Dunkle Ernte

von Alex Lukeman

Serie: Project
Band 4

»Alex Lukeman schreibt mit einem sicheren Gespür für filmische Atmosphäre. Seine fesselnden Romane mit ihren griffigen Plots sind einfach absolute Hits.« MCSFilm Review Team

INHALTSBESCHREIBUNG


Nachdem drei führende Experten auf dem Gebiet der Erforschung seltener Pflanzenkrankheiten auf ein Geheimnis aus der Zeit Alexanders des Großen stoßen, werden sie in kurzer Folge tot aufgefunden. Die Inschriften auf ein paar alten Tontafeln berichten von dem Fluch einer alten griechischen Göttin, der die Nahrungsmittelversorgung der gesamten Welt vernichten könnte – das ideale Werkzeug, um die Weltherrschaft zu erlangen.

Nun muss das PROJECT-Team um Nick Carter und Selena Connor alles daran setzen, den Ursprung des Fluches zu finden, einen Verräter in den eigenen Reihen aufzuspüren und eine globale Katastrophe zu verhindern. Auf ihrer Jagd von Griechenland nach Bulgarien und bis in ein geheimes Forschungsgebiet in Texas müssen die beiden Geheimagenten dafür sogar eine höchst ungewöhnliche Allianz eingehen, um den jahrhundertealten Fluch aufzuhalten, denn ihre Gegner sind mächtiger, als es anfänglich den Anschein hat.

Kapitel 1

 

Manchmal ist es besser, nicht zu finden, wonach man sucht.

In einem letzten verzweifelten Aufbäumen umklammerte der raue Winter Neuenglands den Campus des Dartmouth Colleges mit arktischer Kälte, doch in der Rauner Library war es warm und behaglich. Durch ein Vergrößerungsglas spähte James Campbell gerade auf seine jüngste Entdeckung hinab.

Neun rötlich-braune Tontafeln aus dem alten Persien, komplett mit Schriftzeichen bedeckt. Die Einkerbungen waren noch so klar und deutlich zu erkennen wie an jenem Tag, als man sie in den frischen Ton gepresst hatte, vor über 2400 Jahren. Campbell tippte eine letzte Notiz in seinen Laptop, dann klappte er den Computer zu.

Campbell war ein untersetzter Mann um die sechzig. Sein graues, lichter werdendes Haar zog sich in der Form von Geheimratsecken aus einem Gesicht zurück, das in all den Jahren, in denen es durch ein Mikroskop auf winzige Lebensformen gestarrt hatte, die von Tod und Zerstörung kündeten, faltig geworden war. In dieser Nacht fand sich jedoch nichts Lebendiges unter seinem Vergrößerungsglas. Nur die Tafeln, die er tief in den Archiven vergraben gefunden hatte. Sie enthielten den Hinweis auf die Erfüllung eines Traums … oder vielleicht auch eines Albtraums.

Das könnte der Schlüssel sein, dachte er bei sich.

Campbell fotografierte die Tafeln mit seinem Handy und verfasste zwei Nachrichten. Mit einem Fingerdruck auf das Display schickte er die E-Mails mit den Bildern auf die Reise. Dann packte er das Handy zusammen mit einer Kopie der Inschriften in die Tasche seines Laptops. Die Tafeln verschwanden wieder in ihren Schubladen im Archiv. Er warf sich seinen schweren Mantel über, nahm seinen Laptop und lief zum Ausgang. Es war schon spät, aber Campbells Position erlaubte es ihm, zu jeder Tages- und Nachtzeit Zutritt zum Gebäude zu haben. Ein müder Wachmann erhob sich von seinem Stuhl und entriegelte die Tür. Ein schwacher Hauch von Bourbon umwehte ihn. Campbell trat in die eisige Nacht hinaus.

Der Boden knirschte unter seinen Füßen. Der Himmel war ein Ozean aus zerbrechlich wirkenden Sternen. Wenn er einatmete, fühlte sich die Luft wie der Kuss einer Rasierklinge an, messerscharf und schmerzhaft. Er lief zu seinem Wagen, der allein auf einem verlassenen Parkplatz stand. Die Fensterscheiben waren beschlagen. Seltsam, dachte er, besonders bei dieser Kälte.

Der gemietete Volvo startete nur unter Protest. Campbell wartete, bis sich der Motor warmgelaufen hatte, und dachte währenddessen über die Tontafeln nach.

Dann wurde plötzlich etwas Scharfes gegen seine Kehle gepresst. Adrenalin durchflutete seinen Körper.

»Keine Bewegung.« Im Rückspiegel erblickte Campbell nun ein dunkles Gesicht. Der Schädel war schmal, die Augen tief in ihren Höhlen liegend und dunkel.

»Was?«

»Sie reden nur dann, wenn ich es Ihnen erlaube. Verstanden?«

»Ja.«

»Sie forschen derzeit an etwas. Antworten Sie … ja oder nein?«

Campbell schluckte. Die Klinge erzeugte einen schmalen Streifen des Schmerzes an seinem Adamsapfel.

»Forschungen, ja.«

»Was haben Sie herausgefunden? Ich merke, wenn Sie mir nicht die Wahrheit sagen. Wenn Sie lügen, schneide ich Ihnen Ihr Ohr ab. Glauben Sie mir das?«

»Ja.« Ein sehr ursprüngliches Gefühl kroch ihm jetzt die Wirbelsäule hinab, aus einer Zeit, als die Menschen noch in Höhlen gelebt hatten: Pure unverfälschte Angst.

»Was haben Sie gefunden?«

»Aufzeichnungen über Alexanders Eroberung des persischen Königreiches, nach seinem Einmarsch in Babylon. Berichte über seine Reichtümer.«

»Sonst nichts?«

»Nein.« Schweiß bildete sich auf seiner Stirn.

Campbell schrie, als sein Ohr auf den Boden fiel. Blut rann ihm am Hals hinunter. Bevor er sich auch nur bewegen konnte, befand sich das Messer schon wieder an seiner Kehle, nass von seinem eigenen Blut.

»Sie sind kein Historiker. Sie haben gelogen. Tun Sie das nie wieder. Sagen Sie mir, was ich wissen will, und Sie können gehen.«

Der Mann hatte sein Gesicht nicht verborgen, daher wusste Campbell ganz genau, dass er sterben würde. Er dachte an seine Frau, die krank zu Hause lag. Ein plötzlicher Anflug tiefer Traurigkeit trieb ihm die Tränen in die Augen. Was sollte sie denn nur ohne ihn tun?

Unausgegorene Gedanken über eine mögliche Flucht rasten ihm durch den Kopf. Vielleicht könnte er sich ja herauswinden. Den Laptop oder seine Autoschlüssel als Waffe verwenden. Das Messer von seinem Hals ziehen, bevor es ihm die Kehle durchschneiden konnte. Schreien … die Autotür öffnen … sich hinauswerfen.

Aber es war sinnlos.

Schmerzen durchzuckten die Seite seines Kopfes. Das Blut lief ihm unter seinen Kragen. Er fühlte sich benommen. »Ich frage Sie jetzt noch einmal: Was haben Sie gefunden?«, hörte er die ruhige Stimme hinter sich.

Halte ihn hin. Vielleicht schaffe ich es ja, rechtzeitig den Arm zu heben.

»Ich schwöre, es war nur eine Liste der Reichtümer, die sich vor der Eroberung, in den Schatzkammern befanden. Aufzeichnungen, die von Alexander in Auftrag gegeben worden sind.« Dieser Teil entsprach der Wahrheit. »Nichts Wichtiges. Nicht, was uns nicht schon längst bekannt gewesen wäre.«

»Haben Sie die Tafeln bei sich?«

»Nein, sie liegen in der Bibliothek.«

»In der Bibliothek?«

»Ja.«

Weißes Feuer schlitzte ihm den Hals auf, durchtrennte Fleisch, Arterien und Knochen. Blut spritzte gegen die Windschutzscheibe. Campbell fuhr sich mit beiden Händen an die Kehle und versuchte, die Sturzbäche aufzuhalten, mit denen das Leben aus ihm entwich. Er zuckte, gurgelte, fiel nach vorn und starb innerhalb kürzester Zeit.

Der Mann stieg aus dem Auto, ohne das über dem Lenkrad zusammengesunkene Bündel noch eines weiteren Blickes zu würdigen. Er lief um das Auto herum, öffnete die Beifahrertür, nahm den Laptop vom Sitz und verschwand in der eisigen Nacht.

Ende der Leseprobe

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