DAS GRAB DES TEUFELS

2,99 

Michael Dissieux

Horror

Band 2
Serie: Die Legende von Arc’s Hill

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Beschreibung


In dem düsteren Städtchen Arc´s Hill hatte der Verleger und Journalist James Feldman gehofft, der unheimlichen und dämonischen Legende des von der Zeit vergessenen Ortes auf den Grund zu gehen. Als gebrochener Mann kehrt er nach nur wenigen Tagen in den Schoß seiner Familie zurück.
Erst neunzehn Jahre später, auf seinem Totenbett, bricht James sein Schweigen und berichtet  seinem Sohn Frank von den Ereignissen, die ihn in Arc´s Hill in eine seelenlose Hülle verwandelt hatten.
Er erzählt ihm von einem geheimen Raum unter der kleinen Kirche von Arc´s Hill … und davon, was seit Jahrhunderten tief unter der Erde verborgen gehalten wird.
Frank macht sich auf den Weg in das düstere Dorf, ohne zu ahnen, dass er schon bald an die Grenzen seines Glaubens geführt wird.

Zusätzliche Information

Ersterscheinung

2015

Format

Ebook (epub, mobi)

Seiten

ca. 100

eISBN

978-3-95835-039-7

Leseprobe


2006

Zwanzig Jahre waren vergangen, seit mein Vater, der Verleger und Journalist James Feldman, als toter Mann aus Arc´s Hill zurückkehrte …
Im modernen Meer der Zeit, das von Hektik und dem ständigen Streben nach Erfolg und Reichtum geprägt und vergiftet ist, gibt es keinen Platz für die alten Geschichten über Geister und Dämonen oder ähnliche übersinnliche Phänomene, die uns als Kind noch zu reizen wussten.
Derartige Mythen und Sagen wurden von der Moderne ins Reich purer Phantasie und alteingesessenem Aberglauben verbannt und jenen schlichten Geistern vorbehalten, die man gemeinhin in unserer Gesellschaft als leichtgläubig, wenn nicht gar schwachsinnig bezeichnet.
Denkt man heute an übersinnliche Erscheinungen, bringt man sie, dank Fernsehen und Kino, nur allzu gerne mit den hohen und kalten Zimmern herrschaftlicher Häuser in Verbindung, in denen die Seelen lange Verstorbener ihr Unwesen treiben. Oder man denkt an mittelalterliche Burgen mit ihren dunklen, nach Zerfall stinkenden Gängen und verschlossenen Turmzimmern, in denen man des Nachts das ruhelose Heulen der in den Kerkern Verschiedenen oder gar einer gemeuchelten Prinzessin vernehmen konnte.
Ein jeder von uns besitzt eine gewisse Faszination derartigen Geschichten gegenüber, auch wenn diese innere Verzauberung nie den Mitmenschen gegenüber geäußert wird. Viele von uns hegen gleichfalls einen festen und tief verwurzelten Glauben an die Existenz anderer Bewusstseinsebenen und Welten in sich, die von keiner wissenschaftlichen Theorie gestützt werden können.
Doch auch dieser Glaube an jene parallelen Sphären öffnet seltsamerweise den Geist desjenigen nicht dafür, diese spirituelle Welt ebengleich im öffentlichen Leben zu akzeptieren, wie er die Welt als gegeben hinnimmt, die er mit seinen Augen sehen und mit Händen greifen kann.
Die Zeit der Geister scheint vorbei, glaubt man den verhehlenden Worten jener Menschen, die man direkt auf ihre Erfahrungen und ihren Glauben an die Welten jenseits unserer Welt anspricht. Übernatürliche Erscheinungen können mit der modernen Jagd nach Status, Reichtum und Karriere nicht mehr vereinbart werden. Der Geist der Moderne scheint die Geister der Vergangenheit in ihre dunklen Grüfte gebannt zu haben.
Und doch gilt es für manche Menschen in dieser schnellen und lärmenden Welt den Glauben an ruhelose Seelen und umherirrende Geister am Leben zu erhalten. Denn einen Funken jenes Glaubens besitzt ein jeder von uns tief in seinem Innern, in einer kleinen furchtsamen Ecke seines Bewusstseins; verborgen, mag er ihn auch noch so sehr verleugnen und von sich weisen.
Diesen Funken gilt es, zum Glimmen zu bringen.
Und dafür lebe ich.
Mein Name ist Frank Feldman, und ich bin Herausgeber eines Magazins, das sich
Overmind nennt.

***

Gegründet hatte die Zeitschrift mein Vater James Feldman im Jahre 1964, als man noch Dingen wie dem mysteriösen Außerirdischen von Roswell und der damit verbundenen Verschwörungstheorie der US-Regierung in den späten Vierziger Jahren Glauben schenkte.
Während er die Recherchen und Studien über übersinnliche Phänomene seinerzeit mit der ihm eigenen Begeisterung betrieb, wuchs – sehr zum Leidwesen meiner Mutter – auch meine kindliche Zuneigung zu diesen abstrusen Themen, die das Magazin behandelte. Interessierten sich andere Jungen in meinem Alter für die wilde Musik der Flowerpower-Generation und träumten von der Stadt der freien Liebe in Amerika, versuchte ich alles über Spukhäuser in den skandinavischen Wäldern oder die mehrfach beschriebenen Geistererscheinungen auf einem verlassenen Bauernhof in den südlichen Provinzen von Spanien herauszufinden.
Sobald ich ein Alter erreicht hatte, in dem mein Vater es vor meiner Mutter rechtfertigen konnte, mich in die Redaktion von
Overmindeinzubinden, trat ich mit viel Idealismus und Elan der kleinen Gruppe von Schreibern bei, die mein Vater damals beschäftigte.
Mein persönlicher Funke an Glauben und Akzeptanz wurde augenblicklich zum Glimmen gebracht. Und aus dieser Glut entwickelte sich bald ein unkontrollierbarer Flächenbrand, der meinen Geist in wahre Ekstase versetzte und ihn gleichermaßen zu verschlingen drohte.
Nach dem Tod meines Vaters vor fast einem Jahr war es mir zuteil geworden, seinen Traum weiterzuführen, auch wenn es in dieser Branche keine leichte Aufgabe ist, diesen kleinen Funken an Glauben in vielen modernen und erfolgsorientierten Menschen zum Glühen zu bringen, und diese Glut zusätzlich anzufachen, bis daraus ein Feuer entsteht.
Overmind ist ein Magazin, das unter eingefleischten Fans hoch gehandelt wird. Jedoch ist es mir bislang noch nicht gelungen, die breite Masse der Leser mit meinen Artikeln zu erreichen. Doch, um der Wahrheit die Ehre zu geben, ist dies weder mein erklärtes Ansinnen, noch war es das meines Vaters.
Vielmehr liegt mein Bestreben darin, die Glut zu schüren, die wir im Laufe der Jahre bereits in jenen Menschen angefacht hatten, die den erforderlichen Glauben an Erscheinungen und parallele Welten in sich vereinen und – vor allen Dingen – ihre geistigen Neigungen auch nicht zu verleugnen suchen.
Nicht zuletzt wollte ich auf keinen Fall das Andenken meines Vaters in Vergessenheit geraten lassen, denn ich hatte oft selbst miterlebt, mit welchem Enthusiasmus er Leib und Seele diesem obskuren Thema verschrieben hatte.
Zu den Aufgaben eines Herausgebers gehörte es, neben vielen trockenen und aufzehrenden Recherschearbeiten, sich um gewisse Geschichten persönlich zu kümmern.
Geschichten, von denen man
spürte, dass sie eine eigene Seele besaßen. Einen tief in sich vergrabenen, schlafenden Geist, den es zu erwecken galt …
… ganz gleich, ob dieser Geist guter oder böser Natur war.
Man musste ihn packen und seine Geschichte erzählen lassen.
Aus diesem Grund stattete ich im Herbst 2006 dem kleinen Städtchen Arc´s Hill im Westen Englands einen Besuch ab …

***

Zwanzig Jahre sind vergangen, seit sich etwas in Arc´s Hill ereignet hatte, das mit wissenschaftlichen und rationalen Erklärungen nicht wiedergegeben werden konnte.
Der regionalen Presse in der Gegend von Durham, der letzten Bastion von Zivilisation, bevor der Wald den Reisenden nach Arc´s Hill führte, war dieses Geschehene nicht mehr wert, als einen kleinen Artikel auf der letzten Seite, wo normalerweise von Dingen berichtet wurde, denen nicht allzu viel Interesse entgegengebracht wurde.
Die großen, traditionsreichen Zeitungen Südenglands, wie etwa die
London Times, ignorierten die Ereignisse, die sich rund einhundertsechzig Meilen westlich der Metropole ereignet hatten, gar völlig.
Selbst meinem Vater war es damals nur durch gute Kontakte gelungen, mehr über die seltsamen Geschehnisse in Erfahrung zu bringen. Überall in England unterhielt James Feldman Kontakte zu Menschen, die, wie er selbst, ihr Leben der Erkundung übersinnlicher Phänomene verschrieben hatten. Männer und Frauen, die er auf zahlreichen Exkursionen oder auf zwielichtigen Zusammentreffen in geheimen Logen auf der ganzen Welt kennengelernt hatte. Viele dieser Menschen waren aber auch ehemalige Studienkollegen aus seinen jungen Jahren an der Universität von Cambridge.
Einer dieser Freunde meines Vaters, ein Mann namens Arthur Fuller aus Durham, war es schließlich gewesen, den es im Jahre 1986 auf einer seiner zahlreichen Reisen durch den Süden und Westen Englands in ein kleines Städtchen namens Arc´s Hill verschlagen hatte. Wie Fuller verlauten ließ, hatte er sich auf der Suche nach unerklärbaren Begebenheiten oder gar Geistergeschichten befunden, die man sich vornehmlich in kleinen Dörfern erzählte, und sich nach den wirren Erzählungen eines alten Mannes in einer Taverne im Norden Durhams, in jenem kleinen, unheimlichen Dorf wiedergefunden.
Zumindest war dies der Wortlaut, den mir mein Vater zu damaliger Zeit hatte zukommen lassen. Die Wahrheit jedoch, so sollte ich erst sehr viel später erfahren, war eine andere.
Nach seiner Rückkehr aus Arc´s Hill schrieb Fuller meinem Vater einen langen Brief, in dem er behauptete, in dem Städtchen auf einen Mann gestoßen zu sein, der vom Teufel berührt worden sei.
Nur drei Tage später, nachdem er die Nachricht erhielt, hatte sich James Feldman auf den Weg zu jenem seltsamen Dorf begeben. Dabei hatte er angespannt und ernst gewirkt, ganz entgegen seiner sonstigen Gepflogenheiten, die er an den Tag legte, wenn er auf eine interessante Geschichte gestoßen war.
Selbst mir, seinem Sohn und engsten Mitarbeiter des Magazins, hatte er nicht anvertrauen wollen, aus welchen Gründen es unabdingbar war, alleine nach Arc´s Hill zu reisen. Auch nicht, weshalb er derart nervös wirkte, während er schweigsam seine Koffer packte und sich ebenso wortkarg von mir und meiner Mutter verabschiedete.
Hatte ich ihn Tage vor seiner Abreise noch nach dem Brief von Arthur Fuller gefragt, so lernte ich meinen Vater, den ich stets als besonnenen und sachlichen Menschen geschätzt hatte – trotz seiner merkwürdigen Passion im Leben – nun als einen Mann kennen, der nur noch wenig mit dem mir vertrauten Bild dieses Menschen gemein hatte. Er wirkte unkonzentriert und abwesend und schien nicht einmal zu registrieren, wenn sich jemand in seiner Nähe aufhielt und das Wort an ihn richtete. Er redete kaum aus freien Stücken, und wenn, dann nur zu sich selbst, als müsse er mit wirrem Flüstern seine Entscheidung vor sich selbst rechtfertigen. Sprach ich ihn auf seine Reise an und darauf, was er sich in dem kleinen Städtchen zu finden erhoffte, wich er meinen Worten aus oder bedachte mich mit einem Blick, der voller Furcht und dunkler Vorahnungen war. Ich glaubte aber auch eine stumme Warnung in seinen Augen lesen zu können, die mir ohne Worte riet, mich nicht in diese Geschichte einzumischen.
Ich kannte meinen Vater und seine Leidenschaft für das Übersinnliche sehr gut. Ebenso das Funkeln in seinen Augen, wenn er den Faden einer interessanten Geschichte aufgegriffen hatte und damit begann, jedes noch so kleine Detail dieser Begebenheit bis zurück zu den Wurzeln zu enthüllen.
Doch das, was ich in diesen Tagen im Herbst 1986 in den Augen meines Vaters sah, war pure Furcht. Und vielleicht etwas, das ich als sein Sohn, als verzweifelten, stillen Hilferuf hätte deuten müssen, es damals allerdings nicht tat. Um dies alles verstehen zu können, waren meine Sorge um den Mann und seinen Zustand, ebenso meine befremdliche Verwirrung einfach zu groß.
So hatte ich meinen Vater ziehen lassen, ohne dass er mir auch nur ein Wort darüber erzählte, was ihm Arthur Fuller berichtet hatte. Das Wenige, das er mir anvertraut hatte, war verworren und mit abwesendem Klang in der Stimme vorgebracht und wies mich indirekt an, mich in diesem Fall aus seinen Belangen herauszuhalten.
Während er sich in Arc´s Hill aufhielt, meldete sich mein Vater nicht bei seiner Familie. Ein weiterer Umstand, der ungewöhnlich für ihn war, telefonierte er doch bei ähnlichen Exkursionen fast jeden Abend mit meiner Mutter, sofern er dies auf Grund seiner Recherchen einrichten konnte.
Diesmal jedoch hörten wir beinahe eine Woche nichts von ihm, was meine Mutter fast verzweifeln ließ, auch wenn sie versuchte, es sich nicht anmerken zu lassen.
Doch ich lebte damals im selben Haus, besaß eine eigene, kleine Wohnung unter dem Dach, und konnte den inneren Zerfall meiner Mutter nur zu gut beobachten.
Wann immer ich es einrichten konnte, war ich für sie da, führte sie zum Essen aus oder lud sie ins Kino ein, was auch wirklich dazu führte, dass sich ihre Augen wieder etwas mit Leben füllten und wir Unterhaltungen führen konnten, die sich nicht ausschließlich um meinen Vater und seine mysteriöse Reise drehten. Doch am Abend, wenn es still wurde und ihr Blick fast automatisch zum Telefon ging und es stumm blieb, ohne ihr Leid zu lindern, konnte ich sehen, wie sich wieder der Schleier tiefster Besorgnis über ihren Blick legte.
In diesen Momenten hasste ich meinen Vater für das, was er tat. Für das, was er meiner Mutter und auch mir antat. So sehr ich seinen Enthusiasmus für seinen Job verstehen konnte, so besaß er dennoch nicht das Recht, die Menschen, die ihn liebten, in einer derart schrecklichen Form zu verletzen.
Dann, eine Woche nach seiner Abreise, erreichte uns ein Brief.
Darin bat er sowohl mich als auch meine Mutter um Verzeihung für sein Verhalten, und wir bräuchten uns keine Sorgen um ihn zu machen.
Alles, so schrieb er damals, verliefe genauso, wie er es erhofft hatte, und in einigen Tagen würde er sich auf den Weg nach Hause machen. Meine Mutter war erleichtert. Sie drückte den Brief an ihre Brust und weinte hemmungslos, obgleich ich noch zugegen war.
Die Worte meines Vaters erlösten mich ebenso, und meine Wut auf den Mann verflog in dem Maße, wie meine Hochstimmung über seinen Brief zunahm. Doch trotz aller Freude darüber, endlich ein Lebenszeichen von James Feldman zu erhalten, war mir nicht entgangen, wie unsauber der Brief verfasst war … und wie unstet mir die Schrift meines Vaters erschien.
Als hätte er den Brief in höchster Hast und mit zitternder Hand niedergeschrieben.