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CATACUMBAS – ABRECHNUNG IN DER HÖLLE

3,99 13,95 

S. Craig Zahler

ROMAN

»Zahler ist ein herausragender Geschichtenerzähler, dessen geradezu grausamer Sinn für Authentizität den Leser regelrecht in den Wilden Westen um die Jahrhundertwende hinein katapultiert.« [Kurt Russell – Schauspieler, bekannt aus Bone Tomahawk, Die Klapperschlange, Hateful Eight, Dark Blue und Death Proof]

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Beschreibung


Bei ihrem verzweifelten Versuch, zwei entführte Schwestern zu befreien, die man in die Prostitution gezwungen hat, stürmt eine Gruppe wild zusammengewürfelter Charaktere durch das Mexiko des Jahres 1899. Ihre Reise ist dabei nicht nur ein Ritt in die Hölle, sondern auch in die tiefsten Abgründe menschlicher Existenzen. Diese Geschichte zerrt Sie von Anfang bis Ende erbarmungslos durch Staub, Dreck und Blut. Ähnlich wie in seinem Film »Bone Tomahawk« schuf S. Craig Zahler mit diesem Buch eine außergewöhnliche Western-Erfahrung, die Elemente des Horrors mit der brachialen Gewalt des Asiatischen Kinos vereint.
Sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt …

CATACUMBAS ist roh, brutal und unnachgiebig. Ein Roman, der an vielen Stellen bekannte Stoffe der großen Leinwand oder der Pulp-Literatur zitiert, und trotzdem ein Western ist, der seinesgleichen sucht.


»Man kann den Gestank riechen. Man kann das Blut schmecken, den Dreck auf der Haut spüren. Man hört die Schreie und atmet Pulverdampf. Zahler entführt seine Leser in jene dunkle und erbarmungslose Ära, wie sie Max Brand oder Owen Winter so trefflich beschrieben, und entfesselt eine Lawine der Gewalt, die wie eine Kreuzung aus Sam Peckinpah, Takashi Miike und Abel Ferrara wirkt.« [Edward Lee]

»CATACUMBAS wirkt an jeder Stelle authentisch, ob in den Tiefen menschlicher Verzweiflung, den Momenten der Gewalt oder in der Beschreibung jener unsichtbaren Fäden, die uns im Guten wie im Schlechten aneinander binden. CATACUMBAS ist ein kraftvoll geschriebener, intelligenter Western mit Herz, aufs äußerste lebendig und voller Charaktere, mit denen man fühlt, die man verachtet, oder beides gleichermaßen.« [Jack Ketchum]

»Wenn Sie nach einem Westernroman in der Art suchen, die sie schon kennen, dann liegen Sie hier falsch. Wenn Sie etwas Angenehmes und Vorhersehbares lesen wollen, liegen sie hier erst recht falsch. Aber wenn Sie eine mutige Geschichte lesen wollen, aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel und mit einer unvergesslichen Erzählstimme, dann suchen Sie das Gleiche wie ich, und dann suchen Sie genau dieses Buch.« [Joe R. Lansdale]


auch hier erhältlich (Auswahl) … AMAZON | THALIA | WELTBILD | HUGENDUBEL | MAYERSCHE | BÜCHER.DE | KOBO

Zusätzliche Information

Ersterscheinung

2017

Format

Klappenbroschur / Ebook (epub, mobi)

Seiten

ca. 400

ISBN

978-3-95835-277-3

eISBN

978-3-95835-278-0

Leseprobe


Die Frau, die ihren Namen vergessen hatte, rührte sich auf der klammen Matratze. Die offenen Wunden auf ihrem Rücken, ihren Pobacken und ihren Armen stimmten einen lauten Schmerzenschor an. Sie rollte sich auf ihre linke Seite, um ihre Qualen zu lindern. Als sie die Beine schloss, drückte etwas Hartes und Unbekanntes gegen ihre Scheidenwand und sie sagte: »Herr …« Die Frau schob ihre rechte Hand zu ihrem Schoß, steckte ihre Fingerspitzen hinein, berührte einen halbrunden Klumpen und zog ihn heraus wie eine Perle aus einer Auster. Nach einem Moment der Benommenheit öffnete sie ihre Augen, um das Ding zu betrachten, das sie zwischen Daumen und Zeigefinger hielt, und erkannte, dass es eine tote Babyschildkröte war.
Der Anblick der verstorbenen Kreatur hätte sie schockieren sollen, aber die Frau, die ihren Namen vergessen hatte, verspürte lediglich eine unbeteiligte Neugierde für den entnommenen Bewohner, als ob sie Fremde in der Nähe ein Thema von mäßigem Interesse diskutieren hörte.
In kleine Nischen neben ihrem Bett geschmiegt standen zwei Kerzen, die den überreifen Geruch von Blumen, Zimt und Vanille und ein wenig bernsteinfarbenes Licht verströmten. In dieser übersättigten Beleuchtung musterte die Frau die tote Babyschildkröte, die ihr von einem Mann, an den sie sich glücklicherweise nicht erinnern konnte, zu einem zweifelhaften Zweck eingeführt worden war. Kopf und Beine in den Panzer eingezogen war die Kreatur gestorben, vollständig von der Welt isoliert, und die Frau beneidete sie.
Weit abscheulichere Dinge waren während der vergangenen acht Monate, die sie in ihrer unterirdischen Hölle verbracht hatte, in sie eingedrungen.
Aus keinem ihr verständlichen Grund legte die Frau den runden Leichnam auf ihr Kissen, neben wirre Locken ihrer langen, blonden Haare, und fuhr sanft mit einer Fingerspitze über den fein gekerbten Panzer. Der Kopf der Babyschildkröte rutschte aus seiner Öffnung und baumelte schlaff heraus.
»¡Reina!« Die Stimme gehörte einem Mann und drang durch Holz und Stein.
Die Frau löste ihren Blick von der winzigen Kreatur und richtete ihn auf die dicke, eisenbeschlagene Tür am anderen Ende des Raumes.
»Essen«, kündigte der Mann an.
Unfähig, ihr Nachthemd zu finden, zog sich die Frau eine von getrocknetem Sperma raue Decke über ihren nackten Körper.
Eine Linie gelben Lichts erschien am Rand der Tür und wuchs zu einem zwei Meter großen Rechteck an. In diesem Rechteck der Helligkeit stand der Mann mit der Holznase, der Hombre, der den Behälter brachte. Die Kerzenflammen flackerten über seinen Gummiregenmantel.
Die Frau sagte: »Keinen Hunger«, und schüttelte den Kopf. »Kein Essen. No comida para mi.«
Der Mann mit der Holznase ignorierte ihre Äußerung. Mithilfe des Hebels, der am oberen Ende des Behälters herausragte, rollte er ihn ins Zimmer. Die Räder unter dem Gefäß quietschten wie gequälte Nagetiere und die misshandelte Frau spürte die schrillen Töne in der Flüssigkeit ihrer Augäpfel.
»Essen«, verkündete der Mann mit der Holznase, während er den Behälter neben ihrem Bett abstellte. Er beugte sich darüber und wickelte einen fleischartigen Schlauch von der Seite des Gefäßes ab.
Vom Gedanken an Nahrung angewidert sagte die Frau: »Kein Essen.« Ihr zitternder Körper verlangte etwas anderes.
Der Mann mit der Holznase führte das triefende Ende des Schweinedarms zum Mund der Frau, aber sie presste die Lippen zusammen und drehte den Kopf zur Seite. Der Schlauch kleckerte grünliche Tropfen auf die Decke.
»Reina muss essen und schön bleiben.« Luft pfiff durch die Nasenlöcher, die in die falsche Nase des Mannes gebohrt worden waren, und seine kleinen, obisidianschwarzen Augen starrten sie an. Er hob das Ende des Schweinedarms an seinen Mund, leckte einen Tropfen Suppe von der Spitze, lächelte und nickte. »Bueno. Ist gut.«
Die Frau deutete auf die dunklen Flecken auf ihren knochigen Armen und sagte: »Ich brauche noch etwas.«
»Keine Medizin mehr.«
Angst verzehrte ihre Eingeweide wie ein Feuer ausgedörrte Wälder. »Ich … ich brauche mehr.« Ihr Mund wurde trocken. »Ich brauche mehr Medizin. Es ist Tage her, seit ich …«
»Nichts mehr.« Der Mann mit der Holznase hielt das tropfende Ende des Schweinedarms in die Höhe. »Reina, por favor, tu …«
»Ich werde nichts essen, solange ich keine Medizin bekomme.«
Eine Faust krachte in den Bauch der Frau. Sie schnappte nach Luft und der Schweinedarm drang in ihren Mund ein. Der Mann mit der Holznase drückte ihr den Kiefer zusammen und betätigte die Pumpe des Behälters mit seinem rechten Fuß. Suppe, die nach Knoblauch, Schimmel und verrottetem Hühnchen schmeckte, floss der Frau über die Kehle und in den Magen. Sie wollte aufschreien, aber stattdessen spritzte sie saure Brühe durch ihre Nasenlöcher.
»Bueno.«
Der Mann mit der Holznase pumpte einen weiteren Schwall Suppe in sie, sah ihr beim Schlucken zu, zog den Schlauch aus ihr heraus und begann, ihn um den Behälter herum aufzuwickeln. »Du brauchst schlafen. In drei Tagen ist große Fiesta. Du hast muy wichtige Kunden und Boss will …«
»Besorg mir Medizin«, verlangte die Frau.
»Keine Medizin mehr. Sie macht dich krank. Kunden beschweren sich, du hast kalte Hände und Haare fällt dir aus.«
Ohne den Schutz der Opiate konnte die Frau keine weitere Fiesta ertragen. »Ich mache Ärger, wenn du mir keine Medizin besorgst. Ich mache wieder ins Bett.«
»No.« Der Mann mit der Holznase runzelte die Stirn. »Nicht das machen.«
»Besorg mir Medizin oder ich mach ins Bett, wenn ein Kunde da ist. Mache allen großen Ärger.«
Der Mann mit der Holznase pfiff durch seine Nasenlöcher, wandte sich von der liegenden Frau ab, rollte den Behälter aus dem Raum, schloss die Tür und drehte den Schlüssel um.
Allein und mit fauligem Essen im Magen wurde die Gefangene müde und schlief ein. In ihrem Traum war sie eine glücklich verheiratete Chorleiterin, die in San Francisco lebte. Ihr Name war Yvette.