JURASSIC DEAD

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Rick Chesler & David Sakmyster

HORROR-THRILLER

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Beschreibung


In einem unterirdischen See in der Antarktis hoffen Forscher bisher unbekannte mikrobielle Organismen studieren zu können. Doch was sie entdecken, ist weitaus erstaunlicher: vollständig erhaltene Dinosaurier-Leichen.

Nachdem einer der Leichname auftaut und mit Heißhunger erwacht, wird deutlich, dass der Tod nicht zwangsläufig das Ende ist und das Leben immer einen Weg findet.

Umweltaktivist Alex Ramirez, Sohn des Expeditions-Paläontologen, kam in die Antarktis, um die Organismen vor dem Aussterben zu bewahren. Nun muss er schnell lernen, dass es die menschliche Rasse ist, die Schutz benötigt.


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Zusätzliche Information

Ersterscheinung

2016

Format

mobi), Taschenbuch / Ebook (epub

Seiten

312

ISBN

978-3-95835-099-1

eISBN

978-3-95835-100-4

Leseprobe


Südlicher Polarkreis, russische Bohranlage Theta-1, fünf Meilen südlich von Vostok

Alex Ramirez wünschte sich, an der Oberfläche geblieben zu sein. Auf halben Weg hinab in das gerade erst gebohrte Loch war die Temperatur tatsächlich auf milde -29 Grad Celsius gestiegen, und zumindest peitschten momentan keine brutalen Windböen mehr auf sie ein, doch er hätte die Kälte dieser Umgebung jederzeit vorgezogen. Genau genommen wünschte er sich mehr und mehr, daheim in San Diego geblieben zu sein.
  Wie hatte er sich nur von Tony zu diesem Wahnsinn breit schlagen lassen können – zu dieser verrückten und todesmutigen Aktion, im Herzen zweier herzloser Nationen zu bohren und zu versuchen, sich auf Kosten der Natur zu bereichern?
  Ach ja, richtig, dachte Alex, weil mein Vater einer dieser herzlosen Säcke ist.
  In einem Szenario, das an ein Aufleben des Kalten Krieges im Jetzt erinnerte, hatten Russland und die USA an gegenüberliegenden Seiten eines riesigen Untergrundsees Lager aufgeschlagen, und kämpften um eine Entdeckung, welche die gesamte Welt der Wissenschaft in Atem hielt. Durch den hohen Druck von zwei Meilen dickem Eis war im Laufe von Jahrmillionen ein Hohlraum entstanden, der den Gletscher verdrängt, erhitzt und geschmolzen hatte, wodurch es schließlich zu diesem enormen unterirdischen Becken gekommen war.
Erste Untersuchungen hatten ergeben, dass es darin nur so vor mikroskopisch kleinen Bioorganismen wimmelte, die zum Teil Hunderte Millionen Jahre alt sein könnten.
In der Annahme, Wettbewerb fördere Innovationen und führe zum Erfolg, richteten die Vereinten Nationen ein Rennen aus, um zu erfahren, welches Land am schnellsten dort sein würde. Am Ergebnis hing viel mehr, als nur Stolz, denn die Forschungsergebnisse und die biologischen und mineralischen Funde dort unten konnten erheblich sein und – wie Alex und Tony befürchteten – dazu führen, dass der letzte unberührte Kontinent der Erde weiter ausgebeutet wurde. Die Antarktis war der einzige Ort auf dieser Welt, den die Großkonzerne in ihrer Gier noch nicht geschröpft hatten. Falls niemand einlenkte und diese winzigen Lebensformen schützte – die bestimmt nicht vor modernen Schadstoffen gefeit waren, geschweige denn weiteren Abtragungen, der Erosion und völligen Zerstörung ihres natürlichen Lebensraumes –, musste er sich dieser Aufgabe selbst annehmen.
Alex stellte nun die Kamera ein, die er auf einem Stativ um seinen Hals montiert hatte. Die Simultanaufnahme war aktiviert, sodass sie nicht nur das filmte, worauf er sie richtete, sondern auch die Umgebung seines Gesichts, während er sich abseilte.
»Wie weit noch?«, rief er unter seiner Kapuze ins Mikrofon.
Durch die vielen Schichten verstand er Tonys Antwort kaum. Aufgrund der anhaltenden Dunkelheit oberhalb und den noch dunkleren Verhältnissen hier unten nahm sein Nachtsichtgerät die leuchtenden Umrisse zwanzig Yards unter ihm nur schemenhaft wahr.
  »Was?« Komm schon, Mann, lass mich nicht hängen – im wahrsten Sinn des Wortes.
  Die Eisdecke verjüngte sich an dieser Stelle zu einem steilen Gefälle, wo der russische Bohrer umgelenkt worden war, und fiel dann schräg ab, je näher man der Öffnung zum See kam. Dieser lag laut seines GPS anderthalb Meilen voraus. Im Gegensatz zu der amerikanischen Grabungsstätte bot diese hier den Vorteil verschiedener Vorstoßarten, unter anderem über diesen Hang, doch dabei das Festgestein und andere Hindernisse zu meiden war vermutlich schwieriger als ein geradlinig senkrechter Abstieg.
Alex schaute auf den Monitor der Kamera und vergewisserte sich noch einmal seiner Entfernung zu Tony, wobei er ihre beiden Icons dicht nebeneinander sah.
»… bringe die Ladungen an«, kam Tonys Stimme knisternd durch seine Hörmuschel. »Bin fast da.«
»Hör auf, Däumchen zu drehen! Kannst du mir mal sagen, warum du mich hier unten brauchst? Ich hätte doch auch an der Oberfläche bleiben können, um die Steigausrüstung im Auge zu behalten und aufzupassen, dass du nicht abstürzt und mit dem Arsch in den See plumpst.«
  »Zur Sicherheit!«, rief Tony zurück. »Diese Mission ist wichtig und darf einfach nicht fehlschlagen. Wir haben nur einen Versuch, also wie gesagt: Sicherheitshalber … und wegen unserer Wärmesignatur.«
  »Was?«
»Die russische Basis befand sich genau hier, Mann. Jetzt mal ehrlich, obwohl es dort oben fast stockfinster ist und es extrem zieht, kannst du deine Hand darauf verwetten, dass sie Infrarotkameras und Sensoren haben. Wir können uns glücklich schätzen, wenn sie uns bisher nicht entdeckt haben.«
»Das hat nichts mit Glück zu tun«, erwiderte Alex. Er grunzte, nachdem er ungünstig mit dem Fuß aufgekommen war, und stieß sich dann weiter halb laufend, halb hüpfend nach unten vor, bis er endlich die Seilklemmen zu fassen bekam, um sich zu bremsen. Er hatte Tony fast erreicht, sah aber immer noch sehr wenig.
»Wir haben hart hierfür trainiert«, fügte er hinzu, nachdem er endlich festen Tritt gefasst hatte. »Und den ganzen Zuschuss verpulvert, den wir über Kickstarter zusammentragen konnten, um diese schicken Apparate, Grafiken und Schaubilder der Basen sowie Informationen über deren Sicherheitsvorkehrungen zu besorgen, nicht zu vergessen das Charterflugzeug von Chile aus.«
»Ich hätte das Geld besser in ein paar zusätzliche Flugstunden für dich investieren sollen.«
»Ich habe meine Prüfung bestanden!«
»Schon, aber mit eindeutig zu wenigen Stunden.«
»Du kennst doch den Spruch: Jede Landung, nach der man alleine aussteigen kann …«
»Konnten wir, aber nur mit Mühe und Not, zumal die Maschine jetzt im Arsch ist. Hoffentlich hast du keine allzu hohe Kaution hinterlegt.«
»Alles nur Versicherungsbestimmungen, und überhaupt: Wir kehren wahrscheinlich sowieso nicht zurück, jedenfalls nicht aus freien Stücken beziehungsweise ohne festgenommen zu werden. So lautete schließlich der Plan.«
»Ein Gefängnisschiff, was anderes bleibt uns nicht übrig.« Tony fuhr mit der Verdrahtung fort, klopfte noch mehr Eis rings um den C-4 fest und rieb sich anschließend die Hände. »Wie dem auch sei, wir brauchen uns keinen abzureißen. Die Bewachung dort oben ist ein Witz.« Er hob eine Hand, als sein Freund näherkam. Dann trat er zur Seite, woraufhin Alex die Augen wegen seiner Taschenlampe zukniff. Damit leuchtete er auf die Sprengstoffladung, für die er mit einem kleinen Pickel in seiner linken Hand einen Riss in das Eis geschlagen hatte.
»Es scheint so, als hätten sie alle eine Pause gemacht, um sich Wodka hinter die Binde zu kippen. Hoffentlich stellt uns die amerikanische Seite vor eine größere Herausforderung.«
Alex zuckte mit den Achseln. »Warum sind wir nicht einfach dankbar dafür?«
Die Leichtigkeit, mit der sie so weit gekommen waren, brachte ihn allerdings ins Grübeln. Das hätte er nie erwartet; eigentlich hatte er fest damit gerechnet, zu diesem Zeitpunkt mit Tony bereits in russischer Haft zu sitzen, und wäre ihm ein Anruf gestattet worden, hätte er sich aus dem Eis bei seinem Vater gemeldet, um ihm die frohe Kunde zu übermitteln, das sein nichtsnutziger Spross es geschafft hatte, jemandem so richtig dumm zu kommen.
Dann hätte ihm sein werter alter Herr wenigstens mal ein bisschen Aufmerksamkeit zuteilwerden lassen. Sein Vater hatte die ganze Welt bereist, wobei er während Alex’ Kindheit stets fort gewesen war, um Fossilien und Zähne aus grauer Vorzeit zu suchen, und sich mehr um Tote als um noch Lebende geschert. Zu Letzteren hatte auch seine kranke Frau gezählt, die Mutter des Jungen. Mittlerweile wünschte sich Alex nichts lieber, als dass der alte Mann Leid erfuhr, egal in welcher Form – auch die Schmach eines irren, freisinnigen Sohnes, der aberwitzig gefährliche Wagnisse einging, um die Umwelt zu schützen und die kleinsten und schutzlosesten Geschöpfe auf der Erde zu retten.
»Bring die Zünder an«, trug ihm Alex im ernsten Tonfall auf, »dann statten wir dem anderen Team einen Besuch ab und hinterlegen ein ähnlich großzügiges Geschenk für sie.«
»Ein Doppelknall«, entgegnete Tony heiter, und Alex konnte sich ungefähr vorstellen, wie sich unter dem Visier seines Gefährten ein Grinsen ausbreitete.
»Hier ist alles fertig. Lass uns runtergehen, das Tauchboot stehlen – das hoffentlich noch dort liegt – und dann rüber zu unseren Landsleuten fahren, um deren Feuerwerk vorzubereiten. Danach lehnen wir uns zurück und genießen die … warte, was ist das?«
Alex’ Blick folgte dem Strahl der Taschenlampe nach unten.
Die Helligkeit störte die Bildqualität in seinem Visier, weil sie Eis und Nebel verstärkte. Er fuhr mit einer Hand darüber und schloss die Augen fast komplett.
»Oh scheiße, die Russen.«
Sie kamen aus dem Schatten der Tiefe, mindestens ein Dutzend Männer.
»Wo sind ihre Leinen?«, fragte Tony fassungslos.
Alex strengte die Augen an, um mehr erkennen zu können. Die Lufttemperatur fiel, während sich jene dunklen Gestalten – sie sprangen, hüpften und stiegen schneller herauf, als es Mensch und Tier hätten tun können – wie in stiller Übereinkunft bewegten, als verfolgten sie ein gemeinsames Ziel. »Ich sehe keine, sie … klettern einfach so.«
Und zwar unglaublich schnell.
Eine Woge umfassender, animalischer Furcht vor den nahenden Gestalten packte Alex, der sich mit einem Mal sicher war, dass es sich bei ihnen – egal was sie waren, da sie unmenschlich schnell mit schwindelerregenden und ruckartigen Bewegungen herankamen – nicht um die Russen handeln konnte. Jetzt nicht mehr.
»Wir müssen ganz schnell von hier verschwinden!«
Sie drehten sich um und traten den Rückweg an, obwohl sie wussten, es würde zwecklos sein, und dann stellten fest, dass die Flucht auch in diese Richtung unmöglich war.
Denn eine zweite Gruppe von Umrissen kauerte über ihnen und wartete geduldig, still und … hungrig auf sie.