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Neuerscheinung

DJATLOV PASS – DIE RÜCKKEHR ZUM BERG DES TODES

von J.H. Moncrieff
»Wer Horror mag, gerne Angst eingejagt bekommt und Romane liebt, die nicht dem typischen Einheitsbrei entsprechen, sollte dieses Buch lesen.« [Amazon.com]

DJATLOV PASS – DIE RÜCKKEHR ZUM BERG DES TODES

  • Format: Klappenbroschur
  • Seiten: ca. 276
  • ISBN: 978-3-95835-391-6

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DJATLOV PASS – DIE RÜCKKEHR ZUM BERG DES TODES

  • ISBN: 978-3-95835-392-3

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1959 brachen neun russische Studenten zu einer Ski-Expedition in den Ural auf. Wochen später fand man ihre Leichen, auf grausamste Art verstümmelt. Ihr bizarrer und bis heute ungeklärt gebliebener Tod gilt als eines der größten Mysterien unserer Zeit.

Beinahe siebzig Jahre später dringt Nat McPherson, die Moderatorin eines beliebten Podcasts, zusammen mit ihrem Team ebenfalls in diese Berge vor; fest entschlossen, das Rätsel um den Zwischenfall am Djatlov Pass endlich zu lösen. Doch ihre Pläne werden bereits in der ersten Nacht vereitelt, als zwei Fährtenleser ihrer Gruppe bestialisch abgeschlachtet werden.

Der Führer ihrer Gruppe, ein abergläubischer Mann aus einem benachbarten Dorf, hält dies für das Werk von Yetis, Schneemenschen. Niemand will ihm glauben, doch immer mehr Mitglieder des Teams kommen ums Leben. Gibt es einen Mörder in ihrer Mitte? Oder ist doch etwas Unheimlicheres am Werke, das dafür sorgen will, dass sich die Geschichte wiederholt und die Abenteurer ebenfalls zu tragischen Opfern des berüchtigten »Berg des Todes« werden?

Im Februar 1959 waren neun erfahrene russische Skifahrer zu einer Expedition ins Ural-Gebirge aufgebrochen. Nachdem am 12. Februar das erwartete Telegramm von Gruppenleiter Igor Dyatlow nicht angekommen war und man von den Skifahrern bis zum 20. noch immer nichts gehört hatte, war ein Rettungsteam losgeschickt worden.

Als die Suchenden den Lagerplatz auf dem Berg des Todes erreichten, wurden sie Zeugen eines Tatorts, der schaurig genug war, um ihnen für den Rest ihres Lebens Albträume zu verschaffen.

Irgendetwas hatte Djatlov und seine Freunde in Panik versetzt, woraufhin sie ihr Zelt von innen mit Messern aufgeschlitzt und das Weite gesucht hatten. Ein paar aus der Gruppe hatten nur Unterwäsche und Socken getragen, andere waren barfuß gewesen. Die Temperatur zu dem Zeitpunkt, als sie in den Schnee rannten, wurde auf -25°C geschätzt.

Einige der Leichen wurden gleich entdeckt, die anderen erst Monate später. Alle Gruppenmitglieder hatten schwere Verletzungen erlitten und vier der Opfer waren so stark zerschunden, dass die Ärzte das Ausmaß ihrer Verletzungen mit denen eines Autounfalls verglichen.

Die russischen Behörden legten sich schließlich darauf fest, dass die Tode durch höhere Gewalt verursacht worden waren. Bis zum heutigen Tage ist die Tragödie ungeklärt. Sie ist als das Unglück am Djatlov-Pass bekannt.

Dieses Buch ist der Erinnerung an die neun Skifahrer gewidmet, die an jenem Ort umkamen, den man heute den Djatlov-Pass nennt: Igor Alexejewitsch Djatlov, Juri Nikolajewitsch Doroschenko, Ljudmila Alexandrowna Dubinina, Juri (Georgi) Alexejewitsch Kriwonischtschenko, Alexander Sergejewitsch Kolewatow, Sinaida Alexejewna Kolmogorowa, Rustem Wladimirowitsch Slobodin, Nikolai Wladimirowitsch Thibeaux-Brignolle und Semjon (Alexander) Alexejewitsch Solotarew.

Mögen sie in Frieden ruhen.

 

Prolog

Uralgebirge, Sowjetunion, März 1959

 

In dem Augenblick, bevor sie starb, fragte sich Ljudmila, wie alles nur so fürchterlich hatte schieflaufen können. Verborgen in der behelfsmäßigen Schneehöhle, zum Schutz und zur Wärme, schmiegte sie sich enger an Nikolai, auch wenn der Leichnam ihres Freundes schon lange kalt und steif war.

»Denk dran, Mila«, hatte er ihr eingeschärft. »Egal, was du tust, du darfst nicht schreien. Egal, wie viel Angst du hast, egal, was passiert, du musst still bleiben. Du musst überleben und unseren Familien erzählen, was uns widerfahren ist.«

Die Tränen auf ihren Wangen waren schon längst gefroren. Die Luft war so kalt, dass sie nicht einmal richtig trauern konnte. Die Einsamkeit und Pein, die sie beim Verlust ihres letzten verbliebenen Freundes empfunden hatte, des Mannes, der alles aufgegeben hatte, um sie zu beschützen, musste tief vergraben bleiben. Wenn sie es sicher nach Hause schaffte, würde sie um ihn trauern. Aber jetzt noch nicht. Jetzt musste sie sich auf ihr Überleben konzentrieren.

Ljudmila hatte die meisten Winter damit verbracht, diese Berge auf Skiern zu erkunden. Sie kannte sich gut mit den Symptomen von Erfrierung und Unterkühlung aus. Wenn sie nicht bald eine Möglichkeit fand, ihre Körpertemperatur zu erhöhen, würde sie nicht mehr lange unter den Lebenden weilen. Mit Kribbeln in ihren müden Armen, das sie ignorierte, stieß sie sich von Nikolai ab und kroch bäuchlings durch den Schnee zu dem zusammengesackten Häufchen Elend, das einst Alexander war. Alexander war als Erster ihrer kleinen Gruppe in der Höhle gestorben. Sie wandte ihren Blick von seinem gefrorenen Gesicht ab, während sie ihm die Stiefel auszog. Die Stiefel waren ihr zu groß, aber auch wärmer als ihre eigenen. Mit den Wollsocken, die sie Semjon abgenommen hatte, würden sie ihr schon passen.

Sie zwängte noch einige Socken und einen Stiefel über ihren steif werdenden Fuß, bewegte ihre Zehen, während sie sich auf die Lippen biss, um keinen Laut von sich zu geben. Das Brennen in ihren Extremitäten, so schmerzhaft es auch war, war willkommen. Es bedeutete, dass ihre Füße nicht erfroren waren – bisher.

Ein Krachen aus dem umliegenden Wald erschreckte sie, ließ sie innehalten mit ihren Händen an Alexanders zweitem Stiefel. Ein weiteres Krachen, gefolgt von anhaltendem Rascheln und dem Geräusch von Zedernzweigen, die auf Schnee schlugen. Ljudmila wimmerte, bevor sie beide Hände über ihren Mund schlagen konnte, fest genug, dass ihre Vorderzähne ihre Oberlippe verletzten und metallisch schmeckendes Blut ihren Mund füllte.

»Nein«, stöhnte sie leise. »Nein.«

Sie sah zu Nikolai, der auf der anderen Seite ihres Unterschlupfs lag. Er war so weit weg, zu weit, um ihn rechtzeitig zu erreichen. Sie hätte niemals von seiner Seite weichen sollen. Wenn die anderen sich gelegentlich über sie lustig gemacht und sie als die Jüngste der Gruppe abgetan hatten, hatte nur er ihr geglaubt. Er hatte sie für mutig gehalten. Auch wenn es sich anfühlte, als ob Eis ihre Netzhäute überzog, füllten sich Ljudmilas Augen wieder mit Tränen. Sie wagte es nicht, sie fallenzulassen. Ihre Peiniger konnten jedes noch so kleine Geräusch orten, wie Füchse, die nach den hastenden Schritten ihres Abendessens unter der Schneedecke lauschten. Sie würde nicht hasten, aber sie würde zurück an Nikolais Seite rutschen. Selbst im Tode würde er sie beschützen.

Ihre kreischenden Nervenenden außer Acht lassend begann Ljudmila den langsamen, peinigenden Kriechgang zu ihrem Freund. Sie war nur ein Dutzend Schritte entfernt, als sie das schlimmste Geräusch von allen vernahm; das Geräusch, das sie alle zu fürchten gelernt hatten.

Das Geräusch von Fleisch, das von Knochen gerissen wurde.

Sie biss wieder auf ihre Lippen und konzentrierte sich nur auf Nicky, um nicht zu schreien. Ihre Oberschenkel, stark vom jahrelangen Skifahren, schoben sie über den dichten Schnee. Wusch, wusch. Wusch, wusch. Sie passte ihre Bewegungen den grässlichen Kaugeräuschen an, damit auch das leichteste Rascheln ihrer Schneehose verborgen blieb, aber sie hatte etwas vergessen.

Den Sirenengesang frischen Blutes.

Trotz der eisigen Temperaturen stand ihr der Schweiß auf der Stirn und tropfte von ihrer Nase herab. Wusch, wusch. Wusch, wusch. Allerliebster Nicky. Sie konnte ihn beinahe schon anfassen. Seine letzte verbleibende Körperwärme würde ihr wieder Mut machen. An seiner Seite würde sie die Nacht überstehen, und am Morgen, von seiner guten Winterjacke vor den Elementen geschützt, würde sie den Versuch wagen, den Berg hinabzusteigen und sich in Sicherheit zu bringen.

Ljudmila war nur noch Zentimeter von Nikolais Leichnam entfernt, als ein weißes Etwas vor ihr durch den Schnee brach, den Schädel ihres Freundes packte und wie eine überreife Traube zerquetschte. Als das tiefe Rot von Nickys Blut die Wände ihres Zufluchtsorts in die Farbe des Todes tauchte, vergaß sie ihr letztes Versprechen an ihn.

Sie schrie.

Und sie schrie noch immer, als ihr die Zunge herausgerissen wurde, zusammen mit dem Inneren ihres Rachens.

Ende der Leseprobe

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