinesischen Meeres zu den tiefsten Tiefen der Welt gehörten. Der Boden des Ozeans sei angeblich so zerklüftet, dass niemand – noch nicht einmal unbemannte Sonden – jemals in der Lage sein würden, den endgültigen Grund zu erreichen. Und wenn man die bekannten Monster in der Weite des Meeres berücksichtigte, traute man sich gar nicht erst zu fragen, was in diesen zerklüfteten Tiefen hausen mochte.
  Allerdings gab es solche Geschichten über jedes Meer der Welt. Geschichten, die das Unerklärliche erklären wollten. Gerüchte über Killerwellen und das spurlose Verschwinden von Schiffen wurden besonders gern von Sklavenhändlern in die unterschiedlichsten Winkel der Welt getragen. Die Tatsache, dass sich die Berichte über das unerklärliche Verschwinden von Schiffen in den letzten Jahren vervielfacht hatten, bedeutete für Captain Engelhard nichts anderes, als das der Opiumhandel und der Wettbewerb zwischen den entsprechenden Captains mit ihren Mannschaften vermehrt einen tödlichen Ausgang gefunden hatte.
  Nicht, dass Engelhard häufig im Wettbewerb zu einer anderen Mannschaft stand. Dafür war er zu umsichtig. Außerdem hatte er in Vorsichtsmaßnahmen investiert. Eine davon war die alte Walkanone, welche am Bug des Schiffes befestigt war.
  Trotz der feucht-kalten Gischt und des kühlen Windes war es in der Kabine ungemütlich warm, dank der überschüssigen Hitze des verrauchten Maschinenraums darunter. Die Luft war dick und voll vom Aroma des Opiums. Die Stahlhülle des Dampfschiffes schlug erneut lautstark gegen die schwarze Wand des Wassers. Das Schiff kämpfte sich durch und schon hob sich der Bug wieder, während die Welle in einem Vorhang aus weißem Schaum zerbarst. Wasser prasselte auf die verschmierte Glasscheibe vor Engelhard und wurde vom Wind davongetrieben. Die Venture senkte sich erneut in das nächste Wellental hinein.
  Die Kraft einer Kollision stoppte das Schiff abrupt in seinen Bewegungen. Der heftige Aufprall krachte durch jedes Deck und jede Kabine des alten Dampfschiffes. Das Schiff bockte, und Engelhard flog über das Steuerrad genau gegen die Glasscheibe. Das Steuerrad schlug ihm in den Magen und presste ihm die Luft aus der Lunge. Engelhard keuchte und fluchte.
  Das wogende Meer zerrte an der Venture, doch aufgrund seiner Erfahrung eines Lebens auf dem Meer wusste Engelhard, dass das Schiff nirgendwo mehr hinfahren würde. Unglaublicherweise war es irgendwie komplett zum Halten gekommen! Das normale Heben und Senken des Schiffes auf dem Meer, welches es wie einen Korken schwimmen lassen sollte, war kaum noch zu spüren.
  Tausende Gedanken rasten durch seinen Kopf. Was hatten sie gerammt? Er hatte doch draußen nichts entdecken können. Die Instrumente derVenture hatten auch nicht vor einem anderen Schiff auf Kollisionskurs gewarnt. Was könnte ein Dampfschiff zu solch einem abrupten Halt zwingen, weit entfernt vom Land und mit nichts als der Tiefe des Mariannengrabens unter sich? Waren sie mit einem Unterseeboot kollidiert? Doch wäre das der Fall, wie war dann der komplette Stopp des Schiffes zu erklären? Die Maschinen arbeiteten gleichmäßig weiter, die Schiffsschraube drehte sich und doch bewegte sich das Schiff keinen Millimeter. Es war fast, als wären sie auf Grund gelaufen, was hier draußen jedoch vollkommen unmöglich war.
  Die Kabine füllte sich mit der aufgeregten Mannschaft. Alle kamen herauf, um zu erfahren, was geschehen war.
  »Was war das, Captain?«, fragte Hayes.
  Das Schiff schwankte erneut und Engelhard griff nach dem Steuerrad um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Andere Männer griffen nach Handläufen oder fielen auf dem Kabinenboden auf die Knie.
  »Wir sitzen irgendwo drauf«, zischte er. »Mr. Hayes, übernehmen Sie das Steuer!«
  Engelhard lief aus der Kabine. Die Hälfte seiner Crew folgte ihm. Er schaute über die Reling, dabei hielt er sich an der Walkanone fest. Zuerst sah er lediglich schwarzes Wasser und weißen Schaum, welcher gegen die Hülle des Schiffes schlug. Doch dann erblickte er es! Irgendetwas Graues und Unklares. Eine pockennarbige Fläche unter dem Schiff, in welcher sich der Kiel verfangen hatte. Etwas Gewaltiges!
  Das Schiff hob sich plötzlich gefährlich nach Backbord. Der Captain und seine Männer wurden zurück in Richtung der Kabine geschleudert und krachten gegen die Wand. Engelhard zog sich zurück an die Reling und sah, wie der graue Schatten langsam unter dem Schiff vorbeiglitt.
  Dann setzte sich die Venture ebenfalls in Bewegung. Hayes verkrampfte, als sich das Steuerrad mit einem Mal bewegte und er versuchte, das torkelnde Dampfschiff wieder auf den alten Kurs zu bringen. Was immer dieses Ding gewesen war, es entfernte sich nun von dem Schiff. Captain Engelhard starrte auf den großen stromlinienförmigen Schatten, als dieser unter den Wellen davon glitt. Der Dampfer nahm wieder Fahrt auf, als wenn nichts geschehen wäre. Das war mal eine Geschichte, die er nach seiner Rückkehr nach Plymouth im The Smuggler\’s Rest von sich geben konnte.
  Sein Blick verblieb nach wie vor auf dem … was immer es war … und Engelhards verwundertes Gehirn benötigte etwas länger, bis er realisierte, dass das Ding gewendet hatte und nun erneut auf die Venturezusteuerte. Die große Gestalt erhob sich aus den stygischen Tiefen. Grau-grünes Fleisch durchbrach die Meeresoberfläche. Ein blasenwerfendes V weißen Wassers zeigte deutlich, wie schnell es immer näher kam.
  »Mein Gott!«, keuchte Engelhard. Angst durchdrang ihn. Im nächsten Moment wandelten sich Angst und Unglaube in Instinkt und eingeübte Routinen. »Alle auf ihre Posten!«
  Mr. Hayes blieb am Steuerrad. Der Rest der Mannschaft rannte über Deck, um seinem Befehl zu folgen. Captain Josef Engelhard selbst sprintete zum Bug des Dampfers, den auf dem Weg liegenden Hindernissen – Bündeln von Stahlkabeln, Pfosten, bedeckten Bodenluken – wie im Schlafe ausweichend, hinüber zur Walkanone, welche dort wie eine wütende Kriegs-Gallionsfigur thronte.
  Während die Unterseekreatur, oder was immer es war, weiter auf dieVenture zuschoss, erreichte er die auf einem Drehgelenk befestigte Waffe. Seine Hände schlossen sich um die Griffe, rissen die Kanone herum und richteten sie auf die näherkommende Masse aus.
  Engelhard schoss, ohne zu zögern. Die zwei Meter lange Harpune mit ihrer gezackten Spitze löste sich aus der Kanone. Sie zog ein hochdehnbares Stahlkabel hinter sich her, welches sich von einer Winde entrollte und schlug in den weißen Schaum des Meeres. Das Kabel zog sich stramm und der Bug senkte sich gefährlich. Die Venture wurde scharf herumgerissen, als die Harpune ihr Ziel traf, und die Seemänner klammerten sich fest, als das Schiff herumgerissen wurde. Hayes stoppte die Maschinen, um den Widerstand abzumildern. Dann war es still. Das Meer um den Dampfer bewegte sich sanft auf und ab und das Stahlseil lockerte sich.
  »Wir haben es erwischt«, sagte Engelhard und konnte es selbst kaum glauben. »Wir haben es erwischt!«
  Er verließ die Harpune und schwankte zurück zum Kabinenaufbau, dabei grinste er in die verblüfften Gesichter seiner Mannschaft. »Wir haben es! Holt es ein, damit wir sehen, was wir da gefangen haben. Danach können wir überlegen, was es uns auf dem Schwarzmarkt einbringen wird.«
  Mit einem gefährlichen Ruck zog sich das Kabel erneut stramm und klirrte wie eine gespannte Gitarrensaite. Der Bug senkte sich erneut.
  »Was in Teufels Namen!« war alles, was Engelhard herausbringen konnte, bevor seine Welt aus den Angeln gehoben wurde und das Deck unter ihm verschwand. Sein Fall endete abrupt an der Walkanone.
  Die mit Bolzen solide befestigte Kanone wackelte, als die Venture sich aufstellte. Der Bug des Schiffes verschwand in der blasenwerfenden Meeresoberfläche. Gleichzeitig explodierte das Meer um das Schiff herum. Sich krümmende Formen, lediglich als Silhouette vor dem grauen Himmel zu erkennen, wuchsen an allen Seiten des Schiffes empor und schlugen auf den Dampfer nieder, wickelten sich grausam und erdrückend um ihn. Der Schornstein knickte ein und das Dach des Kabinenaufbaus zersplitterte. Die Hülle protestierte knarzend, als sie erst verbogen und anschließend in dutzende Stücke zerrissen wurde.
  Mit einem plötzlichen Whoomph wurde die Venture gewaltsam unter die Wasseroberfläche gezogen. Das aufgewühlte Wasser schloss sich über ihr und füllte das Loch, wo kurz vorher noch das Schiff gewesen war. Von einem Moment auf den anderen war nichts vom Opium, dem Dampfschiff oder seiner Mannschaft zurückgeblieben.
  Stille senkte sich über den Meeresspiegel. Ein paar zerbrochene Holzbretter und Ölflecken waren die einzigen Anzeichen, dass hier jemals ein Schiff gewesen war. Zwischen dem wenigen Treibgut befand sich außerdem ein einzelner abgenutzter Rettungsring, auf welchem der Name Venture stand. An diesem klammerte sich ein fast bewusstloser Captain Engelhard.

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