IMMORTAL – DER UNSTERBLICHE

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KRISHNA UDAYASANKAR

FANTASY-THRILLER

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Beschreibung


Alle Lebenden eint der Tod. Alle, bis auf einen.

Professor Bharadvaj ist weit mehr als nur ein Historiker mit einer Schwäche für Whisky und Schusswaffen. Denn hinter der Fassade des zynischen Akademikers steckt ein Mann, der seit Jahrtausenden auf Erden wandelt. Er ist Asvatthama – der Verfluchte. Der Mann, der nicht sterben kann.

Eines Tages bittet ihn die so rätselhafte wie schöne Maya Jervois, ihr bei der Suche nach einem ganz besonderen Artefakt behilflich zu sein. Jenes sagenumwobene Objekt, die Vajra, soll über unglaubliche alchemistische Kräfte verfügen. Der Professor glaubt jedoch nicht an dessen Existenz – hat er doch selbst viele Leben unter verschiedenen Identitäten damit zugebracht, dieses Artefakt zu finden und damit das Geheimnis hinter seiner Unsterblichkeit lüften zu können.

Aber die Möglichkeit, dass die Vajra doch existieren könnte, ist einfach zu verlockend, um ihr nicht nachzugehen, und so finden sich die beiden schnell in einem Abenteuer wieder, dessen uralte Puzzleteile sie von den labyrinthischen Gängen unter dem Somnath-Tempel bis in die Wüsten Pakistans führen.

Wer aber steckt hinter den unerschrockenen Söldnern, die ihnen ständig dicht auf den Fersen sind? Und ist der Professor, der in einem früheren Leben ein legendärer Krieger war, dazu verdammt, auf ewig ein Leben aus Tod und Blutvergießen führen zu müssen?


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Zusätzliche Information

Ersterscheinung

2017

Format

Klappenbroschur / Ebook (epub, mobi)

Seiten

ca. 400

ISBN

978-3-95835-265-0

eISBN

978-3-95835-266-7

Leseprobe


Prolog


Drei Kilometer südlich des Titicacasees, Bolivien

Der Schädel grinste.

Das tat er natürlich nicht wirklich, das war ihm schon klar, er glaubte nämlich nicht an die Legende der Einheimischen, dass es in den Ruinen bei Mondlicht spukte und sich dort alte Götter, wie einige sagten, oder neue Geister herumtrieben. Trotzdem förderte er gern die Legenden, denn sie hielten die Neugier der Einheimischen in Zaum. Was die Touristen anging – neben dem nahe gelegenen Titicacasee und der prähistorischen Stadt Tiwanaku, wo angeblich sogar Menschenopfer dargebracht wurden, interessierte sich niemand für den wenig beeindruckenden Schutthaufen, der einmal eine kleinere Siedlung aus der Prä-Inka-Zeit gewesen war.

Wie bei Tiwanaku lag ein großer Teil der Ruinen unterirdisch, die Tunnel und Höhlen im Untergrund bildeten ein perfektes Versteck, von dem aus derPandillero – Gangster – seine tödlichen Geschäfte mit Drogen, Waffen und Antiquitäten abwickeln konnte; ein kleiner Teil eines Multi-Milliarden-Dollar-Imperiums. Glücklose Fremde, wie derjenige, dem einst der glänzende Schädel gehört hatte, die hier hereingestolpert kamen, wurden ohne Ausnahme Teil der wenig sehenswerten Sehenswürdigkeiten dieser Gegend.

Der Mann trat den Schädel zur Seite, als er weiterging. Er zerbarst an der altertümlichen Steinmauer und die Knochensplitter vermischten sich mit dem Holz und den Sägespänen alter Transportkisten.

Kein Verlust, wie er fand. Bald würde er ersetzt werden. Ein weiterer unglücklicher Abenteurer war in sein Verderben gewandert. Er drehte sich zu seinem allgegenwärtigen bewaffneten Leibwächter um. »Bist du dir sicher?«

»Auf jeden Fall, Jefe«, sagte sein Leibwächter. »Wir haben ihm die Haut aufgeschlitzt und ihn in den alten Tunnel geworfen, damit ihn die Ratten bei lebendigem Leib fressen, so wie immer. Ich hab da keinen zweiten Gedanken dran verschwendet. Aber …« Er verstummte und zuckte mit den Schultern, weil er nicht wusste, was er sagen sollte. Dann schaltete er die starke Taschenlampe an, die er bei sich trug, und geleitete seinen Arbeitgeber die engen Treppen hinab.

Der Gestank verwesenden Fleisches und der Ausscheidungen von Maden stach den Männern in die Nase, sobald sie die schmale Treppe betraten. Selbst der abgehärtete Bodyguard, der mehrere Male die Woche die steinernen Innereien der Ruinen betrat, verzog die Nase. Der Pandillero hingegen zeigte keinerlei solche Schwäche. Er schritt resolut voran, bis sie vor einer neuen, aber dennoch schon verrottenden Tür standen. Der Leibwächter öffnete die Tür, dahinter wurde etwas sichtbar, das im ersten Moment wie ein Raum aussah. Es war jedoch ein weiterer langer Tunnel, den noch niemand in vollem Umfang erforscht hatte. In direkter Nähe sah man auch die offensichtliche Quelle des erbärmlichen Gestanks: Die Fleischmasse in der ungefähren Form eines Mannes, die sich, obwohl tot, bewegte, weil die Ratten, die sich in den Kadaver gefressen hatten, auf die plötzliche Helligkeit reagierten.

Der Bodyguard griff instinktiv nach seiner Waffe, als eine der Ratten aus dem Mund der Leiche sprang und auf die offene Tür zu rannte, aber sein Chef ersparte ihm den Aufwand und trat reflexartig auf die Kreatur. »Wer ist das?«, wollte er wissen und deutete auf das Rattenbankett vor ihm.

»Der Tombo, den wir erledigen sollten«, antwortete der Leibwächter und fügte mit einem kalten Lachen hinzu: »Keiner vermisst einen ehrlichen Cop. Als wir ihn vor drei Tagen hier abladen wollten, stießen wir auf diesen anderen Kerl … der ist immer noch am Leben. Seine Wunden waren schon verheilt und … und … ich weiß, dass es sich unmöglich anhört, Jefe, aber er hat viele der Ratten getötet und die anderen wollten nicht mehr in seine Nähe. Er saß einfach da, wie ein Angler am See … wir haben ihn wieder rausgezogen und nach oben gebracht, ihm die Scheiße aus dem Leib geprügelt … aber er wollte immer noch nicht reden, wollte uns nicht sagen, wie er es geschafft hat, zu überleben.«

Der Gangster warf einen letzten Blick auf den Horror im Tunnel. Danach schloss der Leibwächter die Tür und ging seinem Boss voran wieder die Treppe hoch.

»Wo ist der Mann jetzt?«

»Er ist hier, Jefe. Wir haben ihn unter Bewachung gestellt. Einige der anderen wollten ihm schon eine Kugel in den Kopf jagen, aber ich fand, wir sollten Ihnen besser Bescheid sagen …«

»Sehr gut, Churro. Wenn es stimmt, was du sagst, ist so jemand lebendig mehr wert als tot. Aber ich denke, du bist ein Narr, wenn du mit so lächerlichen Geschichten zu mir kommst!«

Der gescholtene Bodyguard ließ den Kopf hängen und lief schweigend weiter, aber nur so lange, bis er sein Erstaunen nicht mehr zurückhalten konnte. Er sprudelte los: »Gestern haben wir ihm die Beine gebrochen, die Kniescheiben zerschmettert; er sollte eigentlich nie mehr stehen können, aber …«

Aber …

Der Pandillero blieb wie angewurzelt stehen, der verblüffte Handlanger ebenso, bei dem Anblick, der sie beide erwartete.

Der Gefangene stand nackt an der Wand, seine Arme weit ausgestreckt, jeder Zentimeter seines vom Mondlicht beschienenen Körpers mit Muskeln bedeckt. Eine dicke Eisenkette führte von den engen Handschellen an seinen Handgelenken durch einen Ring, der an der Decke im Felsen angebracht war. Da, wo man ihn mit einem Messer geschnitten hatte, damit sein Blut die Ratten anzog, waren nur noch Narben sichtbar, aber viele neue Schnitte waren zu sehen, ein Beweis für die Folter, die der Mann erst vor Kurzem ertragen musste. Seine nackten Füße waren eine einzige blutige Masse, da man alle Zehennägel bis auf einen herausgezogen hatte. Seine muskulösen Oberschenkel trugen die Spuren schwerer Soldatenstiefel und seine Brust und selbst seine Genitalien zeigten Anzeichen körperlicher Gewalt. Seine Lippen waren dreckverschmiert und Blut aus einer Kopfwunde war auf den kräftigen Brauen getrocknet, die über seinen geschlossenen Augen lagen. Trotz allem stand er aufrecht und hatte die Finger um die Ketten gelegt, die ihn gefangen hielten, so als würde er die Ketten halten und nicht die Ketten ihn.

Zwei kräftige Männer, Soldaten der Privatarmee desPandillero, standen Wache. Einer der beiden kam mit einem Bündel in der Hand zu seinem Anführer. »Seine Kleidung, Jefe. Nichts Ungewöhnliches. Sein Pass und sein Handy sind auch dabei.«

Der Gangsterboss sah seinen Leibwächter an, der ihm eine kleine, unscheinbare Steinfigur gab, die man dem Gefangenen abgenommen hatte, bevor man ihn den Ratten zum Fraß vorwarf. Dann griff er nach dem Pass des Gefangenen und klappte ihn auf, um sich den Namen des Mannes wieder ins Gedächtnis zu rufen. »Professor Bharadvaj«, hob er an. »Ihr Ruf als Schatzjäger eilt Ihnen voraus. Ich war mir völlig sicher, dass Sie mich zu dem verschollenen Götterbild von Viracocha führen würden, und ich hatte recht. Aber mir war nicht klar, dass noch andere … Talente in Ihnen schlummern.«

Der Gefangene öffnete langsam die Augen. Sie glitzerten; ein goldenes Funkeln hatte sich in das Braun gemischt, möglicherweise nur eine optische Täuschung durch das Mondlicht. Die Soldaten wurden von einer unerklärlichen Unruhe befallen. Dann sprach er mit tiefer und ruhiger Stimme: »Ich bin Historiker, Jefe, kein Schatzsucher. Aber Sie sind bestimmt nicht hierhergekommen, um sich mit mir über den Unterschied zu unterhalten.«

»Sie sind ein interessanter Mann, Professor. Unzerstörbar? Ist das das richtige Wort? Ich habe das Gefühl, dass Sie mit Ihren hervorragenden Eigenschaften eine Menge mehr wert sind als dieses Relikt hier … vielleicht kann ich Sie zu einem Deal überreden? Was meinen Sie?«

»Ich meine«, knurrte der Gefangene, »dass Sie einen großen Fehler gemacht haben.«

»Cojudo! Was meinst du damit, du Arschloch?«

»Der einzige Grund, wieso ich noch nicht hier rausmarschiert bin, ist, dass ich die Statue wiederhaben will. Sehen Sie, im Gegensatz zu Ihnen bin ich ein Ehrenmann, und wenn ich sage, dass ich einen Job übernehme, dann liefere ich auch. Es wäre sehr aufwendig gewesen, halb Kolumbien nach Ihnen abzusuchen, und es war einfacher, Sie dazu zu bringen, die Statue zu mir zu bringen, so wie Sie es gerade getan haben. Sie sollten es besser wissen, als an Geschichten von unzerstörbaren Männern zu glauben … Cojudo

Einer der Soldaten lachte und machte einen abfälligen Kommentar auf Spanisch. Auch der Boss lachte auf. »Weißt du, was er gesagt hat? Er sagte, für einen Mann in Ketten redest du zu viel.«

Als Reaktion sah der Gefangene dem Pandillero direkt in die Augen. Dann ließ er die Ketten los, ballte die Linke zur Faust und hämmerte sie gegen die alte Steinmauer hinter sich, einmal, zweimal, dreimal, so lange, bis die Knochen seiner Hand brachen und eine unförmig aussehende Masse entstand. Er zitterte und atmete schwer angesichts der Schmerzen, aber schien sich nicht viel daraus zu machen und wartete nur, bis sie nachließen. Er sah nach unten, betrachtete seine Hand und die Fessel daran. Dann schmetterte er die Hand wieder gegen den Stein, woraufhin er sich krümmte und die Zähne zusammenbiss, als die Knochen in seinem Handgelenk und Unterarm den Stoß abbekamen.

Dann richtete er sich auf, atmete tief ein und zog seine deformierte Hand aus der Handschelle, die um sein Handgelenk geschnallt war, bis sein linker Arm an seiner Seite hing. Nachdem das Gegengewicht fehlte, rasselte die Kette, die ihn an der Wand gehalten hatte, klirrend durch die Ringe aus Stein, bis sein rechter Arm, noch mit der Fessel darum, ebenfalls nach unten hing. Zufrieden mit dem Ergebnis zeigte der Mann kurz ein eiskaltes Lächeln.

Der Gangsterboss und seine Soldaten starrten ihn mit offenem Mund an. »Madre de Dios!«, keuchte einer der Männer. Er schwang seine halbautomatische M90 und lud durch, was die anderen Männer dazu veranlasste, dasselbe zu tun. Aber es war zu spät.

Der Gefangene schnellte nach vorn und wehrte die Waffe desjenigen, der ihm am nächsten stand, mit einem Unterarmblock ab. Noch in der Bewegung schlug er dem Mann seinen Ellbogen gegen den Kehlkopf, was diesen sofort tötete. Er hielt den toten Soldaten wie einen Schild vor sich und bewegte sich auf die anderen zu, während er den leblosen Finger des Toten auf den Abzug drückte. Kugeln durchsiebten den schlaffen Körper, der Gefangene wurde voller Blut gespritzt. Der Lärm des Gewehrfeuers hallte von den Steinen wider und verstummte erst, als der Mann den Leibwächter des Gangsterbosses erschoss und danach sein Magazin in den zweiten Soldaten entleerte. Es war nur noch der Boss übrig und dessen Pistole war leer. Der Gefangene ließ sein menschliches Schutzschild zur Seite fallen und stellte sich seinem Gegner.

Der Boss ließ sich nicht so leicht einschüchtern; er hatte sich seinen Ruf als gefährlicher Mann redlich verdient. Er stürmte auf den Unbewaffneten los und schwang sein leeres Gewehr ins Gesicht des Mannes. Der bekam den Schlag direkt ab und ging rückwärts zu Boden. Nun, da er die Oberhand hatte, kam der Gangsterboss näher und rammte seinem Gegner den Schaft der Waffe in den Bauch, was diesem ein dumpfes Stöhnen entlockte. Der Boss grunzte zufrieden, aber das war ein wenig voreilig.

Als er den nächsten Schlag landen wollte, stoppte der Gefangene die Waffe mit einer Hand und mit brutaler Kraft drückte er sie gegen das Gewicht seines Gegners nach oben, bis der Lauf in den Bauch des anderen Mannes gepresst und dieser zurückgestoßen wurde. Dann sprang er auf die Füße und auf den Pandillero zu und drängte ihn gegen die Wand, an die er eben noch selbst gefesselt gewesen war. Er schnappte sich die Kette, die von der Fessel um sein rechtes Handgelenk baumelte, schlang sie dem Gangsterboss um den Hals und zog sie zu.

Dieser versuchte, sich gegen den Druck zu wehren, und schlug beim verzweifelten Versuch, Luft zu bekommen, wild um sich. Sein Gesicht verzerrte sich, Panik ergriff ihn, er röchelte: »Que … was … bist du?« Dann erschlaffte er.

Der Gefangene hielt den Druck noch einige Minuten aufrecht und wartete, bis der schwache Puls im Hals des Gangsterbosses nicht mehr zu spüren war, bevor er den Mann zu Boden ließ. Er bewegte sich schnell und holte zuerst den Schlüssel für die Handschellen von der Leiche des Bodyguards und dann seine Sachen, die der Boss auf den Boden hatte fallen lassen. Er klemmte seine Kleidung unter den verletzten linken Arm und tippte auf seinem Handy eine Nummer ein, die er auswendig kannte.

»Kommen Sie mich abholen, Manohar.« Dann legte er auf und nahm die SIM-Karte heraus.

Er brach sie mit den Zähnen in zwei Teile und steckte sie zusammen mit dem Handy in seine Hemdtasche, um alles später wegzuwerfen. Dann zog er seine Kleidung und die Stiefel an. Er schnaubte verärgert, weil er seine Schnürsenkel mit einer Hand nicht so ordentlich binden konnte, wie er es gern getan hätte. Nach ein paar Versuchen gab er auf und lachte; das Geräusch hallte durch die Ruinen. Die ganze Zeit starrte ihn dabei der Gangsterboss mit leblosen Augen und einem schiefen Grinsen an.

Der Gefangene ging zur Leiche. Was eigentlich nur eine normale archäologische Expedition hätte sein sollen, hatte sich in ein Blutbad verwandelt. Die Art von Gemetzel, die er jahrelang gekonnt vermieden hatte. In Sekunden hatte sich alles geändert. Er wusste, dass es früher oder später passiert wäre.

Es ist an der Zeit.

Er versuchte, seine Vorahnungen zu vergessen und sich um wichtigere Dinge zu kümmern. Nach der Schießerei hatte er wenig Chancen, leise zu entkommen oder ohne Probleme an die Stelle am See zu gelangen, an der er abgeholt werden sollte. Noch mehr von den Handlangern des Bosses würden gleich hier auftauchen und er würde sich mit ihnen befassen müssen, auf die einzig mögliche Weise. Er würde keinesfalls einen von ihnen am Leben lassen, damit er diese Geschichte – seine Geschichte – weitererzählen konnte. Die Geschichte des Mannes, der nicht starb.