Buchcover:
Neuerscheinung

Die Büchse der Pandora

von Rick Jones

Serie: Die Ritter des Vatikan
Band 4

»Eine fantastische Geschichte voller unvorhersehbarer Wendungen. Rick Jones ist die Zukunft des Thrillers.« [Richard Doetsch, Bestseller-Autor von THE THIEVES OF FAITH und THE 13th HOUR]

INHALTSBESCHREIBUNG


In den Achtzigerjahren begannen weltweit die ersten Forscher mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz. Nun, über dreißig Jahre später, wurde diese Technologie perfektioniert. In einer Forschungsstation in der unwirtlichen Gebirgsregion des Iran wurden Nanobots geschaffen, winzig kleine Roboter mit der Fähigkeit zu lernen und sich zu entwickeln. Sie wurden dazu programmiert, die ultimativen Jäger zu sein, die alles vernichten, was sich ihnen in den Weg stellt.

Als eine Gruppe von Terroristen die echte Bundeslade aufspürt, ahnt niemand, dass diese schon bald als trojanisches Pferd für jene verheerende Waffe missbraucht werden soll. Kimball Hayden und seine Ritter des Vatikan müssen alles daran setzen, die völlige Zerstörung Roms zu verhindern, und sich einer unsichtbaren Gefahr stellen, die binnen Sekunden töten kann …

Kapitel 1

In der Nähe des Tempelberges, Jerusalem, heute

Adham Ghazi war nun schon seit vielen Jahren auf der Suche nach der Bundeslade und hatte jedes Schriftstück studiert, das über ihren Verbleib berichtete, und jede Möglichkeit ihrer Existenz erforscht. Er hatte die Kapelle neben der Kirche St. Maria von Zion in Axum, Äthiopien, besucht, nur um feststellen zu müssen, dass die dort verborgene Bundeslade ein Duplikat war. Er war nach Elephantine in Ägypten und vielen anderen Schauplätzen der arabischen Welt gereist, hatte aber auch dort immer nur Nachbildungen vorgefunden, deren Qualität von billigen Kopien bis hin zu durchaus adäquaten Imitationen reichte.

Der letzte noch zu untersuchende Ort befand sich unter dem Tempelberg in Jerusalem, den sowohl die Israelis als auch die Araber als ihr eigenes souveränes Territorium ansahen. Doch in Wirklichkeit blieb die Region in einem Schwebezustand, was ihre Zugehörigkeit anbelangte, nachdem die Vereinigten Staaten sich geweigert hatten, das Land als gänzlich zu Israel gehörig anzuerkennen, auch wenn es seitdem unter ihrer Kontrolle lag.

Seit über einem Jahr hatte Ghazi im Geheimen an einem langen Tunnel gearbeitet. Und obwohl der Prozess recht lautlos vonstattengegangen war, galt immer zu befürchten, dass er entdeckt wurde. Mit Hilfe von detaillierten Notizen und möglichen GPS-Koordinaten, die er vom Iranischen Geheimdienst bekommen hatte, verbrachte er viele lange Nächte damit, die mögliche genaue Position der geheimen Kammer ausfindig zu machen.

Nachdem sie sich bis auf fünfunddreißig Meter an die vermutete Stelle herangebohrt hatten, und aus Angst, dass die Vibrationen ihrer Bohrer die Israelis alarmieren könnten, arbeiteten sie von da an nur noch mit Spitzhacken und Schaufeln weiter, was ihr Vorankommen jedoch deutlich verlangsamte.

Aber Ghazis Geduld würde sich bald als lohnend herausstellen.

Tag für Tag und Nacht für Nacht wurden die Spitzhacken geschwungen, und Ghazi sah dabei zu, obwohl seine Hände nie wieder ein Werkzeug in den Händen gehalten hatten, seit er die Position eines Lieutenants der al-Qaida begleitete.

Als solcher war er an der Planung mehrerer Angriffe auf israelische und amerikanische Ziele involviert gewesen, sowie an Attacken gegen jeden, der mit diesen Ländern Beziehungen pflegte. Kurz vor bin Ladens Hinrichtung in Pakistan hatte dieser ihm befohlen, die Bergung der Bundeslade zu planen und zu leiten. Warum, wusste er nicht, und hatte sich auch nie getraut, danach zu fragen.

Er war ein großer und schlanker Mann, der makellos reine und fein gebügelte Kleidung trug und trotz des Staubs, der die ganze Zeit durch die Luft wirbelte, und der Hitze, die immer unerträglicher wurde, niemals schmutzig zu werden oder zu schwitzen schien. Sein Gesicht war dünn, sein Bart sorgfältig geformt, und seinen Augen wirkten dunkel, mürrisch und voll stiller Intensität. Aber er war auch über alle Maßen geduldig, und das war eine tödliche Eigenschaft, wenn man sie mit dem Drang zusammenbrachte, für eine Sache notfalls auch zu töten.

Er stand vornübergebeugt vor einem Tisch, auf dem ausgebreitet eine Karte und ein Kompass lagen. Die Luft war heiß und stickig. Die unterirdische Kammer wurde nur von ein paar wenigen Glühbirnen erhellt, die lediglich schwaches Licht spendeten. Er schien davon jedoch unbeeindruckt zu sein und studierte den auf der Karte verzeichneten Fortgang der Arbeiten. Die roten Linien zeigten an, dass sie sich dem Tempelberg immer weiter näherten. Allein mit den Spitzhacken als Werkzeugen würden sie nur langsam vorankommen, und wahrscheinlich würde es noch weitere zwei oder drei Monate dauern, selbst wenn sie rund um die Uhr arbeiteten.

Der Mann biss die Kiefer zusammen, bis die Muskeln hervortraten. Das war das einzige Zeichen von Ungeduld, welches er sich bisher anmerken ließ.

Ein Arbeiter, spindeldürr und mit Dreck beschmiert, betrat mit einer Spitzhacke in der Hand die Kammer. Aus seinem Blickwinkel war Ghazi nicht mehr als ein Schatten in dem dämmrigen Licht. »Commander, wir sind durchgebrochen.«

Ghazi hob eine Augenbraue. »Das ist unmöglich«, sagte er, »wir haben immer noch dreißig Meter vor uns.«

Der Mann nickte. »Aber wir sind auf eine Kammer gestoßen.«

Ghazi fuhr mit dem Finger seine Tabellen und Zahlen ab. Es war unmöglich, dass seine Berechnungen falsch sein konnten. Wenn es also eine angrenzende Kammer gab, war diese in den ihm zur Verfügung gestellten Plänen nicht vermerkt.

»Habt ihr einen Blick hineingeworfen?«, fragte er schließlich.

Der Araber schüttelte den Kopf. Nein. »Das Licht reicht nicht sehr weit hinein. Aber der Raum scheint groß zu sein.« Daraufhin senkte der Mann aus Ehrfurcht vor Ghazi den Kopf. »Wir dachten, es wäre besser, wenn Sie die Kammer als Erster betreten, da die Ehre der Entdeckung Ihnen gebührt.«

Ghazi lief hinaus, und als er an dem Arbeiter vorbeikam, gab er ihm einen kurzen Klaps auf die Schulter. »Das war sehr weise von dir, mein Freund.«

Der Tunnel, der zu der Öffnung in der Wand führte, war sauber ausgehoben worden. Zwar waren die Wände grob behauen, aber der Gang war doch groß genug, um sich frei darin bewegen zu können, ohne den Kopf einziehen zu müssen. Als er den Durchgang erreichte, wichen die anderen Arbeiter vor ihm zurück.

Er streckte die Hand aus und schnippte mit den Fingern, woraufhin ihm einer der Arbeiter eine schwere Taschenlampe reichte, die in der Lage war, einen Raum mit der Kraft von zehntausend Kerzen zu erhellen. Doch so leistungsstark sie auch sein mochte, gelang es auch ihr nicht, die Dunkelheit zu durchdringen.

»Es ist definitiv eine Kammer«, sagte er. »Aber es ist nicht die Kammer.«

Mit der gebotenen Vorsicht betrat Ghazi den Raum und schwenkte dabei die Taschenlampe immer wieder hin und her. Dann sah er aus den Augenwinkeln ein kurzes Funkeln, einen goldenen Schimmer, bevor dieser wieder erlosch und verschwand. Er richtete die Taschenlampe auf die Quelle des Schimmerns aus, konnte jedoch nur eine nicht näher zu bestimmende Form in der Dunkelheit erkennen. Was immer sich dort befand, lag noch außerhalb der Reichweite seiner Taschenlampe, aber es war definitiv ein Objekt.

Je näher er diesem mit seiner Taschenlampe kam, umso mehr arbeitete das Licht Formen und Umrisse heraus. Und dann wurde ihm schlagartig klar, dass er endlich die wahre Bundeslade gefunden hatte.

Er hatte all die antiken Tafeln, Texte, Schriftrollen und auch die entsprechenden Passagen in der Bibel und im Koran studiert, die Hinweise auf den Verbleib der Lade enthielten, doch die Zeugen, die von diesen Orten berichteten, hatten dort offensichtlich nur Imitate und Duplikate vorgefunden. Doch nirgendwo war ein Raum hinter der Hauptkammer unter dem Tempelberg erwähnt worden. Und da dieser Raum in den historischen Aufzeichnungen keine Erwähnung fand, schloss Ghazi daraus, dass die wahre Lade niemals gefunden werden sollte. Allah sei Dank hatte auch er sie nur durch einen glücklichen Zufall entdeckt.

Der Araber trat näher an das Artefakt heran. Die Bundeslade war vom Staub der Jahrhunderte bedeckt, aber ansonsten unangetastet. Er ließ das Licht seiner Taschenlampe über die Lade und ihren Sockel gleiten und bemerkte die Überreste der Skelette der Hüter der Lade. Seit über dreitausend Jahren hatte sich der Stoff ihrer Roben nun schon zersetzt, sodass nur noch wenige Gewebefetzen übrig geblieben waren, welche die Knochen bedeckten. Und seit dreitausend Jahren war ihr Geheimnis in Sicherheit geblieben.

Bis heute, dachte er bei sich.

Er streckte seine Hand nach der Lade aus, ließ seine Finger zärtlich über die Flügel der Cherubim-Figuren gleiten und lächelte. Die Bundeslade zu berühren bedeutete den sicheren Tod, so verkündete es jedes existierende Dokument. Und doch stand er hier, strich mit der Hand über die Lade und spürte weder Hitze noch Kälte oder elektrische Spannung. Die Lade bestand einfach nur aus purem Gold und der Mythos war nichts weiter als eine Legende, um die Massen willfährig und ihren blinden Glauben intakt zu halten.

Ein solcher Schatz aber würde mehr als Glaube und Hoffnung beinhalten.

Bald schon würden es Tod und Dunkelheit sein.

»Entfernt die Abdeckung«, befahl er.

Vier Männer, die aussahen, als hätten sie seit Tagen ohne eine Dusche geschuftet, schoben vorsichtig den Deckel zur Seite, hoben ihn an und legten ihn danach behutsam zwischen den Skeletten der Hüter ab.

In der Bundeslade befanden sich weitere Schätze.

Seit über drei Jahrtausenden unberührt lagen vier Gegenstände in dem Artefakt: Ein goldener Kelch, gefüllt mit dem Staub von etwas, das über die Zeit vergangen war; der Stab Aarons, dem Bruder Moses; und zwei steinerne Tafeln mit hebräischen Inschriften. Die Zehn Gebote.

Ghazi schien von seiner Entdeckung beeindruckt zu sein.

Mit größter Sorgfalt hob er eine der Tafeln an. Die Inschrift war noch überaus gut erhalten, und mit seinen Fingern fuhr er die Schriftzeichen ab.

»Geschrieben von den Fingern Gottes«, bemerkte er zu niemand bestimmten. Dann legte er die Tafel zurück in die Lade, mit der gleichen Vorsicht, mit der man ein Baby in seine Krippe legen würde. »Wir nehmen die Tafeln mit uns«, ergänzte er. »Den Stab und den goldenen Kelch aber lassen wir hier, als Beweis für die Israelis, dass die Bundeslade entdeckt wurde, und wir in ihrem Besitz sind. Aber seid vorsichtig, wenn ihr sie fortbringt!«

Die Bergarbeiter senkten demütig ihre Häupter, entfernten die originalen Tragestangen, die über die Zeit brüchig geworden waren und bei der kleinsten Berührung zerfielen, und ersetzten sie durch metallene Streben.

Binnen einer Stunde war die Bundeslade, bis auf den Stab des Aaron und den goldenen Kelch, aus der Kammer geschafft und auf die Ladefläche eines Lastwagens verladen worden, der etwa eine Meile vor dem Tempelberg wartete.

Während der LKW mit der sorgfältig in Stoffbahnen eingeschlagenen Lade davonfuhr, nahm Ghazi sein Satellitentelefon zur Hand und wählte aus dem Gedächtnis eine Nummer. Nach dem dritten Klingeln meldete sich ein Mann namens Zawahiri, der Ghazi fragte, ob Allah an diesem Tag auf ihn hinab gelächelt hätte.

»Bei Allahs Gnade, wir haben die Bundeslade gefunden, Zawahiri«, sagte er.

»Aber ist es auch die echte Lade?«

»Ohne Frage«, erwiderte er. »Sie war die ganze Zeit über direkt vor der Nase der Israelis, in einer nirgends verzeichneten Kammer. Doch es war Allahs Wille, dass sie in unsere Hände fallen sollte.«

»Gute Arbeit, Ghazi. Die Vorsitzenden werden zufrieden sein, dass sich Ihre Bemühungen nun endlich auszahlten und unsere Geduld bald schon belohnt werden wird.«

»Nur damit Sie Bescheid wissen, mein Freund, wir befinden uns bereits auf der Rückfahrt mit der Fracht zu unserer Basis.«

Zawahiri klang zufrieden. »Dann werde ich unsere restlichen Partner über Ihren Erfolg benachrichtigen«, sagte er. »Fahren Sie mit dem nächsten Stadium fort.«

Ghazi atmete tief die heiße Wüstenluft ein, als hätte sie eine berauschende Wirkung auf ihn, und stieß sie danach in einem langen Seufzen wieder aus. Mit geschlossenen Augen bat er für Zawahiri um die Segnungen Allahs und beendete das Gespräch.

Ende der Leseprobe

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