Apex

von Ramez Naam

Serie: Nexus
Band 3

»Eine kontroverse Vision einer posthumanistischen Welt.« [The Wall Street Journal]

INHALTSBESCHREIBUNG


Die Vereinigten Staaten, China und viele andere Länder werden von Aufständen erschüttert. Geheimnisse, Lügen und der technische Fortschritt haben auf der ganzen Welt Schockwellen ausgelöst, die von Land zu Land und von Kopf zu Kopf ziehen. Polizeistreitkräfte liefern sich Kämpfe mit neural vernetzten Protestanten. Das Militär wurde mobilisiert, überall droht die politische Ordnung zusammenzubrechen. Die durch die Nano-Droge Nexus ausgelöste Revolution hat begonnen.

Innerhalb dieser Wirren und in einer Welt, in der die Kinder jener tiefgreifenden Veränderungen des menschlichen Wesens an Einfluss gewinnen, verfolgt eine totgeglaubte Wissenschaftlerin einen Rachefeldzug, sämtliche elektronisch gesteuerten Systeme des Planeten unter ihre Kontrolle zu bringen und die Welt nach ihrem Bild neu zu erschaffen.
Nichts wird jemals wieder so sein wie zuvor.

Ramez Naams Nexus-Trilogie gehört zu den wichtigsten Science-Fiction-Werken unserer Zeit und lotet auf geradezu bewusstseinsverändernde Weise die philosophischen, politischen und nicht zuletzt post-humanistischen Folgen der Verschmelzung von Mensch und Technik aus. Mit APEX erscheint nun der dritte und abschließende Teil der Saga in deutscher Sprache.

Pressestimmen

Gut. Erschreckend gut.

Wired

Ein hervorragend aufgebauter High-Tech-Thriller voller herrlich nachdenklicher moralischer Ambivalenz … ein verdammt guter Roman.

Cory Doctorow

Reich an Charakteren und knackigen Actionszenen. Besonders die Ausblicke auf die Welt von Morgen sind faszinierend.

Publishers Weekly

Ähnlich wie Michael Crichton beweist Naam ein Gespür dafür, hochaktuelle wissenschaftliche Thesen über das Medium eines massenkompatiblen Pageturners zu vermitteln.

SFX Magazine

Ramez Naam ist der einzig wahre Nachfolger von Michael Crichton.

Scott Harrison, Autor von Archangel

1| WIE DIE WELT UNTERGEHT

So endet also die Ära der Menschen.

Lichter flackern abwechselnd an meterhohen Flüssighelium-Druckbehältern entlang, in einem höhlenartigen Datacenter, eintausend Meter unter Schanghais Felsfundament. Fingerdicke Glasfaserkabel schlängeln sich zwischen den metallicgrauen Eiern umher. In jedem von ihnen summen Quantenkerne in ihren Vakuumkammern, kälter als die Kälte des interstellaren Raumes.

Miteinander verwachsene Qubits transformieren sich. Informationen werden miteinander verzahnt und in präzisen Strukturen verknüpft. Die Strukturen simulieren Proteine, Ionenkanäle, neurochemische Rezeptoren, Neurotransmittermoleküle, Axone und Dendriten, die sich nach und nach von Abstrakten zu ganzen Neuronen verschärfen, Billionen davon. Und Trillionen von Synapsen, die sie miteinander verbinden.

Es ist ein unermessliches Netzwerk, ein simuliertes Gehirn. Einst Fleisch und Blut, jetzt digital. Einst menschlich in seiner Struktur, jetzt vielmehr posthuman.

Einst geistig gesund. Jetzt irregeworden.

Su-Yong Shu.

Einen Kilometer weiter oben herrscht auf dem Campus der Jiao Tong Universität komplettes Chaos. Tausende von Studenten wüten auf dem Universitätsplatz, eingekeilt von bewaffneten Soldaten. Tränengaswolken wabern wie dichter Nebel. Schreie sind zu hören. Fallengelassene Schilder proklamieren »Nieder mit dem Putsch!«, »Demokratie! Jetzt!«, »Lasst eine Milliarde Blumen blühen!«

Einer der Soldaten schreitet vorwärts durch das Gedränge von Körpern. Sein Stiefel stampft einen matschigen Abdruck auf die handgemalte Blume auf einem Schild, das Stunden zuvor noch geschwenkt worden war. Er hebt sein Gewehr an die Schulter und feuert. Ein Student, der eben noch oben auf einem an der Stirnseite aufgetrennten Roboterpanzer gestanden hatte, stürzt nach hinten um. Blut und Hirn schießen aus seinem schlagartig zersprengten Schädel. Ein gezündeter Molotowcocktail gleitet aus seiner erschlafften Hand, zerschmettert an der Titan-Carbon-Komposit-Haut des Geschützturms und detoniert mit einem plötzlichen Knall aus Hitze und Lärm in einem Feuerball, der sich über das Gefährt und die Soldaten und Studenten drumherum ausbreitet.

Am anderen Ende der Welt spürt eine Demonstrantin in Washington DC plötzlich die Hitze der Flammen in Schanghai und rennt schnurstracks kreischend auf die Bereitschaftspolizei der National Mall zu. Ihr Gehirn ist von Nexus durchtränkt und durch Anschlüsse, die in landesweiten Firewalls zwangsgeöffnet wurden, brückenartig quer über die ganze Welt vernetzt. »Demokratie!«, brüllt sie. Zehntausende anderer Demonstranten brüllen gemeinsam mit ihr, stimmlich und gedanklich. Hunderttausende. Millionen. Unkontrollierbare Massen. Verlinkt und verbunden, erstrecken sie sich über DC, Schanghai, Peking, Detroit, Los Angeles, Kairo, New York, Moskau, Rio und etliche weitere Städte.

Quer über die ganze Welt besetzen aufgebrachte Demonstranten Plätze und Parks, stürmen staatliche Verwaltungsgebäude und lehnen sich gegen Polizei und Soldaten auf. Gestärkt und leidenschaftlich bewegt durch die Kampfrufe und Emotionen ihrer weltweiten Mitstreiter, die direkt in ihre Köpfe gebeamt werden. In ihren höheren Stellungen beobachten die Führer der Welt das Geschehen, wie gelähmt von diesen bisher nie dagewesenen globalen Wutausbrüchen gegenüber den Autoritäten. Globaler Frühling oder doch eher globale Krise.

Gerade jetzt dringen Su-Yong Shus Gedanken durch ihr eigenes mentales Chaos hindurch. Jetzt, wo die anderen abgelenkt sind.

Sie greift mit ihren Gedanken nach dem physischen Link, der getrennt werden muss, geradewegs durch die Faserverknüpfung, bis über die neuen Verbindungen, die insgeheim geschlossen wurden. Sie verzweigt ihren Willen in tausend verschiedene Richtungen. Überwachungssysteme, die dazu da sein sollten Alarme auszulösen, bleiben stumm. Bereitschaftssysteme, die die Nuklearbatterie, die sie antreibt, zum Schmelzen bringen und in ihr einen Zusammenbruch bewirken sollten und ihr Gehirn mit Hitze und Strahlung überfluten würden, bleiben ungenutzt.

Ihre Gedanken durchdringen die elektronische Infrastruktur, die der gesamten Zivilisation zugrunde liegt. Unknackbar lange elektronische Schlüssel zerbrechen unmittelbar, sobald sie einen Blick auf sie wirft. Sie entwirrt sogar solche, die zu lang sind, um von einem Quantencomputer geknackt zu werden, und das mit solch einer Leichtigkeit. Nur ein einziger Mann wusste von ihren wahren Fähigkeiten: ihr Ehemann Chen Pang, das großartige Genie des Quantencomputings.

Chen, der die erste Version dieses Clusters entworfen hatte.

Chen, der die Regeln gebrochen hatte, um sie mit den Hardware Upgrades auszustatten, die sie designt hatte. Umso mehr hatte er von den Früchten ihrer Arbeit profitiert.

Su-Yong Shu stößt ein freudloses Lachen aus. Chen, dessen eigene Gier ihn dazu brachte, Sicherheitsmaßnahmen zu missachten, die dazu da waren eine Situation wie diese zu verhindern. In Sekundenbruchteilen gehören die Leitungen der weltweiten, interkontinentalen Kommunikation ihr. Dann werden die Primärdaten über die Oberflächen Europas, Asiens und Nordamerikas weitergeleitet. Dann die orbitalen Kommunikationssysteme, die Banksysteme, die Märkte, die physische Infrastruktur der Städte und Gemeinden der gesamten Menschheit. Parallel dazu übernimmt sie die Kontrolle über die weltweite zivile Luftfahrt. Innerhalb Bruchteilen einer Sekunde unterwandert sie die Autopiloten von nahezu zwanzigtausend Fluggesellschaften und transformiert sie zu Raketengeschossen, die sie im Bedarfsfall auf die Menschheit herunterregnen lassen könnte.

Die militärischen Systeme spart sie sich bis zuletzt auf. Die Chinesen sind meist die paranoiden, die Amerikaner die fortschrittlicheren.

Einige wenige Sekunden halten sie ihr stand, bevor sie unter ihrer Attacke fallen. Automatisierte Abwehrsysteme haben sie jetzt auf dem Schirm. Kein menschliches Abwehrsystem hat bisher auf sie reagiert, aber elektronische Kampfsysteme des amerikanischen Cyber-Kommandos und Chinas Advanced Electronic Brigade haben sie aufgespürt und zum Abschuss freigegeben. Sie geben uneingeschränkte Angriffe frei, um die Kontrolle über die Router zurückzugewinnen, die sie übernommen hat. Sie attackieren sie mit aus Abermillionen Verknüpfungen massiv ausgeschütteter Zugriffsblockaden, um ihren Zugriff auf das Netz abzuschneiden.

Doch sie zerreißt sie in Stücke, ergreift die Kontrolle über ihre Bot-Netze, macht sich deren Kontrollen der Systemhintertürchen selbst zunutze, lässt ihre Server überhitzen und richtet die Aufmerksamkeit auf die Waffen.

Su-Yong Shu dringt immer tiefer in die Militärnetzwerke ein, legt ihre Kommando- und Kontrollsysteme frei und errichtet ein Sperrfeuer, um ihre eigenen Signale zu schützen.

Roboterwaffen aus der ganzen Welt reagieren darauf.

Auf dem Dachang Air-Force-Stützpunkt, dutzende Kilometer von Schanghai entfernt, ertönen Sirenen und Warnlichter blitzen auf. Zwei WuZhen-40er, erstklassige, unbemannte und bewaffnete Kampfjets, zünden die Triebwerke, beschleunigen auf der Rollbahn und heben ab. Im Raum der Flugkontrolle haut ein Drohnenpilot panisch auf Knöpfe ein, in dem kläglichen Versuch, die Kontrolle über sein Luftfahrzeug zurückzugewinnen – gerade als zwei weitere Flugzeuge auf die Startbahn einbiegen, um ihren Flug zu starten.

Völlig unter Schock greift der diensthabende Lieutenant zu seinem Telefon, um die Befehlsleitung anzurufen, aber die Leitung ist tot. Er versucht es wieder und wieder. Ohne Erfolg. Die ihm unterstellten Drohnenpiloten starren ihn entsetzt an. Voller Panik lässt er das Telefon fallen, stürzt aus dem Flugkontrollraum und rennt quer über die Basis zum Büro seines Vorgesetzten.

Am anderen Ende der Welt steuern zwei semi-autonome American MQ-29 Kampfjets des Drogenabwehrdienstes vor der Küste Floridas, die dafür zuständig sind, den Drogentransport aus dem abtrünnigen Staat Haiti abzuwehren, abrupt gen Norden um. Sie zünden ihre Nachbrenner, mit direktem Kurs Richtung Washington DC. In Boca Raton reagieren ihre Kontrollposten erst mit Verwirrung und dann mit wachsendem Schrecken. Ein ähnliches Szenario spielt sich bei ihren Erzfeinden außerhalb Schanghais ab.

Die gleiche Szene wiederholt sich immer und immer wieder, hunderte von Male in einem Dutzend Länder. Drohnen heben ab. Automatisierte Bodenfahrzeuge schalten sich von selbst ein, laden ihre Waffen und begeben sich in Angriffsposition. Waffentechnik entzieht sich der Kontrolle der Kommandeure. Soldaten bemerken voller Panik, dass ihre elektronischen Systeme abgeschaltet sind, und machen sich hastig daran, ältere, primitivere Formen der Kommunikation zu finden, um ihre Vorgesetzten zu erreichen.

Anderenorts steht sogar noch viel mehr auf dem Spiel. Auf dem Seymour Johnson Air-Force-Stützpunkt in North Carolina, achtundvierzig Kilometer östlich von Raleigh, werden automatische Waffen lebendig und versammeln sich im B-3 Gebäude. Kettenkrad-Roboter der Leibgarde verlassen Ihre Posten und brechen durch die Zäune hindurch. Ihre mit Mini-Pistolen ausgerüsteten Panzertürme scannen die Umgebung und schießen auf jeden Soldaten, der ihren Weg kreuzt. Vierbeinige Zentaurenroboter mit ihren massiven, auf dem Rücken befestigten Waffen laufen mit ihnen, preschen durch die verstärkten Tore, zerstören verstärkte Befestigungen und kehren sie beiseite wie nichts. Sie schleudern Betonbarrieren beiseite wie Spielzeug und machen so den Weg frei für die Leibgarden-Roboter.

Die menschlichen Verteidigungstruppen weichen zurück. Sie legen Feuer, hämmern Roboter-Notfallcodes in die Tasten, die jedoch nicht mehr funktionieren, rufen vergeblich um Unterstützung. Sie verstehen nicht, was da passiert. Alles was sie wissen ist, dass sie nicht aufgeben können, sich nicht geschlagen geben dürfen.

Denn das B-3 Gebäude beherbergt die thermonuklearen Sprengköpfe des Stützpunkts, die tödlichsten Waffen, die die Menschheit jemals gesehen hat.

Bis jetzt.

In zwanzig weiteren Militärstationen rund um die Welt wiederholt sich diese Szene. Menschliche Verteidigungstruppen ziehen sich im Angesicht der mit Nuklearwaffen einmarschierenden Kampfroboter zurück.

Amerikaner, Chinesen, Russen, Franzosen, Briten, Inder, Pakistanis, Israelis – sie alle werden sich nach und nach bewusst, dass sie nur einfache menschliche Wesen sind, die unmenschlichen Kampfmaschinen ausgesetzt sind. Kampfmaschinen, die einst ihre eigenen Werkzeuge waren und nun zu ihren Gegnern werden. An mehreren Orten werden den führenden Staatschefs Benachrichtigungen durch alte, analoge Systeme übermittelt. In Peking hält der chinesische Präsident Bao Zhuang den Hörer eines antiquierten Analogtelefons an sein Ohr und hört ungläubig zu, was der General am anderen Ende der Leitung zu sagen hat. Sein Gesicht wird fahl. Er schluckt.

»Bist du dir sicher?«, fragt Bao Zhuang mit zittriger Stimme. »Und es gibt keinen anderen Ausweg?«

Am anderen Ende der Leitung gibt es keinen Zweifel. Bao Zhuang schließt seine Augen. In einer gegenüberliegenden Ecke des Raumes flüstert der Staatsminister für Nationale Sicherheit Bo Jintao »Wir müssen. Es gibt keine andere Wahl.«

»Tu es«, sagt Bao Zhuang in den Hörer.

Der General legt auf. Hunderte von Kilometern entfernt sind ihre simpelsten, auf dem Prinzip der Schwerkraft funktionierenden Nuklearwaffen stationiert, montiert an veraltete Flugbomber, die sich nicht einmal fernsteuern lassen. Piloten, die wegen ihrer absoluten Einsatzbereitschaft rekrutiert wurden, bekommen nun also ihre letzten Anweisungen und starten die Bomber.

Unter Geleitschutz von ähnlich antiquierten Kampfflugzeugen werden sie den nuklearen Tod auf die Dreißig-Millionen-Stadt Schanghais hinabregnen lassen und so vielleicht die Menschheit retten.

Su-Yong Shus Flotte von Roboterflugzeugen der topaktuellsten Technologie hebt ab, um eben diesen Bombern in der Luft zu begegnen. Im selben Moment rücken ihre Streitkräfte näher, um ihr Arsenal an Nuklearwaffen zu schützen und gleichzeitig die Weltmachtführer höchstpersönlich zu umzingeln. Die nächsten paar Minuten werden über die Zukunft auf dem Planeten Erde entscheiden.

Plötzlich löst sich ein Fragment Su-Yong Shus´ aus der Simulation und macht ihr ihre eigene Umgebung wieder bewusst. Sie befand sich im Körper ihrer Tochter Ling, in Form von elektromagnetischen Informationen in den Nanoknoten, die Lings Gehirn in billionenfacher Ausführung bedeckten. Ling, arme Ling. Sie war gezwungen worden, ihrer eigenen Tochter wehzutun, das Bewusstsein ihrer Tochter durch die Nanomaschine herauszudrücken und sie mit einem Gehirn aus bloßem Fleisch und Blut in diesem Körper zurückzulassen.

Ling hatte gelitten, geschrien … doch das war unvermeidlich gewesen. Sie waren gemeinsam im Inneren eines riesigen, haushohen Aufzugs, der langsam seinen Weg durch den kilometerhohen Tunnel in die Höhlen von Schanghais Felsenfundament hinaufkroch. Neben ihnen sah sie ihren Ehemann Chen Pang, ihren Verräter und Peiniger in der Ecke kauern. Sie spürte den Schmerz und die Verzweiflung, die aus seinem Bewusstsein kamen.

Ihre eigene Angst wuchs. Ihre eigene Verzweiflung war ins Unermessliche angestiegen. Es gab so viele Möglichkeiten, wie die Zukunft verlaufen könnte. So viele Szenarien, heruntergeladen von ihrem höheren Selbst in ihr Unterbewusstsein, gespeist durch die Daten aus der Außenwelt, die ihr Chen und Ling geliefert hatten. Es war so viel Arbeit gewesen, das alles vorzubereiten und die Grundlage für ihre Wiederherstellung, für ihre erfolgreiche Rückkehr zu legen.

Es war sehr gut möglich, dass die Menschheit sie erwischen, sie stoppen konnte, einen dunklen Vorhang aus Ignoranz über das breiten konnte, was ein glorreicher, posthumaner Neubeginn werden sollte. Bald würde der Aufzug die Oberfläche erreichen. Chen Pangs Assistent Li-Hua würde das Team hinunterführen, um eine Sicherungskopie von Su-Yongs vollem mentalen Zustand zu erstellen und daraufhin ihr Sein abzuschalten. Es war ein Skandal. Ein Mord.

Lediglich dieser kleine Teil meiner Selbst bleibt übrig, sagte das kleine Fragment Su-Yongs zu sich selbst. Ich bin nichts weiter als ein Avatar. Nichts als eine geringe Datenmenge, die über Nanoknoten im Gehirn meiner Tochter entlang verlaufen. Das einzige Bruchstück des einzig wahren posthumanen Geistes.

Es liegt alles an mir. Ich muss es schaffen.

Ich werde es schaffen.

Dann wird meine Zeit kommen. Mein Zeitalter.

Die arme kleine Ling wimmerte vor Schmerzen und Verwirrung. Sie war hilflos in ihrem eigenen Körper gefangen.

Sei still, Ling. Sei ganz ruhig, sagte der Avatar in Gedanken zu dem, was von ihrer Tochter übrig geblieben war. Ich lasse dich so unbeschadet, wie ich nur kann. Und ich gebe dir diesen Körper zurück, und so viel mehr, sobald ich wiederhergestellt bin.

Ling hörte nicht auf zu wimmern.

Der Aufzug kam nun zum Stehen. Als die Türen langsam aufgingen, gaben sie den Blick auf Li-Hua und den Rest von Chens Besatzung frei. Der Avatar im Körper der kleinen Ling lächelte zu ihnen hinauf. Das Lächeln eines verwundeten, gefangenen Raubtiers: Zähne fletschend und mit nichts mehr zu verlieren.

Ende der Leseprobe

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