Dunkle Zeiten

von Dane Hatchell

»DUNKLE ZEITEN ist ein interessanter Blick auf die Frage, wie sich Menschen im Angesicht des Endes der Welt verändern, oder eben auch nicht verändern. Es gibt eine Menge Romane über die Zombie-Apokalypse da draußen, aber nur die wenigsten können mit einer so guten Charakterzeichnung aufwarten wie dieser.« [HORRORADDICTS.NET]

INHALTSBESCHREIBUNG


Als den ersten Untoten die Köpfe weggeschossen werden, ist Rico Cruz ein übergewichtiger Cop, der sein Elend in der örtlichen Kneipe mit Whisky zu ertränken versucht. Der Krieg gegen die Untoten ist nur von kurzer Dauer und für die Lebenden ein Sieg auf ganzer Linie. Doch die Welt ist eine andere geworden, und ein Drittel der Weltbevölkerung ist von einer seltsamen Krankheit befallen.

Rico fasst den Entschluss, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen und sein Leben zu ändern. Nachdem er ein paar Pfunde abgespeckt hat, schwingt er sich auf seine Harley, auf der Suche nach Abenteuern. Weit muss er dafür aber nicht fahren, denn aus den Trümmern des Krieges steigt eine erneute Bedrohung hervor und verwandelt Million von Menschen in unerbittliche, fleischhungrige Zombies.

Prolog


Das Jahr 2018

 

Das Leben kann sich in Sekundenschnelle ändern, der Umschwung bahnt sich an und ist erfolgt, bevor wir ihn überhaupt richtig wahrnehmen.

»Ron, ich glaube, ich habe einen Film gefunden, den wir uns anschauen können. Beeil dich, es sieht so aus, als hätte er schon angefangen.«

Leah legte die Fernbedienung auf die Couch und nippte an ihrer Bloody Mary. Der Selleriestängel darin schwappte hoch wie ein U-Boot-Periskop und stach ihr in die Wange. Der Cocktail passte perfekt zu der Tüte Popcorn, die sie nur wenige Minuten zuvor aus der Mikrowelle genommen hatte; der salzige Mais förderte die scharfe Würze des Tomatensafts zutage, der gerade das Eis in ihrem Glas knacken ließ.

»Ja? Was für einer ist es denn?« Ron streckte seinen Kopf durch die Küchentür ins Wohnzimmer hinein.

Sie legte ihre Füße auf den Couchtisch und schaute über ihre blau lackierten Zehennägel hinweg. »Ein Zombiestreifen. Ich kenne seinen Namen nicht; gut möglich, dass wir ihn noch gar nicht gesehen haben. Du verpasst allerdings den Anfang.«

»Ich mache mir nur eben ein Sandwich, bin gleich da.« Ron eilte zurück, um fertig zu werden, bevor die Gedärme durch die Gegend flogen. Er schraubte die Mayonnaise zu, packte den Provolone sowie den Schinkenspeck zusammen und verstaute wieder alles im Kühlschrank. Bevor er die Tür schloss, zog er noch eine Flasche Yellow-Porter-Dunkelbier aus dem obersten Fach; fehlte nur noch etwas zum Aufmachen. »Was passiert denn gerade?« Er öffnete eine Schublade und kramte zwischen den Löffeln und den sorgfältig geordneten Messern herum, bis er den onyxfarbenden Griff des Flaschenöffners entdeckte.

»Die Zombies gehen gerade von einem Friedhof aus durch die Straßen.«

»Zombies gehen nicht einfach, Schatz – sie humpeln, torkeln oder was weiß ich.« Ron öffnete die Speisekammertür und sichtete kurz, was an Knabberzeug, das zu dem Sandwich passte, zur Auswahl stand. Nachdem er etwas aus einer Packung Maisflips probiert und sie für fade befunden hatte, öffnete er eine frische Tüte Kartoffelchips mit saurer Sahne und Zwiebeln. »Fressen die Zombies schon irgendwen?«

»Nein – hey, das sieht ganz so aus, als sei es bei uns in der Innenstadt gedreht worden.«

»Innenstadt? Hier in Killeen? Warum sollte jemand hier einen Zombiefilm drehen wollen? Das ist doch nur ein kleines Nest in Texas; da wären sogar Zombies an einem Strand reizvoller. Es kann nicht in unserer Stadt gedreht worden sein, es muss sich um einen anderen Ort handeln. Schließlich sehen die Zentren der meisten Städte alle gleich aus.«

Er zog einen Chip aus der offenen Tüte und biss hinein, bevor er den Kronkorken von der Bierflasche entfernte und einen Schluck zum Hinunterspülen trank. Als er den oberen Rand der Chipstüte umgeschlagen und eine Wäscheklammer darauf gesteckt hatte, um sie frisch zu halten, legte er sie wieder zurück in die Speisekammer.

»Ich verstehe dich so schlecht. Ich versuche gerade, da zuzuhören. Ehrlich gesagt sieht mir das gar nicht nach einem Film aus.«

Ron betrat nun das Wohnzimmer mit Bier und einem Teller in seinen Händen. Er blieb neben Leah stehen und nahm noch einen Schluck. »Das sind doch die Nachrichten auf Channel Ten. Sieh doch, da ist Meg Gallo. Hast du umgeschaltet?«

»Nein. Diese Zombies kommen offenbar vom Friedhof Memory Gardens, du weißt schon, dem an der großen Baptistenkirche. Zu Anfang war der Ton noch da, aber jetzt ist er scheinbar ausgefallen. Meg macht einen ganz schön ängstlichen Eindruck.«

Ron setzte sich neben Leah auf die Couch und stellte das Bier auf den Tisch.

So viel zum Thema: Ziehen wir uns mal einen guten Horrorstreifen rein, dachte er.

Meg, die Sprecherin, verschwand nun mit einem Kameraschwenk aus dem Bild.

»So was … der Obdachlose ist gerade aus der Gasse gekommen, und die Zombies dort drüben holen ihn gleich ein.« Ron biss von seinem Sandwich ab. Mit halb vollem Mund fuhr er fort: »Wow, zieh dir das mal rein, die fallen gleich über ihn her wie die Heuschrecken.«

Die Übertragung brach auf einmal abrupt ab. Der Bildschirm war plötzlich pechschwarz und schien die beiden förmlich anzustarren.

»Oh mein Gott, was ist denn da los? Ron, was sollen wir jetzt tun?«

»Äh, umschalten und sehen, was auf einem anderen Kanal läuft?« Ron trank noch mehr Bier und rülpste.

Leah stieß gegen seine Schulter. »Ich meine es ernst. Du hast doch gerade selbst gesehen, was passiert ist. Was geht denn da vor sich? Was sollen wir jetzt unternehmen?«

»Du hast das Ganze tatsächlich geschluckt? Du glaubst, das sei echt?« Ron kicherte.

»Was soll ich denn sonst glauben? Das kam schließlich in den Nachrichten.«

»Ich gebe dir mal einen Hinweis: Welcher Tag ist heute?«

»Dienstag.«

»Nein, das Datum meine ich.«

»Der erste.«

»Und der erste was

»April.«

»Uuuund? Wofür ist der erste April bekannt?«

Leahs angespannte Gesichtszüge erschlafften. »Oh, das ist also nur ein Aprilscherz?«

»Ganz genau: Die Toten erwachen zum Leben – verarscht, verarscht.« Ron grinste überlegen.

»Aber das sah für mich nicht nach einem Scherz aus. Es kam mir sehr real vor.«

»Weiß du noch, als es einmal am ersten April hieß, die Liberty Bell hätte jetzt einen Sponsor und würde in Zukunft Taco Liberty Bell heißen? Was wir gerade gesehen haben, war genau das Gleiche. Dieser Nachrichtenbericht ist aber anscheinend in die Hose gegangen; sie hatten Tonprobleme und haben die Liveübertragung unterbrochen, worauf das Studio natürlich nicht vorbereitet war. Die Zombies wirkten echt, auch wenn es für mich ein bisschen gestelzt aussah, als der Typ wie bestellt aus der Gasse trat, um sich fressen zu lassen. Die hätten eindeutig ein besseres Drehbuch gebraucht.« Ron griff zur Fernbedienung und schaltete um. »Oh, Pulp Fiction, ich liebe diesen Film. Lass uns lieber den ansehen.«

Leah langte geistesabwesend in die Tüte und nahm sich etwas Popcorn. Sie kaute mechanisch, scheinbar ohne zur Kenntnis zu nehmen, was gerade auf der Mattscheibe vor sich ging.

Ende der Leseprobe

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