JAGDGRÜNDE

3,99 13,95 

Michael Mikolajczak

KRIMINALROMAN

Lieferzeit: sofort nach Zahlungseingang, versandkostenfrei

Auswahl zurücksetzen

Beschreibung


Eine Hitzewelle verwandelt den Moloch einer Großstadt in einen glühenden Backofen aus Stein, Beton und Stahl. Verfallende Häuser, Armut und Obdachlose prägen das Straßenbild. Die Hitze und der Gestank verwesenden Mülls quälen die Menschen der Stadt. Und noch etwas anderes …

Die Medien nennen ihn Brutus. Seine Morde sind in aller Munde, und die Mischung aus Furcht und Sensationslust verschaffen seinen grausamen Taten Kultstatus. Blonde Frauen sind seine Opfer, und Brutus wird schnell zum Inbegriff weiblicher Angst.
Seine Jagdgründe sind die Ausläufer des Stadtparks, die U-Bahn-Stationen und die leerstehenden Bauwerke der Großstadt. Dort lauert er auf Beute und tötet, dort wird er von der Polizei gejagt.

„Jagdgründe“ erzählt von einem Serienkiller im Blutrausch, einem jungen Polizisten auf einer verzweifelten Mission, einem menschenverachtenden Polizei-Veteranen, einem reichen Ehepaar, in Hass und Demütigung vereint, und von einer jungen, um ihre Liebe kämpfende Frau. Sie alle versuchen in der untergehenden Großstadt zu überleben, kämpfen um ihr Glück und ihr Seelenheil.
Willkommen in den Jagdgründen einer Großstadt, wo Jäger zu Beute und Beute zu Jäger werden.


»Definitiv einer der besten Kriminalromane die ich je gelesen habe!« [moni_loves , lovelybooks]

»Keine 08/15 Lektüre. Außergewöhnlich, realitätsnah, tiefgängig. Sehr empfehlenswert!« [sonne63, Amazon]

»Ein Highlight des Jahres für mich! Ungewöhnlich und packend!« [Aleida, lovelybooks]


auch hier erhältlich (Auswahl) … AMAZON | THALIA | WELTBILD | HUGENDUBEL | MAYERSCHE | BÜCHER.DE | KOBO

Zusätzliche Information

Ersterscheinung

2017

Format

Klappenbroschur / Ebook (epub, mobi)

Seiten

356

ISBN

978-3-95835-253-7

eISBN

978-3-95835-254-4

Leseprobe


– 1 –

Kondenswasser kroch das Fenster hinab. Finger folgten einem der Tropfen und ließen das Gebilde platzen. Arkady spürte das warme Nass auf seiner Haut und benetzte seine Lippen.

»Warum starrst du so?«

Reglos kauerte sie auf einem Stuhl. Ihr Geruch füllte den Raum, ihr verschwitztes Gesicht war Arkady abgewandt. Schweißtropfen schoben sich an ihren Schläfen voran, den Tropfen auf dem Fenster gleich. Die Hitze war allgegenwärtig, hatte Mensch und Ding im Griff.

Furcht erfüllte die Frau, besaß sie doch keine Antwort. Sie starrte nicht. Nicht auf ihn. Ihr Blick war zu Boden gerichtet. Ihre Augen versuchten ein Loch zu graben, durch das sie entschwinden könnte.

»Warum starrst du mich so an?«

Arkady liebte es, Menschen zu verhören. Ihre Schuld oder Unschuld war bedeutungslos. Angsterfüllt kauerten sie ihm gegenüber. Ein jeder von ihnen hatte ein Gedächtnis und ein Gewissen. Irgendwann in ihrem Leben hatten sie alle etwas getan, für das sie sich schämten und das sie ungeschehen wünschten.

Hier in diesem Raum kamen die Erinnerungen zurück, die Schuld und die Angst, für etwas Vergangenes büßen zu müssen. Nur deshalb gab es dieses Zimmer. Druck auf Verdächtige wurde hier nicht ausgeübt, sie übten ihn selbst aus, und ihre fragenden Blicke kreisten dabei nur um einen Gedanken: Er weiß es. Er weiß, was ich getan habe.

Zwei elliptische, dunkle Ränder glänzten im Kunstlicht. Sie zierten den teuren Stoff ihrer Bluse.

»Warum hast du es getan?«

Er wusste Bescheid.

Ihr Körper begann zu zittern. Das Ziel war nahe, gleich würde sie aufgeben. Eine Rechtfertigung würde ihr Geständnis einleiten. Stets war es so. Arkady genoss den Moment. Gleich würde sie sich öffnen, sich ihm anvertrauten und aufgeben.

Ihre Lippen formten Worte. Wut über eine andere Frau, über rasende Eifersucht, verletzte Gefühle, verratene Liebe und Rache. Rechtfertigungen, nichts weiter als das Betteln nach Verständnis für eine Tat, die ein Leben beendet hatte.

Die hervorgewürgten Worthülsen drangen nicht mehr zu ihm vor. Nicht die Gerechtigkeit war bedeutsam, nur der Triumph zählte. Was bedeuteten Wahrheit und Gerechtigkeit gegen den Rausch der Macht?

Arkady liebte seinen Beruf.

»Was wird aus mir?«

Ihre Stimme zitterte. Ihr Blick bettelte um ein Wort der Hoffnung. Arkady hatte keines für sie.

Ihre Beziehung war beendet.

Die Kollegen begegneten ihm mit stummen Respekt und offener Abneigung. Arkady achtete nicht auf sie, warum auch. Sie starrten ihm nach, kaum dass er an ihnen vorüber gegangen war. Sie fragten sich, was an diesem hageren Mann mit dem zerfurchten Gesicht besonders war. Sie mochten ihn nicht, keiner hier konnte Arkady leiden.

»Gleich geht ihm einer ab.«

Es war nur ein Flüstern im Raum.

Arkady verließ das Gebäude, trug seinen Triumph nach draußen. Das Geständnis der Frau glich einer Trophäe.

Die Luft knisterte, dann entlud sich das Sommergewitter. Eine junge Frauenstimme hatte es im Radio vorhergesagt und hatte recht behalten. Weiße Blitze zuckten am Himmel, Donner übertönte das Trappeln von Schuhen. Die Menschen flohen vor dem einsetzenden Schauer. Lemmingen gleich drängten sie an Arkady vorbei, und erst langsam, dann immer schneller, folgte er ihnen.

– 2 –

Regentropfen schlugen schnell und hart auf dem Plexiglasdach auf. Einen Schirm zum Schild erhoben und gegen den Himmel gerichtet, verließ sie das Haus.

Wasser tanzte zwischen ihren Pumps.

Lange, schmale Beine lugten aus einer kurzen Hose und versuchten den Regentropfen zu entfliehen. Ein Blick auf die Uhr verriet eine unbegründete Eile, denn das Gewitter verlangsamte das Leben der Menschen. Sie alle warteten und hofften, einem kollektiven Geist verpflichtet, der Schauer möge enden.

Die junge Frau war verliebt. Niemand würde je davon erfahren. Ihr Jäger nicht und nicht die Polizisten, die sich nach Sonnenaufgang um ihre Leiche scharren würden.

– 3 –

Pate und Zeuge zugleich schien der Mond auf ihn herab. Er löste sich aus dem Dunkel einer Mauer, deren Gestein von Schlingpflanzen überwuchert war. Glatt und kühl fühlte sich die Oberfläche eines Blattes zwischen seinen Fingern an. Glatt und kühl malte er sich die Haut seines Opfers aus.

Neugierig folgte er dem blonden, sich bewegenden Haar der jungen Frau. Der Zufall hatte ein Geschenk überbracht, und er war gewillt, die Gabe nicht zurückzuweisen.

Es war so leicht, sich zu nähern. Er hörte sie Luft schöpfen und glich seinen Atemrhythmus ihrem an. Es erregte ihn, gleichzeitig in perfekter Harmonie mit ihr den Sauerstoff in den Körper zu saugen, zu verwerten, auszustoßen.

Glück überflutete ihn, vermengte sich mit Aufregung. So nah war er der Erfüllung gekommen. Zum Greifen nah war sie und er streckte die Hand aus. Seine Finger öffneten sich, schlossen sich um den Stickstoff, den die schöne Frau Sekunden zuvor ausgeatmet hatte. Seine Faust versuchte einen Teil der unsichtbaren Essenz zu fassen, festzuhalten.

Hatte er jemals eine Frau an sich binden können? Sie liebten ihn nicht, missachteten ihn, sahen weg, wenn sie ihm begegneten. Frauen waren für ihn zum Inbegriff von Demütigung und Verachtung geworden. Zu oft war es geschehen.

Die Gedanken rasten in seinem Kopf, schrien durcheinander – und verstummten in freudiger Erwartung von Aufmerksamkeit, Beachtung, Erfüllung. In stummer Konzentration warteten sie darauf.

Er öffnete die Hand und seine Finger folgten dem Spiel des Windes, folgten dem Auf und Ab der blonden Haare, bewegten sich den Händen eines Dirigenten gleich.

»Lass deine scharfe Sichel schneiden und bring die Ernte ein.«

Sie hörte sein Flüstern nicht, zu laut prasselte der Regen. Keine Gefahr, keine Eile. Der Regen war ein Freund. Er lärmte, um ihn zu erfreuen.

Bald würde er glücklich sein und ihr Haar zwischen seinen Fingern reiben.

Sie trat in eine Pfütze. Wasser spritzte auf.

»Die Stunde für die Ernte ist gekommen, die Ernte ist reif.«

Er zog seine Waffe, der Regen klatschte Beifall. Das Messer war lang, schmal. In der Klinge spiegelten sich die Gliedmaßen seines Opfers wider.

»Tritt her! Ich werde dir zeigen, wie die große Hure bestraft wird.«

Sie bemerkte ihn zu spät. Das Messer biss in ihr Fleisch.

Täter und Opfer verharrten. In ihren Augen erkannte er Schmerz, Schock. Sein Gesicht schob sich über das ihre. Er genoss ihr Erstaunen, ihre Aufmerksamkeit, bevor sie stürzte und ihr Blut sich mit der Pfütze verband.

Freundlich sah er auf sie herab. Er blieb bei ihr, wachte über sie, begleitete ihr Sterben. Das Letzte, was sie im Leben sah, war sein Lächeln.