DIE NESTER

3,99 9,99 

Barry Napier

ENDZEIT-THRILLER

Lieferzeit: sofort nach Zahlungseingang, versandkostenfrei

Auswahl zurücksetzen

Beschreibung


Die Ungeheuer kamen aus dem Nichts. Wir hatten keine Ahnung, woher. Auch dann nicht, als wir sie mit Nuklearsprengköpfen beschossen. Sie waren riesig und töteten einen Großteil der Bevölkerung, der Rest starb durch die Bomben oder den Fallout.
Die wenigen, die überlebt hatten, zogen durchs Land, auf der Suche nach Vorräten und anderen Überlebenden.

Dann entdeckten wir die Nester. Sie lagen in der Landschaft wie herabgesunkene Gewitterwolken, von den Monstern zurückgelassen. Doch irgendetwas lebte darin …

Kendra und Eric müssen sich mit anderen Problemen herumschlagen, als sie sich auf die Suche nach einer der mysteriösen Sicherheitszonen begeben.
Sie haben ein Baby bei sich, und hinter jeder Ecke lauert die Gewalt. Die Nester stellen für sie kein Problem dar – so lange, bis man sie zwingt, eines zu betreten. Doch darin lauern nur Tod und Wahnsinn …


auch hier erhältlich (Auswahl) … AMAZON | THALIA | WELTBILD | HUGENDUBEL | MAYERSCHE | BÜCHER.DE | KOBO

Zusätzliche Information

Ersterscheinung

2014

Format

mobi), Taschenbuch / Ebook (epub

Seiten

168

ISBN

978-3-95835-015-1

eISBN

978-3-95835-017-5

Leseprobe


Der Himmel über uns wirkte so bedrohlich wie Felsbrocken an der Kante einer Klippe. Die Erde war der greifbare Schatten der Welt, wie wir sie einst kannten. Die übrig gebliebenen Häuser ruhten erwartungsvoll, aber leicht schief, so wie spröde Knochen, die nur darauf warteten, zu zerbrechen. So, als hätten sie sich in die andere Richtung geneigt als jene, aus der die Druckwellen kamen. Die Vorgärten waren in einem mondartigen Grau bemalt.
  Uns ging das Essen aus, und einige der Straßen brannten immer noch.
Wir schauten weiter zur Vordertür mit dem Fliegengitter hinaus, das verrostet war und sich am oberen Ende löste. Es erinnerte mich an die Tür des alten Hauses meiner Eltern, und an Mutter, zu der Zeit, als sie verbittert gegen den Krebs ankämpfte. Sie hätte sich über die Fliegen beschwert, die hereinflogen, wenn ich die Tür in den heißen Sommermonaten offenließ. So seltsam das klingen mag, vermisse ich sowohl die Fliegen als auch Mutter gleichermaßen.
Hin und wieder werfen wir morgens einen Blick hinaus und starren zum Himmel hinauf. Ein blasses Gelb, das sich vergeblich müht, orangefarben zu sein. Es scheint, als wäre das die einzige Farbe, an die sich die Welt erinnern kann. Es gibt nur mich, Kendra und das Baby. Manchmal weint das Baby, lässt uns wissen, dass es Hunger hat. Manchmal weint es, weil es gewickelt werden will. Manchmal weint es aber auch nur, um Krach zu machen. Egal welche Art von Weinen auch aus seinem kleinen Mund kommt, es erinnert mich an die Feuer und die Schreie. Es erinnert mich an Mutter, die unter die Räder des großen grünen Regierungstrucks geriet. Damals, als die Männer kamen. Mit Akten, Formularen – und Waffen.
Ich habe vergessen, wie lange das nun schon her ist. Kendra schwört, dass es kaum länger als ein Jahr her sein muss, kurz bevor wir uns trafen, aber für mich fühlt es sich länger an. Ich kann noch immer den Rauch der brennenden Straßen riechen, den verbrannten Gummi und den chemischen Geruch, der scheinbar alle anderen Gerüche ersetzt hat, die die Welt jemals zu bieten hatte. Wo einst eine Frühlingsbrise den süßen Duft von Heckenkirsche mit sich trug, roch es nun nach Asche und Rauch. Autoabgase und der Duft frisch gemähten Rasens waren aus der Welt getilgt, und an ihre Stelle waren der Gestank von Leichen und schwelenden Bränden getreten.

Wenn ich jetzt hier so sitze und aus dem Fenster schaue, kann ich es riechen. Ich trage eine kurze Hose, die zu groß für mich ist. Meine Hüften zeichnen sich deutlich durch die Haut ab, meine Rippen ebenso.
»Wieso siehst du die ganze Zeit zur Tür hinaus?«, fragt mich Kendra gelegentlich.
Sie hat recht. Ich stehe oft in der Tür.
»Bald wird jemand kommen«, sage ich dann. »Gute Menschen. Wie können nicht die Einzigen sein, die übrig sind.«
Danach lässt sie mich in Ruhe, kümmert sich um das Baby oder geht hinüber zu einem der verlassenen Häuser auf der anderen Seite des Feldes, um in den Vorratskammern und Kellern zu stöbern.
Manchmal wünschte ich, sie wäre auf einer dieser kleinen Exkursionen gewesen, als ich an jenem Tag die Umrisse von zwei Menschen die Einfahrt herunterkommen sah. Die Einfahrt verbindet das Haus und den ausradierten Vorgarten mit der toten Landstraße. Jetzt ist sie nur noch ein Geist, aber vor nicht allzu langer Zeit war es ein langer Flecken Erde, der täglich benutzt wurde. Mann und Frau, wahrscheinlich auf dem Weg zur Arbeit, oder abends bei der Rückkehr. Eine Mutter und ein Vater, die ihre Kinder zum Baseball-Training oder zur Kirche bringen.
Eine schöne Vorstellung. Aber als ich die beiden ausgemergelten Figuren näher kommen sah, schienen mir die Bilder ähnlich unwirklich wie Kindheitsträume – einmal über den Mars zu schlendern, oder ein Heilmittel für Krebs zu finden, der sich wohl mütterlicherseits in unserer Familie vererbt.
Ich schaute zu Kendra. Sie las in einem alten Taschenbuch. Die Titelseite fehlte und die Seiten waren bereits vergilbt.
»Wir kriegen Besuch.«
Sie machte ein Geräusch, dass halb Seufzen und halb Keuchen war, legte das Buch zur Seite und griff unter das Sofa, wo wir das Gewehr aufbewahrten.

***

Die sich nähernden Besucher waren bewaffnet. Der eine trug eine Pistole, der andere das, was ich aus der Entfernung für eine AK-47 hielt. Die Kanonen sahen schwerer aus als die Personen, die sie trugen. Als sie näher kamen, konnte ich erkennen, dass beide männlich waren. Einer schien an dem zu leiden, was Kendra nur ›die Fäule‹ nannte. Man konnte es an seinem Gesicht sehen. Seine linke Wange war gelblich gefärbt, der Bereich um die Augen geschwollen und sein Ohr hing schlaff herab, als würde ein unsichtbares Gewicht daran hängen. Ich schätzte, dass es binnen ein oder zwei Tagen abfallen würde.
  Wir vermuteten, dass es sich dabei um eine der Nebenwirkungen der nuklearen Strahlung handelte, welche die Leute bekamen. Für gewöhnlich jene, die zu nahe an den Einschlagsorten der Atombomben wohnten.
Ich öffnete das Fliegengitter und trat auf die Veranda. Dabei hielt ich die Hände von mir gestreckt, die Handflächen nach außen, um ihnen zu zeigen, dass ich unbewaffnet war. Kendra und ich haben nur eine einzige Waffe, ein altes Remington-Gewehr, das wir unter dem Sofa aufbewahren – aber uns war die Munition ausgegangen, als wir vor einigen Wochen eine Gruppe von gefährlichen Plünderern abwehren mussten.
Die eine Patrone im Lauf war alles, was übrig war.
Ich nickte den Männern zu, und sie nickten zurück. Als sie meine leeren Hände sahen, nahmen sie die Waffen herunter. Hinter mir, im Inneren des Hauses, fing das Baby an zu weinen. Kendra kann die Schreie besser unterscheiden als ich, aber es klang nach dem ›füttert mich‹-Schreien.
»Wie alt ist das Kind?«, fragte einer der Fremden und wies mit dem Kopf in Richtung Haus. Keine Vorstellung, keine falschen Höflichkeiten.
»Wieso?«, fragte ich.
Der Mann leckte sich den Bereich, wo ursprünglich mal seine Lippen waren. Jetzt gab es da nur Krusten und rissige Haut. Er blinzelte, so als wäre er müde. So, als hätte er große Mühe, nicht auf der Stelle einzuschlafen. Der andere hielt sein Gewehr auf eine Art, mit er mir klar machte, dass die beiden diejenigen mit den Waffen waren, und deshalb auch diejenigen waren, die hier die Fragen stellten.
»Ist bestimmt Wochen her, seit ich das letzte Baby gesehen habe. Das war krank. Seine Mutter hatte es auf der Straße zurückgelassen.«
»Wo war das?«, fragte ich.
Sie ignorierten meine Frage. Einer von ihnen trat einen Schritt auf die Veranda. Der andere, der mit der Pistole, rückte dicht auf.
»Irgendwelche Waffen?«, fragte der Mann, der näher kam.
»Eine.«
»Was für eine?«
Ich gab keine Antwort. So liefen die meisten Konversationen in den letzten 14 Monaten ab. Triffst du auf Fremde, gehst du nicht nur sofort davon aus, dass sie dich töten wollen, sondern auch davon, dass du irgendwelche Habseligkeiten besitzt, die es automatisch rechtfertigen, dich zu töten.
Hinter mir weinte das Baby weiter. Das Weinen hatte sich zu kleinen stoßweisen Schreien gesteigert. Ganz schwach konnte ich außerdem hören, dass Kendra vom Sofa aufgestanden war.
»Wir kommen jetzt rein«, sagte der Mann. Um der Sache Nachdruck zu verleihen, richtete er den Lauf der AK-47 direkt auf mich.
Ich spürte den Kloß in meinem Hals und wie eine Art von Angst über mich schwappte, die mir nur allzu bekannt war. Ich hob die Hände und trat einen Schritt zurück. Gleichzeitig ging der Mann auf der Veranda wieder einen Schritt weiter. Sein Partner trat ebenfalls auf die Veranda und blieb dicht an ihm.
Als ich rückwärts ging, den Blick fest auf die beiden gerichtet, konnte ich im Augenwinkel Kendras Silhouette ausmachen, eng an die Wand gepresst. Sie zielte aus der Deckung der Wand mit dem Lauf der Remington, keine 3 Inches vom Türrahmen entfernt. Ohne sie wirklich sehen zu können, wusste ich, dass sie zitterte.
Der Mann mit der AK betrat das Haus. Ich glaube nicht, dass er überhaupt noch Zeit hatte, Kendra zu sehen, bevor der Schuss der Remington durchs Haus donnerte, gefolgt von Kendras angewidertem Schrei.
Der Mann taumelte ruckartig nach rechts. Sein Partner blieb wie angewurzelt auf der Veranda stehen und schrie. Ohne mich groß um das Blut und das unidentifizierbare Gewebe zu scheren, dass plötzlich an der Wand erschienen war, sprang ich dem kopflosen Mann entgegen und schnappte mir sein Gewehr. Es fühlte sich schwer an in meinen Händen, als hätte man Metall in meine Knochen geschmiedet.
Der schreiende zweite Mann reagierte zu langsam. Ich hatte die AK auf ihn gerichtet, noch bevor der tote Körper des ersten Typen auf dem Boden aufschlug. Ich drückte den Abzug und feuerte fünf Schüsse ab. Die Schreie rissen abrupt ab, und er tanzte zuckend zurück. Der fünfte Schuss trieb ihn weit genug zurück, dass er von der Veranda auf den toten Rasen stürzte, noch kurz mit seinem linken Arm zuckte und bewegungslos liegen blieb.
Das Gefühl des Rückstoßes der AK-47 brummte noch in meinen Händen. Unser Wohnzimmer roch nach Gewehrfeuer und frischem Blut. Kendra blickte mit ausdruckslosem Gesicht auf die Remington und nahm sie langsam herunter. Sie hatte die Waffe drei Mal in den letzten sechs Monaten benutzen müssen, aber das war das erste Mal, dass sie gezwungen war, jemanden damit umzubringen. Ihr verklärter Blick machte deutlich, dass sie damit nicht sonderlich gut zurechtkam.
Sie gab mir das Gewehr und ich konnte sehen, dass sie kurz davor war, zusammenzubrechen. Sie sah zu Boden und war kurz davor, zu weinen oder zu schreien.
Das Baby im Hinterzimmer schrie nun die halbe Welt zusammen. Seine kleinen Atemzüge steigerten sich zu dem, was Mutter früher immer das Motorsägen-Schreien genannt hatte.
»Ich kümmere mich um ihn, wenn du hier sauber machst«, sagte Kendra. Selbst ihre Stimme schien abwesend zu sein. Ihr an sich sehr hübsches Gesicht hatte sich in eine Mischung aus Bedauern und Ungläubigkeit verwandelt.
»Okay.«
Ich lehnte die Remington und die AK gegen die Wand und sie ging in den hinteren Teil des Hauses. Dabei knöpfte sie bereits ihr Shirt auf, um das Baby schneller stillen zu können.
Ich hörte zwischen den Schreien, wie sie beruhigend auf das Baby einredete. Als es sich beruhigt hatte und schließlich ganz still wurde, löste Kendra es mit ihrem gedämpften Schluchzen ab.