Buchcover:
Neuerscheinung

Der Feuervogel

INHALTSBESCHREIBUNG


Ein altes Holzkreuz aus der Zeit der Entdeckung Amerikas weist den Weg zu einer heiligen Stätte der Zuñi-Indianer, dem »Ort der Entstehung« – und einem sagenhaften Goldschatz, der dort verborgen liegt. Um jedoch zu verhindern, dass dieser Ort entweiht wird, wurde das Kreuz in vier Teile zerbrochen und in alle Himmelsrichtungen verstreut.

Als Sarah Weston und Daniel Madigan während ihrer Ausgrabungen auf eines der Teile jenes Holzkreuzes stoßen, wollen sie das Rätsel lösen und den »Ort der Entstehung« finden.

Doch sie sind nicht die Einzigen, die diesem geheimnisvollen Ort nachjagen. Ein obskurer Minenbetreiber setzt alles daran, den »Ort der Entstehung« zuerst zu finden, denn offenbar birgt die Kultstätte noch ein weitaus größeres Geheimnis, als die Abenteurer ahnen.

Zusammen mit den letzten Hopi-Indianern kämpfen Sarah Weston und ihre Freunde dafür, das Geheimnis der heiligen Stätte und das Vermächtnis der Ureinwohner zu bewahren …

Pressestimmen

… alles verbindet sich in altbewährter Art und Weise zu einem packenden Abenteuer-Garn, das den Leser an die Seiten fesselt und als ideale Ferien-Lektüre anzusehen ist.

Phantastiknews.de

Prolog

Vacapa, Neuspanien, 1539

 

In der Lethargie des goldenen Sommernachmittags lockte das Klappern von Pferdehufen die Eingeborenen auf ihre Haustreppen und an ihre Fenster, um zu sehen, wer die Stille störte.

Es geschah nicht jeden Tag, dass ein Konquistador aus Mexiko-Stadt einen staubigen Außenposten wie Vacapa besuchte. Der schläfrige Pueblo wurde von Wilden bewohnt, die in Lehm- und Schilfhäusern lebten und sich um ihre dürren Schafe kümmerten. Der Mönch und seine Männer hatten sich unter dem Vorwand hier niedergelassen, die Ortsansässigen zu den Lehren des Herrn zu konvertieren. Doch Juan Garrido wusste es besser.

Er stieg vor Marcos de Nizas lehmbeschmiertem Adobenhaus ab und folgte einem Schnarchgeräusch in den hinteren Teil des Gebäudes. Dort war er, der rundgesichtige, rotbackige Mönch, in einer Hängematte ausgestreckt, mit offenem Mund, der nach Wein stank. Garrido räusperte sich lauter als nötig und der Mönch schoss kerzengerade auf.

»Bruder Marcos, es ist schön, Euch so    …    ausgeruht zu sehen.« Er versuchte gar nicht erst, seine Geringschätzung zu verbergen.

»Seid gegrüßt, Juan Garrido. Wie schön von Euch, in unseren kleinen Winkel der Kolonie zu kommen. Und zur Siestazeit.« De Niza versuchte von der Hängematte zu steigen, ein wenig anmutiger Akt, der damit endete, dass er abgeworfen wurde und auf allen vieren landete. Er richtete sich unbeholfen auf. »Ich hoffe, der Vizekönig hat Euch von meiner bescheidenen Anfrage in Kenntnis gesetzt?«

»Er sagte, dass Ihr es mit einem Cimarrón zu tun habt, ja.« Er nutzte die offizielle Bezeichnung für einen entflohenen Sklaven. Das Wort hatte eine verabscheuungswerte Nuance, die er befriedigend fand.

»Ja. Es handelt sich um Esteban den Mauren. Er sollte unserer Gruppe fünfzig Wegstunden vorausgehen und berichten, was auf der Nordroute liegt. Das waren meine strikten Anweisungen.« Der Mönch bemühte sich, autoritär zu klingen, wirkte aber eher komisch. »Es sind nun zwei Monate ohne Nachricht von ihm vergangen. Ich fürchte, er folgt seinen eigenen Interessen, nicht denen der Krone.«

»Sicher gab es in all der Zeit irgendeine Form der Kontaktaufnahme.«

»Nur diese.« Er schlurfte zu einem Tisch und hob ein weißes, zwei Handflächen großes Franziskanerkreuz auf. Dahinein waren Symbole    –    Berge, ein Fluss, ein Pueblo    –    in der Art einer Karte geritzt. »Ich hatte ihn angewiesen, geheime Nachrichten mit Kreuzen wie diesem zu schicken. Klug, findet Ihr nicht?«

Garrido fand die selbstgefällige Art des Mönches abstoßend. Obwohl de Niza der Anführer der Expedition im Norden war, verlangte er schwere und oftmals gefährliche Arbeit von seinen Sklaven, während er in Sicherheit blieb und sich den Bauch mit Essen und Trinken vollschlug. Ab und zu konvertierte er einige Ureinwohner, um seine »geistliche Mission« zu rechtfertigen. Es war kaum verwunderlich, dass sein Plan schiefgegangen war.

Er nahm das Kreuz vom Mönch. »Was hat das zu bedeuten?«

»Laut des Ureinwohners, der es brachte, fand Esteban eine Stadt sondergleichen: mehrere Stockwerke hohe Steinhäuser, stabiler Handel, mit Türkisen gepflasterte Straßen, mit Edelsteinen geschmückte Türöffnungen. Er nannte sie Cibola.« Er beugte sich vor und flüsterte verschwörerisch: »Das könnte die Stadt aus Gold sein, nach der wir suchten.«

»Aber dieses Kreuz ist eine Karte dorthin. Warum folgt Ihr nicht einfach der Route, um Euch selbst ein Bild davon zu machen?«

Der Mönch kratzte sich am Kopf. »Ja, nun, das wäre ein ausgezeichneter Plan, doch hier gibt es arme Seelen, um die ich mich kümmern muss. Ich habe die Pflicht, Gottes Werk zu verrichten. Doch Ihr    …« Er tätschelte den Arm des Konquistadoren ein wenig zu aggressiv. »Ihr seid nicht an derartige Verpflichtungen gebunden.«

Es war eine schlecht verschleierte Beleidigung. Wie Esteban war auch Juan Garrido als Maure geboren und von einem spanischen Standesherren und Entdecker in die Sklaverei gekauft worden. Doch im deutlichen Gegensatz zu anderen Sklaven, die mit den Spaniern in die Neue Welt gesegelt waren, hatte sich Garrido während der Eroberungen von dreißig Jahren als so nützlich erwiesen, dass ihm seine Freiheit geschenkt worden war und er sich den Titel eines Konquistadoren verdient hatte. Da er jedoch schwarz war, erkannten leidenschaftliche Ethnozentriker wie de Niza seine Legitimität nicht an. Einmal ein Sklave, flüsterten sie hinter seinem Rücken, immer ein Sklave.

Mit Esteban war es anders. Als Sklave, der nie nach einer höheren sozialen Stellung strebte, wurde er von den Wundern der Reise angezogen, dem Kitzel der Entdeckung. Er war ungemein charismatisch, ein bärenstarker Bursche mit einem Glanz in den Augen, der jeden faszinierte, der ihm begegnete. Er hatte sich angewöhnt, sich als Schamane auszugeben, nutzte das Wissen über Pflanzen und pflanzliche Extrakte, das er in seiner Jugend in den Bergen des Hohen Atlas erlangt hatte, um den Kranken zu helfen. Die Eingeborenen betrachteten ihn als Wunderwirker und begrüßten ihn mit offenen Armen, was sogar so weit ging, dass sie ihm ihr Vieh und ihre Frauen gaben.

Garrido selbst hatte es erlebt, als Estebans Gruppe, damals vom Entdecker Cabeza de Vaca angeführt, Mexiko-Stadt passierte. Obwohl gut fünfundzwanzig Jahre zwischen ihnen lagen, verstand sich Garrido sofort mit seinem Landsmann. Weil sie beide aus demselben Teil des Maghreb stammten und dieselbe Sprache sprachen, berührte Esteban mit seiner leidenschaftlichen Art einen Teil von Garridos Seele, der sich seit seiner Entscheidung für den Weg des Konquistadoren in einen brachliegenden Garten verwandelt hatte. Trotz ihrer unterschiedlichen sozialen Stellungen war das Gespräch ungezwungen und die Zuneigung echt. Man konnte sogar sagen, dass Garrido Esteban um seine Anziehungskraft und Exzentrik beneidete; es war fraglich, welcher der beiden wirklich frei war.

Garrido hätte auf die spitzen Bemerkungen des Mönches reagieren können    –    es war immer ein Vergnügen, einen verbalen Schlagabtausch mit einem Heuchler zu gewinnen    –,    entschied sich aber dagegen, ihm diese Befriedigung zu schenken. In Wahrheit war ihm das sesshafte Ruhestandsleben langweilig geworden und die Aussicht darauf, in unerforschtes Terrain aufzubrechen, faszinierte ihn, insbesondere wenn das, was die Eingeborenen sagten, stimmte.

»Ich werde es für Mendoza tun.« Er steckte das Kreuz in die Falten seines schwarzen Umhangs und bestieg sein Pferd.

Der Mönch verschränkte seine Finger wie zum Gebet. »Möge Gott Euch auf Eurer Reise leiten, Juan Garrido. Und vergesst nicht, meinen Sklaven zurückzubringen. Meine Arbeit hängt davon ab.«

Etwas sagte ihm, dass Esteban nicht zurückkäme. »Seid versichert, dass ich tun werde, was gerecht ist, Bruder Marcos.« Mit einem Peitschenhieb ritt er zu seinem wartenden Gefolge.

Die Abenddämmerung senkte sich rasch über den Steilhang aus Sandstein und Granit, der von der eisernen Strenge der Vorzeit in wunderliche Schichten gezwungen worden war. Die hochaufragenden Felswände drängten sich in einer kreisförmigen Formation aneinander, wie eine Art antikes Amphitheater. Garrido stand am Rand der Kante und beobachtete, wie die schwindende Sonne die Schlucht in herrliche Schattierungen von Purpur und Gold färbte. Von allen Schauspielen, die er auf seinen Reisen bezeugt hatte    –    von seinem Geburtsort in Westafrika über sein angenommenes Heimatland an der Algarve zu seinen Landnahmen von Kuba, Hispaniola und Neuspanien    –,    war dies wohl das beeindruckendste.

»Wir werden hier unser Lager aufschlagen«, sagte er zu seinen Männern. Er band sein Pferd fest und holte ein kleines Notizbuch hervor, das unter einem Querriemen gesichert war. Seit er sich in der ciudad zur Ruhe gesetzt hatte, hatte er begonnen, seine Erinnerungen und Beobachtungen aufzuzeichnen, immer in seiner Muttersprache, denn sie waren als persönliche Memoiren gedacht und nicht als offizielle Angelegenheit.

Während die Nacht die Schlucht in vollständige Stille hüllte, lehnte sich Garrido an einen Felsen und beschrieb die merkwürdigen Begegnungen der vergangenen zwei Tage im Detail. Das Gefolge war auf Estebans Spur, höchstens einige stramme Reitstunden entfernt, oder so hatten die Dorfbewohner behauptet, die sie unterwegs getroffen hatten. Jene Eingeborenen sprachen von einem Heiler, dessen Haut so dunkel war wie die Nacht, um dessen Schultern eine Büffelhaut lag und dessen Kopf das Gefieder vieler Vögel schmückte. Er trug eine Kette aus Türkisperlen quer über seinem nackten Oberkörper und schwang eine Kalebassenrassel, während er die Geister beschwor, die Kranken und Leidenden zu heilen.

Es hieß, er habe ein ordentliches Gefolge versammelt    –    über zweihundert Menschen, laut mancher Berichte. Gemeinsam drang dieser bunt zusammengewürfelte Stamm in fremde Gebiete vor, handelte und sammelte Ressourcen. Esteban, so schien es, hatte eine neue Heimat inmitten dieser Menschen gefunden, und er hatte nicht die Absicht, in die Tyrannei von Marcos de Niza und Neuspanien zurückzukehren.

Garrido bemerkte nicht, dass er eingeschlafen war, bis er von starken Händen wachgerüttelt wurde. Er sprang auf und zog sein Schwert. Vor ihm stand ein einheimischer Mann, dessen nackter Oberkörper blutverschmiert war. Hinter ihm standen einige Dutzend Krieger, ähnlich zugerichtet. Der Fremde hob seine Hände als Zeichen des Friedens.

Ohne unvorsichtig zu werden, bedeutete Garrido dem Anführer, zu sprechen. Mittels Handgesten und verängstigter Laute berichtete der Mann von einem Massaker und zeigte dem Konquistador ein gespaltenes Holzstück, das in der Art von Bruder Marcos’ Kreuz geschnitzt war. Er drehte es um. Darauf standen die Worte Fliege auf schwarzen Schwingen geschrieben, in einer Sprache, die nur Garrido und Esteban verstanden.

»Bringt mich zu ihm«, sagte Garrido.

Die Stammesmänner und der Konquistador ritten rasch durch die Nacht, aus der Schlucht hinaus und an einem fruchtbaren Flusstal vorüber, bis sie Felsland und eine ockerfarbene Wüstenfläche erreichten. Der Anführer deutete auf einen Berg mit flacher Spitze, der aussah, als sei sein Gipfel von einem scharfen Schwert abgetrennt worden. Viereckige Steingebäude, die im Morgenlicht erröteten, ergossen sich vom Berggipfel über seine Flanken, eine eingeborene Version der Fischerdörfer an den zerklüfteten Küsten Spaniens. Konnte es das Cibola der Legenden sein? Die Aussicht versetzte Garrido in Aufregung.

Er hatte gehofft, sie würden dorthin gehen, doch der Anführer ritt vorbei und in einen kleinen Canyon am Rand der Siedlung. Der Ort lag in den Schatten von Sandsteinüberhängen, die so breit waren, dass die Finger der Sonne nie bis hinein reichten. Garrido schauderte. Es war mehr als nur dunkel und kalt; es fühlte sich an, als wohne eine unheilvolle Präsenz darin. Selbst die Pferde waren unruhig.

Der Führer stieg ab und ahmte mit der Hand am Mund den Ruf eines Vogels nach. Einen Augenblick später erschien Esteban aus einem Steinlabyrinth und grüßte den Mann wie einen lebenslangen Freund. Der Eingeborene sagte einige Worte in seinem eigenen Dialekt, den der Maure zu verstehen schien, und zeigte auf den Konquistador.

Obwohl der vertraute Glanz in Estebans Augen erloschen war, strahlte er bei Juan Garridos Anblick. Er begrüßte ihn nicht mit der traditionellen Verbeugung, die man einem Konquistador entgegenbrachte, sondern vielmehr mit einem Griff an die Schulter, wie er für die Menschen des Maghreb typisch war.

»Es gab Kunde von einem schwarzen Spanier auf der Straße«, sagte Esteban. »Ich hoffte, dass Ihr es seid, also schickte ich meine Männer aus, um Euch zu finden. Ich muss sagen, es ist eine Überraschung.«

»Der Vizekönig bat um meine Hilfe, Moustafa.« Er benutzte den Namen, der dem Mann gegeben worden war, bevor Andres de Dorantes ihn kaufte und ihm einen christlichen Namen gab. »Die Spanier sind Eurer Abwesenheit überdrüssig geworden. Bruder Marcos ist mit verlorenen Seelen beschäftigt, und so war es an mir, Euch zu finden und zurückzubringen.« Er warf einen Blick auf die tiefen, blutenden Schnitte auf der breiten Brust des Sklaven. »Doch nun scheint es, ich kam zu Eurer Hilfe. Welche Not plagt Euch?«

»Ich fürchte, mein Tod ist nah. Doch ich werde in dem Wissen sterben, dass mir diese Menschen als einem von ihnen vertrauten. Eine Ehre, die Euren spanischen compadres nie zuvor zuteilwurde oder in Zukunft zuteilwerden wird.«

Garrido wies auf die offenen Wunden. »Wenn sie Euch so sehr vertrauen, warum taten Sie Euch das an?«

»Ich habe sie betrogen.« In seiner Stimme schwang Jammer. »Ich erfuhr ihre Geheimnisse, doch ich gab mich der Versuchung hin. Ich bereue es bitterlichst, doch ich kann meine Taten nicht rückgängig machen.«

»Sagt mir, was Ihr meint.«

Estebans Augen weiteten sich. »Ich habe das Gold gesehen, mein Freund. Es existiert so sicher wie Ihr und ich, tief im Busen der Schlucht versteckt.« Er nickte in Richtung seiner Anhänger. »Meine Männer brachten mich dorthin, zu ihrer Andachtsstätte tief unter der Erde, wo Goldklumpen funkeln wie die Sterne am Himmel.«

»Mendozas Stadt aus Gold. Ihr habt die Pflicht    …«

»Ich schulde Spanien nichts«, spie er aus. »Die Spanier wollen eher meinen Tod, als mir meine Freiheit zu geben. Wenn Ihr der Krone loyal seid, so tötet mich jetzt, denn ich werde diese Menschen kein zweites Mal verraten.«

»Ich stehe im Dienst des Vizekönigs, doch kann ich keine andere Seele leiden lassen, besonders nicht die eines Landsmanns.« Er sprach in ihrer Muttersprache. Obwohl ihre Dialekte unterschiedlich waren, kam der Kern seiner Botschaft zum Ausdruck. »Ich möchte Euch helfen.«

»Nein. Was ich tat, ist zu abscheulich.« Er schüttelte den Kopf. »Ich wurde gierig. Ich schrieb eine Nachricht auf eines von Bruder Marcos’ Kreuzen, die die Lage des Goldes beschreibt.«

»Doch tatet Ihr es in Eurer Sprache, nicht in seiner.«

»Die Spanier besitzen genug Reichtümer. Ich hatte die Absicht, unseren maurischen Freunden, die sich zu Unrecht unter der strengen Hand der Sklaverei plagen, diese Nachricht zu schicken, damit sie den Schatz heben und frei unter diesen freundlichen Menschen leben können. Ich war in dem Moment verflucht, als ich das tat. Ich weiß nun, dass dieses Land und alle Reichtümer darin diesen Menschen gehören und niemandem sonst.« Er zeigte auf das Dorf, das sich über den Hang ergoss. »Das Volk der Zuñi hörte davon, dass ich ihre heilige Stätte betreten hatte, und sie wurden sehr wütend    –    seltsamerweise nicht wegen des Goldes, sondern weil ein Nicht-Indianer ihren Ort der Entstehung entweiht hatte. Sie fanden das Kreuz, welches für sie das Symbol der weißen Teufel darstellt, und zerbrachen es in vier Teile. Sie jagten uns mit Pfeilen und Tomahawks aus dem Dorf.« Er berührte seine verwundete Brust und atmete schwerfällig ein. »Sie werden nicht ruhen, bis sie meine Haut haben.«

»Es ist noch nicht zu spät«, sagte Garrido. »Ich kann Euch von hier fortbringen.«

»Ich muss mich den Konsequenzen meines Handelns stellen. Doch wenn es Euer Anstandskodex erlaubt, so gibt es etwas, das Ihr für einen Landsmann tun könnt.«

»Nennt es mir.«

»Das Stück des Kreuzes, das Euch meine Männer brachten. Ich möchte, dass Ihr es zu meiner Familie in den Maghreb bringt. Sie soll es in alle Ewigkeit beschützen. Die vier Teile des Kreuzes dürfen niemals zusammenkommen. Das ist meine Buße dafür, Schande über diese Menschen gebracht zu haben.«

Die klare Luft brachte das schwache Geräusch von Trommeln und Sprechchören mit sich.

»Sie kommen, um mich zu holen«, sagte Esteban. »Ihr müsst gehen. Nehmt so viele meiner Männer mit Euch, wie Ihr könnt, denn sie verdienen es nicht, zu sterben. Ihr einziges Verbrechen ist es, mir vertraut zu haben.«

Esteban umarmte Garrido und befleckte die weiße Bluse und das Notizbuch des Konquistadoren mit seinem Blut. Garrido trat zurück und sah in die Augen eines toten Mannes. Er bestieg sein Pferd und führte die anderen aus dem Canyon und über den ausgetrockneten Erdpfad.

Der durchdringende Schrei der Verdammten klang durch das Tal und jagte Garrido einen Schauder über den Rücken. Er warf einen Blick zurück auf die Ansammlung alter Steine, die die einzigen Zeugen von Estebans Richtspruch waren. Er spürte den Umriss des Kreuzfragments unter seinem Konquistadorengewand und dachte für einen Moment darüber nach, eine Expedition zur Suche nach den anderen drei Teilen des Kreuzes    –    und zu dem Gold, in dessen Richtung es wies – zu organisieren. Er sah zu den entsetzen Männern seines Gefolges und besann sich eines Besseren.

Er hatte einen Pakt geschlossen, und den galt es zu würdigen.

Ende der Leseprobe

Weitere Titel der Serie

Empfehlungen

Cold Black - Alex Shaw