DUNKLE ZEITEN

4,99 13,95 

P.A. Douglas / Dane Hatchell

Zombie-Thriller

»DUNKLE ZEITEN ist ein interessanter Blick auf die Frage, wie sich Menschen im Angesicht des Endes der Welt verändern, oder eben auch nicht verändern. Es gibt eine Menge Romane über die Zombie-Apokalypse da draußen, aber nur die wenigsten können mit einer so guten Charakterzeichnung aufwarten wie dieser.« [HORRORADDICTS.NET]

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Beschreibung


Als den ersten Untoten die Köpfe weggeschossen werden, ist Rico Cruz ein übergewichtiger Cop, der sein Elend in der örtlichen Kneipe mit Whisky zu ertränken versucht. Der Krieg gegen die Untoten ist nur von kurzer Dauer und für die Lebenden ein Sieg auf ganzer Linie. Doch die Welt ist eine andere geworden, und ein Drittel der Weltbevölkerung ist von einer seltsamen Krankheit befallen.

Rico fasst den Entschluss, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen und sein Leben zu ändern. Nachdem er ein paar Pfunde abgespeckt hat, schwingt er sich auf seine Harley, auf der Suche nach Abenteuern. Weit muss er dafür aber nicht fahren, denn aus den Trümmern des Krieges steigt eine erneute Bedrohung hervor und verwandelt Million von Menschen in unerbittliche, fleischhungrige Zombies.


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Zusätzliche Information

Ersterscheinung

2017

Format

Klappenbroschur / Ebook (epub, mobi)

Seiten

ca. 400

ISBN

978-3-95835-261-2

eISBN

978-3-95835-262-9

Leseprobe


Kapitel 1

»Rico, findest du nicht, dass es für heute Abend langsam reicht? Warum gehst du nicht nach Hause zu deiner Frau?«

James Connors, besser bekannt als Pop und der Besitzer von Pop\’s Lounge, stützte sich auf einem Ellbogen ab und lächelte, während er ein Auge halb schloss. In seiner Stimme schwang ein Hauch von aufrichtiger Besorgtheit mit – so wie immer. Im Laufe seiner vierzig Jahre als Wirt einer Kneipe im Zentrum von Killeen hatte er bereits zahlreiche Lektionen fürs Leben gelernt, was die Macht der Suggestion betraf. Darauf zu achten, wie betrunken seine Gäste waren, spielte dabei eine wesentliche Rolle.

Rico verzog keine Miene, während er einfach durch den klein gewachsenen, rothaarigen Betreiber hindurchsah. Vor ihm auf dem Tresen standen sauber aufgereiht vier leere Schnapsgläser, wobei er sich gerade an dem Letzten festhielt, das er ungefähr fünf Minuten zuvor ausgetrunken hatte. Das leere Glas erinnerte ihn daran, wie er sich fühlte, während er es fest mit einer Hand umschloss.

»Rico … Hey, großer Junge. Was auch immer dir momentan die Laune verhagelt: Lass es einfach los.«

Keine Reaktion.

Rico wandte seinen Blick von James ab und starrte weiter ins Nichts.

»Du sitzt hier in deiner Polizeiuniform und besäufst dich. Was, wenn dein Vorgesetzter Wind davon bekommt? Du willst doch deinen Job wohl nicht aufs Spiel setzen.«

Der Officer blähte seine Backen auf wie ein Ochsenfrosch, sodass sein Mund immer breiter wurde, als ihm der Whiskey im Magen aufstieß und in seinem Rachen brannte. »Ich bin aber nicht im Dienst, also gib mir noch einen.«

»Du hast innerhalb der letzten Stunde fünf Stück getrunken. Ich kann dir nicht mehr geben. Als Wirt stehe ich gesetzlich in der Pflicht, einem Gast den Ausschank zu verweigern, wenn ich ihn für zu betrunken halte.«

»Scheiß auf das Gesetz.«

»Das kann ich nicht, Kumpel. Denn wir reden hier zufällig über meine Existenzgrundlage. Ich darf dich nicht so sehr abfüllen, dass du von hier losfährst und jemandem im Straßenverkehr verletzt. Würde das passieren, könnte ich hart zur Kasse gebeten werden und den Laden anschließend dichtmachen.«

Rico schloss seine Augen und schwebte sofort wie mit einem Raumschiff in anderen Sphären. Die Gespräche und die Musik im Lokal verstummten und wurden zu einer unheimlichen Stille. Er war zwar schon zuvor in seinem Leben allein gewesen, hatte sich aber noch nie derart verlassen gefühlt. Mit jeder Sekunde, die verging, schwand sein Lebenswille ein Stück mehr. Der Whiskey wog einfach nicht auf, was er verloren hatte, obwohl er es gehofft hatte. Sein vertrauter Freund, der seinen Schmerz linderte, hatte ihn letzten Endes im Stich gelassen. Er nahm das Glas in seine andere Hand und tippte dann beiläufig mit einem Finger dagegen.

»Sie ist nicht zu Hause«, antwortete er schließlich.

»Wer? Ach, deine Frau?«

»Sie ist nicht daheim; sie hat gesagt, sie kann nicht mehr mit mir zusammenleben. Schuld daran sei meine Trinkerei.« Rico richtete seinen Blick nun zum ersten Mal, seit er Platz genommen hatte, wieder auf Pop. In letzter Zeit tat er sich schwer damit, seinen Mitmenschen in die Augen zu schauen … er glaubte, sie würden ihn vielleicht nicht bemerken, wenn er sich ihnen nicht direkt widmete. Erkannte ihn nämlich jemand als das, was er tatsächlich war, würde er sich gezwungen sehen, das Problem anerkennen zu müssen. Pops irisches Grinsen löste bittere Emotionen in ihm aus. »Ich führe die Trinkerei nur auf meine Arbeit zurück. Scheiß auf den Job, scheiß aufs Gesetz; scheiß aufs Leben!«

Der alte Mann nickte stumm. Seine grünen Augen funkelten unter Lidern, an denen die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen war. »Du bist nicht der erste Bulle, der an meiner Theke sitzt und versucht, sein Leid zu ertränken. Ich kann durchaus nachvollziehen, dass dieser Job nicht leicht ist. Jeden Tag mit dem Schlimmsten zu tun zu haben, was die Gesellschaft bietet; Überstunden bei niedrigem Gehalt, ohne zu wissen, ob der Nächste, den du herauswinkst, weil er gerade bei Rot eine Ampel überfahren hat, eine Knarre zieht und dir die Rübe wegschießt. Du klingst in meinen Ohren so, als hättest du gerade vergessen, worauf es dir wirklich ankommt.«

»Worauf es mir ankommt?«

»Genau, erinnere dich doch mal daran, warum du überhaupt bei der Polizei angefangen hast vor … Wie lange ist es noch gleich her?«

»Ich habe die Akademie mit zweiundzwanzig abgeschlossen. Das war vor acht Jahren. Hmm.« Rico verzog sein Gesicht. »Acht Jahre klingen nach einer Ewigkeit, aber ich habe das Gefühl, es sei erst gestern gewesen. Das wünschte ich mir auch, denn dann hätte ich manches bestimmt ganz anders gemacht.«

»Du bist in den Gesetzesvollzug eingetreten, weil du wusstest, dass der amerikanische Traum nicht ohne Männer und Frauen wie dich weiter bestehen kann. Um dich herum sind die Leute älter geworden – deine Eltern zum Beispiel – und du wolltest einfach, dass sie ein sicheres und glückliches Leben führen können. Deine Kinder sollen in einer Umgebung aufwachsen, wo sie draußen spielen, zur Schule gehen und etwas aus sich machen können.« Pop zeigte auf den Namensschriftzug des Beamten. »Sergeant Rico J. Cruz. Du bist bestimmt nicht zum Sergeant aufgestiegen, weil du die ganze Zeit Donuts gegessen und den Verkehr geregelt hast, sondern du musstest dich nach oben kämpfen und viel durchhalten. Du hast bewiesen, dass du zu den Besten überhaupt zählst. Die Leidenschaft, mit der du dich zum Sergeant hochgearbeitet hast, ist immer noch in dir vorhanden. Natürlich geht dir der Job an die Nieren, aber ich mache meinen schon lange genug, um zu wissen, dass Leute ihr Heil nicht einzig und allein wegen ihrer Arbeit in der Flasche suchen.«

Pop beugte sich zu Rico. Sein Blick war stechend wie der eines Priesters, der jemanden zur Beichte bat.

Rico verzog sein Gesicht erneut, während er das Schnapsglas fest umklammerte. Er errötete unter der schwachen, gelben Beleuchtung über dem Tresen. Weinen – das hatte er sich versprochen – würde er wegen dieser Sache ganz bestimmt nicht; um Gottes willen, immerhin war er ein erwachsener Mann. Tränen würden ein entschiedenes Zeichen dafür sein, dass er versagt hatte; sie wären die endgültige Demütigung. Indem er tief Luft holte, fasste er wieder Mut zur Entschlossenheit.

»Ich begann erst mit dem Trinken, als … Mary Ettas Interesse an mir nachgelassen hat. Wir waren ziemlich jung, als wir geheiratet haben, eigentlich noch halbe Kinder, aber ganz schwer ineinander verliebt.« Seine Züge nahmen nun einen sanfteren Ausdruck an, während er das Schnapsglas auf den Tresen stellte. »Zunächst war alles eitel Sonnenschein. Wir wohnten während der ersten beiden Jahre in einem Appartement. Das war die beste Zeit überhaupt. Dann kauften wir uns ein Haus, und sie ging ebenfalls arbeiten. Damit fing praktisch alles an. Denn sie hatte viele Kolleginnen in ihrem Alter, die nicht verheiratet waren, und ging manchmal mit ihnen aus, in Bars oder Klubs – du weißt schon, immer dann, wenn ich Nachtschicht schob.«

Rico hob seinen Kopf und schaute Pop mit feuchten Augen an. »Irgendwann wurde ihr dann natürlich die besondere Aufmerksamkeit anderer Männer zuteil.« Seine Stimme brach, und er biss die Zähne zusammen, damit er seine wütende Beklemmung nicht offen zur Schau trug.

Pop streckte eine Hand aus und legte sie auf Ricos Schulter. »Das ist wirklich schade. Ich würde gern sagen, dass so etwas nicht oft passiert, doch das wäre gelogen. Solche Geschichten höre ich in meinem Metier leider so oft, dass ich glaube, es wird langsam zur Norm. Manchmal finde ich, Heiratsurkunden sollten nur drei Jahre gelten. Denn die Gesellschaft hat sich einfach in diese spezielle Richtung entwickelt. Du stehst an der Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt, mein Freund. Keine Bange, dort draußen gibt es viele tolle Frauen, die in der gleichen Situation stecken wie du. Es wird zwar eine Weile dauern, aber du kommst darüber hinweg.« James zog seine Augenbrauen hoch. »Allerdings musst du dieses Problem beim Schopf packen. Du hast etwas Besseres verdient. Nimm es einfach als das hin, was es ist, und zieh weiter. Du hast schließlich noch ein langes Leben vor dir.«

Obwohl Rico aussah, als sei er mit seinen Gedanken ganz weit weg, nahm er jedes Wort ganz genau wahr. Pop war ein herzlicher Mensch, obwohl er auch zu denjenigen zählte, die man lieber nicht zum Narren hielt. Im Augenblick kam er ihm allerdings eher wie sein bester Freund vor, ach was, vielleicht sogar so, wie sein eigener Vater damals in seiner Kindheit gewesen war – vor dem Tod seiner Schwester Jennifer.

Rico seufzte und sagte dann: »Ich habe eine Zeit lang versucht, mich davon zu überzeugen, weiterziehen zu müssen. Wie das gehen soll, wusste ich aber damals nicht, und es ist mir auch nach wie vor schleierhaft. Trotzdem, Pop. Meine Rede, und ich genau weiß, was du meinst. Danke dafür, dass du mir Hoffnung geben willst.«

»Du musst einfach die Gedankenfalle in deinem Kopf umgehen und dich wieder in den Sattel schwingen. Nicht, dass ich das Trinken verdammen würde, ganz bestimmt nicht – aber lass die Finger trotzdem erst einmal von der Flasche. Komm zur Ruhe. Kauf dir ein paar neue Klamotten und leg dir vielleicht auch eine neue Frisur zu. Kann doch sein, dass dir einer dieser Irokesenschnitte gut steht. Das scheint ja heutzutage der letzte Schrei zu sein … na ja, jedenfalls behauptet das mein Enkel.«

»Damit sähe ich wahrscheinlich wie ein Leguan aus.«

»Es gibt Frauen, die stehen auf Leguane«, meinte Pop laut lachend.

Rico brach ebenfalls in schallendes Gelächter aus, weshalb sich die Hälfte der Gäste nun nach ihm umdrehte. Als er sich wieder gefasst hatte, sagte er: »Pop, das war echt der Bringer. Du bist der Beste.«

»Ich bin nur froh, dich mal wieder lächeln zu sehen. Was hältst du davon, wenn ich dir ein Taxi rufe?«

»Ach, lass mal, ich kann einen meiner Männer auf Streife anrufen, dass er mich abholen und nach Hause bringen soll. Mach dir mal keinen Kopf um mich, du wirst morgen früh nichts über mich in der Zeitung lesen.«

»Klingt vernünftig. Fahr nach Hause und ruh dich aus.« Pop klopfte Rico auf die Schulter, bevor er sich umdrehte und sich einem anderen Gast am Tresen widmete.

Er hat recht, Mary Etta soll mein Leben nicht ruinieren. Sie will mich nicht? Drauf gepfiffen. Ich werde nicht zulassen, dass sie mir das antut. Sie darf mir meinen Job nicht madigmachen. Ich habe viel zu hart gearbeitet, um mir wegen dieser blöden Kuh alles zu versauen. Rico staunte über sich selbst. Bis jetzt hatte er die Schuld an allem immer auf sich genommen. Sie ist eine Schlampe: eine fremdgehende nichtsnutzige Fot… Er stoppte schnell, weil er sich geschworen hatte, nie derart respektlos gegenüber Frauen zu sein. Von nun an sollte, ja musste dringend alles anders werden.

Sein knurrender Magen erinnerte ihn daran, dass er seit dem Mittag nichts mehr gegessen hatte. Er schaute auf die Uhr und dachte, dass eine Pizza jetzt genau das Richtige wäre. Sich eine einzufahren, ohne Bier dazu zu trinken, würde allerdings nicht leicht sein. Noch mehr Alkohol brauchte er aber nicht und er beschloss deshalb, unterwegs am nächsten Schnellrestaurant haltzumachen.

Pop stand am anderen Ende der Theke, als Rico ihm zum Abschied zuwinkte. Der Wirt erwiderte die Geste und zeigte dabei zugleich seinen neuen Zahnersatz. Gerade als Rico aufstehen wollte, rief allerdings jemand: »Dort am Fenster, was ist das?«

Ein dumpfer Knall gegen die Schaufensterscheibe folgte. Jemand, der eher tot als lebendig wirkte, drückte sein Gesicht gegen das Glas, was natürlich einige Gäste erschreckte. Ausgehend von seinem Erscheinungsbild war anzunehmen, dass der Kerl zur wachsenden Anzahl der Obdachlosen gehörte. Kaputter konnte man nämlich kaum aussehen.

Im Hintergrund vernahm er eine Mischung aus entspanntem Jazz und Blues. Pops Lokal zählte zu den ruhigeren in der Gegend, wo man sich treffen und sich sogar noch unterhalten konnte. Die meisten Anwesenden schauten nun gebannt auf den Obdachlosen vor dem Fenster. Er schlug weiter dagegen, als wolle er auf diese Weise hineinkommen, war aber zu betrunken, um zu bemerken, dass er gar nicht vor der Tür stand. Insgesamt waren knapp dreißig Personen in der Kneipe – Pop und Rico nicht mitgezählt –, die diese merkwürdige Szene miterlebten. Ein paar hatten neben Rico am Tresen gesessen, wohingegen die übrigen verstreut an Tischen Platz genommen, getrunken und Gespräche geführt hatten … bis zum Beginn des Schauspiels wohlgemerkt, dem sie jetzt natürlich alle aufmerksam beiwohnten. Andere Obdachlose musste der Lärm wohl ebenfalls hellhörig gemacht haben, denn einige wenige traten nun auch aus der Dunkelheit hervor und schlossen sich dem Trommelkonzert vor der Kneipe an.

Eine aufgeschwemmte Hand klatschte jetzt gegen das Glas und hinterließ dort eine schleimige Spur.

Eine Frau kreischte auf. »Igitt … Das ist ja ekelhaft, was ist das?«

Louis Armstrongs unzerstörbare Stimme erklang weiterhin über die Stereoanlage:

I see trees of green, red roses too.

I see them bloom for me and you.

And I think to myself, what a wonderful world.

»Na, gibt es denn so was? Ich habe dieses Fenster gerade erst geputzt.« Pop langte unter seine Arbeitsfläche und zog plötzlich einen nagelneuen Baseballschläger aus Ahorn darunter hervor. »Diese Penner sind schlecht fürs Geschäft!«

Rico hielt eine Hand hoch. »Lass mich das klären, Pop. Das sind bestimmt nur ein paar Highschool-Kids, die eine Nummer abziehen.« James\‘ Drohgebärden zusammen mit dem Alkohol schürten Ricos Feuer … er war Ordnungshüter und er würde nun sowohl sich selbst als auch den anderen beweisen, dass sein wahres Ich die Kontrolle über sein Leben wiedergewonnen hatte.

Der Barhocker quietschte, als er ihn beim Aufstehen über den Betonfußboden schob. Wer auch immer das da draußen war, hatte sich eindeutig den falschen Ort und die falsche Zeit ausgesucht, um die Geduld eines Gesetzeshüters auf die Probe zu stellen, dessen Laune es gerade nicht erlaubte, dass er sich irgendeinen Scheiß bieten ließ.

»Auf der Straße sind noch mehr von denen. Irgendetwas stimmt nicht mit ihnen. Sie wirken verwirrt«, sagte nun eine dünne junge Frau mit einem Bleistiftrock, die durch ein anderes Fenster hinausschaute. Sie strich ihr langes blondes Haar auf eine Seite und setzte ihren Martini an den Mund, während sie die Straße weiter im Auge behielt.

Während Rico zur Tür ging, sah er, wie seine Reflexion über den Obdachlosen vor der Scheibe huschte. Ein Zipfel seines Uniformhemdes hing ihm aus der Hose und seine Krawatte war ebenfalls verschoben. Er sah ungepflegt aus.

Wie kann man sich bloß so gehen lassen? Ich werde eine Menge in meinem Leben ändern müssen – ab morgen.

Er rückte den Schlips zurecht und näherte sich dem Eingang.

Die Geräuschkulisse passte überhaupt nicht zur Situation.

I see skies of blue and clouds of white.

The bright blessed day, the dark sacred night.

And I think to myself, what a wonderful world.

Als er die Tür erreicht und sie aufgezogen hatte, stand direkt davor ein Mann in einem dunklen Anzug. Die Gesichtshaut des Kerls erinnerte ihn an abgewetztes Leder. Die Wangen des Mannes waren eingefallen, was ihm den Anschein eines grinsenden Gerippes verlieh. Rico erstarrte – er war sprachlos wegen des Gesichts dieser Person. Der Anzugträger wirkte irgendwie tot, doch das konnte nicht sein; es ergab einfach keinen Sinn. Während seiner Zeit bei der Polizei hatte Rico schon oft mit Landstreichern zu tun gehabt. Der obdachlose Teil der Bevölkerung sah seit je her immer leicht zerknautscht und ein bisschen fertig aus. Dieser Mann jedoch setzte dem Ganzen die Krone auf. Seine Haut wirkte geradezu verwest.

Während Rico noch versuchte, sich zu erklären, was er da gerade sah, schnellten zwei weitere Leute am Rande seines Gesichtskreises hervor und stießen ihn gegen die offene Tür. Er fiel rückwärts in das Lokal und landete unsanft mit seinem Hintern auf dem Boden. Einer der Angreifer, der sich an ihm festgehalten hatte, stürzte auf ihn. Gleichzeitig versuchte er, Rico die Arme an den Seiten festzuhalten.

Das alles geschah so überraschend, dass der Polizist gar nicht wusste, was er als Nächstes tun sollte. Er hatte eigentlich seine Muskeln spielen lassen und den Mann streng verwarnen wollen, um die Störung sofort zu beenden. Vielleicht lag es ja am Alkohol oder an seinen Emotionen; was auch immer es war, er tat sich schwer damit, einen klaren Blick zu bekommen. Der Kerl auf ihm zuckte und geiferte zähen Schleim. Rico schaffte es endlich, seine Arme hochzuheben, um sich zu wehren. Ein verschrumpeltes Gesicht starrte ihm entgegen und schnappte mit den Zähnen ins Leere. Der Officer versuchte nun, dem beißwütigen Angreifer einen Unterarm gegen die Kehle zu drücken, um ihn auf diese Weise auf Abstand zu halten.

Die anderen beiden Unruhestifter hatten ihre Aufmerksamkeit hingegen auf den vollen Schankraum gelenkt. Die Blondine im Rock sprang auf einmal aus ihrer Sitznische auf und verschüttete dabei fast ihr ganzes Getränk, als das Chaos losbrach. Mehrere Gäste schrien und liefen an den Wänden entlang, um sich in Sicherheit zu bringen. Einige wenige jüngere Männer hingegen traten ebenfalls vor, um den Eindringlingen die Stirn zu bieten.

Drei waren es, die etwas unternehmen wollten und sie unterschieden sich deutlich voneinander. Einer war klein und sah wie Anfang zwanzig aus. Was ihm an Körpergröße fehlte, wog er in der Breite auf, was ihn zu einem Schrank von Mann machte. Seine Brustmuskeln zeichneten sich deutlich unter seinem weißen Shirt ab, und dass er einen engen Schnitt bevorzugte, um Leute einzuschüchtern oder Frauen zu imponieren, war mehr als augenscheinlich. Bei den beiden anderen an seiner Seite handelte es sich um einen dürren Kerl, der als Technikexperte bei einem Kundendienst eines Computergeschäfts durchgegangen wäre; er trug eine Brille mit dickem Gestell und eine Krawatte. Der zweite Kerl fiel nicht so sehr auf; abgesehen von einer kleinen Tribal-Tätowierung, die zum Teil unter seinem linken Ärmel zu sehen war, entsprach er ganz und gar dem klassischen Durchschnittstypen. Im Grunde genommen waren alle drei nur normale Leute – einfache Kneipengäste, die nach Feierabend entspannen und es sich gut gehen lassen wollten. Vermutlich hatten sie sich bestens unterhalten, bevor diese irren Sonderlinge ins Pop\’s geplatzt und über den Polizeibeamten hergefallen waren.

Dieser lag noch immer auf dem Rücken und kämpfte mit demjenigen, der auf ihm gelandet war. Wenngleich der Mann nicht unbedingt viel zu wiegen schien, machte seine Stärke dies wieder wett. Wie gelang es dem gebrechlichen Alten bloß, Rico so niederdrücken zu können?

Geschrei und Gekreische männlicher und weiblicher Stimmen hallten nun durch den Raum.

Louis sang weiter.

I hear Babys cryin\‘, I watch them grow.

They\’ll learn much more than I\’ll ever know.

And I think to myself, what a wonderful world.

»Sag mal, Kollege, was soll der ganze Scheiß?«, fragte der stämmige kleine Mann, während er einem der Obdachlosen einen Zeigefinger gegen die Brust drückte. So imposant, wie seine Haltung war, war vermutlich auch sein Faustschlag.

Der Landstreicher trat schwankend ein Stück zurück. Obwohl … das waren garantiert keine normalen Landstreicher. Jeder im Lokal erkannte sofort, dass es sich bei ihnen nicht um irgendwelche Minderbemittelte handelte. Ihre Bewegungen wirkten vollkommen falsch – roboterhaft und unnatürlich, und was in ihren Gesichter klebte, war ganz sicher nicht der übliche Dreck. Der Gestank, den sie verströmten, ging außerdem weit über schlechten Körpergeruch hinaus. Er war versetzt mit dem Geruch von Fäulnis und Verfall; es war der Gestank des Todes. Er hielt sich derart beharrlich in der Luft, dass er förmlich in der Nase juckte und am Gaumen haften blieb.

Der vermeintliche Computerfreak hielt sich angeekelt eine Hand vor den Mund. »Gott, die stinken ja ekelhafter als Fetakäse.« Er unterdrückte ein Würgen.

»Aber ohne Scheiß!«, stimmte ihm der Mann mit der Tribal-Tätowierung zu, während er seine Zunge herausstreckte wie ein Hund, als wolle er einen schlechten Geschmack im Mund loswerden.

»Jemand soll endlich dem Polizisten helfen«, rief nun eine Frau.

Die beiden nicht ganz frischen Obdachlosen trotteten weiterhin auf das Muskelpaket, den Brillenträger und den Tätowierten zu. Rico rang gerade um sein Leben, und im Augenblick sah es so aus, als behielte sein Gegner die Oberhand.

Die Frau schrie erneut: »Tun Sie doch etwas!« Ihr dringlicher Tonfall riss die anderen Gäste endlich aus ihrer lähmenden Furcht, die sie wie angewurzelt hatte stehenbleiben lassen. Wie hieß es noch so schön? Die ganze Welt war eine Bühne, und Männer und Frauen waren bloße Schauspieler. Die Aufforderung der Frau bewirkte das Gleiche wie der »Action!« Ruf eines Regisseurs, damit man mit dem Drehen einer Szene begann und die Möchtegern-Akteure in ihre Rollen schlüpften. Dies war jedoch kein Theaterstück oder ein Drehbuch für irgendeinen dämlichen Film, es war die Realität, und das wirkliche Leben verläuft nun einmal nicht nach Skript.

Der durchtrainierte Kraftprotz stieß den stinkenden Obdachlosen, der vor ihm stand, wieder weg und schubste ihn wie zuvor. Der Mann gewann sein Gleichgewicht allerdings schnell wieder, so als gewöhne er sich langsam an sein neues Dasein, und näherte sich knurrend. Als er den Mund öffnete, sah man gelbe, faule Zähne. Um den Atem zu beschreiben, den er aushauchte, müsste man am besten Metaphern von Jauchegruben der Hölle verwenden.

»Was haben diese Typen denn bloß für ein Problem?«, fragte der Muskulöse, während er seine Arme zum Zuschlagen ausstreckte.

Der Computerfreak öffnete ebenfalls seinen Mund, als wolle er etwas sagen, stieß dann aber nur Luft aus, so als gebe er sein Letztes.

Sein Seufzer lenkte den kräftigen Mann so sehr ab, dass der Obdachlose, den er sich bisher vom Leib gehalten hatte, einen Satz vorwärtsmachen und ihm in eine Hand beißen konnte. Blut spritzte aus der schwieligen Innenfläche, als die Kreatur ihre Kiefer zusammendrückte und den Kopf wild hin und her bewegte. Der Verletzte brüllte so laut, dass es Rico in den Ohren wehtat. Der Lärm beunruhigte auch die anderen Umstehenden, sodass eine erneute Panikwelle über das Lokal hereinbrach. Blut tropfte auf den Boden und besprengte eine Seite von Ricos Gesicht.

Das Ungeheuer zog sich nun mit einem Mundvoll Menschenfleisch zurück. Seine Zähne waren rot verschmiert und in den Zwischenräumen klemmten Gewebefetzen.

Wie nach einem Zaubertrick des großen Houdinis fehlten dem stämmigen Mann jetzt plötzlich drei Finger. Blut floss in Strömen aus den Wunden an seinem Arm hinunter. Er hielt sich die Hand vor das Gesicht, starrte sie fassungslos an und ließ nun jegliche Vernunft fahren.

»Was zum Teufel …?«, wisperte der Tätowierte, während er den zweiten Kerl anstarrte, der gerade schleppend auf ihn und den Brillenträger zukam.

Der Zombie – so würde man sie allerdings erst später nennen – kaute vorübergehend zufrieden auf einem Stück Finger herum.

»Raus aus meinem Lokal!« Pop trat plötzlich mit erhobenem Schläger hinter dem Tresen hervor.

Yes, I think to myself, what a wonderful world.

Oh yeah!

***

Rico, der immer noch unter den unangenehmen Nebenwirkungen des Alkohols litt, hielt sich den Angreifer weiterhin von der Pelle, indem er ihm einen Arm gegen seine Kehle drückte. Die Kreatur auf ihm schnappte regelmäßig zu und war fest entschlossen, ihre Zähne in jedes Körperteil zu treiben, das hinzuhalten der Polizist dumm genug war.

Während der wenigen Momente, die vergangen waren, seit er auf dem Rücken lag, hatte er sich mit einem unglaublichen Gedanken angefreundet. Die Obdachlosen mochten zwar Menschen sein, aber sie lebten nicht mehr. Das hatte nichts damit zu tun, dass ihm der Alkohol eventuell den Kopf verdrehte … diese Dinger waren tot … sie waren Zombies. Wie sie sich allerdings weiterhin bewegen konnten, überstieg seine Auffassungsgabe. Gott oder Satan waren dafür verantwortlich, oder die Wissenschaft konnte es erklären. So oder so, sie alle waren nun komplett am Ende.

Rico nahm all seine Kraft zusammen und verpasste seinem Angreifer einen heftigen Ruck, in der Hoffnung, sich von ihm befreien zu können. Es genügte jedoch nicht, denn die Kreatur hielt mit ihren knochigen Armen dagegen und zog jetzt mit einer Hand an seiner Krawatte, während die andere ebenfalls nicht lockerließ. Der Beamte stöhnte und dachte ganz kurz, dass er gleich die Hose vollfette. Seine Muskeln zuckten, während er sich darauf gefasst machte, es erneut mit geballter Kraft zu probieren. Ein zweiter Ruck … und er spürte mit seliger Erleichterung, dass das tote Ding endlich von ihm abließ. Er hatte es geschafft, es mit seinem linken Knie aus der Balance zu bringen und neben sich auf den Boden zu wälzen.

Ricos Körper tat mittlerweile überall weh und eine leichte Benommenheit erschwerte ihm das Aufstehen, denn er kippte fast vornüber. Nach ein paar Sekunden nahm er die Umgebung endlich nicht mehr verwackelt wahr und erkannte, dass die Eingangstür immer noch weit offenstand. Ein Blick hinaus sagte ihm: Dieser Kampf hatte gerade erst begonnen. Eine ganze Schar wiederbelebter Toter torkelte träge von der Straße auf die Kneipe zu. Rico hob eine Hand, schlug die Tür zu und schob sofort den Riegel vor, alles in einer fließenden Bewegung. Dies geschah offenbar gerade noch rechtzeitig, denn gleich darauf reihten sich die Toten bereits vor den Fenstern auf. Schmierige Hände schlugen dagegen und kratzten daran. Wie lange würde das Glas wohl halten, bis es in tausend Splitter zerbrach?

Sie wollten hinein, und falls noch weitere aufkreuzen würden, würde man sie unmöglich aufhalten können.

»Was ist denn los?«, rief nun jemand.

Als Rico wieder hochschaute, sah er Bilder, die sich ihm bis an sein Lebensende einbrannten – Dinge, die ihn später bei Nacht immer noch verfolgen sollten, wenn er versuchte, die Augen zu schließen. Pop kam hinter dem Tresen hervor und ging auf zwei Männer zu, die den Eindruck erweckten, helfen zu wollen. Ein dritter Kerl, der aussah, als verputze er Steroide zum Nachtisch, saß mit dem Rücken an der Theke am Boden. Sein Gesicht war rot bespritzt, und ein Arm triefte vor Blut, das immer noch von seiner verletzten Hand hinunterlief. Offensichtlich stand er unter Schock, wie man an dem starren Ausdruck auf seinem bleichen Gesicht erkannte. Die meisten anderen Gäste hielten sich fern von ihm und blieben mit ihren Rücken an den Wänden stehen. Sie erinnerten Rico an Schlachtvieh – und falls nicht bald auch andere Leute Initiative ergreifen würden, würden sie alle tatsächlich in Kürze ausgeweidet werden.

Der Zombie, der den Sitzenden offenbar angegriffen hatte, kniete mitten im Raum und kaute an irgendetwas herum; um sich denken zu können, was es war, brauchte man keine blühende Fantasie. Als Rico das Blut an der Hand und im Gesicht der Kreatur sah, liefen ihm erneut kalte Schauer über den Rücken.

James hatte sich zu einer Waffe verholfen und war nun bereit zum Handeln. Der Alte ließ keinerlei Furcht erkennen, während der Baseballschläger auf seiner Schulter ruhte. Einen Moment lang erinnerte er Rico an einen mittelalterlichen Krieger – einen Ritter auf einem Schlachtfeld, wo man entweder tötete oder getötet wurde. Er wollte hinübereilen und seinem Freund beistehen, stand aber selbst noch immer vor einem Problem. Der Tote, den er von sich gestoßen hatte, raffte sich gerade wieder mühsam auf. Falls es überhaupt möglich war, sah er noch wütender aus als zuvor. Er fauchte … eine düstere Vorankündigung seiner Absichten. Speichel tropfte wie dicker Schleim von seinen trockenen, aufgesprungenen Lippen.

Er stürmte auf ihn zu, doch dieses Mal war Rico darauf gefasst.

Der Polizist wich zur Seite aus und packte anschließend den ausgestreckten Arm des Geschöpfs. Er fiel auf den Boden genau wie der arme Saufbruder, für den er ihn gehalten hatte. Jetzt wünschte er sich, er sei wirklich nichts weiter als das. Jawohl, Rico hätte lieber zehn Penner auf der Straße mit bloßen Händen angegriffen, hätte er tauschen können. Der Geruch von billigem Fusel und Körperausdünstungen wäre nach diesem Todesgestank, den diese Dinger absonderten, eine erfreuliche Abwechslung gewesen.

Dieser Mann … dieser Mann ist bereits tot, dachte Rico, als er seine Dienstwaffe aus ihrem Holster an seiner Hüfte zog. Ich frage mich, wie ich das später in meinem Bericht ausdrücken soll.

»Stehen bleiben!«, brüllte er, als er auf die Brust des Angereifers zielte.

Dieser reagierte überhaupt nicht auf seinen Befehl. Er folgte offenbar nur einem einzigen Trieb, und er schien sich von nichts aufhalten lassen zu wollen. Seine Schuhsohlen klatschen laut auf dem Boden, denn er näherte sich unerwartet schnell.

»Ich sagte: Stehen bleiben, oder ich schieße!«

Ehe er sich versah, war die Kreatur bereits drauf und dran, ihn mit beiden Händen zu packen. Rico drückte ab – hektisch zwar, doch aus dieser Nähe war trotzdem kaum zu befürchten, dass er ihn verfehlte. Der donnernde Schuss aus seiner Kaliber .40 Glock hallte von den Wänden wider. In dem engen Lokal klang der Knall eher wie eine kleine Explosion als wie eine Handfeuerwaffe.

Die Kugel traf den Angreifer genau in die Brust.

Das verdammte Ding gab jedoch immer noch keine Ruhe. Rico riss seine Augen weit auf und erstarrte einen kurzen Moment lang.

Er arbeitete nicht erst seit gestern bei der Polizei. Während dieser Zeit war er nicht nur einmal ins Schwitzen geraten … ein paar Verfolgungsjagden, ein vereitelter Bankraub und die eine oder andere Kugel, der er hatte ausweichen müssen. Allerdings war er nie derjenige gewesen, der im Zuge einer Auseinandersetzung hatte schießen müssen. Seit ein paar Jahren hatte die Akademie ihre Übungen für den Ernstfall neu gestaltet und setzte nun wirklichkeitsgetreue Puppen zur Simulation von Schießereien ein. Rico hatte natürlich zahllose Male auf diese Dummys gefeuert und bisweilen dabei auch auf bestimmte Körperteile gezielt, obwohl man den Gegner so nicht unschädlich machen sollte – einfach nur um sich selbst zu fordern. Es waren Schüsse in den Kopf, den Bauch oder die Schultern gewesen. Einmal hatte er es sogar fertiggebracht, ein Auge zu treffen. Ein Ohr, ein Knie und selbst unter die Gürtellinie, mitten in die Weichteile, diese Schüsse brachten keine Punkte ein, verlangten seinen Vorgesetzten aber zumindest Respekt ab. Jene Ausbildung hatte ihn aber in keiner Weise darauf vorbereitet, was jetzt gerade geschehen war. Er hatte auf einen echten Menschen geschossen, auch wenn dieser scheinbar gar nicht mehr am Leben war. Das stand nun vollkommen außer Frage, doch der elende Kerl bewegte sich einfach weiter.

Der Rückstoß erschütterte sein Handgelenk. Er rechnete eigentlich damit, ein faustgroßes Loch in der Brust zu sehen, nachdem das hundertachtzig Grains schwere Bleigeschoss hineingeschlagen war, und danach eine Blutfontäne. Der Zombie hätte umfallen sollen wie ein Sack Kartoffeln, doch nichts geschah. Der Bastard wurde beim Auftreffen der Kugel zwar kurzzeitig langsamer, näherte sich aber immer noch weiter. Als die Kugel die trockene und verfallende Haut unter dem Leichenhemd durchdrang, stob einfach nur muffiger Staub auf. Dieser stank so widerwärtig, dass sich Rico beinahe erbrechen musste.

»Stehen bleiben, zum dritten Mal!« Er legte die Waffe wieder an.

»Erschießen Sie ihn doch!«, rief jemand.

Genau das tat Rico. Ihm wurde bewusst, dass man einen Mann des Gesetzes nicht darauf vorbereiten konnte, wie er in einer so brandgefährlichen Situation reagieren musste. Er verhielt sich trotzdem exakt so, wie er es sich stets ausgemalt hatte. Doch was dabei herauskam, unterschied sich drastisch von dem, was in seinen Augen vorstellbar war.

Während seine Pistole erneut knallte, dröhnten wieder panische Schreie durch den Raum. Zwischen den Schüssen klingelte es, wenn die Messinghülsen der Patronen auf den harten Boden auftrafen. Rico nahm sich vor, so lange weiterzufeuern, bis sich das Ding nicht mehr rührte.

Klick, klick, klick …

Wenigstens hatte er es mit diesem Kugelhagel geschafft, die Kreatur erneut zu Fall zu bringen, doch das war auch schon alles. Sie lebte nicht mehr, sondern war tot und in diesem Zustand war sie wesentlich gefährlicher als lebendig. Abermals erhob sie sich, um ihrer Beute den Garaus zu machen.

Ricos Hände zitterten, als er seine Taschen nach einem vollen Magazin abtastete. Er öffnete den Verschluss am Griff, woraufhin das leere Magazin zu Boden polterte. Betrunken, verwirrt und leicht schockiert musste er drei Mal ansetzen, bis das neue Magazin einrastete. Anschließend zog er den Schlitten zurück und lud die erste Patrone durch.