Buchcover:

Cold East

von Alex Shaw

Serie: Aidan Snow Thriller
Band 3

»Darf ich vorstellen? Aidan Snow, ein eiskalter Agent in einem brennend heißen Abenteuer. Niemand wird enttäuscht sein.« [Stephen Leather, Bestseller-Autor in den Charts der Sunday Times]

INHALTSBESCHREIBUNG


MI6 Agent Aidan Snow rettet in der Ukraine einen britischen Staatsangehörigen, der von russischen Aufständischen gefangen gehalten wird. In den Vereinigten Staaten wird ein Terroranschlag von einem Mann vereitelt, der gar nicht existiert. In Russland flüchtet ein tschetschenischer Terrorist aus dem sichersten Gefängnis des Landes. Und aus Afghanistan meldet ein Soldat der Roten Armee, der lange für tot gehalten wurde, eine erschreckende Botschaft: Al-Qaida soll im Besitz einer Atombombe des Typs RA-115A sein, welche unter dem Namen »Kofferbombe« bekannt ist.

Als die Zusammenhänge zwischen diesen Ereignissen deutlicher werden, sind MI6 und die CIA gezwungen, gemeinsam das weltweit erste Attentat des nuklearen Terrorismus zu verhindern. Aber wo ist die Waffe, und was ist das Ziel? Von London bis Langley, Virginia, von Afghanistan bis Tschetschenien und in den Kaukasus müssen die Nachrichtendienste in der ganzen Welt zusammenarbeiten, um die terroristische Bedrohung zu vereiteln. Die Uhr tickt. Und niemand weiß, wem er vertrauen kann. Aidan Snow steht vor seiner größten Herausforderung, und wenn er scheitert, werden Tausende mit ihrem Leben bezahlen.

Prolog

Oblast Donezk, Ukraine

  »Ich kann sie nicht sehen.« »Sie sind gleich hier, er hat es versprochen.« Blaskewitsch schaute auf die belagerte Stadt Donezk in der Ferne. Rauch stieg von den Wohnsilos in den Außenbezirken auf, die Folgen eines frühmorgendlichen Beschusses mit russischen Grad-Raketen. Das Waffenstillstandsabkommen zwischen der ukrainischen Regierung und den Rebellenverbänden der Volksrepubliken von Donezk (DNR) und Luhansk (LNR), die von den Russen unterstützt wurden, war schon vor mehreren Monaten in Kraft getreten, doch die Angriffe wurden fortgesetzt. Die Männer rings um Blaskewitsch setzten sich aus Infanteristen der offiziellen Armee des Landes und jungen, im Schnellverfahren ausgebildeten Mitgliedern eines Freiwilligenbataillons zusammen. Trotz der Kälte blieben die Ukrainer frohen Mutes, während sie abwechselnd den Kontrollpunkt bemannten, Essen zubereiteten und schliefen. Blaskewitsch brachte den Volontären nichts als Hochachtung entgegen, die bis vor Kurzem noch ein normales Leben als Universitätsstudenten, Handwerker, Busfahrer, Ärzte und Kaufleute geführt hatten. Hin und wieder stimmte die Gruppe spontan ukrainische Volkslieder oder etwas Altes aus der Sowjetunion auf Russisch an. Sie verstanden sich als Ukrainer, und am wichtigsten für sie war ein vereintes Land, nicht Sprachgleichheit. Der Kontrollpunkt befand sich nördlich der Kleinstadt Marjinka und versperrte die Straße nach Donezk. Die angrenzenden Felder, flaches Land aus fruchtbarer, schwarzer Erde, lagen im Krisengebiet brach. Ein kurzes Stück weiter gabelte sich der Weg vor der Baumgrenze.  

***

  »Hier.« Nedilko reichte ihm eine Tasse. »Wir sollten mehr unternehmen, um ihm zu helfen«, antwortete Blaskewitsch seinem Kollegen vom SBU, dem ukrainischen Sicherheitsdienst, ehe er an dem bitter schmeckenden Soldatenkaffee nippte. »Er tut gern so, als wäre er Russe.« »Das stimmt.« Blaskewitsch sah Bewegungen vor ihnen. Er stellte die Tasse auf den Boden, hielt sich seinen Feldstecher vor die Augen und fokussierte die Straße. Aus dem Wald kam ein weißer Toyota Land Cruiser. Während er sich näherte, ließen sich die blaue Flagge und das Logo der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) auf dem Lack erkennen. Die ukrainischen Soldaten, die immerzu auf einen Überraschungsangriff gefasst waren, griffen zu ihren Waffen. Der Kontrollpunkt war schon mehrere Male von einer Kriegspartei an die andere übergegangen, also wollten sich die Männer nicht auf Risiken einlassen. Nedilkos Handy läutete. »Hallo? In Ordnung.« Er zeigte auf den Geländewagen. »Er ist es, oder zumindest gehört er zu den Insassen.« »Sind vier an der Zahl«, präzisierte Blaskewitsch. Nedilko zog seine Glock aus dem Holster. »Wie lautet sein Sprichwort noch gleich? Rechne mit dem Besten und mach dich aufs Schlimmste gefasst?« »So etwas in der Art.« Als der Land Cruiser stehen blieb – sehr nahe vor der Straßensperre –, hallte Donnergrollen über die Felder. Die DNR nahm wieder Ziele unter Beschuss. Ein dünner Mann, der eine blaue OSZE-Weste über einer grauen Dreivierteljacke trug, stieg langsam auf der Beifahrerseite aus. Er hielt die Hände hoch, während sich zwei ukrainische Soldaten mit erhobenen Waffen näherten. Nun öffnete sich die Hintertür, und ein Mann asiatischer Herkunft zeigte sich, gefolgt von jemandem, den die beiden SBU-Agenten nicht verwechseln konnten: Aidan Snow. »Wer wagt, gewinnt«, sagte Blaskewitsch mit einem Lächeln. Snow führte die drei anderen zum Kontrollpunkt. Derjenige mit der Weste bot Blaskewitsch seine Hand an. »Gordon Ward, OSZE-Beobachter. Sie müssen für den ukrainischen Sicherheitsdienst arbeiten.« »Das ist korrekt, für den SBU«, bestätigte Blaskewitsch beim Händeschütteln. »Wird unübersichtlich dort drüben, was?« »Haarig trifft es wohl besser. Die DNR bricht konsequent den Waffenstillstand!« »Das hörten wir«, bemerkte Nedilko. »Also, hier sind sie, und es geht ihnen bestens.« Ward wandte sich Snow zu. »Sehen Sie zu, dass das keine Gewohnheit wird, ja?« »Ich werde es versuchen.« Ward ließ ein kurzes Lächeln aufblitzen, machte auf dem Absatz kehrt und stieg wieder in den Land Cruiser. Der Wagen fuhr quer über die Straße und beschleunigte dann in Richtung Donezk, wo die restlichen OSZE-Beobachter warteten. »Witalij Blaskewitsch, Iwan Nedilko, darf ich vorstellen? Mohammed Iqbal«, sagte Snow. »Meine Freunde nennen mich Mo«, ergänzte der Mann. * Snow hielt sich in der Ukraine auf, um die »Heimführung« von Iqbal zu erleichtern, eines britischen Staatsbürgers, der mehrere Monate in Donezk gefangen gehaltenen worden war. Er gehörte zu den vielen auswärtigen Medizinstudenten an der Universität der Stadt, doch die DNR hatte Anstoß an seiner Hautfarbe genommen und ihn deshalb entführt, obwohl sie sich normalerweise nicht um seinesgleichen scherte. Iqbals Zwangslage war durch ein befremdliches Posting auf der VKontakte-Seite der Volksrepublik öffentlich geworden; sie hatte diese slawische Facebook-Kopie verwendet, um die russischsprachige Welt über ihre jüngsten Ankündigungen und »Siege« gegen die ukrainischen Streitkräfte zu informieren. In dem sozialen Netzwerk war Iqbal von einem selbst ernannten Premierminister der DNR als »schwarzer Söldner« und »Spion« bezeichnet worden. Seine Kidnapper hatten den jungen Mann bedroht, verprügelt und hungern lassen. Erst nach langem Hin und Her hatte man seine Freilassung ausgehandelt und abgemacht, ihn in die Obhut der OSZE zu geben. So jedenfalls lautete die offizielle Geschichte, welche den Eindruck vermittelte, die DNR sei humanitär gesinnt, doch Snow kannte die Wahrheit; er hatte immer noch blaue Flecken und ein leeres Magazin, um sie zu beweisen. »In Deckung!«, schrie jemand, während eine Granate durch die Luft über ihnen pfiff. Snow packte Iqbal und warf ihn in den Graben am Wegrand, als eine zweite Granate vorbeiflog und mit ohrenbetäubendem Krachen etwas entfernt auf der Straße einschlug. »Schlitzpisser!« Iqbals Birminghamer Akzent trat mit seinem Verdruss umso deutlicher hervor, bevor er einen Mundvoll kalten Schlamm ausspuckte. »Geduckt bleiben!«, befahl Snow. Als er aufschaute, sah er, woher die Granaten kamen: Ein Wagen, den er für einen russischen Panzer hielt, wahrscheinlich einen BMP-2, war an der Gablung aufgetaucht. Da er zu weit entfernt blieb, um das Feuer auf ihn zu erwidern, suchten die Ukrainer so weit wie möglich Schutz. Snow sah den Toyota der OSZE, der noch nicht verschwunden war, an dem Kettenfahrzeug vorbeischlittern und an der Abzweigung die andere Richtung nehmen. Daraufhin hörte der Angriff so plötzlich auf, wie er begonnen hatte. Der Panzer wendete und folgte dem Land Cruiser nach Donezk. »Wie nett von denen, Ihnen einen denkwürdigen Abschied zu bereiten«, sagte Snow, während er Iqbal aufhalf. »Mir wäre eine Schachtel Pralinen lieber gewesen.« Snow grinste. »Kommen Sie, wir müssen uns eine Mitfahrgelegenheit nach Kiew suchen.«
Ende der Leseprobe

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