FINE LINE

4,19 12,99 

Nika S. Daveron

Fantasy

Band 1
Serie: Fine Line

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Beschreibung


Elayne ist ganz besessen von dem Spiel Fine Line, einem eigentlich typischen Onlinespiel. Doch bald stellt sie fest, dass an Fine Line eigentlich gar nichts normal ist, nachdem sie der Spieler-Gilde Xanadu beitritt. Denn die Gilde hat durch eine spezielle Technologie die Möglichkeit, in den Körper ihrer Avatare einzutauchen. Anfangs gefällt Elayne dieses phänomenale Spielgefühl, doch schon bald entbrennt ein Kampf um Leben und Tod, als jemand versucht, diese Technologie zu stehlen.


»Ich habe dieses Buch verschlungen und kann es jedem nur sehr ans Herz legen.« [Büchertraum]

»Die Wendungen sind meistens unvorhersehbar – ich habe daher das Buch bis zum Ende im Rekordtempo durchgelesen und zwischendurch auch mal das Atmen vergessen.« [wasliestdu]


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Zusätzliche Information

Ersterscheinung

2015

Format

Klappenbroschur / Ebook (epub, mobi)

Seiten

340

ISBN

978-3-95835-068-7

eISBN

978-3-95835-069-4

Leseprobe


»Ich weiß wirklich nicht, wie das passieren konnte.«
Tockis Stimme klang fassungslos, aber auch ein wenig weinerlich, zumindest via Team-Speak.
»Ich habe fünfmal gesagt, dass er hinter dem Tor ist. Wenn mir keiner zuhört, ist das nicht mein Problem. Ich habe immer gesagt, dass es hier viel zu laut während der Siege ist.« Die Stimme gehörte meiner Freundin Jill. Sie rauchte, das konnte man hören. »Und wer von uns war hinter dem Tor?«, hakte Belmont nach. Seine Stimme erkannte man unter Tausenden – tief, wohlklingend und ein wenig streng.
Was hatte er gefragt? Hinter dem Tor?
»Ich war am Tor. Ich hab das Totem bewacht«, sagte ich hastig.
»Offenbar nicht gut«, knurrte eine nervige Männerstimme.
Auch die erkannte ich im Schlaf, aber nicht, weil ich sie so gerne hörte. Antonius. Ich hatte keine Ahnung, wie Antonius wirklich hieß, und das war mir auch egal. Er war ein Widerling. Und so benahm er sich auch heute wieder.
»Hast du denn gar nichts gesehen?«, grollte Belmont.
»Nein«, erwiderte ich unwillig, »Jill hat ihn doch gesehen, ihr habt ihr nur nicht zugehört. Und ich hab auch nichts gehört, weil Antonius mal wieder in epischer Breite erklären musste, wie er diesen oder jenen Spieler um die Ecke gebracht hat.«
Beleidigtes Schweigen von Antonius. Gut so. Wenn ich nur einen aus der Gilde schmeißen dürfte, dann wäre es dieses Ekelpaket. Leider lag das nicht in meiner Entscheidungsgewalt, sondern in Belmonts.
»Außerdem hätte Luna auch da sein müssen«, schob ich schnell nach, bevor ich auf einmal die alleinige Schuld an diesem Fiasko trug.
»Die war doch mit ihrem Kind dran. Sie hat gesagt, dass sie zwischendurch mal afk muss.«
Hätte Jill jetzt vor mir gesessen, ich hätte sie erwürgt. Treulose Tomate. Ich hatte jedenfalls nicht mitbekommen, dass sich Luna vom PC verabschiedet hatte.
»Das darf doch echt nicht während einer Siege passieren«, beschwerte sich Antonius nun wieder.
»Was soll sie machen«, entgegnete Tocki ungewohnt giftig. »Ihr Kind weiter schreien lassen?«
»Dann muss der zweite Heiler umso besser aufpassen«, meinte Antonius eigensinnig.
»Ich hab schon einmal gesagt, dass ich ihn nicht gesehen hab. Und er hat das Totem viel zu schnell zerlegt, was hätte ich denn da noch machen sollen? Entweder er trägt zu krasses Equipment oder er cheatet.«
Immer wieder er. Der hatte uns wirklich blamiert. Solo unser Fortress erobert. Xanadu war nicht ohne Grund die beste Gilde des Servers.
»Dafür gibt es keinen Cheat«, ereiferte sich Antonius. Irgendetwas raschelte laut bei ihm im Hintergrund.
»Oh, schau, wer spricht, der Cheatmeister. Sprichst du aus Erfahrung?«, konterte ich.
»Member left«, teilte mir die nervtötende Stimme des Team-Speaks mit. Tocki hatte den Server verlassen. Jegliche Gespräche nach einer Siege waren ihm zuwider. Ab und zu versuchte er sich einzubringen, doch jedes Mal, wenn es ausartete, verschwand er als erster. Vielleicht hätte ich das auch tun sollen.
»Trottel.« Das war Jill. Sie hielt nicht viel von Tocki, bezeichnete ihn gern als den schlechtesten Magier des Servers und behauptete steif und fest, dass Belmont ihn nur deshalb in die Gilde eingeladen hatte, weil Tocki vor allem aber auch einer der reichsten Spieler des Servers war. Und das kam davon, wie Jill meinte, dass er arbeitslos war.
»Kinder, es ist jetzt gut«, sagte Belmont schließlich. Er klang genervt. »Gilgamesh, sieh zu, dass dir so etwas nicht noch einmal passiert, sonst muss ich mir einen neuen Heiler suchen.«
Bitte was? Jetzt war es doch meine Schuld?
Ich wechselte das Fenster und sah Fine Lines Hauptstadt wieder vor mir. Mein Charakter stand immer noch im Gildenhaus und schlief im Stehen. Sofort poppte ein kleines Chatfenster auf:
›Mach dir nichts draus, das sagt er nur, weil er einen Schuldigen braucht.‹
Ein Glück, dass es Jill gab.
Kommentarlos schloss ich das Team-Speak. Belmont war es wirklich nicht wert, dass ich mich heute noch mehr ärgerte. Und ich ärgerte mich furchtbar, vor allem über mich selbst. War ich nicht immer stolz gewesen, wenn ich vor anderen Spielern als beste Heilerin gepriesen wurde? Nun war mir so was passiert. Und wie kam es nur so weit, dass ich mich über ein Spiel ärgerte?

***

Ich war nicht immer ein Onlinespieler, aber immer schon eine Spielernatur. Während die anderen Mädchen mit Puppen spielten, war mein bester Freund mein Nintendo. Ein ungewöhnliches Hobby für ein durchschnittliches Mädchen, das weder unbeliebt, noch fett, besonders hässlich oder pickelig war, obwohl viele schlaue Menschen genau das behaupteten. Gamer wurden nur die, denen real eine Menge fehlte, das war eine weit verbreitete These. Und so unwahr!
Als ich nach Köln zog, hatte ich von dieser ganzen Welt keine Ahnung. Auch nicht von Köln. Eigentlich bin ich nur deswegen dorthin gezogen, weil mein Abi recht durchschnittlich war und ich die Möglichkeit hatte, hier Latein zu studieren, ohne dass mein NC mir einen Strich durch die Rechnung machte. Da stand ich also eines Tages mit meinem Köfferchen und hatte keinen blassen Schimmer, wie ich mich in einer so großen Stadt zurechtfinden sollte.
Ein Aushang an der Uni brachte mich in meine spätere Wohnung.
Ich kam mir vor wie ein Landei, als ich vor diesem riesigen Hochhaus stand und die Klingelschilder alle durchlas. So viele! Erleichtert fand ich das Schild, was man mir am Telefon beschrieben hatte: Amon/Falk.
Mir klopfte das Herz bis zum Hals, als ich vor der Tür im elften Stockwerk stand und zaghaft auf dem Klingelknopf herumdrückte.
Umso größer war meine Überraschung, als sie sich öffnete: Da stand nun also der „Hausherr“, ein bisschen gemütlich, mit Schlabberpulli, ausgefransten Hausschuhen und einer Haarmähne, die den König der Löwen alt aussehen ließ. Sogar leicht rötlich wirkten sie.
»Hallo, mein Name ist Elayne Wilkes, wir hatten telefoniert«, plapperte ich sogleich drauf los. Das tat ich immer, wenn ich nervös war.
Er grinste nur breit und reichte mir die Hand: »Tobias Amon. Aber bleib bei Tobi, dann werden wir gute Freunde.«
Ich ergriff die Hand und fühlte mich sofort wohl. Tobi machte mit mir einen Rundgang durch die kleine, aber behagliche Wohnung. Sogar einen Balkon und ein Wohnzimmer gab es.
»Meine Mitbewohnerin ist gerade nicht da, aber die lernst du noch früh genug kennen. Ihr Zimmer ist das neben der Wohnungstür.«
Die Tür war nur einen Spalt breit geöffnet, doch das, was ich erhaschen konnte, reichte mir. Eine Hello-Kitty-Decke auf einem plüschigen Sessel. Ich hasste Hello-Kitty.
Ich ging schnell weiter und ließ mir von Tobi mein Reich zeigen, das hieß, sofern ich das Zimmer in dieser WG haben wollte.
»Ist leider das kleinste Zimmer, aber dafür musst du auch weniger bezahlen«, sagte er entschuldigend, als ich den Raum betrat.
»Das reicht mir«, erklärte ich. Ich besaß sowieso nicht genügend Dinge, um diesen Raum zu füllen, auch wenn man das von einem Mädchen in meinem Alter nicht denken mochte. Ich besaß nur genügend Bücher und eine, immerhin respektable, Sammlung an Super-Nintendo-Spielen.
Insgesamt war die Wohnung eine typische Studenten-WG, und als ich mich mit Tobi in die Küche setzte, eine Zigarette rauchte und über dies und das plauderte, war mir schon nach zehn Minuten klar, dass ich hier nicht mehr fort wollte. Das klang alles so nach dem typischen Studentenleben, was ich mir ausgemalt hatte, dass es beinahe zu schön war, um wahr zu sein. Es wurde abwechselnd gekocht, es gab einen Plan fürs Putzen und Partys in der Wohnung, eben all das, was man sich unter einer solchen WG vorstellte.
»Wenn es dir wirklich gefällt, kannst du noch heute einziehen.«
Mein Blick schweifte umher, zu dem modernen Herd, der kaum in eine Studentenbude passte, der schiefen Eckbank, auf der Tobi Platz genommen hatte, den hässlichen Vorhängen, die genauso gut meiner Oma gehören könnten, und den Fliesen, die vielleicht noch aus den Siebzigern stammten.
Und weil ich mich in Tobis Gegenwart so wohl fühlte, unterschrieb ich auf der Stelle. Ich habe es bis heute nicht bereut.