DIE SAAT DER BESTIE

4,99 13,95 

Michael Dissieux

ENDZEIT-THRILLER

Lieferzeit: sofort nach Zahlungseingang, versandkostenfrei

Kategorien: , Schlüsselwort:
Clear selection

Inhalt


Was passiert, wenn einer der letzten Menschen auf der Erde ein schizophrener Psychopath ist? Und wie groß ist die Chance, eine Begegnung mit ihm zu überleben?

David glaubt, dass er der einzige Überlebende der Apokalypse ist. Die Stadt gehört ihm. Sein Leben ist geprägt von alltäglicher Routine, schmerzvollen Erinnerungen und der Musik von Neil Young. Als eines Tages Samantha in seine Stadt kommt, erwacht die Bestie in ihm …
Nach seinem Überraschungshit GRAUES LAND erzählt Michael Dissieux in DIE SAAT DER BESTIE eine weitere düstere Endzeitgeschichte, die tief unter die Haut geht. Wie kaum ein anderer Autor versteht er es, seinen Protagonisten Leben einzuhauchen und den Leser in ein apokalyptisches Grauen hineinzuziehen.

»Michael Dissieux, welcher mir vor der Aktion ehrlich gesagt kein Begriff war, ist meiner Einschätzung nach ein Meister im Genre Horror-Thriller.« [bucharrest]

»Im ersten Teil des Buches sind mir Gruselschauer über den Rücken gejagt und ich musste ab und an pausieren und erstmal durchatmen, weil der Autor Bilder in meinen Kopf projiziert hat, die absolut unheimlich waren.« [Bücherzauber]

»Der eigentliche Horror schlussendlich bricht sich dann im Grunde erst im letzten Drittel von “Die Saat der Bestie” Bahn, doch bis dahin fesselt Dissieux mit einer beklemmenden und dichten Atmosphäre, die den nahenden Schrecken auf jeder Seite bereits erahnen lässt, wenn es auch dauert, bis der Wahnsinn sich an die Oberfläche kämpft.« [Medienjournal]

Weitere Informationen

Ersterscheinung

2013

Formate

Klappenbroschur / Ebook (epub, mobi)

Seiten

256

ISBN

978-3-943408-16-4

eISBN

978-3-943408-99-7

Leseprobe


Als sie den Mann tötet, weiß sie endgültig, dass die Welt sich verändert hat …
  Manchmal scheint das Land unendlich zu sein. Am Horizont verschmilzt der Himmel in einer dünnen Linie mit den Schatten von dem, was von der Welt noch übrig geblieben ist, nur selten durchbrochen von den gezackten Kämmen dunkler Berge oder dem feinen Glitzern eines weit entfernten Gewässers. Am Morgen steigt Nebel aus den Senken der Felder und lässt bleiche Gespenster über das Land tanzen, als würde die Welt in ihren letzten Atemzügen liegen. Dann riecht die Luft nach feuchter Erde, die in den Nächten von Regen getränkt wird, und lässt Erinnerungen an die alte Zeit wie glanzlose Träume erscheinen.
  In der Nacht allerdings kehrt der Gestank zurück. Der saure Geruch nach Aas, Unrat und verfaulten Gräsern lässt die Luft dick werden, als würde sich etwas Finsteres durch die Dunkelheit bewegen. Regen zwingt die Ausscheidungen der Erde auf den Boden zurück, wo sie sich in ein alles verderbendes, verschlungenes Leichentuch verwandeln und die Welt ersticken.
  Für Samantha riecht das Land immer gleich. Es macht keinen Unterschied mehr, ob die Welt am Morgen erwacht oder sich am Abend zum Sterben niederlegt. Sie kann den Tod immer riechen, selbst in den Wirren ihrer Träume.
  Wenn sie mit einem Schrei auf den Lippen aus den Abgründen ihrer Alpträume auftaucht, spürt sie kalten Schweiß auf der Stirn und schmeckt Blut auf ihren Lippen, wo sie sich während des Schlafes selbst gebissen hat. Dann liegt für einige widerliche Sekunden der träge Gestank ihrer Träume von aufgedunsenen Körpern und Leichengas in der Nachtluft und sie kann den Geschmack von fauligen Pilzen in ihrem Mund spüren, als würde etwas Totes aus ihrer Kehle nach oben steigen.
  Manchmal hat Samantha Angst davor, den Verstand zu verlieren – an anderen Tagen wiederum sehnt sie sich danach. Ihre Welt ist aus den Fugen geraten.
  Wie lange sie bereits unterwegs ist, weiß sie nicht mehr. Irgendwann hat sie aufgehört, die Tage zu zählen.
  Als der Winter ging und die Nächte ihre beißende Kälte verloren hatten, war sie aufgebrochen.
  In dem Haus zu sitzen und zu warten, dass sich alles zum Guten wenden würde, hatte keinen Sinn mehr gemacht. Mike würde nicht zurückkommen, ebenso wenig die anderen, die ihr Leben geprägt hatten. Sie war alleine zurückgeblieben, auch wenn sich jede Faser ihres Verstandes sträubte, dies zu akzeptieren. Die Stille, die sich über die Welt gelegt hatte, folterte sie und drängte sie in die dunkelsten Winkel ihres Hauses zurück. Manchmal schrie sie, bis ihre Sicht von Tränen getrübt war; einfach nur, um ein Geräusch zu hören.
  Sie warf Teller gegen die Wände und hämmerte mit den Fäusten gegen Türen und Fenster, bis sie bluteten. Ihr Spiegelbild versuchte, sie zu beruhigen, doch das bleiche, erschöpfte Gesicht, das ihr entgegenstarrte, verwandelte sich schnell in eine hilflose Maske aus Zorn, Furcht und Trauer und begann, sie in seiner Entkräftung erneut anzuschreien.
  Alles war besser als dieses erstickende Schweigen. Ihre Schreie hallten durch die Straßen der Stadt und gaukelten ihr vor, dass ihr irgendjemandin irgendeinem Haus antwortete.
  Dann wurde es wieder still und Sam rannte in die dunklen Ecken des Hauses zurück, setzte sich gegen die Wand gelehnt auf den Boden, zog die Knie eng an den Körper und umfasste sie mit ihren Armen. So saß sie oft stundenlang in der Dunkelheit, während die Kälte langsam in ihre Glieder kroch und an ihren Knochen zu nagen begann.
  In den Nächten träumte sie oft davon, in einem ruhigen See zu ertrinken. Sie stand im Wasser, roch Algen und Seegras und konnte sehen, wie sich die Wellen kräuselten und immer größere Ringe um sie herum bildeten. Ein bleicher Mond, der auf Wolken saß, die so grau wie Asche waren, tauchte das Land in ein bleiches Glühen, bis Sam unter der Wasseroberfläche versank und die Nacht hinter einem verschwommenen Vorhang verschwand. Ihre Haare trieben noch kurze Zeit wie Spinnweben an der Oberfläche, dann wurden auch sie unter Wasser gezogen. Sam konnte das Rauschen des Blutes in ihren Ohren hören und tanzende Bläschen vor ihren Augen aufsteigen sehen. Ihre Glieder wurden schwer und steif vor Kälte. Sie verwandelte sich in etwas, das sie nicht mehr kontrollieren konnte, so lange, bis ein heiserer Schrei sie aus dem Schlaf riss und schwitzend und zitternd in ihrem düsteren Zimmer zurückließ.
  Irgendwann, als die Tage wärmer wurden und morgendliche Sonnenstrahlen einen Hauch von Normalität in ihr Leben zurückbrachten, war Sam gegangen.
  Auf ihrem Rücken trug sie eine alte Tasche, gefüllt mit den wenigen Vorräten ihrer kleinen Speisekammer. In der Hand hielt sie ein Gewehr, das sie im Haus eines Nachbarn gefunden hatte. Ob sie in der Lage war, es zu benutzen, wusste sie nicht; und sie wollte es auch nie herausfinden. Doch das Gewehr erinnerte sie an eine Zeit, in der sie, zusammen mit Mike, oft zu Gast in diesem Haus gewesen war, und John, ihr Nachbar, das Gewehr eines Tages, während einer hitzigen Diskussion über Einbrüche und Überfälle, aus dem Schrank geholt und es mit vor Stolz geschwellter Brust seinen Freunden gezeigt hatte. John war ein Mann um die Vierzig gewesen, der es in seinem Leben zu nichts brachte. Er hatte einen miesen Job, keine Frau und außer Samantha und Mike keine Freunde. Das Gewehr verlieh ihm die Macht, die er in seinem Leben gerne gehabt hätte.
  John war irre, wie Mike mehr als einmal mit einem süffisanten Lächeln anmerkte. Doch Sam mochte ihn, und jetzt trug sie Johns Gewehr bei sich und hoffte auf das gleiche Machtgefühl, in welchem er sich wie ein kleines Ferkel so gerne gesuhlt hatte, aber es wollte sich nicht einstellen.
  Unzählige Wochen war es her, dass Samantha, ohne einen Blick zurückzuwerfen, durch die Straßen ihrer Stadt ging, die letzten Häuser hinter sich zurückließ und hinaus auf die Felder und Äcker lief, die sich um die Stadt schmiegten und in besseren Tagen für den Wohlstand der Menschen gesorgt hatten.
  Sie warf auch keinen letzten Blick den Hügel hinauf, wo sich seit ihrer Kindheit ein alter Wohnwagenpark befand und die Ärmsten und Aussteiger gelebt hatten. In der Stadt hatte man sie nur die ›Parkleute‹ genannt und dabei abfällig die Augenbrauen gehoben oder die Nase gerümpft. Als Sam ein Kind war, lebte ihre beste Freundin im Wohnwagenpark. Sie war ein ›Parkmädchen‹, wie sie sich selbst bezeichnete und dabei lachte. Wendy war nicht das klügste oder hübscheste Mädchen gewesen, doch sie war aufgeweckt und abenteuerlustig und längst nicht so zurückgeblieben, wie die meisten Menschen von ihr dachten.
  Wendy war eines Tages mit ihrer Familie aus dem Wohnwagenpark verschwunden, und Sam war nie wieder dorthin gegangen. Sie wuchs zu einer jungen Frau heran und sah dabei zu, wie die Wohnwagen immer mehr verrotteten und die Leute, die gezwungen waren, dort zu leben, immer ärmer wurden. Sam hatte oft an ihre Freundin von damals gedacht, wenn ihr Blick zum Hügel fiel, doch als auch sie alles hinter sich zurückließ, dachte sie nicht mehr an Wendy.
  Heute fehlt ihr die Stadt nicht mehr. Alles, was sie dort zurückließ, sind Dinge, die sie ersetzen kann. Das wirklich Wichtige hat sie mitgenommen.
  Die Erinnerungen an ihr früheres Leben trägt sie wie einen Zwilling in ihrem Inneren vergraben und nimmt ihn nur heraus, wenn sie glaubt, an der Einsamkeit zugrunde zu gehen. Dann denkt sie an Mike, an seine kindliche Art, einen Scherz zu machen, und daran, wie breit sein Mund werden kann, wenn er lächelt. Mike war unfähig, sie mit irgendeiner Sache zu veralbern, da er sich meist selbst durch ein unkontrollierbares Zucken seiner Mundwinkel verriet. Doch Sam ließ ihn immer in dem Glauben, dass sie sein Schauspiel nicht durchschaute, weil Mike eine leichtlebige Freude an den Tag legen konnte, wenn er sie später über seine Schandtat aufklärte.
  Sie ist sich darüber bewusst, dass sie Mike wahrscheinlich nie wieder sehen wird. Er ging fort, einfach so, und sie hat nie verstanden, was eigentlich geschehen ist.
  Mike existiert nur noch als schemenhaftes Gespenst in ihrem Kopf. Wenn er in ihrer Erinnerung zu ihr spricht, fällt es ihr zunehmend schwerer, sich den Klang seiner Stimme ins Gedächtnis zu rufen. Er ist nur noch ein Geist, der ab und zu durch ihre Gedanken spukt, um sie vor dem Wahnsinn zu retten.
  So wie John, der irre Nachbar, oder Mr. Masters, der alte Mann, der im Haus gegenüber lebte und Sam jeden Morgen zuwinkte, wenn sie das Haus verließ. Sie mochte den alten Mann, der erst zwei Monate zuvor seine Frau verlor und sich in dieser kurzen Zeitspanne von einem rüstigen, lebensfrohen Mann in ein seelisches, gealtertes Wrack verwandelt hat. Sam spürte jedes Mal, wenn er in seinem zerschlissenen Morgenmantel die Zeitung holte, einen schmerzhaften Stich in der Brust.
  Mr. Masters war nun mit Sicherheit glücklich vereint mit seiner Mrs. Masters.
  Doch was bleibt ihr selbst letztendlich?
  Sam versucht, nicht zu viel an Mike zu denken. Nur wenn die Trostlosigkeit ihr die Luft zum Atmen nimmt, lässt sie es zu, dass Mike die Wunden aufreißt, die auf ihrer Seele brennen, und sie in Gedanken so fest wie früher in den Arm nimmt, dass sie manchmal blaue Flecken davongetragen hat.
  Meistens denkt sie in den Nächten an Mike oder Mr. Masters oder irgendjemand anderen aus ihrer Stadt. Wenn sie sich in ein kleines Zimmer eines Hauses, das auf ihrem Weg liegt, zurückgezogen hat, ist Mike bei ihr. Er isst mit ihr von ihren Dosenrationen, die sie sich in der Glut eines Feuers erwärmt, oder starrt mit ihr einfach nur ins Dunkel des fremden Hauses, deren einstige Bewohner Sam nicht einmal kennt und die nie zurückkehren werden.
  Am Tag ist sie meistens allein. Wenn es hell wird und sich ein grauer Schleier über die Felder und Bäume legt, vermeidet sie es, sich zu erinnern. Alles, was sie sähe, würde ihre Wunden nur unnötig vergrößern; eine Wiese, die jener nahe ihrer Stadt ähnelt, über die sie im Sommer so oft barfuß mit Mike spazieren ging, oder ein Hain, in dessen Schatten sie sich ausruhten und liebten, wenn sie sicher waren, dass niemand sie beobachtete. Oder einfach nur die Straße; denn egal, welcher Straße sie folgt, sie würde letztendlich zurück in ihre Stadt und zu Mike führen.
  Irgendwann, einige Wochen nach dem Beginn ihrer Reise, hatte sich Sam ein Ziel gesetzt. Sie wollte immer weiter nach Westen gehen und nach ihrer Schwester suchen.
  Warum sie denkt, dass ausgerechnet sie noch am Leben ist, weiß Sam nicht, doch der Gedanke an ihre Schwester treibt sie voran und lässt sie jede einzelne Nacht in verlassenen Häusern, Scheunen oder Autos überstehen. So zieht sie weiter, immer in die Richtung, in der die Sonne am Abend verschwindet.
  Wann immer es geht, meidet sie die Städte und Dörfer. Die unheimliche Stille, die in der Dunkelheit von Gassen lauert und aus leeren Fenstern quillt, erinnert sie stets an das ewige Schweigen, das in einer Gruft herrschen muss.
  Die verlassenen Häuser und verwaisten Plätze schwitzen den Tod aus. Die Luft scheint dicker als auf den Straßen und Feldern zu sein und trägt den Gestank von verrottenden Kadavern mit sich.
  Eines Tages war die düstere Silhouette von New York am Horizont aufgetaucht. Selbst auf die Entfernung hin konnte Sam die lebendige, greifbare Stille in den Häuserschluchten fühlen. Die Stadt ragte wie ein gigantischer Grabstein aus der grauen Erde hervor; ein dunkler, verheerter Schatten, der sich zum Sterben niedergelegt hatte.
  Es gab Zeiten, da bedeutete New York etwas anderes für sie – damals, als sie dreizehn war und ihre Tante sie mit in die Metropole genommen hatte, um Neil Young zu sehen. Heute bedeutete New York einfach nur noch den Tod …
  Sam zog in einem weiten Bogen um die Stadt, Tag um Tag, verlor sie jedoch nie aus den Augen. Sie beobachtete die tote Ruine so, wie der steinerne Friedhof sie beobachtete. Die toten Blicke des archaischen Ungeheuers brannten wie Dolche in ihrer Seele. New York lauerte.
  Südlich des schwarzen Kolosses erreichte Sam ein kleines Dorf. Die Häuser und Straßen waren ebenso still und verlassen wie der Rest der Welt. Ein stinkendes Tuch hatte sich über die niedrigen Dächer und schwarzen Schornsteine gelegt und ließ das Dorf wie ein altertümliches Mahnmal erscheinen.
  Damals gingen Sams Vorräte zur Neige. Ihre Tasche war leicht und ihr Magen leer. Sie beschloss, entgegen aller Vorsicht, in den dunklen und schweigenden Häusern auf Beutezug zu gehen.
  In diesem Dorf, an dessen Namen sie sich nicht mehr erinnern kann, tötete Sam zum ersten Mal in ihrem Leben einen Menschen. Es war das erste Mal, dass sie jemandem bewusst das Leben nahm. Was sie daran am meisten erschreckt, ist die Tatsache, wie leicht es ihr gefallen ist. Seither fragt sie sich in jeder Nacht, wie sie wohl in der alten Welt mit einer derartigen Last umgegangen wäre.
  Der Mann, den sie in dem Dorf tötete, hieß Bud. Sie denkt mindestens ebenso oft an ihn, wie sie an Mike denkt, wenn auch aus anderen Gründen. Sie ist sich sicher, dass sie heute nicht mehr am Leben wäre, wenn sie Bud nicht getötet hätte.
  Der Gedanke dient ihr als seelische Entlastung, wenn sie an jene Nacht in dem kleinen Dorf zurückdenkt. Vielleicht ist ihr das Töten deshalb so leicht gefallen. Vielleicht aber auch, weil sie sich in dieser toten Welt verändert hat. Sie weiß, dass die Sam, die ihr Haus vor so langer Zeit verlassen hat, nicht mehr existiert. Sie ist eine andere geworden, aber das, was die Welt aus ihr gemacht hat, gefällt ihr nicht. Wenn sie näher darüber nachdenkt, bekommt sie Angst vor sich selbst und dem, wozu sie vielleicht noch fähig ist, ohne es selbst zu ahnen.
  Wenn die Angst kommt, denkt sie an Mike. Doch er kann Bud nie vollständig verdrängen. So lebt Sam in einem ständigen Gespräch mit Mike, Bud und Gott.
  Mit Gott redet sie, um ihn anzuschreien und ihn für all das verantwortlich zu machen, was mit ihr und der Welt geschehen ist. Er ist nicht da und gibt ihr auch nie eine Antwort. Wenn nur alles im Leben so einfach wäre, wie Gott anzuschreien.
  Die Tage verstreichen in monotoner Sinnlosigkeit. Sam wünscht sich, sie hätte nicht damit aufgehört, die Tage zu zählen. Sie will wissen, in welchem Monat, in welcher Woche und an welchem Tag sie sterben wird.
  Am späten Abend eines sonnigen, stillen und stinkenden Tages erblickt sie eine kleine Stadt, deren erste Häuser sich in der Ferne dicht an die Straße drängen, als würden sie den Weg bewachen.
  Kein Laut dringt zu ihr. Die Stadt ist dunkel, in der Luft liegt der Geruch eines Flusses, faul und trüb.
  Sam sieht an sich herab und betrachtet ihre zerschlissene Kleidung. Dreck, Blut und Schweiß haben die Farben weggewischt.
  Sie beschließt, in die Stadt zu gehen. Gedanken an das Dorf und Bud begleiten sie. Mit jedem Schritt spürt sie, wie sich eine kalte Furcht um ihren Körper legt und sie am Atmen hindert …