COLD BLOOD

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Alex Shaw

Thriller

Band 1
Serie: Aidan Snow

»Shaws Stil knistert von Seite zu Seite wie die Flamme an einer kurzen Lunte unmittelbar vor der Detonation. Fans von Clancy, McNab, Ryan und Leather werden Aidan Snow lieben.« [Matt Hilton, Autor der »Joe Hunter«-Erfolgsthriller]

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Beschreibung


SAS-Soldat Aidan Snow ist gerade dabei, eine neue Einheit polnischer Rekruten zu trainieren, als man ihn und seine kaum ausgebildeten Männer aussendet, einen Bankraub zu vereiteln. Dabei geschieht das Unfassliche – der Militärkonvoi wird aufgerieben, und Snow kämpft in einem der brennenden Wracks um sein Leben.

Über ihm steht ein grünäugiger Soldat und beobachtet Snows vermeintlich letzte Atemzüge. Doch er erschießt ihn nicht.

Zehn Jahre später. Snow lehrt in der Ukraine und versucht, nicht weiter aufzufallen.
Doch das Schicksal hat andere Pläne mit ihm.
Der grünäugige Soldat, Taurus Pashinski alias der Bulle, wurde unterdessen von seinen alten Armeekontakten angeworben, Waffen und Drogen über die Grenze in die Ukraine zu schmuggeln. Dort bekommt er Hinweise, nach denen zwei britische Investoren angeblich für den Tod seiner Brüder verantwortlich sein sollen. Es beginnt eine Menschenjagd quer durch England und eine Reihe dramatischer Ereignisse in der Ukraine, die auch Snow und seine Freunde immer tiefer in einen Strudel aus Geheimdienstaffären, Geschäftemachern und blutdürstigen Ex-Militärs ziehen. Schnell gleicht das Land einem Kriegsschauplatz.

Was genau aber hat der Bulle vor? Und kann Aidan Snow ihm rechtzeitig das Handwerk legen?


»Die perfekte Mixtur aus Spionageroman und Politikthriller.« [Matt Lynn, Bestseller-Autor der »Death-Force«-Thriller]


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Zusätzliche Information

Ersterscheinung

2017

Format

Taschenbuch / E-Book (epub, mobi)

Seiten

380

ISBN

978-3-95835-275-9

eISBN

978-3-95835-276-6

Leseprobe


Prolog


20. September 1996, Schreiner Bank, Posen, Polen

Nachdem er seine Uhr eingestellt hatte, zog er sich die schwarze Sturmmaske über das Gesicht und stieg aus dem Lieferwagen. Die Männer stürmten jetzt gemeinsam in die Bank. »Na podloge natychmiast!« – »Auf den Boden, sofort!«, kurz und bündig in abgehacktem, akzentuiertem Polnisch. Der einzige Wachmann der Schreiner Bank wurde sofort mit einer schnellen Salve aus einer Kalaschnikow neutralisiert.

Entsetzte Kunden kreischten und warfen sich auf den Boden, als zwei Männer in schwarzen Overalls ihre Automatikwaffen auf sie richteten. Der tote Wächter bewies nur zu gut, dass sie sich nicht davor scheuten, zu schießen. Zwei weitere Bankräuber, die leere Rucksäcke bei sich trugen, sprangen hinter die Schalter und gingen sofort zum Tresor. Nummer Fünf und Sechs saßen in zwei BMW-Sportlimousinen am gegenüberliegenden Bürgersteig. Sie parkten in Fahrtrichtung auf den Pflastersteinen, um rasch fliehen zu können. Außerdem standen an beiden Enden der Straße gleich aussehende Vans von Opel, die prall gefüllt mit Plastiksprengstoff aus russischer Fertigung waren. Die Mitglieder des Sturmtrupps nahmen nun ihre abgesprochenen Positionen ein, ohne dabei irgendwelche Worte zu wechseln.

Bull hatte schon die ganze Zeit auf der Lauer gelegen, die Gesandten erwartet und einen Regierungsangestellten zur Aushändigung der Gebäudepläne überredet. Jetzt war er bereit, seine vier Millionen Deutschmark einzustreichen. Die fassungslose Stille, die sich nun über den Banksaal legte, wurde nur vom Wimmern eines Teenagers unterbrochen. Bull schaute ihn abwertend von oben herab an. Sieben Jahre zuvor hätte ein solcher Junge noch seiner Befehlsgewalt in Afghanistan unterstanden.

Polizeiausbildungszentrum, Posen, Polen

Aidan Snow saß auf der Holzbank und rührte seinen Tee um. Die Stimmung im Ausbildungszentrum wäre fast idyllisch gewesen, wenn man niemanden schießen gehört und den damit einhergehenden Gestank nicht gerochen hätte. Als Teil einer vierköpfigen SAS-Ausbildereinheit weilte er schon seit mehr als zwei Monaten in Polen, um die PododdziałAntyterrorystyczny zu beraten, die Antiterroreinheit der hiesigen Polizei. Nun da der Kalte Krieg definitiv vorbei war, erfreute sich seine Abteilung – das 22. Special Air Service Regiment (SAS), bei den Regierungen der unabhängig gewordenen Staaten großer Nachfrage, weil sie ihnen beim Eindämmen der Tätigkeiten internationaler Verbrecher- und Terrororganisationen helfen sollte. Er schloss jetzt seine Augen, denn der Sommer, dessen letzte Sonne Snow gerade abbekam, schien Posen gar nicht mehr verlassen zu wollen.

Mit vierundzwanzig Jahren blickte er bereits auf Einsätze in zahllosen Krisengebieten zurück, teils offiziell in Ländern wie Nordirland, teils in streng geheimer Mission, und zwar sowohl von nationaler als auch internationaler Tragweite. Seine Zeit beim »Regiment« war durchaus ereignisreich verlaufen, entsprach aber nicht gerade dem Leben, was sich seine Eltern – eine Lehrerin und ein Diplomat – für ihn gewünscht hatten.

Er schaute jetzt weiter dabei zu, wie seine drei Kollegen den polnischen Ausbildern die richtige Art und Weise zeigten, ein bewegliches Ziel zu verfolgen und zu treffen. Dazu war eine Silhouette an einer zwischen mehreren Bäumen gespannten Seilrolle aufgehängt worden. Irgendein Witzbold hatte als plumpe Anspielung auf die Niederlage der englischen Fußballnationalmannschaft im Halbfinale gegen Deutschland ein Foto von Andreas Möller an die Scheibe geklebt, dem bekanntermaßen sechsten Schützen im Elfmeterschießen, wegen dem die Gastgeber nicht ins Finale hatten einziehen können. Die Rekruten amüsierten sich köstlich darüber. Die Männer vom SAS allerdings nicht.

Die Einheit hatte deutliche Fortschritte gemacht. Für ein SWAT-Team war sie wirklich gut – einsatzbereit, sollte der Ernstfall eintreten – aber sie brauchte noch Feinschliff, wenn sie zur Elite der Antiterrortruppen avancieren wollte. Die nächste Übung sollte Snow leiten. Sie galt der Anwendung von Hausräumungs- und Nahkampf-Techniken.

Das vom Regiment im Vereinigten Königreich verwendete Gebäude war zweistöckig, ein typisches möbliertes Haus mit je zwei Zimmern oben und unten, aber mit Spezialwänden mit Gummibeschichtung ausgestattet, um Projektile zu absorbieren, außerdem Lüftungen wegen des entstehenden Rauchs und Videokameras in allen Ecken, um das Verhalten der Auszubildenden in den Räumen mitschneiden beziehungsweise hinterher bewerten zu können. Man hatte in jedem Zimmer mindestens ein Ziel aufgestellt und es wurde scharf geschossen. Dank der SAS-Einheit gab es nun auch im Posener Ausbildungszentrum ein solches Haus, allerdings kleiner und weniger aufwendig ausgestattet, um die polnischen Polizisten im korrekten Betreten eines Raumes, Bewerten der dortigen Situation und Abwendung jeglicher Gefahr unterrichten zu können. Inspektor Zatwarnitzki, der Leiter der polnischen Antiterrortruppe, hatte ihnen ein dauerhaftes Gebäude für diese Zwecke nach britischen Standards versprochen, aber diesbezüglich war noch nichts in die Wege geleitet worden.

Snow nippte an seinem Tee. Es war keine schlechte Arbeit. Die Polen lernten rasch, weil die meisten von ihnen im Gegensatz zu den Beamten der britischen Polizei vor ihrer Einstellung bereits bei der Armee des Landes gedient hatten. Daher besaßen sie bereits ein Grund-Verständnis für Militärregeln und den Gebrauch von Schusswaffen. Mehrere von ihnen sprachen ganz annehmbar Englisch, was insofern gut war, weil niemand von der SAS polnisch sprach. Im Falle komplizierterer Unterhaltungen behalf sich Aidan stets des Russischen, das die Polen mehrheitlich als ihre erste Fremdsprache beherrschten.

»Und sind Sie von meinen Leuten beeindruckt, Snow?«

»Sie sind in der Tat äußerst vielversprechend, Inspektor.«

»Gut«, erwiderte Zatwarnitzki. »Die Geschichte ist schon merkwürdig. Sie hier zu haben wäre noch vor ein paar Jahren absolut undenkbar gewesen, denn der Westen galt als unser Feind. Unsere Hoffnung, Zukunft und Sicherheit lag nur bei unseren sowjetischen Beschützern. Und dann? Dann fielen sie um wie Dominosteine. Offengestanden wollten wir nie auf der Seite der Sowjets stehen. Aus diesem Grund brauchen wir Sie hier, Snow, denn wir sind die alten Methoden endgültig leid und möchten selbstverständlich von den Besten lernen.«

Snow lächelte höflich. Er war zugegen gewesen, als der Inspektor zu Besuch in Herford auf eine Einladung der Regierung Ihrer Majestät hin genau die gleichen Worte gewählt hatte. Er hatte alles genau so gemeint, obwohl er sich mehr oder minder für einen öffentlichen Redner hielt.

»Unser früherer Beschützer ist jetzt unsere größte Angst – Mütterchen Russland. Es hat stark gelitten, und nichts ist so gefährlich wie ein verwundeter Bär. Wir wissen es wirklich zu schätzen, dass Ihre Einheit hier ist, Snow.« Der ältere Mann bot dem SAS-Soldaten seine rechte Hand an.

»Danke sehr, Inspektor, aber wir tun hier nur unsere Pflicht. Sie sollten vielmehr zur Kenntnis nehmen, dass Ihre Männer unglaublich hart arbeiten.«

»Ich hoffe, dass Sie ihnen auch beibringen, so bescheiden zu sein.« Zatwarnitzki hob seine Tasse wie zum Salut.

Auf einmal schrie jemand im Kommunikationsraum und beide Männer fuhren ruckartig hoch. Wenige Augenblicke zuvor war dem Funker sein Sprechteil aus der Hand gefallen. Der Notruf kam direkt aus der Sendezentrale. Bewaffnete Männer hatten eine Filiale der Schreiner Bank in der Ulica Wrocławska gestürmt. Die Rekruten waren nun einmal die nächste Spezialeinheit, und die Frage lautete jetzt, ob sie zur Unterstützung bereit waren.

Zatwarnitzki schaute Snow in die Augen. »Sind meine Männer bereit?«

»Ja.«

Wenige Minuten später saßen die Polen auf Befehl des Inspektors bereits mit ihren SAS-Ausbildern in einem Konvoi, dem ein sehr nervöser Rekrut vorausfuhr. Nach nur acht Wochen im Dienst befand er sich nun in seinem allerersten Einsatz – einer Stegreif-Aktion, wie es die Briten nannten – und er war der Zugführer. Der junge Offizier konzentrierte sich ganz auf die Aktion, während er den Verkehr in seinem neuen Opel Omega Polizeiwagen bewältigte. Die Autofahrer in Posen zeigten sich nicht allzu entgegenkommend, obwohl er sowohl Sirene als auch Blaulicht eingeschaltet hatte. Zatwarnitzki saß auf dem Beifahrersitz, und hinten befand sich Snow, der niemandem außer sich selbst hinter dem Steuer traute.

Wrocławska-Straße, Posen

Bull schaute auf seine Armbanduhr. Die örtlichen Ordnungshüter würden bestimmt noch fünf Minuten brauchen. Aus dem hinteren Teil der Bank erklang jetzt ein dumpfer Knall, seine Komplizen hatten offenbar gerade den Tresor gesprengt. In der Ferne hörte er noch etwas. Waren das Sirenen? Die waren aber früh dran! Die Männer, die mit dem Leerräumen des Tresors betraut waren, kamen nun in Sicht, schwer beladen mit vollen Rucksäcken und waren deshalb nur sehr langsam. Auf ihr vereinbartes Zeichen hin warfen Oleg, sein stellvertretender Befehlshaber und er Rauchbomben mitten in den Raum und auf die vor ihnen liegende Straße. Jetzt war es an der Zeit, zu verschwinden. Um sich noch einmal zu vergewissern, dass er den Fernzünder noch hatte, tastete er nervös danach. Die beiden Einsatzleiter gingen links und rechts neben der Tür in Wartestellung, um ihre Komplizen zu decken, während diese teils verborgen hinter dem wabernden Rauch über die Straße sprinteten. Die schweren Rucksäcke wurden nun hastig in die wartenden Fahrzeuge gewuchtet.

Als der Rekrut um die enge Kurve in die Ulica Wrocławska einbog, sah er bereits Qualm aus der Bank strömen und mehrere Männer in Schwarz mit Gewehren … In diesem Augenblick vergaß der junge Pole alles, was er während seiner Ausbildung gelernt hatte, und gab panisch Gas, ohne zuvor die Sirene abzuschalten.

Bull blickte erschrocken hoch. »Bljat!« Das hätte nicht passieren dürfen, die konnten nicht so schnell vor Ort sein. Aber er erkannte jetzt, dass es sich gar nicht um gewöhnliche Streifenwagen handelte. Der Erste hatte den Van zwar noch nicht erreicht, würde es aber jeden Moment tun. Der Befehlshaber ging auf einem Knie nieder und betätigte daraufhin den Auslöser, während seine Männer das Feuer eröffneten.

Dann geriet das zweite Auto in Sichtweite. Bei der Explosion des Opel-Van wurden Trümmer über beide Fahrspuren der Straße geschleudert. Der zweite Omega wurde von der vollen Wucht der Stoßwelle erfasst, hochgeworfen und zur Seite geschleudert wie ein Kinderspielzeug. Er krachte Sekunden später gegen die Fassade des Postamts. Während der Zugführer genau durch den Rauch fuhr, schrie er und verlor dabei die Kontrolle über das Auto. Die Explosion war so gewaltig, dass das Fahrzeug in den Eingang der Bank gelenkt wurde. Der Offizier und der Inspektor starben dabei auf der Stelle. Am Ende des Blocks zerfetzte es nun auch den anderen Van, wobei ein Zeitungskiosk ebenfalls dem Erdboden gleichgemacht und eine Bäckerei buchstäblich ausgeweidet wurde. Der erste BMW raste jetzt los und war kurz darauf verschwunden.

Während der Rest seiner Männer Feuerschutz gab, bemerkte Bull, dass sich jemand in dem ersten Omega rührte. Er näherte sich dem verheerten Fahrzeug vorsichtig. Der vordere Teil war ein einziger Wust aus verbogenem Stahl und Glasscherben, doch ein Insasse auf der Rückbank lebte noch!

Der Mann trug ebenfalls einen schwarzen Overall. Bull schaute hinab in ein junges blasses Gesicht mit dunkelbraunen Augen. Wer bist du?, dachte er.

Der Mund des Fremden bewegte sich, dann wisperte er gequält vor Schmerz: »Verpiss dich!«

Hatte er gerade Englisch gesprochen? Wer waren diese Polizisten, die so schnell hier gewesen waren?

Der Mann versuchte, sich zu bewegen, klemmte aber offenbar im Sitz fest. Blut floss ihm aus dem Mund und den Ohren. Dieser Held würde bald fallen. Bull zog seine Sturmmaske hoch und lächelte ihn an. Der Knabe sollte ihm dabei ins Gesicht schauen – dem letzten Menschen auf Erden, den er jemals sehen würde. Aber plötzlich flogen ihm Kugeln um die Ohren. Sie stammten von anderen schwarz gekleideten Gestalten, die gerade durch die schwelenden Trümmer rannten und das Feuer seiner Männer erwiderten.

»Bljat!«, fluchte Bull und lief zu seinem Auto zurück. Die übrigen Räuber verzogen sich mit quietschenden Reifen in Richtung Vorstadt. Tauras Paschinski, so sein bürgerlicher Name, lehnte sich im Ledersitz zurück und schloss die Augen. Er war nun ein sehr reicher Mann.

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