Die Ritter des Vatikan

von Rick Jones

Serie: Die Ritter des Vatikan
Band 1

»Eine fantastische Geschichte voller unvorhersehbarer Wendungen. Rick Jones ist die Zukunft des Thrillers.« [Richard Doetsch, Bestseller-Autor von THE THIEVES OF FAITH und THE 13th HOUR]

INHALTSBESCHREIBUNG


Während eines Besuches in den Vereinigten Staaten wird Papst Pius XIII von einer Terrorgruppe entführt, die sich selbst ›Soldiers of Islam‹ nennt. Man droht, den Papst hinzurichten, wenn die USA deren Forderungen nicht erfüllen.

Als FBI-Spezialistin Shari Cohen den Auftrag erhält, die Terrorgruppe aufzuspüren, muss sie feststellen, dass sie damit nicht allein ist. Denn der Vatikan entsendet sein eigenes geheimes Elitekommando – die Ritter des Vatikan. Deren Mission lautet: Den Papst lebend zurückbringen.

Gemeinsam stoßen Cohen und die Ritter auf eine Verschwörung innerhalb des Weißen Hauses, die bis in höchste Regierungskreise reicht. Als Shari Cohen kurz davor steht, die Wahrheit über die Entführung des Papstes herauszufinden, wird sie zur Zielscheibe von Mächten im eigenen Land, die dieses Geheimnis um jeden Preis bewahren wollen. Doch wer ihrer habhaft werden will, muss erst an den Rittern des Vatikan vorbei …

Kapitel 1


Sechs Meilen nordwestlich von Mesquite, Nevada | 18. September, 14:16 Uhr


Zwei Humvees und ein Lastwagen mit Plane in den Farben der Wüstenlandschaft durchquerten zügig die Wüste und zogen eine Wolke aus Staub und Sand hinter sich her. Der vorderste Humvee, der für diese Umgebung wie geschaffen war, eskortierte den M-Series-Lastwagen tiefer in die Talsenke hinein, während der hintere Humvee das gleiche Tempo hielt und dafür sorgte, dass die Gefangenen im Inneren des Lastwagens nicht entflohen.

Die Humvees federten die Unebenheiten des Wüstenbodens mühelos ab, der Lastwagen aber, dem einige Eigenschaften für dieses Terrain fehlten, verhielt sich dabei weniger kooperativ. Nur mit Mühe gelang es dem Truppenführer im Inneren des Trucks, mit seiner MP5 die acht Araber in Schach zu halten, die nebeneinander mit Plastikfesseln um den Handgelenken auf den Bänken saßen.

Je weiter sie in die Wüste vordrangen, umso karger und menschenfeindlicher wurde die Landschaft.

Gewaltige Felsformationen ragten aus dem ausgedörrten Boden, über den der windgepeitschte Staub wie Meereswellen brandete. An der Oberfläche war dieser brüchig und lose geworden, wo der lehmartige Sandboden den Elementen, dem schneidenden Wind und der unnachgiebigen Hitze ausgesetzt war. Und die wenigen Bewohner – die Schlangen, Skorpione und Echsen, die sich an diese Wüstenei, die wenig mehr als kaum Regen und sengende Hitze bot, angepasst hatten – bevölkerten ein Königreich, über das niemand herrschen wollte.

Ein unbarmherziger Ort.

Nachdem die Fahrzeuge mehrere Meilen des unwegsamen Geländes bezwungen hatten und die Topografie sich allmählich ebnete, hielt der vorderste Humvee an. Die beiden Fahrzeuge hinter ihm folgten seinem Beispiel. Der Staub setzte sich. Dann entstiegen neun Angehörige des Spezialtrupps dem ersten Humvee, bekleidet mit Wüstentarnkleidung, Schutzbrillen und Helmen, und schoben Magazine in ihre Sturmgewehre.

Ein Soldat mit einem Laser YardagePro kletterte durch das offene Dach auf den Geschützturm. Der klobige Entfernungsmesser ließ das Fernglas so schwer werden, dass der Mann beide Hände benutzen musste, um damit in Ruhe den Horizont absuchen zu können. Nachdem er keine Hinweise auf Bewegungen gefunden hatte, nahm er das Fernglas wieder herunter. »Sauber!«

Daraufhin schlug der Teamführer, der im hinteren Teil des Lastwagens saß, die Plane zurück, wies mit dem Lauf seiner MP5 auf den Flecken Wüste hinter der Heckklappe und brüllte die gefesselten Insassen an, das Fahrzeug zu verlassen. Er sprach dabei in fließendem Arabisch, einer Sprache, an die er sich gewöhnt hatte. Schließlich lebte er schon fast sein gesamtes Leben im Mittleren Osten.

Ein Gefangener nach dem anderen sprang von der Laderampe und blinzelte gegen das grelle, gnadenlose Sonnenlicht an, während die übrigen Soldaten auf Englisch Befehle bellten, von denen sie wussten, dass die Gefangenen sie kaum verstehen würden. Doch die Mündungen ihrer Waffen, mit denen sie sie immer wieder anstießen und die Araber auf diese Weise zu einem Wüstenabschnitt mit ein paar toten Büschen und ausgedörrtem Lehm geleiteten, waren allgemeinverständlich genug. Vom Ende des Frachtraumes aus sah der Teamführer unbeeindruckt dabei zu, wie seine Einheit die Geißeln zu einer Steinstruktur in der Form einer halben Muschel führte, deren Oberfläche von den Winden glatt geschmirgelt worden war. Dann wandte er sich den beiden Arabern zu, die noch immer auf den Holzbänken saßen. Ihre Fußgelenke waren an einen mit dem Boden verschweißten Stahlring gekettet. Ungerührt richtete der Teamführer seine Waffe auf sie.

»Heute ist der Anfang vom Ende«, erklärte er ihnen. Dann neigte er kurz den Kopf in die Richtung, wo die Brüder der beiden vor der halben Muschel aufgereiht standen. »Deshalb können sich die dort glücklich schätzen.« Mit mechanischer Langsamkeit wies er mit seiner Waffe gen Himmel. »Ich fürchte jedoch, dass Allah euch beiden ein großartigeres Schicksal zugedacht hat, weshalb das Paradies noch etwas auf euch warten muss.« In seinem Tonfall lag keine Spur von Zynismus. Es war einfach nur die simple Feststellung, dass für jeden der Tod seine Zeit hatte und ihre Zeit einfach noch nicht gekommen war.

Dann besann er sich auf die Heilige Schrift des Islam und der bislang noch so selbstbeherrschte Teamführer klang plötzlich aufgebrachter.

»Wenn Allah wirklich eure Gebete erhört, dann solltet ihr ihn jetzt besser um eurer Brüder Willen um göttliche Intervention bitten. Und wenn er wirklich eurer Erlöser ist, dann soll er mich mit seiner unendlichen Macht jetzt und hier vor euch niederstrecken. Ich gebe ihm dafür eine Minute.« Dann hob er den Zeigefinger. »Er hat eine Minute. Keine Sekunde mehr.«

Als Nächstes sprang er unvermittelt aus dem Lastwagen und schlug als Zeichen seiner Verbitterung die Ladeklappe zu. Er lief zu der halben Muschel, musterte dabei unentwegt die Araber und gab seinen Männern dann das Zeichen, die Gefangenen in die Knie zu zwingen.

Als er sich wieder einigermaßen in der Gewalt hatte, packte der Teamführer seine Waffe fester und ließ den Blick über seine Feinde schweifen, zeigte aber wenig Mitleid mit den Männern, die um Gnade flehten. Ihr Flehen schien auf taube Ohren zu stoßen, was ihm ein kurzer prüfender Blick in den Himmel bestätigte.

Weniger als eine Minute, Allah.

Die Araber vor ihm flehten ihn inständig an, entweder um Gnade oder um sie endlich ins Paradies zu entlassen.

Er nahm seine Brille und seinen Helm ab, dann legte er seinen Kopf in den Nacken und ließ warmes Sonnenlicht auf sein Gesicht, das seine bleichen Gesichtszüge erhellte, die in starkem Kontrast zu seinem rabenschwarzen Haar und seinen noch schwärzeren Augen stand. Am unteren Ende seines Kinns war eine keilförmige Narbe zu sehen – ein Andenken an einen Selbstmordattentäter, der sich ein paar Jahren zuvor in Ramallah vor ihm in die Luft gesprengt hatte. Die Narbe diente ihm als tägliche Erinnerung an seinen immerwährenden Kampf.

Nachdem er sich den Helm wieder auf den Kopf gesetzt und die Brille unter seinen Schulterriemen geklemmt hatte, legte der Teamführer seine Waffe für den tödlichen Schuss an, woraufhin er hysterisches Betteln von zwei der Araber erntete, die ihn um Vergebung anflehten. Der Wunsch, das Paradies zu betreten, hatte sie wohl verlassen.

Als die Minute verstrichen und Allah noch immer nicht erschienen war, schwenkte er den Lauf seiner MP5 langsam von einem Araber zum nächsten, so als müsse er sich erst noch entscheiden, wen von ihnen er als Erstes ins Paradies entsenden würde, und sprach sie auf flache und gefühllose Weise an.

»Wenn Ihr Allah seht, dann richtet ihm aus, dass Yahweh euch geschickt hat«, sagte er. Dann betätigte der Teamführer ohne zu zögern oder einer Spur von Reue den Abzug.

Als alles vorbei war, hallten die Gewehrschüsse noch durch die Talsenke, bis sich ihr Echo in der Ferne verlor und nichts weiter außer dem sanften Rauschen des Wüstenwindes zu hören war.

Der Teamführer schloss seine Augen, sog tief den Geruch von Kordit, der schwer und metallisch in der Luft hing, durch die Nase ein und genoss den Moment.

Der jedoch nicht lange andauerte, denn die Stimme einer seiner Männer rüttelte ihn auf.

»Sollen wir sie begraben?«

Der Teamführer öffnete die Augen. Der Moment war verflogen. »Nehmen Sie sich zwei Männer und verteilen Sie die Leichen«, befahl er mit einem leichten Akzent in der Stimme. »Und dann begraben Sie sie tief. Das Letzte, was ich jetzt gebrauchen kann, sind Kojoten, die die Leichen wieder ausbuddeln.«

»Jawohl, Sir.«

Der Teamführer trat einen Schritt auf die Leichen zu und musterte den Ausdruck auf ihren Gesichtern. Nicht ein Einziger von ihnen schien in Frieden zu ruhen. Stattdessen schien sich auf jedem Gesicht etwas abzuzeichnen, was der Teamführer als Überraschung angesichts der eigenen Sterblichkeit deutete. Oder war es die plötzliche Offenbarung, dem jüngsten Gericht gegenüber zu stehen? Während er darüber nachsann, sah er noch einmal zum Himmel hinauf, als würde er dort Antworten suchen. Doch alles, was er bekam, war ein Streifen abnehmender Wärme, als die Sonnenstrahlen plötzlich von einer vorbeitreibenden Wolke verdunkelt wurden.

Er widmete sich wieder den Leichen der Araber und konnte sich nur fragen, ob sie wirklich glaubten, dass ihre von Gott befohlenen Handlungen mit einem Himmel voller Jungfrauen belohnt wurden.

Das war eine Vorstellung, die der Teamführer noch nie so richtig verstanden hatte. Seiner Ansicht nach hatte der Mensch von dem Moment an, da er der Ursuppe entstiegen war und aufrecht gehen konnte, auch das Selbsterhaltungsprinzip für sich entdeckt. Und doch waren diese Splittergruppen von einer selbstmörderischen Faszination getrieben, welche ganz eindeutig ihren Willen zum Überleben vernebelte. Für eine Sache zu kämpfen war das Eine; dafür zu sterben etwas anderes.

Mit dem Lauf seiner Waffe stieß der Teamführer einen der Araber an. Der Stoß ließ dessen Kopf zur Seite fallen.

»Jetzt hat die Schlacht begonnen«, raunte er dem toten Mann auf Arabisch zu. »Und jetzt verrate mir, welcher Gott wird der stärkere sein? Allah oder Yahweh?« Da er keine Antwort von dem Toten erwartete, drehte sich der Mann mit der Narbe um und lief zurück zu dem Heck des Lastwagens, in dessen Inneren er wieder die lange Rückfahrt zubringen würde.

Mit der MP5 auf seine menschliche Fracht gerichtet und während al-Hashrie und al-Bashrah mit neuentdeckter Dringlichkeit ihr Mantra vor sich herbeteten, sann der Teamführer über das Schicksal der beiden Männer vor ihm nach und versuchte vorauszuahnen, welchen Effekt sie auf das künftige Schicksal der zivilisierten Welt haben würden.

Ja, überlegte der Teamführer. Diesen beiden war eine weitaus größere Rolle in den Augen Allahs zugedacht.

Ende der Leseprobe

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