Die Regeln der Rache

von Ian Graham

Serie: Black Shuck
Band 2

Intrigen, Machtspiele, der Kampf um die nackte Existenz … eine explosive Mischung, die spannende Lesestunden verspricht.

INHALTSBESCHREIBUNG


Nachdem der ehemalige IRA-Anhänger Declan McIver bei dem Versuch, einen der schlimmsten Terrorakte seit dem 11. September zu verhindern, beinahe ums Leben kam, hat er sich ins ländliche Idyll Irlands zurückgezogen und erwartet die Geburt seines ersten Kindes. Um seinen Namen endgültig reinzuwaschen, erklärt er sich zu einem Treffen in der Schweiz mit amerikanischen und britischen Würdenträgern bereit, obwohl er weiß, dass er damit sein Leben und das seiner Frau aufs Spiel setzt.

Doch dann wird der Norden Englands von mehreren Bombenattentaten heimgesucht und ein alter Freund und MI5-Offizier verschwindet spurlos. Die Anschläge sind nur der Beginn eines undurchsichtigen Plans, in den auch Declan McIver verstrickt zu sein scheint. Zögerlich, aber ohne eine echte Alternative, schließt McIver ein Bündnis mit dem MI6, um gemeinsam die Drahtzieher hinter den Anschlägen aufzuspüren und seine Freiheit wiederzuerlangen.

Kapitel 1


Eine Woche zuvor

10:03 Uhr Ortszeit, Carlisle, im Nordosten Englands

 

»Ich bin noch nicht fertig, Junge.« Der Ire kaute auf einem Zahnstocher herum und grinste dabei schief. Beim Höhepunkt eines gründlich geplanten Anschlags musste er immer schmunzeln. Mit dem Gefühl, deine Gegner zum Kampf zu nötigen und sie dann fallen zu sehen, ließ sich kaum etwas auf dieser Welt vergleichen.

Der Barkeeper legte jetzt die Rechnung für das Pint des Iren, das noch halbvoll war, auf den Tisch. »Die Kerle da hinten in der Ecke hauen dir gleich die Hucke voll, Sportsfreund. Seit du hier bist, hast du nichts anderes getan, als dir das Maul über sie zu zerreißen. Verlass dich lieber auf mich. Wenn du weißt, was gut für dich ist, machst du jetzt 'nen Abgang.«

Der Ire schaute über die Schulter zurück und lachte. »Aye, in Ordnung.« Er zog einen Zehn-Pfund-Schein aus der Tasche. »Der Rest ist Trinkgeld.«

Nachdem der Barkeeper den Schein grunzend eingesteckt hatte, ging er wieder. Keine Frage, er war genauso ungehalten wegen der Bemerkungen des Iren wie seine Stammkundschaft. Der Mann grinste weiterhin, während er aufstand und seine Jacke glattstrich, wobei er den Blick durch das größtenteils leere Lokal schweifen ließ. Er konnte sich das Lachen kaum verkneifen, als er in die hintere Ecke schaute, wo die sechs Männer mit hochgezogenen Schultern vor ihren Bierkrügen hockten. »Schönen Abend noch, ihr Fatzkes. Ich mach mich dann wohl mal auf die Socken nach Middlesbrough. Hab gehört, deren Mannschaft soll nicht nur aus Nulpen bestehen.«

»Mir reicht dieser Linkswichser jetzt langsam.« Der größte Mann verschüttete Bier aus seinem Krug, weil er diesen so abrupt auf den Tisch knallte, und stand auf. Die Gemüter in Carlisle waren nach einer brutalen Fußballsaison, in welcher das städtische Team nur knapp gegen die Hauptrivalen verloren hatte, weshalb es jetzt abstieg, sowieso schon erhitzt genug.

Der Barkeeper fluchte leise vor sich hin. »Mensch, Clem, hört auf, Jungs. Lasst ihn einfach gehen. Ich erlaube keine Schlägereien hier drin.«

»Halt den Rand, Rodney.«

Der Ire strahlte erfreut und ging rückwärts zur Tür. Das war er! Der berühmte Moment, in dem es kein Zurück mehr gab. Beim Verlassen der Kneipe setzte er automatisch eine Kette von Ereignissen in Gang, die sich seinem Einflussbereich entzogen, und diese Vorstellung erregte ihn. Er drehte sich um und stieß die Tür mit einem Arm auf, ohne die Männer dabei aus den Augen zu lassen, die alle nacheinander aufstanden und ihm folgten.

Draußen zog er eine Skimaske unter seiner Jacke hervor, setzte sie auf seinen Kopf und zog sie sich über das Gesicht wie eine Damenstrumpfhose. Nachdem er den von einem Eisenzaun umgebenen Hof verlassen hatte, überquerte er die Straße und versteckte sich in einer schmalen Einfahrt zwischen zwei Reihenhäusern aus Ziegelsteinen.

»Hast du ihnen ordentlich ans Bein gepisst?«

»Aber hallo, war echt kinderleicht. Die sind doch alle hohl wie Brot da drin.« Er wandte sich dem Mann zu, der mit einer grünen Skimaske und einer Kalaschnikow hinter ihm stand. »Da kommen sie.«

Der Mann lud durch und legte auf die Kneipe an. »Wunderbar.«

Die sechs Gäste traten jetzt einer nach dem anderen aus dem Hof und schauten sich auf der Straße in beiden Richtungen nach dem vermeintlich flüchtigen Iren um.

»Hier drüben, ihr Wichser« Er ließ jetzt von der Seite des einen Hauses ab und zeigte sich. Als der Anführer der Männer losstürmte, bemerkte er die Maske im Gesicht seines Gegners aber noch nicht. Mit einem Mal veränderte sich die bis dahin ruhige Geräuschkulisse, und Schüsse aus dem Automatikgewehr ertönten auf der Straße, auf der sich überwiegend Wohngebäude befanden.

Die bisher dicht gedrängte Gruppe fiel sofort. Der Ire grinste, während sein Landsmann nachlud und weiter feuerte, zunächst noch einmal auf die Toten und dann auf die Backsteinmauer und die Fenster der Kneipe, wobei die Scheiben zerbrachen und Ziegelsplitter von der Fassade spritzten. Einige Schüsse prallten auch von dem verschnörkelten Eisenzaun vor dem Eingang ab, Querschläger gingen ins Dunkel der Nacht. Als schließlich auch sein zweites Magazin leer war, klinkte der Schütze es aus und nahm ein neues aus einer seiner Taschen. Nachdem er es eingesetzt hatte, lud er abermals durch und schwenkte den Lauf vor sich hin und her, während aufgebrachte Stimmen aus den Häusern in der Umgebung laut wurden.

»Ist sie scharf?«, blaffte er jetzt.

»Aye, sie liegt im Kofferraum.« Er wies mit einem Nicken auf das Heck eines Kompaktwagens, der am Straßenrand vor dem Lokal geparkt war.

»Dann mal los!« Der Schütze hob seine Waffe erneut und gab eine willkürliche Salve über die Fahrbahn ab, sodass sich die wenigen Anlieger, die einen Blick nach draußen gewagt hatten, schnell wieder verzogen.

Der Ire befolgte die Aufforderung und lief los, während er den nächsten Feuerstoß seines Komplizen vernahm. In der Ferne heulten Sirenen. Die Polizei war bereits unterwegs.

»Beeilung!«, rief der Schütze. Er holte seinen Mitstreiter ein, als sich dieser gerade der schulterhohen Backsteinmauer näherte, die das Wohngebiet vom Gelände des örtlichen Fußballstadions Brunton Park trennte.

Der schmächtige Ire zog sich mit den Händen an der Mauer hoch und sprang dann ins nasse Gras auf der anderen Seite. Anschließend drehte er sich um und wartete auf seinen Gefährten, der ihm zuerst die Kalaschnikow hinüberwarf, bevor er selbst hochkletterte. Er grinste beim Blick über die Mauer, da er sah, wie sich ein paar Mutige aus ihren Häusern trauten und zaghaft auf die Kneipe zugingen.

»Verschwinden wir von hier, schnell!« Der Schütze landete neben ihm im Gras, und sie eilten weiter.

Der Ire folgte ihm wieder und hängte sich dabei das Gewehr über die Schulter. Ein Stück weiter voraus auf dem Parkplatz neben dem Stadion sahen sie das Fluchtauto stehen. Seit ihrer letzten Beteiligung bei einem Anschlag auf der britischen Hauptinsel war schon viel zu viel Zeit vergangen. Ihre Geschicke in anderen Teilen der Welt liefen zwar großartig, doch zu Hause zu sein, vermittelte ihnen ein gutes Gefühl. Mit dem Schießen sollte es laut Plan nun vorbei sein, zumal die Polizeisirenen immer lauter wurden, weshalb es nicht mehr lange dauern würde, bis es im gesamten Gebäudeblock hoch hergehen würde. Jetzt war es an der Zeit für seine Spezialität: Die Bombe!

Kapitel 2


Vor zwei Tagen

21:16 Uhr Ortszeit, Friedhof Dryfesdale – Lockerbie, Schottland

 

Shane O'Reilly musste seine Augen anstrengen und einen Gang herunterschalten, während die Scheibenwischer seines olivgrünen Range Rover schon auf die schnellste Stufe eingestellt waren. Vor dem Wagen konnte er gerade noch so eben das Ende einer hohen Hecke erkennen, wo der Eisenzaun anfing, der den Friedhof umgab. Er kam sechzehn Minuten zu spät. Das notorisch stürmische Wetter Schottlands hatte die Fahrt auf den Schnell- und Nebenstraßen im Süden zu einem richtigen Krampf gemacht.

Als Sicherheitsbeamter des britischen Innengeheimdiensts oder landläufig MI5 genannt, bestand seine Aufgabe im Erkennen und Rekrutieren potenzieller Informanten mit Kontakten zu Einzelpersonen und Körperschaften, welche die Regierung des Vereinigten Königreichs auf dem Schirm behalten wollte.

Dieser Tage konnte er als Mitglied des irischen und inländischen Terrorismusschutzes von seinem Schreibtisch im sechsten Stock des Londoner Thames House aus, arbeiten. Wie ein altgedienter Kaufmann, der sich auf seine Rotationskartei verließ, machte sich Shane gerne im Laufe zweier Jahrzehnte geknüpfte Beziehungen zunutze, die ihm pflichtbewusst alles über die Geschehnisse in Nordirland und dessen Schwester, der Republik Irland, respektive die Umtriebe der wenigen übrigen Dissidenten auf der Hauptinsel berichteten.

Nur selten reiste er noch selbst, um Informationsgeber aufzusuchen, deren Sicherheit immer noch so weit gefährdet war, dass man sich im Geheimen treffen musste, anstatt Telefongespräche hinter vorgehaltener Hand zu führen. Hierbei handelte es sich um einen solchen Anlass. Ein langjähriger Helfer mit Verbindungen zu mehreren Gruppen von Aufrührern hatte einen Mann gefunden, der angeblich etwas über zwei erst kürzlich erfolgten Bombenattentate im Nordosten Englands wusste. Deshalb wollte dieser sich gemeinsam mit Shane kurzschließen.

Da hier so spät abends gar kein Verkehr herrschte, hielt er mitten auf der Straße an und schaute durch die beschlagene Scheibe seiner Tür auf das einstöckige Ziegelhaus gleich hinter dem Friedhofstor. Drinnen brannte kein Licht, und nur eine Seite des Tors, das auf das Gelände führte, stand offen. Zum Durchfahren war es allerdings zu eng.

Er blieb mehrere Sekunden lang sitzen und starrte in diese Richtung, während sein warmer Atem das Hartglas wenige Zoll vor seinem Gesicht beschlug. Ihm ging es dabei darum, etwaige Zeichen dafür zu erkennen, dass hier irgendetwas nicht stimmte. Gar nichts zu sehen, war aber vielleicht auch genau so seltsam.

Obwohl es nur einen Zeugen gab, der die beiden Explosionen miterlebt hatte, war das Wort »Ire« in seiner qualvollen Aussage trotz schrecklicher Verletzungen immer wieder gefallen. Außerdem hatten beide Sprengsätze auf das Werk irischer Radikaler anstatt wie momentan eher üblich islamischer Terroristen hingedeutet. Dies machte Shane in den Augen seiner Vorgesetzten zum Fachmann für den Umgang mit dem neuen Informanten und die Beschaffung jeglicher Fakten, die dieser ihnen bieten konnte.

Als ehemaliger Angehöriger der Irisch-Republikanischen Armee, der selbst zu einem mitteilsamen Überläufer geworden war, hatte Shane eine Vereinbarung mit der britischen Regierung getroffen, die ihm ungeachtet seiner früheren Fehltritte stets sichere Arbeit gewährleistete. Es gab falls überhaupt nur Wenige, die so viel über den irischen Republikanismus und dessen unterschiedliche terroristische Fraktionen wussten wie er. An dieser Situation jetzt störte ihn jedoch etwas Entscheidendes. Dies war seit einem Jahrzehnt der erste Übergriff irischer Aufwiegler gegen das Königreich. Dass eine solche Gruppe auf einmal gleich zwei Städte angegriffen haben sollte, deren Bevölkerung vorwiegend der Arbeiterschicht angehörte und die international nur wenig geläufig bis nahezu vollkommen unbekannt waren, geschweige denn historische Bezüge zum Konflikt zwischen Großbritannien und Irland hatten, passte überhaupt nicht ins Bild, denn ideologische Motive waren damit auszuschließen.

Shane schaltete wieder in den ersten Gang und lenkte hart ein, um sich auf den engen Platz zwischen Fahrbahnrand und Zaun stellen zu können. Nachdem er ausgestiegen war, zog er die Schultern unter seinem Trenchcoat so hoch wie nur möglich und trat dann von der Geländelimousine weg, die ihm mehr oder weniger sicheren Schutz bieten würde. Seine ergrauenden roten Haare wurden im Regen schnell nass, und er fluchte leise, weil ihm Wasser ins Gesicht tropfte. Sich an einem solchen Ort treffen zu wollen, sah Rory Blaney ähnlich. Shane bezweifelte sehr, dass der Mann je einem Stubenhocker-Job nachgegangen war.

Er näherte sich dem Tor mit Bedacht. Das dunkle Gebäude dahinter war das Haus des Friedhofswärters, und daran vorbei führte eine lange, gepflasterte Einfahrt zwischen den Grabsteinreihen. Einige davon hatten mit der Zeit Risse bekommen, wohingegen die neueren noch vom harten schottischen Wetter unberührt geblieben waren.

Er hatte bald zehn Yard auf dem Gelände zurückgelegt und immer noch niemanden gesehen. War sein Informant wegen seiner Verspätung verschwunden? Rory sollte doch Verständnis dafür haben, wie lange die Fahrt von London aus hierher dauerte, dieses Mal sogar noch länger in Anbetracht der Witterung. Shane ging zur Hintertür des Hauses und stellte sich unter einen Säulenvorbau, wo es trocken war. Dann hob er den Arm, um anzuklopfen.

»Der Garten der Erinnerung«, sprach ein Mann mit heiserer Stimme, während er an der Seite des Gebäudes vortrat. Shane drehte sich zu ihm um. »Angelegt zum Gedenken an die Opfer des Lockerbie-Anschlags 1988«, fuhr er fort, während er zum hinteren Ende der Anlage schaute. »In Hinblick auf den Grund für unser Treffen fand ich dieses Fleckchen irgendwie angemessen.«

Shane starrte ihn an. Ihm war diese Sache ganz und gar nicht geheuer. Er ließ sich nur sehr ungern überraschen, doch ausgerechnet dies hatte der Mann soeben getan. Er war ungefähr so groß wie er, sein braunes Haar war kurz geschnitten. Außerdem hatte er einen Dreitagebart und kaute auf einem Zahnstocher herum, während seine Hände in den Taschen eines grünen Kolanis steckten. Shane wunderte sich allerdings weniger über dessen Äußeres als über seinen Akzent. Unabhängig von seiner Heiserkeit, die gewiss von jahrelangem Tabakkonsum herrührte, würde er diesen speziellen Zungenschlag West Belfast zuordnen, ein stark katholisch geprägtes Viertel in Nordirlands größter Stadt, wo es bekanntermaßen vor Sympathisanten der Republikaner nur so strotzte.

»Wer sind Sie? Und wo ist Frankie?«, fragte Shane, während er bewusst einen falschen Namen für seinen Agenten benutzte.

»Ich kenne keinen Frankie, aber Rory kommt gleich.«

Nun entspannte sich Shane ein wenig. »Sie sind also derjenige, der sich darüber unterhalten will, was in Penrith und Carlisle geschehen ist?«

»Darüber will sich niemand unterhalten, Kumpel. Genauso wenig, wie man sich um all die armen Schweine schert, denen man da hinten die Ehre erwiesen hat. Aber jemand muss es tun, und ich bin offenbar der einzige Pechvogel, der alles darüber weiß.«

Shane blieb weiterhin misstrauisch. Denn nichts an dem Kerl entsprach einem gewöhnlichen Informanten. Wer so etwas zum ersten Mal tat, war meistens extrem nervös und im übertriebenen Maße paranoid. Denn bei denjenigen, die sie verraten wollten, handelte es sich niemals um wohlgesonnene Menschen, die Kätzchen kraulten und mit Kindern spielten, sondern um grausame Typen, deren Taten noch gemeiner waren und die eine äußerst kurze Geduldspanne hatten – solche, die es nicht gut aufnahmen, wenn jemand bei den Bullen vorstellig wurde, um Geschichten über sie auszuplaudern.

»Sie kommen aus West Belfast, oder? Haben Sie auch einen Namen?«

»Aidan, und jawohl ich stamme aus West Belfast.«

Shane kannte diese Gegend hinlänglich, denn er war dort aufgewachsen und während der ersten siebzehn Jahre seines Lebens oft in den verschiedenen Pubs entlang der Falls Road aufgeschlagen. »Dann kann man wohl davon ausgehen, dass Sie eine ganze Weile für die Spezialeinheit der Royal Ulster Constabulary gearbeitet haben, richtig?«

Aidan verzog sein Gesicht. »Aye. Damals war ich ein paar Jahre lang ihr Tippgeber. Woher wissen Sie das denn?« Wegen seiner eigenen Frage rümpfte er abfällig die Nase. »Ich war ein elender Spion, ja das stimmt.«

»Nun da wir das Eis gebrochen haben, würde ich vorschlagen, wir warten auf Rory und halten anschließend irgendwo ein Schwätzchen, wo wir nicht komplett durchweichen; dieses Wetter ist echt furchtbar.« Shane gefielen die Umstände immer noch nicht. Falls dieses Gespräch wirklich zustande kommen sollte, musste er Aidan an einen Ort bringen, wo er ihn besser unter Kontrolle hatte.

»Oh nein, ich gehe nicht von hier weg, nicht mit Ihnen. Ausgeschlossen! Nicht, wenn ich dabei an die Sorte Mensch denke, mit der ich es zu tun habe.«

»Und welche Sorte ist das? Jemand von den Reals? Den Contos?«

»Weder noch«, antwortete eine schroffe Stimme, kurz bevor Shane die Tür des Wohnhauses aufgehen hörte. Prompt spürte er den Lauf einer Waffe in seinem Kreuz.

Er hob die Hände mit gespreizten Fingern bis zu seinen Schultern hoch und trat dann unter dem Säulenvorbau hervor. Sofort rann Regen an seinen Armen hinunter und tränkte die Ärmel des Hemdes, das er unter seinem Mantel trug.

»Hände hoch und mit dem Gesicht an die Wand!«, knurrte der Mann, während er aus dem Gebäude trat.

Shane gehorchte sofort, drehte sich aber so, dass er einen kurzen Blick auf ihn werfen konnte. Der Kerl trug eine schwarze Jacke mit Kapuze, die seinen Kopf komplett bedeckte, doch sein Gesicht konnte man trotzdem erkennen – Falten, ein kantiges Kinn und graumelierte Bartstoppeln. Die Waffe war eine Kalaschnikow.

Shane verfluchte sich selbst, weil er nicht auf seinen Instinkt gehört hatte. Wenn ihm mal etwas nicht koscher vorkam, lag er in der Regel richtig damit. Er schaute zwischen den zwei Männern hin und her. Sich mit allen beiden anzulegen würde er garantiert nicht überleben. In seinen jüngeren Jahren hätte er es eventuell geschafft, doch selbst dann wäre es eher unwahrscheinlich gewesen.

»Denk gar nicht erst daran«, drohte ihn der Bewaffnete. Er hielt sich sein Gewehr vor die Augen und visierte genau Shanes Brust an. »Ich knall dir ein Loch mitten in den Leib, das so groß ist, dass wir bequem durchfahren könnten.«

Der andere, der sich als Aidan ausgegeben hatte, kam jetzt unter dem Dach hervor und tastete Shane sorgfältig ab. »Tut mir leid, Kumpel.«

»Wo ist Rory? Was wollen Sie von mir?«

»Rory ist tot. Und du spielst jetzt die Hauptrolle in einem kleinen Filmchen.«

Ende der Leseprobe

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