Buchcover:
Neuerscheinung

Die Mine

von Tim Curran

Ein grausiges Vergnügen für echte Horror-Fans.

INHALTSBESCHREIBUNG


Als eine Gruppe von Polizisten einen Notruf von einer Minengesellschaft bekommt, finden sie diese seltsamerweise völlig verlassen vor. Die Autos der Mitarbeiter stehen noch auf den Parkplätzen, selbst der Kaffee in den Tassen ist noch warm, doch von den Arbeitern fehlt jede Spur. Schnell stellt sich heraus, dass sie in der Falle sitzen, in einem Albtraum von beinahe lovecraftschen Ausmaßen … denn begraben unter Tonnen von Stein und Erde lauerte seit Millionen von Jahren etwas darauf, aus seinem Kerker befreit zu werden. Nun ist es wach. Und es ist hungrig.

Dieser Titel ist als gedruckte Version in einem Wendecoverbuch zusammen mit der Geschichte MUTTER von Tim Curran erhältlich.

Kapitel 1

An einem grauen, verregneten Aprilabend erhielt der Sheriff von Florence County, Wisconsin, einen Anruf von seiner Einsatzkoordinatorin, dass etwas äußerst Merkwürdiges vor sich ging. Der Sheriff, dessen Name Deuard LaBay war, der aber von allen nur »Dew« genannt wurde, fragte nach Einzelheiten, woraufhin man ihm mitteilte, dass ein Notruf zu seinem Büro weitergeleitet wurde. Der Anrufer war männlich und kam direkt zur Sache. »Ich habe die Mine und jeden in ihr in meiner Gewalt. Sie gehören nun mir und ich werde sie einen nach dem anderen essen.«

Der Anruf konnte zu den Superior Mining Büros zurückverfolgt werden, welche westlich von Mineral City ein Tagewerk betrieben. Dew bat seine Einsatzkoordinatorin, die Mine zurückzurufen, aber das hatte sie bereits versucht und aus irgendeinem Grund war sie nicht durchgekommen.

»In Ordnung«, sagte Dew zu ihr. »Ruf die Grenzpolizei und sag ihnen Bescheid, was los ist. Dann ruf Woody und Jerry dazu. Sag ihnen, wir gehen da hoch. Ich bin in zehn Minuten vor Ort.«

Dreißig Minuten später, nachdem er seine Stellvertreter Jerry Hauser und Woody Stromm auf dem Parkplatz vor dem Gemeindehaus getroffen hatte, waren sie auf dem Weg nach Mineral City. Hier oben konnte man den Geruch von Kiefern einatmen und das Gewicht der Hügel spüren, die einen umgaben. Es war ein wildes Land, dicht bewaldet und durchzogen von engen Schluchten und tief liegenden Mulden. Ein dichter, feuchter Eisnebel brach im Licht der Scheinwerfer des Bezirks-SUV und verwandelte Baumstümpfe und Totholz in drohende unheimliche Gestalten. Die Schneeschmelze hatte auf der Straße zu einer Vielzahl rutschiger Schlammpfützen geführt, sodass Dew es langsam anging. Er behielt seine Augen auf der Straße, wo sie hingehörten. Es regnete leicht.

»Was, glaubst du, ist da oben los?«, fragte Jerry.

»Ich weiß genauso viel wie du, Jer, nämlich nichts. Also lass uns keine haltlosen Vermutungen anstellen.«

Woody grunzte. »Wahrscheinlich nur ein Streich. Ihr werdet es schon sehen.«

Sie waren beide nervös, geradezu aus dem Häuschen, aber Dew konnte es ihnen nicht verübeln. Wer konnte schon solch einen Notruf entgegennehmen und dabei kein komisches Gefühl bekommen?

Dennoch war er gezwungen, auf der Fahrt nach oben gelassen zu bleiben. Es war schon schlimm und seltsam genug, ohne dass er seinen Männern die Risse in seiner Rüstung offenbaren musste. Also hörte er dem gelegentlichen Geschwätz über den Funk zu und dachte daran, dass er fast dabei gewesen war, ins Bett zu gehen, als der Anruf ihn erreicht hatte. Er hoffte sehr, dass es sich bei dem Ganzen um einen Streich oder Fehlalarm handelte, lieber etwas Bekanntes als etwas Unbekanntes. Denn, wenn dem nicht so war, war es schwer einzuschätzen, in was sie da gerade hineinfuhren.

Die Straße wand sich noch einige Male, bevor sich die Minenanlage aus dem Eisnebel schälte. Dew konnte nicht viel davon sehen. Nur die Büros, die Kantine und den Trockenraum, in dem die Minenarbeiter ihre Straßenkleidung aus- und ihre Arbeitskleidung anzogen. Etwa dreißig Fahrzeuge standen unter den Laternen auf dem Parkplatz. Eine Notbesetzung, mehr nicht. Als er vor dem Eingang des Hauptgebäudes anhielt, konnte Dew die weitläufigen Hütten und Nebengebäude sehen, die in den Hügeln hinter ihnen standen. Die alten Schachtanlagen und Fördertürme erhoben sich in die Dunkelheit. Sie wirkten im Nebel geisterhaft wie Skelette. All diese Gebäude waren aufgegeben worden und waren nichts weiter als Erinnerungen an jene Tage, in denen die Menschen tief in die Erde vorgedrungen waren, um die Flöze zu bearbeiten. Heutzutage war Superior ein Tagebau.

Woody griff nach dem Mikrofon. »Zentrale? Hier ist Nummer fünf. Wir sind an der Mine. Verlassen jetzt das Fahrzeug. Bitte haltet euch bereit.«

Durch den Funk hörte man nichts als Rauschen, hoch und tief.

»Mist«, sagte Jerry. »War ja klar.«

»Versuch es noch mal«, wies Dew ihn an.

Woody klopfte gegen das Mikrofon. »Zentrale? Zentrale? Hier ist Nummer fünf. Hört ihr uns?«

Nichts. Sie hörten nur dieses fürchterliche Rauschen. Ein zischendes Geräusch, wie Wind, der durch die Hohlräume und unterirdischen Katakomben pfeift. Wenn man zu lange zuhörte, hörte es sich fast wie Atmen an.

Dew schnappte sich das Mikrofon und erhielt dasselbe Resultat. Aus irgendeinem Grund war der Funk ausgefallen. Eine Art Störung, das war alles. »Wahrscheinlich das Erz in den Bergen«, sagte er.

»Bestimmt«, antwortete Woody.

Er probierte es mit dem Modem des Touchscreen-Laptops, der unterhalb des Motorola Astro-Spectra-Funkgeräts angebracht war, aber er bekam nicht einmal Empfang.

Jerry versuchte es sogar mit seinem Nokia. »Was auch immer es ist, es betrifft auch mein Handy.«

Sie traten hinaus in die feuchte Nacht. Das Gelände war übersät von Schlaglöchern, in denen brackiges Wasser und Schlamm standen, sowie langsam schmelzenden Schneehaufen. Die Natriumlampen, die den Nebel durchleuchteten, ließen seltsame Schatten um sie herum entstehen. Dew probierte es noch einmal mit seinem Motorola Taschenfunkgerät, aber erreichte nur wieder ein Rauschen.

Seufzend sagte er: »Na gut. Lasst uns mal nachsehen, was es mit dem Ganzen auf sich hat.«

Ende der Leseprobe

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