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DIE HORDEN: DER FELS

DIE HORDEN: DER FELS

  • Format: Klappenbroschur
  • Seiten: ca. 368
  • ISBN: 978-3-95835-279-7

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DIE HORDEN: DER FELS

  • ISBN: 978-3-95835-280-3

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Die Toten stehen wieder auf. Sie sind hungrig, machen Jagd auf die Lebenden. Und sie werden immer mehr …

Ein Cop mit seiner Tochter. Ein Computer-Nerd. Ein Müllmann. Ein entflohener Irrer mit einem Geheimnis. Gemeinsam flieht ein kleiner Trupp Überlebender vor den Horden der Untoten auf die Gefängnisinsel Alcatraz. Eine sichere Festung, umgeben von Wasser. Schnell wird der Gruppe jedoch klar, dass der Fels noch immer ein Gefängnis ist – denn neben den wandelnden Toten kennt auch die Herzlosigkeit der Menschen keine Gnade.

Prolog


Fassungslosigkeit kann sich als mächtiger Gegner herausstellen. Im Ernst, was würdet ihr tun, wenn ein verlotterter Typ in bluttriefenden Klamotten taumelnd mit ausgestreckten Armen aus einer Gasse oder einem Gebäudeeingang auf euch zukäme? Mancher mag ihm helfen wollen und somit sein eigenes Schicksal besiegeln, denn solang noch kein Übergriff wandelnder Leichen begonnen hat, würde niemand Mist, Zombies!denken und die Flucht ergreifen. Tote laufen einfach nicht durch die Gegend, das ist ein grundlegendes Naturgesetz. Folglich hält man den anstößigen Fleischfresser eventuell für nichts weiter als einen Obdachlosen, der Kleingeld schnorren will, und geht weiter. Natürlich folgt euch die Kreatur daraufhin: stöhnend und schweren Schrittes, ja überhaupt geistlos in ihrem Auftreten. Weil er so penetrant ist, dreht man sich zu ihm um und versucht die alte Masche: »Hör mal, Kumpel, ich hab nichts für dich.« Der Untote nähert sich jedoch unentwegt, also richtet man einen Zeigefinger auf ihn und verlangt, er solle sich verpissen. Das tut er nicht. Einige Menschen würden es mit der Angst zu tun bekommen und vor dem Verfolger davonlaufen, andere hingegen lassen sich dieses Nachstellen möglicherweise nicht gefallen und bieten dem Inkognito-Zombie die Stirn – aus die Maus: Ein Biss, manchmal sogar nur ein Kratzer, und ihr spielt binnen vierundzwanzig Stunden für die gegnerische Mannschaft. Selbstverständlich streckt man im Falle eines Bisses entweder sofort die Waffen oder rennt weg, während man denkt: Hoffentlich ist der Kerl nicht aidskrank oder so … Dann sucht man ein Krankenhaus auf oder kehrt nach Hause zurück, verbindet die Wunde und isst mit der Familie zu Abend. So oder so ist man geliefert.

Von dem Eindruck abgesehen, den umherziehende Leichen hinterlassen – was schon für sich genommen seltsam anmutet –, werden die Grundprinzipien des Waffengebrauchs beim Kampf gegen Untote aufgehoben. Waffen sollen durch Verletzung töten, doch da der Gegner, gegen den man diese richtet, schon tot ist, bleibt so gut wie jeder körperliche Schaden wirkungslos. Messerstiche führen bei normalen Menschen zu ernsten Verletzungen, doch einem Untoten eine Klinge in die Brust zu rammen bringt wenig. Schießt man ihm in die Schulter, wird er herumgerissen und geht vielleicht zu Boden, wird aber nicht lange liegen bleiben. Dieser Sachverhalt lässt sich schwerlich begreifen, weshalb zu Beginn einer Zombie-Epidemie viele sterben, weil sie glauben, mit einer 9mm-Pistole in der Hand auf der sicheren Seite zu sein. Schüsse verpuffen, außer sie treffen in den Kopf, aber mal ehrlich: Habt ihr je eine Knarre abgefeuert, während ihr eine Heidenangst vor jemandem habt, der euch unbedingt verspeisen will? Angenommen, die Untoten haben es auf euch abgesehen und ihr berücksichtigt folgende Faktoren beim Anlegen: Ihr versteht nichts vom Umgang mit Feuerwaffen, seid entsetzt und vom Laufen außer Atem, hungrig wie durstig und habt seit Tagen nicht geschlafen … Versucht nun, eure fünfzehn schwankenden Angreifer aus einer Entfernung von fünfzig Fuß in die Köpfe zu schießen. Falls ihr nicht zufällig ausgebildete Schützen mit regelmäßiger Übung seid, trefft ihr höchstens eine Rübe. Dann müsst ihr nachladen, und der Abstand beträgt nur noch zwanzig Fuß; das ist näher, also schaltet ihr noch vier aus. Erneut nachladen; bei einer Distanz von zehn Fuß geratet ihr in Panik und schießt aufs Geratewohl, wobei ihr euch wünscht, so sicher zielen zu können wie mit doppeltem Abstand. Nach zwei weiteren Kopfschüssen weiden sich die übrigen acht Kreaturen an euren Eingeweiden; dennoch gelingt es euch, ihre Zahl auf sechs zu dezimieren. Daraufhin glaubt ihr, nicht mehr richtig rechnen zu können, denn schließlich habt ihr sieben gefällt, aber da ihr jetzt selbst auf deren Seite mitmischt, waren es im Grunde nur sechs. Das ist eigentlich gar nicht so übel – gut gemacht, also jetzt mal abgesehen von der Sache mit den Eingeweiden. Unter gewöhnlichen Umständen wäre eine Trefferquote von sechs zu eins ausgezeichnet; fragt einen beliebigen Videospieler. Leider handelt es sich hierbei nicht um gewöhnliche Umstände, und dass Kopfschüsse das einzig wirksame Gegenmittel sind, wurde erst verstanden, als Boston bereits verloren war.

Ebendort ging es nämlich los. Niemand weiß genau, wie es dazu kam – die genaue Stelle kennt im Grunde genommen auch niemand –, dass sich der erste Zombie anschickte, Nahrung zu suchen, doch dort begann der Untergang der modernen Zivilisation. Andernorts auf der Welt rechnete kein Mensch damit, dass die Aggressoren tot seien – ich meine, das ist schlichtweg lächerlich –, aber die Betroffenen nahmen es an. Scharenweise eilten sie in Krankenhäuser oder Polizeidienststellen, um zu melden, dass Personen übereinander hergefallen und nicht aufzuhalten seien. Zunächst dachte man, diese Augenzeugen wären schlicht zu Tode erschrocken, doch dies sollte sich bald ändern und auf die Rettungskräfte übertragen. Polizei, Feuerwehr und Sanitäter wurden zur Hilfe gerufen und gleichsam angefallen. Jeder, der Bisswunden davontrug, kam um – ausnahmslos.

Sobald die Lawine losgerollt war, ging es Schlag auf Schlag: Behörden und Notdienste waren von Anfang an überfordert und schwebten in ständiger Gefahr. Es dauerte nicht lange, bis die Regierung erkannte, dass die Infektion hauptsächlich auf Bisse zurückging. Die Ärzte im Mass General Hospital wussten wenige Stunden nach der ersten gemeldeten Bissverletzung: Jede derartige Wunde ist tödlich, ob tief oder oberflächlich und egal an welcher Körperstelle. Man kam allerdings nicht dazu, diese Tatsache zu kommunizieren, denn die Kliniken wurden im Lauf der ersten Nacht von innen zunichtegemacht.

Aus New England drangen dürftige Informationen, doch das Militär brach die Kommunikation nach den ersten paar Stunden ab. Beliebte Theorien in den Medien reichten von einer Art Supertollwut bis zu einem Anschlag radikaler Extremisten mit chemischen Kampfstoffen. Der Rest der Welt vermutete, es sei örtlich begrenzt, und interessierte sich nicht großartig dafür. Ein Zusammenbruch der elementaren Sozialeinrichtungen war unausweichlich, und was den Notruf im Großraum Boston betraf, dauerte es weniger als fünfzehn Stunden – dann gab es niemanden mehr, der ein Telefon hätte besetzen können. Entweder lief man um sein Leben, ging auf die Jagd oder verdaute bereits mit verwesendem Magen Fleischbrocken.

Am nächsten Tag marschierte die US Army im großen Stil in der Stadt auf und versuchte auf Streifengängen, gefangene Zivilisten zu retten. Über kurz oder lang endeten die Soldaten in einer der drei genannten Kategorien. Am dritten Tag der Erkrankungswelle zog sich die Armee zurück, und zwar um sechzig Prozent ihres Aufgebots reduziert. Man münzte die Rettungsaktion schnell auf einen Plan zur Eindämmung um, was durch Isolation der Infektion gelingen sollte; die Army kreiste Boston ein und schnitt es so vom Rest des Landes ab. Am Himmel über der Stadt wimmelte es vor Militärflugzeugen, die eine neu bestimmte Luftsperrzone absicherten. Panzer, Infanterie-Kampffahrzeuge, Mannschaftstransporter, Humvees und elftausend Truppen zogen einige Tage lang um die Metropole, damit niemand eindrang oder herauskam – ein Ding der Unmöglichkeit, da Boston Dutzende Vororte besitzt und Flüchtende sich nicht an Kontrollpunkten der Armee aufhalten lassen wollten. Wer einer Blockade näher kam, wurde in die Stadt zurückgeschickt. Zuwiderhandlung ahndete man streng; die Soldaten streckten während der Frühphase ebenso viele fliehende Zivilisten wie Zombies nieder. Erstere wollten jedoch nicht tot bleiben, sondern schlossen sich der ständig wachsenden Zahl der Gegner an. Im Zuge dessen kam es auch in der Bostoner Vorstadt zu Ausbrüchen. Die Eindämmung war fehlgeschlagen, und die Armee zog sich weiter zurück, während sie Verstärkung erhielt. Jene Angreifer konnten einfach nicht tot sein, das hielt man für absurd.

Schon am zweiten Tag, nachdem man die Sperre verhängt hatte, hob ein Nachrichtenhubschrauber von Kanal 7 vom Dach des Sendegebäudes ab. Er flog zwar niedrig, wurde aber rasch von Militärjets entdeckt. Die Besatzung hatte nicht vor, aus der Stadt zu entwischen, sondern wollte Bericht darüber erstatten, wie sich die Situation wirklich gestaltete. Man befahl ihr, unverzüglich zu landen, doch sie weigerte sich, also wurde ein Cobra-Kampfhelikopter losgeschickt, um dem Reporterteam die Flausen auszutreiben. Dessen Kameras sammelten aussagekräftiges Bildmaterial von Bostons Straßen, wo sich Tausende von dicht gedrängten Leibern tummelten. Diese folgten einem Konvoi von Militärgeländewagen auf dem Rückzug gen Norden. Nachdem der Hubschrauber sie eingeholt hatte, schwebte er über den Fahrzeugen und übertrug seine Aufnahmen direkt ins Internet. Eine große Gruppe Infizierter kesselte einen Hummer-Geländewagen ein, woraufhin General Timothy Powers, der befehlshabende Offizier von Operation »Felsenfeste Entschlossenheit«, live im Webfernsehen gefressen wurde, während er und sein Gefolge versuchten, sich auf der Zakim Bridge zu behaupten. Der Kampfhubschrauber holte News Center 7 Chopper 1 vom Himmel, da die Journalisten die Absperrung des Luftraums weiterhin missachteten. Ihre panischen Schreie, als sie die Kondensstreifen der Raketen vom Geschütz Cobra M158 auf sich zukommen sahen, hörte man überall auf der Welt. Dass das Wrack auf eine Citgo-Tankstelle abstürzte, hatte etwas fürwahr Filmreifes, und die anschließende Explosion nebst Feuersbrunst war über Meilen hinweg sichtbar. Ungefähr ein Sechzehntel der Stadt stand deshalb in Flammen, was die Aufmerksamkeit der Weltbevölkerung weckte, aber trotzdem glaubte immer noch niemand, dass unser Feind lebende Tote seien.

Boston wurde innerhalb von zwei Tagen überrannt und für verloren erklärt. Zu diesem Zeitpunkt war die Epidemie auch in Hartford und New Haven im Staat Connecticut ausgebrochen, in Manchester in New Hampshire, in Bangor in Maine sowie auf Manhattan Island. Die Ostküste steckte in erheblichen Schwierigkeiten. Hatten sich schon die Bostoner für Pechvögel gehalten, so schmorte man in New York City geradezu in der Hölle. Die siebenhunderttausend Bewohner der Hauptstadt von Massachusetts waren nichts im Vergleich zu den über acht Millionen im bevölkerungsreichsten Ort der USA. Auch dieser stand zwei Tage nach dem ersten berichteten Infektionsfall vor dem Aus. Allmählich verstand man wohl, dass dieser Gegner nicht der Norm entsprach, aber Zombies? Nein, ausgeschlossen …

Schlachten wurden in allen Städten entlang der Ostküste geschlagen, und lokal entstanden Milizen zur Verteidigung der Bürger. Dass diese mit der offiziellen Armee aneinandergerieten, deren Truppen sich zusehends weiter ausbreiteten, ließ sich nicht vermeiden. Eine ganze Stadt im Süden New Hampshires fiel in nur einer Nacht. Tagsüber war das Heer dort angerückt, aber die Milizen hatten ihm partout den Zugang verwehrt. Statt es auf ein Feuergefecht mit den Städtern anzulegen, hatte sich die Army zurückgezogen und Handlungsmöglichkeiten diskutiert. Am nächsten Morgen hätten Soldaten die Straßensperren der Bürgerwehr mit ihren schweren Panzerfahrzeugen durchbrechen und Versorgungsgüter in die Stadt bringen sollen. Als sie jedoch bis zum Rand vorgestoßen waren, sahen sie nichts als stöhnende Leiber, darunter auch jene der Milizionäre. Die Army zog sich wieder zurück.

Der Präsident wandte sich drei Tage nach dem Ausbruch in Boston im Fernsehen an die Nation. Er rief seine Mitamerikaner dazu auf, sich in Gedanken und Gebeten Boston und New York zuzuwenden. Diese Kundgebung machte er in vierzigtausend Fuß Höhe an Bord von Air Force Oneauf dem Weg zu einem geheim gehaltenen Ort. Sofort nach der Pressekonferenz brach die Krankheit auch in Washington, D.C. aus; die Ostküste der Vereinigten Staaten war von Maine bis nach Maryland verseucht.

Auslandsflüge wurden ausgesetzt, leider aber nicht früh genug. Gerüchten zufolge war der Erreger auch in Paris und Tokio aufgekommen. Los Angeles unterlag der todbringenden Epidemie erst nach sieben Tagen, da die Stadt am besten vorbereitet war. Die meisten Weltstaaten ließen nichts mehr von sich hören. Europa glich einem einzigen Trümmerhaufen, und auch Japan hüllte sich in Schweigen. China machte seine Grenzen dicht und kämpfte gegen die Infizierten auf eigenem Boden. Zu weiteren Ausbrüchen kam es in Johannesburg; Addis Abeba, Perth und Tel Aviv standen in Flammen, in Bombay herrschten albtraumhafte Zustände.

Am einundzwanzigsten Tag verheerte eine Kernschmelze Beijing, wobei die Temperatur auf knapp über fünftausendfünfhundert Grad Celsius anstieg und rund zehn Millionen Untote sowie mehrere Hunderttausend nicht infizierte Menschen dahingerafft wurden; von diesem Moment an war der Homo sapiens nicht mehr länger die dominante Lebensform auf dem Planeten.

Zu Beginn von alledem – am Tag null der Infektion – stieg ein kleines Mädchen in ein Flugzeug von Boston nach San Francisco, wo es nach der Landung von seinem Vater abgeholt wurde.

Ende der Leseprobe

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