Die letzte Plage

von F. Paul Wilson

Ein Roman von New York Times Bestseller Autor F. Paul Wilson und British Fantasy Award Gewinnerin Sarah Pinborough.

INHALTSBESCHREIBUNG


Einst kam alles Leben aus Afrika … doch jetzt ist es der Tod.

Es verbreitet sich wie eine Seuche, doch es ist keine Krankheit. Medizin und Forschung sind hilflos gegen die tödliche Reaktion unseres Immunsystems auf den Biss einer afrikanischen Fliegenart. Milliarden Menschen sind bereits tot, und noch viele mehr werden sterben. Weltweit stürzen Regierungen, die Zivilisation bröckelt, und die Überlebenden haben panische Angst vor dem Tod aus der Luft.

Manche halten die neue Insektenart für eine zufällige Mutation, andere sagen, sie sei von Menschenhand erschaffen worden. Doch als die Hoffnung schwindet, rechtzeitig ein Gegenmittel zu finden, glauben die Meisten nur noch an Gottes Rache. Einst sandte er die Sintflut als Strafe für die Menschheit, nun verdunkelt er den Himmel mit tödlichen Fliegen. Und vielleicht ist an dieser Theorie sogar etwas dran, denn viele der Opfer berichten in ihren letzten Atemzügen von einer Vision Gottes.

Aber nicht jeder muss sterben. Einige Menschen scheinen immun zu sein. Sie nennen sich selbst die Mungus und predigen, die Plage als gottgegeben hinzunehmen. Sie ermutigen die Menschen, sich von den „Fliegen des Herrn“ beißen zu lassen, um mit IHM im Jenseits vereint zu sein.

Nigel, ein Enthüllungsjournalist, sucht derweil im apokalyptischen Chaos des seuchenzerfressenen England nach Bandora, einem entführten afrikanischen Jungen. Die Suche nach der Wahrheit und seiner eigenen Erlösung treibt ihn fort von den unerträglichen Zuständen seines Privatlebens, direkt in die Arme des Hohepriesters der Mungu, eines Mannes, der seine Prophezeiungen in Rätsel verpackt und keinerlei Angst vor den tödlichen Fliegen hat.

Pressestimmen

Einfach, eindrucksvoll und bildgewaltig wurde mir das Ende der Welt und „die letzte Plage“ näher gebracht. Vielleicht sollte ich mir mal noch eine Fliegenklatsche zusätzlich besorgen.

inflagrantibooks, lovelybooks

Ein Roman der düster und spannend ist. Gelungen!

Oliver Lippert, Huffington Post

Es ist ein spannender Roman, der von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Die metaphysischen Aspekte bekommt man nebenbei mitserviert. Und das ist etwas, was in meinen Augen aus einem guten Unterhaltungsroman einen großartigen Unterhaltungsroman macht.

Horror & Co.

DIENSTAG

NIGEL

»Meinen Sie, das Zeug bringt überhaupt was, oder ist das nur Show, damit wir uns sicher fühlen? Ich kann es mir schon denken. Die Firmen, die diese Insektizide machen, verdienen sich an uns dumm und dusselig.«

Nigel nahm den Herrn im Nachbarsitz kaum wahr, er war viel zu beschäftigt damit, seinen Schweiß von der Klimaanlage kühlen zu lassen. Dieser Genuss verstärkte noch seine Erleichterung darüber, es überhaupt in das Flugzeug geschafft zu haben. Seine Kreditkarte hatte die dreitausend Pfund für ein Erste-Klasse-Ticket ausgehalten, auch wenn er sich diese Summe normalerweise niemals leisten konnte. Aber darüber würde er sich erst Sorgen machen, wenn er wieder zu Hause war. Vielleicht würden ja die Daten auf dem USB-Stick in seiner Tasche Malcolm dazu bewegen, die Reisekosten über die Zeitung abzurechnen.

Egal, er saß jetzt im Flugzeug, und das war das Einzige, was zählte. British Airways Flüge aus dem todgeweihten Kairo waren selten geworden, und sie beförderten auch nur noch britische Staatsbürger. Obwohl die Stadt fast ausgestorben war, gab es weitaus mehr Wartende als freie Plätze. England galt schließlich als sicher, und alle wollten nach Hause. Er hatte wirklich Glück gehabt.

»Ist doch schließlich kein Geheimnis mehr«, fuhr der Mann fort, »dass das inzwischen ein weltweites Problem ist.«

Stewards mit Masken über ihren Gesichtern gingen im Gang auf und ab und versprühten großflächig Insektengift. Der Geruch war beißend, aber gleichzeitig beruhigend. Nigel schaute zu seinem Sitznachbarn herüber. Sein Hemd hatte große, feuchte Flecken, die sich nicht nur unter seinen Achseln ausbreiteten. Seine Wangen waren aufgeplustert. Die Nase ebenso rot vom Trinken wie von der ägyptischen Sonne. Arschloch war die Bezeichnung, die Nigel für solche Typen hatte.

Die Turbinen drehten auf und ein leichtes Zucken durchfuhr die Maschine, als der Pilot die Parkposition verließ.

»Ist doch klar, wer an der ganzen Sache schuld ist, oder?« Der Mann lehnte sich verschwörerisch über die Armlehne, nah genug, dass Nigel seinen würzigen Atem wahrnehmen konnte. »Sie wissen schon. Die Schwarzen

»Meinen Sie?«, fragte Nigel, nicht in der Lage, der Versuchung aus dem Weg zu gehen. Eigentlich wollte er es um jeden Preis vermeiden, in eine sinnlose, fünfstündige Diskussion verwickelt zu werden. Er hatte vorgehabt, zu schlafen, sobald sie über den Wolken waren. Schließlich war er von den letzten Tagen schwer übermüdet und fand auch etwas ziemlich Beruhigendes darin, zehntausend Meter über dem ganzen Wahnsinn zu schweben, den die Seuche da unten anrichtete.

»Natürlich«, wabbelten die Wangenlappen mit Nachdruck, »Genau wie AIDS. Kommt doch alles aus Afrika. Von den Schwarzen.«

Der Mann musste ein leichtes Glimmen von Amüsement in Nigels Augen gesehen haben, denn mit strengem Blick fügte er hinzu: »Nur Idioten können das leugnen.«

»Champagner, die Herren?«

Die Stewardess lächelte die beiden an und lockerte die Situation auf.

Nigel nahm ein Glas. Die ganze Welt stürzte ins Chaos, aber es gab immer noch Schampus zum Take-off. Das war eben typisch britisch; um jeden Preis die Haltung bewahren. Manchmal war es fast zum Lachen. Oder zum Heulen. Man musste sich fragen, ob irgendjemand auf der Welt noch bei Verstand war.

Als sie auf die Runway einbogen, lehnte Nigel sich in seinem Sitz zurück und beobachtete die flirrende Luft über dem Asphalt. Im Westen verschandelte eine schwarze Rauchsäule den wolkenlosen, blauen Himmel. Kairo brannte. Schon wieder. Nigels Gedanken waren trotzdem immer noch bei dem Herrn neben ihm und den Millionen Anderen, die so waren, wie er. Vielleicht sollte er seinem Artikel noch eine Prise von dieser Hysterie beimengen. Malcolm würde das gefallen. Rassenhass. Wenn man die Schuld auf nichts anderes mehr schieben konnte, ging immer noch eine andere Hautfarbe.

»Paris soll ja das Werk eines Weißen gewesen sein«, sagte Nigel nach einer Pause, die er lange genug gelassen hatte, dass sein Nachbar es sich im Sitz gemütlich machen konnte. Er ließ seinen Blick auf dem endlosen, blauen Himmel ruhen, der sich über dem dunstigen Wüstenhorizont ausbreitete. Jetzt, wo er es sich bequem gemacht hatte, war es wohl Zeit, unbequem zu werden.

»Wie bitte?«

»Es war ein Spanier. Ein Katholik noch dazu. Ein Gotteskrieger. Ein Irrer.«

Jetzt wendete er sich dem Mann zu. Für eine Sekunde fragte er sich, wie dessen Name war – dann wurde ihm klar, dass er das nicht wirklich wissen wollte. Er wollte eigentlich gar nichts von diesem Herrn in Erinnerung behalten.

»Sie lügen.«

»Ich bin Journalist, da gibt es also schon ein gewisses Risiko.« Nigel bemühte sich, einen leichten, sachlichen Tonfall zu bewahren. »Aber nicht in diesem Fall. Ich könnte Ihnen ganz genau sagen, wie er sie reingeschmuggelt hat, wie er an den Sprays und Grenzkontrollen vorbei gekommen ist. Aber das würde Ihnen ja den ganzen Spaß vorwegnehmen, wenn die Story in die Zeitungen kommt. Jedenfalls war er ein Weißer und hat es nach eigener Aussage für seinen Gott getan. Und damit« – jetzt war er an der Reihe damit, sich demonstrativ nach vorne zu lehnen – »war Paris erledigt.«

Er lächelte und zog durchaus einen Hauch Befriedigung daraus, dass die aufgedunsene, rote Nase seines Gegenübers ein gutes Stück blasser wurde.

»Also, vielleicht haben Sie recht. Vielleicht sind die ganzen Sprays und Sprühflugzeuge nur reine Show. Weil Irre kann man damit nicht aufhalten.«

Nigel nahm noch einen Schluck von seinem Champagner. »Aber warum geben Sie die Schuld nicht einfach dem Allmächtigen? Scheint ja sonst auch jeder zu machen, auf die eine oder andere Art.«

Das Flugzeug schoss nun nach vorne, um den Take-off einzuleiten. Nigel lehnte sich zurück und schloss die Augen. Tschüss, lieber Internationaler Flughafen Kairo, und vielen Dank. Er hatte das Gefühl, dass die nächsten Stunden jetzt schön ruhig werden würden.

Die Menschen konnten noch so viel von Gott oder Hautfarben reden, er war sich ziemlich sicher, dass er die Wahrheit in seiner Tasche verstaut bei sich trug. Sobald das Material in den Druck ging, würden es alle lesen und weinen.

Also, Abby jedenfalls. Was würde sie aus dieser Geschichte für Schlüsse ziehen? Nachdem sie es gestern endlich geschafft hatten, eine Verbindung aufzubauen und ein zehnminütiges, knacksendes Gespräch zu führen, freute er sich tatsächlich darauf, nach Hause zu kommen. Sie klang genau wie die Abby seiner Erinnerung – warm, lieblich und gesund. Doch bei diesem Gedanken holte ihn die Realität auch schon wieder ein. Die Nadeln. Die Maschinen. Und die verdammte Fistel. Sein Magen rutschte ihm in die Kniekehlen, als das Flugzeug an Höhe gewann, doch das lag nicht nur an der Beschleunigung.

Er spürte die übliche Verkrampfung in seinen Schultern und zwang sich, an etwas anderes zu denken. Mehr Champagner, das war genau, was er brauchte. Champagner, und dann fünf Stunden himmlische Ruhe über dem ganzen Irrsinn, der da unten wütete.

NAVY ERÖFFNET FEUER AUF AFRIKANISCHE FLOTTE

GIBRALTAR – Nachdem zahlreiche kleinere Flüchtlingsboote die Order, abzudrehen und in ihre afrikanischen Heimathäfen zurückzukehren, mehrfach ignoriert hatten, erhielt die Royal Navy den Feuerbefehl. »Sollen sie doch nach Spanien oder Frankreich fahren«, soll Zeugen zufolge ein Offizier gesagt haben, »auf britischen Boden werden sie keinen Fuß setzen!« (The Times, London)

Ende der Leseprobe

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