Buchcover:

Das Gold der Inka

INHALTSBESCHREIBUNG


Als ein vergessenes Notizbuch Jahrzehnte nach dem Verschwinden von Drake Ramseys Vater im Dschungel des Amazonas auftaucht, entschließt sich Drake, in dessen Fußstapfen zu treten und sich auf die Suche nach dem legendären Schatz der Inka aufzumachen, der in der verlorenen Stadt Paititi versteckt sein soll. Doch er ist nicht allein auf der Suche nach der geheimnisvollen Stadt – sowohl der CIA als auch russische Auftragskiller sind Drake dicht auf den Fersen und auch der Dschungel selbst hält einige Überraschungen für den frisch gebackenen Abenteurer bereit. Ein wahnwitziger Wettlauf um Ruhm, Geld und das nackte Überleben beginnt …

Pressestimmen

Man fühlt förmlich den Dschungel um sich herum und hört die Wildtiere.

tigerbea, wasliestdu

Die Beschreibungen der grünen Hölle überzeugen auch in Details, man vermeint regelrecht, die schwüle Hitze auf der Haut zu spüren, hält nach Giftschlangen und Jaguaren Ausschau und begibt sich auf moderne Schatzsuche.

phantastiknews

Insgesamt eine bunte, nette, recht flotte und unterhaltsame Story über 360 Seiten und mit einer Fortsetzung gesegnet, die im Original “Emerald Buddha” lautet. Und ich werde sie mir wieder greifen …

scarecrows area

Kapitel 1


Südwestlich von Cajamarca, Peru, 1532 n. Chr.

Blitze zuckten durch die dunkelgrauen Wolken über dem Regenwald, während grollender Donner den Boden erzittern ließ. Eine endlos scheinende Karawane aus Lamas schlängelte sich auf einem Trampelpfad zwischen den Bäumen hindurch. Die Tiere quälten sich unter den schweren Lasten, die ihnen auf die Rücken geschnallt worden waren, ihre Hufe rutschten immer wieder auf dem matschigen Boden aus und sie waren bis auf die Knochen durchnässt.

Tausende dieser bemitleidenswerten Kreaturen waren auf diese Höllentour jenseits der Anden geschickt worden, und ihre Hirten passten mit Adleraugen auf, dass sich keines der Tiere mit seiner wertvollen Fracht ins Dickicht verirrte. Inkarri, der Leiter dieser Expedition, hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass es um nichts Geringeres ging, als das Überleben der Inka-Zivilisation.

Zwei Monate zuvor hatten die spanischen Eroberer den Inka-Kaiser Atahualpa hintergangen und gefangen genommen. Obwohl Unmengen Gold als Lösegeld in die besetzte Inka-Stadt Cajamarca gebracht worden waren, hatten die Spanier ihr Wort gebrochen und Atahualpa ermordet. Die Kunde von diesem Verrat hatte sich wie ein Lauffeuer in der Gemeinde der Inka verbreitet und es war ein einstimmiger Entschluss gefasst worden: Der Nationalschatz der Inka musste in Sicherheit gebracht werden, weit weg von den Eindringlingen.

Inkarri war seitdem ohne Pause unterwegs. Erst hatte er die Anden überquert und sich dann über die Hochwasser tragenden Flüsse des Dschungels hinweg gekämpft. Er hatte absolut unwägbares Terrain bezwungen, um möglichst viele natürliche Hindernisse zwischen sich und die spanischen Conquistadores zu bringen. Jetzt, hunderte Meilen von Zuhause entfernt, gingen seiner Truppe langsam die Ressourcen aus. Viele der Lasttiere waren bereits verendet, und die, die noch lebten, stellten durch ihren Futterbedarf eine unhaltbare Belastung dar.

Inkarri wusste, dass er diesen Trek nicht lange fortsetzen konnte. Der letzte Angriff feindseliger Amazonenkrieger hatte seinen Tribut gefordert – Hunderte seiner Männer mussten bei der Verteidigung ihr Leben lassen. Er verlangsamte sein Tempo und legte den Kopf schief. Seine bronzene Haut war ausgemergelt von den Strapazen der Reise, doch voller Aufmerksamkeit lauschte er in den Dschungel.

Aus dem Unterholz kam ihm Lomu entgegen, sein Stellvertreter, der mit einer kleinen Gruppe mögliche Routen ausgekundschaftet hatte. Inkarri hielt eine Hand hoch über den Kopf, um der Karawane einen Halt zu signalisieren.

Lomu wischte sich den Regen aus dem Gesicht, bevor er sich nah zu seinem Anführer hinüberbeugte. »Ich habe eine vielversprechende Stelle ausgemacht, etwa eine Stunde von hier. Dort sind einige Bäche, Ausläufer des großen Stromes, also wird es da reichlich Fisch geben«, sagte er leise. »Und ich habe ein bedeutsames Omen gesehen. Einen Jaguar, der mitten auf einer kleinen Lichtung stand. Genau darauf haben wir gewartet. Deutlicher hätten die Götter es nicht sagen können.«

Inkarri schaute zum Himmel auf. »Eine Stunde, sagst du? Sehr gut. Wir haben noch Zeit, bis die Dunkelheit anbricht. Was meinst du, wie ist diese Stelle gegen Angriffe zu verteidigen?«

»Wir hätten in jedem Fall eine erhöhte Position und damit einen Vorteil. Außerdem liegt am nördlichen Ende der kleine Fluss, der als natürliche Barriere dient.«

Inkarri nickte. »Dann lasse die Kunde verbreiten: Wir nähern uns unserer neuen Heimat.«

Lomu beeilte sich, seinen Männern die Frohe Botschaft mitzuteilen. Ihre Reise stand kurz vor dem Ende, und ein neues Leben in einer unerschlossenen Wildnis stand bevor. Ihre Mission war eindeutig: Eine Siedlung zu errichten, in der ihre Schätze sicher waren, weit weg von den Spaniern. Wenn dies geschehen war, würde Inkarri ins Kaiserreich zurückkehren und Fehlinformationen streuen, um die Conquistadores auf falsche Fährten zu locken. Denn er wusste, die Gier der Spanier nach Gold und Edelsteinen würde niemals versiegen und sein Volk würde niemals sicher sein.

Es würde Monate dauern, bis sie eine bewohnbare Enklave errichtet haben, aber wenn es erst einmal soweit war, würde er zurückkehren, um Frauen und arbeitsfähige Männer in die neue Hauptstadt zu führen.

Inkarri beobachtete, wie Lomu die Karawane erschöpfter Lamas entlanglief und die frohe Kunde unter die Männer brachte, die Qualen hinter sich hatten, die in der Geschichte seines Volkes einzigartig waren. Der Dschungel östlich der Berge war immer die Grenze ihres Reiches gewesen, und nur die absolute Verzweiflung hatte seine Gruppe darüber hinaus getrieben.

Eine knappe Stunde später hatten sie ihr Ziel erreicht. Die Sonne brach durch die Wolken, nachdem es bis zu diesem Moment drei Tage lang ununterbrochen geregnet hatte. Inkarri betrachtete die Baumreihen und nahm aufmerksam Maß. Nach einigen Momenten des Schweigens begab er sich langsam in die Mitte der Lichtung, wo er die Arme ausbreitete. Die Strahlen der untergehenden Sonne wärmten ihn, während er ein kleines Dankesgebet zum Himmel schickte. Als er sich seinen Kampfesbrüdern zuwandte, die inzwischen einen Halbkreis um ihn herum gebildet hatten, strahlte er geradezu vor Zuversicht und Stärke.

»Unsere Reise ist zu Ende. Nehmt den Tieren ihre Lasten ab und gewährt ihnen Ruhe. Teilt einen Wachdienst für die kommende Nacht ein, denn ab morgen beginnen wir ein neues Leben an diesem gesegneten Ort.« Inkarri legte eine Pause ein und erfreute sich an den dankbaren Blicken seiner Männer. »Oh Inti, Gott des Lichtes und der Sonne, und Apocatequil, Gott des Donners, habt Dank, dass ihr uns hierher geführt habt! Wir werden euch mit einer Stadt ehren, wie man sie noch nicht gesehen hat. Paitit soll sie heißen, nach dem Jaguar-Vater, den ihr uns als Zeichen gesendet habt. Ihre Reichtümer werden der Stoff von Legenden sein!«

Lomu starrte die Säcke an, welche die Männer auf dem feuchten Boden platzierten. Hunderte waren es, bis zum Rand gefüllt mit Gold und Juwelen, und schließlich ruhten seine Augen auf dem größten Schatz der Inka: Einer Kette aus massivem Gold, deren mit Edelsteinen bedeckte Glieder in der tief stehenden Sonne glitzerten. Sie war so schwer, dass es hundert Mann gebraucht hatte, sie hierher zu tragen. Und selbst direkt neben all den anderen Reichtümern auf dieser Lichtung wirkte sie einfach atemberaubend und einzigartig. Lomu verspürte eine grenzenlose Genugtuung darüber, dass es ihnen gelungen war, dieses Prachtstück in Sicherheit zu bringen.

Die Zeit, die nun vor ihnen lag, würde schwer werden. Aber sie würden es schaffen, ihr Volk würde überleben, und eines Tages würden sie die Spanier zurück in die See treiben. Hier würden Tempel gebaut und Babys geboren, Handelsrouten würden errichtet werden und das Imperium erneut florieren. Von ihren Taten würde man noch in Hunderten Jahren in Ehrfurcht und Hochachtung sprechen.

Für sie würde der Traum in Erfüllung gehen, in ihrer Kultur unsterblich zu werden – in bester Erinnerung bis ans Ende aller Zeit. Ihre Geschichte würde an Lagerfeuern erzählt, und der Name ihrer Stadt würde als das Kronjuwel in der gesamten Welt der Inka bekannt sein: Paititi, die Stadt aus Gold.

 

Kapitel 2


Patricia hetzte aus ihrem Blumenladen in Richtung Auto. Die Nacht war schon vor Stunden angebrochen und der Feierabendverkehr längst vorbei, die Innenstadt wirkte wie ausgestorben. Normalerweise blieb sie nicht so lange im Geschäft, aber am Monatsende musste sie die Buchhaltung erledigen. Es waren harte Zeiten und sie musste sich selbst um den Papierkram kümmern – dabei durfte sie sich glücklich schätzen, dass sie ihren Betrieb überhaupt am Laufen halten konnte.

Ihre Absätze klackerten laut auf dem Gehweg, ihr Atem wurde in der eiskalten Nacht zu Dampfwolken, und dann hörte sie plötzlich wieder dieses Geräusch – jemand oder etwas war hinter ihr her. Sie gab sich Mühe, ruhig zu bleiben, während sie in ihrer Handtasche nach dem Pfefferspray wühlte, das sie vor Jahren dort versteckt hatte, in der Hoffnung, es würde noch funktionieren. Sie versuchte auch, sich an die effektive Reichweite zu erinnern, konnte aber keinen anderen Gedanken fassen, als dass sie anfangen sollte, zu rennen. Sie musste rennen, und zwar so schnell sie konnte; zu ihrem wartenden Auto, wo sie in Sicherheit sein würde.

Sie zögerte an einer düsteren Straßenkreuzung und lauschte nach akustischen Anzeichen ihres Verfolgers. Ein kratzendes Geräusch hinter ihr, nicht einmal zwanzig Meter entfernt, bestätigte ihre schlimmsten Befürchtungen. Doch sie zwang sich erneut zur Ruhe. Das hätte alles Mögliche sein können. Eine Katze zum Beispiel. Oder der Deckel einer Mülltonne, der vom Wind bewegt wurde. Oder eine Ratte, die darin nach Schätzen grub.

Als sie um die Ecke bog, startete sie trotzdem einen Sprint in Richtung des Parkplatzes und ließ den letzten Anschein von Gelassenheit fallen. Wer auch immer hinter ihr her war, bekam jetzt auf jeden Fall mit, dass sie alarmiert war. Da konnten sich die Stimmen in ihr noch so lange streiten, sie war davon überzeugt, dass ihr jemand folgte.

Visionen von Serienkillern plagten ihre Gedanken, als sie die hüfthohe Betonmauer erreichte, die den Parkplatz umschloss. Sie kämpfte sich durch das verrostete und laut quietschende Drehkreuz und kramte in ihrem Mantel nach dem Schlüssel, während sie sich dem Wagen näherte. Dabei betete sie zu Gott, dass die alte Mühle beim ersten Versuch anspringen würde und verfluchte sich selbst, dass sie den dringend nötigen Gang in die Werkstatt nun schon monatelang aufgeschoben hatte.

Sie hoffte sehnlich, dass diese Entscheidung nicht ihren Tod bedeuten würde.

Patricia fummelte mit den Schlüsseln herum und schaffte es, die Autotür zu öffnen. Ohne Zeit zu verlieren, glitt sie auf den Fahrersitz und ließ ihre Handtasche neben sich fallen. Als sie den Zündschlüssel drehte, verriegelten sich automatisch die Türen, doch der Anlasser leierte nur kraftlos vor sich hin.

»Oh Gott, nein! Nun mach schon!«, murmelte sie.

Zwei schwarzbehandschuhte Fäuste krachten gegen die Fahrerscheibe. Patricia schrie auf und drehte den Zündschlüssel erneut. Mit einem heiseren Röhren stieß der Wagen eine schwarze Wolke aus. Sie legte den Vorwärtsgang ein und trat das Gaspedal durch; genau in diesem Moment nahm sie die eindeutige Form einer Pistole im Außenspiegel wahr. In Panik schleuderte sie auf die Straße zu und duckte sich, als sie die orangefarbene Blüte eines Mündungsfeuers im Rückspiegel erhaschte, Sekundenbruchteile bevor ihre Heckscheibe in einem Regen aus Sicherheitsglas zersprang.

Das altersschwache Auto holperte über die Bordsteinkante, weil sie die Ausfahrt viel zu eng nahm, und dann raste sie die Straße hinunter. Hinter ihr tauchte ein Paar Scheinwerfer auf, das sich unangenehm schnell näherte. Fassungslos starrte sie in den Rückspiegel und raste weiter in Richtung des Highways, der sie in die relative Sicherheit ihres bescheidenen Häuschens etwa zehn Minuten außerhalb der Stadt führen sollte.

Patricia fegte über die rote Ampel am Fuße der Auffahrt hinweg. Doch ihr Triumphgefühl hielt nicht lange an, denn der Verfolger blieb ihr nicht nur auf den Fersen – er kam auch immer näher, obwohl sie das Gaspedal schon fast durch den Unterboden trat. Sie hörte ihren Puls in den Ohren hämmern und ein unsichtbares Band schnürte ihr den Atem ab.

»Komm schon, komm schon …«, zischte sie und trieb ihren alten Buick zu Höchstleistungen an, während sie an der Tankstelle vorbeiraste, die die Stadtgrenze markierte.

Ein kalter Wind zerrte an den Bäumen am Rande des Highways und der Tacho quälte sich langsam an der 80-Meilen-Markierung vorbei. So schnell war der Wagen noch nie gefahren, doch es reichte nicht, um dem Verfolger zu entkommen: Ihr Blick schnellte wieder in den Rückspiegel und das andere Auto war nicht einmal 50 Meter entfernt.

Mit inzwischen 96 Meilen pro Stunde bekam sie die Kurve direkt vor der Brücke nicht mehr. Die Reifen quietschten wie ein sterbendes Tier, und dann flog der Wagen in einem kraftlosen Bogen durch die Luft.

Die Limousine, die gefolgt war, rollte langsam aus und kam am Rande der Brücke zu stehen. Ein Handschuh des Beifahrers griff nach oben und schaltete die Innenbeleuchtung aus. Langsam schaute er sich um und stellte fest, dass sonst niemand auf der Straße unterwegs war. Er ging auf das Geländer der Brücke zu und starrte in die Dunkelheit des trüben Wassers, das fünfzig Meter unter ihm vorbeidonnerte. Am Fuße der Böschung lag der Buick halb versunken und völlig zerstört im Wasser.

Er schüttelte den Kopf und zog seinen Kragen hoch; ein schwacher Schutz gegen den eisigen Wind. »Das kann niemand überlebt haben«, sagte er, als er zum Auto zurückkehrte.

»Und jetzt?«, fragte der Fahrer, dessen Hände lässig auf dem Lenkrad ruhten.

Sein Gegenüber warf einen Blick auf den Vollmond, der schief zwischen den Wolken hindurch grinste. »Jetzt kommt der schwierige Teil.«

Ende der Leseprobe

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