Buchcover Vorne

ALIEN VS PREDATOR: ARMAGEDDON

von Tim Lebbon
Serie: Rage Wars
Band 3
»Wer Fan von einem oder beiden Franchises ist, wird seine helle Freude daran haben, Menschen, Predators und Aliens wieder im Kampf um die jeweils eigene Existenz vereint zu erleben.« [City of Films]

ALIEN VS PREDATOR: ARMAGEDDON

  • Format: Klappenbroschur
  • Seiten: ca. 416
  • ISBN: 978-3-95835-220-9

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ALIEN VS PREDATOR: ARMAGEDDON

  • ISBN: 978-3-95835-221-6

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Die Rage entfesseln den ultimativen Angriff auf die menschliche Heimatwelt. Ihre größte Waffe ist die gefürchtetste Kreatur des Universums – die Aliens. armageddon Vor Jahrhunderten geflohen, nehmen die Rage nun Rache und beanspruchen den Planeten für sich. Durch ein Abkommen mit den undenkbarsten Verbündeten verlässt sich die Menschheit nun auf die Predatoren, um ihr Überleben zu sichern. Doch selbst die vereinte Kraft beider Rassen scheint nicht auszureichen. Das Schicksal der Erde könnte in der Hand eines einzelnen Androiden liegen – Liliya. Eine Rage.

ALIEN VS PREDATOR: ARMAGEDDON ist der Abschlussband von Tim Lebbons faszinierender RAGE-WAR-Serie um Aliens, Predatoren und Menschen.

Pressestimmen

»Tim Lebbon schuf mit seiner Rage War Trilogie eine furchterregend fesselnde Geschichte im Alien/Predator-Universum. Es gibt kaum eine Atempause, Helden sind nicht unsterblich und selbst die größte Rache findet durch die Kooperation zweier Feinde ein Ende und trifft auf eine ungewisse, aber hoffungsvolle Zukunft der Menschheit. Dem Luzifer Verlag einen riesen Dank, dass auch wir in den Genuss eines solchen Romans kommen können.«  scifinews.de

Kapitel 1

LILIYA

 

Raumstation Hell, November 2692

 

Ich kann nicht auf ewig weglaufen.

Liliya saß auf der Brücke der Satan's Saviour, die riesige Yautja namens Hashori neben ihr, während sie auf dem Holo-Schirm vor dem Sichtfenster Zeuge der Raumschlacht wurde. Diese fand zehn Milliarden Meilen entfernt statt, aber alles nur wegen ihr selbst.

Alexander ist hinter mir her. Unablässig, ohne Gnade, und wird mich immer und überall finden.

Sie war aus eigenem Antrieb von dem Rage-Schiff Macbeth geflohen, um Beatrix Maloney und ihren verqueren, von Hass zersetzten Zielen zu entkommen. Sie hatte Alexander zu ihrer Verfolgung ausgesandt. Er uns seine Armee waren ihr bis zum Rand der Menschlichen Sphäre gefolgt, hatten es irgendwie geschafft, ihr kleines Schiff in der Unendlichkeit des Weltalls aufzuspüren. Und nachdem sie sich der Gnade der Yautja auslieferte, verfolgte er sie weiter. Von Hashori mitgenommen zu werden und durch ein Sprungtor Lichtjahre weit zu fliehen, hatte ihn nicht abschütteln können.

Vielleicht ist jetzt wirklich der Moment gekommen, sich ihm zu stellen und zu kämpfen.

»Ich muss mit dem Rat sprechen«, sagte Jiango Tann. Obwohl er selbst kein Mitglied des Rates der Raumstation Hell war, hatte er doch die Verpflichtung, ihnen zu berichten, was er wusste.

»Aber wir können im Laufe der nächsten Stunde starten!«, lautete Captain Wares Einwand. Sie war die Anführerin einer kleinen Indie-Einheit, die die Tanns angeheuert hatten, um sie zusammen mit Liliya zum nächstgelegenen Stützpunkt von Weyland-Yutani zu bringen. Die Indies wirkten auf Liliya hart und schnodderig, aber sie hatte gleichzeitig das Gefühl, dass es sich um professionelle Leute handelte, die ihre Karriere sorgfältig gewählt hatten.

Trotzdem fühlte sie sich alles andere als sicher.

»Wir können jetzt nicht einfach verschwinden«, sagte Liliya. »Wenn wir das tun, werden Alexander und seine Armee uns bemerken und weiter verfolgen. Sie sind zu nah, als dass wir ihnen entkommen könnten. Und selbst wenn wir das könnten …« Sie verstummte.

»Selbst wenn wir es könnten?«, hakte Yvette Tann nach.

»Ich bin ihnen schon einmal entwischt«, sagte Liliya. »Doch er findet mich immer wieder.«

Jiango musterte sie von oben bis unten, als würde er sie nach etwas absuchen, was den Rage-General in die Lage versetzte, sie über Trillionen von Meilen durch das leere, kalte All hinweg aufzuspüren. Aber es handelte sich dabei nicht um etwas Sichtbares. Vielmehr vermutete sie, dass es etwas mit dem zu tun hatte, was sie stahl – es in ihre Venen zu injizieren war der beste Weg gewesen, den Rage die außerirdisch inspirierte Technologie zu entwenden. Doch damit hatte sie sich womöglich selbst der Verdammnis ausgeliefert.

Sie sah, wie Tann die Erkenntnis traf und er die Schultern sinken ließ.

»Dann also hier«, sagte Jiango. »Das ist der beste Ort, um sich ihnen entgegenzustellen.«

»Ja«, stimmte Liliya zu. »Besonders jetzt, da die Yautja eingetroffen sind.«

»Und wer sagt uns, dass diese Bastarde hier sind, um uns zu helfen?«, warf jemand der Crew ein. Es war Robo, die Frau mit dem mechanischen Arm.

»Das sagt Hashori«, erwiderte Liliya.

Robo warf einen Blick zurück auf die Yautja, die alle anderen auf der Brücke überragte. Das Misstrauen in ihren Augen war unübersehbar.

»Und woher sollen wir wissen, was dieses Ding wirklich im Schilde führt?«, fragte Robo.

Die Indie hatte recht. Die Yautja war undurchschaubar. Liliya hatte Unsagbares unter Hashori erlitten, und ihre synthetische Haut trug noch immer die Narben und Wunden ihrer anhaltenden und grausamen Folter. Doch sie hatte sie auch gerettet und zu dieser Station begleitet, obwohl sie sehr genau wusste, wie man sie hier empfangen würde.

Die Yautja musterte Robo mit zusammengekniffenen Augen, und ihre Kiefer bewegten sich dabei ein wenig. Sie packte ihren Kampfspeer fester, während sie wachsam ihren möglichen Feind beäugte.

»Wir müssen ihr vertrauen«, warf Jiango ein. »Ihr habt sie an Bord eures Raumschiffes gebeten. Wollt ihr jetzt wirklich einen Streit anzetteln?«

»Der echte Kampf findet da draußen statt«, sagte Liliya. Ihre Stimme war schwach, doch sie erregte die Aufmerksamkeit der anderen. »Die Rage kommen. Sie sind erbarmungslos und unaufhaltsam, und sie sehen mich als Gefahr an. Sonst hätten sie niemals Alexander und seine Armee ausgesandt, um mich zurückzubringen. Hier geht es nicht nur um Maloneys verletzten Stolz. Was die Yautja angeht – sie sind hier, um zu helfen. Darauf müssen wir vertrauen. Es wird nicht mehr lange dauern, bis Alexander nahe genug ist, um loszuschlagen.«

»Also liefern sich da draußen in zehn Milliarden Meilen Entfernung gerade die Verbündeten Ihrer Freundin, die Yautja, eine Schlacht mit unseren Feind?«, fragte Ware.

Liliya fragte Hashori in ihrer eigenen Sprache danach. Sie alle blickten die Yautja-Kriegerin fragend an, und diese nickte. Die Geste schien für sie ungewohnt, wie der Versuch, eine grundlegende Form menschlicher Unterhaltung nachzuahmen.

»Auf der Station seid ihr sicherer«, sagte Jiango.

»Sie wird auf der Satan's Saviour sicherer sein!«, rief Ware. »Wer weiß, was dieser Alexander auffahren wird? Ein direkter Treffer mit einer großen Atomrakete oder einem Partikelmodulator – und die Station ist Toast. Hier an Bord, bei uns, bleibt ihr immerhin die Chance, zu entkommen.«

»Ich muss mich mit dem Rat treffen«, wiederholte Jiango. »Sie warnen.«

»Dann warnen Sie sie«, entgegnete Ware und deutete mit dem Kopf auf Liliya. »Sie haben selbst gesagt, wie wichtig sie ist. Mir scheint, unsere Hauptsorge gilt im Moment ihr.«

Die Hauptsorge, dachte Liliya. Sie warf den Tanns einen Blick zu. Deren Leid war offensichtlich, denn sie wussten, dass es der Wahrheit entsprach.

Die Weltraumstation Hell, jener Ort, der ihnen so lange Zeit ein Zuhause gewesen war, mochte vielleicht dem Untergang geweiht sein, und doch war es von essenzieller Bedeutung, dass Liliya einer Gefangennahme entging.

»Seien Sie zurück, bevor die hier sind«, sagte Ware zu Jiango. »Ich meine es ernst. Wir werden nicht auf Sie warten.«

»Hätte ich auch nicht gedacht«, sagte Jiango. Er stand auf, noch immer die Hand seiner Frau haltend.

»Wenn der Angriff erst einmal angefangen hat, wird hier Chaos herrschen«, sagte Ware. Sie beobachtete weiterhin die Kämpfe auf dem Holo-Schirm. Selbst aus dieser Entfernung registrierten ihre Sensoren nukleare Detonationen und blendende Laser-Salven. Es war schwierig auszumachen, wer welche Partei war – Rage, Yautja, oder wer sich sonst noch den Kampfhandlungen angeschlossen haben mochte – und unmöglich zu sagen, wer die Oberhand hatte. Die Verlierer aber, die zu kurzen, grellen Wolken radioaktiven Gases aufflammten, bevor sie in der Dunkelheit des Alls verglühten, waren hingegen klar und deutlich auszumachen. »Ein Durcheinander. Die Wirren einer Schlacht. Das ist dann der Moment, wo wir verschwinden werden.«

»Wir laufen vor einem Kampf weg, Boss?«, fragte einer der anderen Indies.

Ware starrte ihn für einen Moment giftig an, dann lächelte sie. »Nur, um zu einer möglicherweise noch größeren Schlacht zu kommen, Millard.«

Nicht nur möglicherweise, dachte Liliya bei sich. Mit einiger Sicherheit sogar.

»Ich denke, dir bleibt noch eine Stunde,«, sagte Yvette Tann an ihren Ehemann gewandt. »Mach das Beste daraus.«

Er küsste ihre Wange und warf Liliya über die Brücke hinweg einen Blick zu. Sein Lächeln sollte ihr wahrscheinlich Hoffnung vermitteln, doch alles, was sie darin sah, war Schmerz. Das alles hier war ihr Fehler. Sie war hierher gekommen und hatte das alles ausgelöst.

Und dabei hatten die wirklichen Schmerzen noch nicht einmal begonnen.

Nachdem Jiango gegangen war, verfolgte Liliya weiter den Verlauf der Gefechte auf dem Holo-Schirm. Hashori blieb neben ihr stehen, und Yvette nahm auf der anderen Seite neben ihr Platz. Die Crew der Indies war währenddessen damit beschäftigt, sich für den Start vorzubereiten und Diagnosen der Waffensysteme durchlaufen zu lassen.

Den Geschehnissen haftete eine furchtbare Art der Unvermeidbarkeit an. Jede neue Explosion oder jedes neue Aufflammen der Laser wurde von der Crew mit einem Kommentar oder einem Ausruf des Erstaunens quittiert, aber Liliya wusste, was es eigentlich zu bedeuten hatte: Alexander kam näher. Ganz gleich, welche Widersacher sich ihm in den Weg stellen würden – er würde sie beiseite fegen, sie zerstören, zu Staub zermahlen, um dann heranzustürmen und die Gewalt nach Hell zu tragen.

Aus dem Backbord-Fenster der Brücke konnte sie einen Teil der anmutigen Aufbauten der Station sowie einen der langen Andockarme erkennen, an dem mehrere Schiffe wie Samen an einem Halm hingen. So viele Menschen lebten auf Hell, und jeder Einzelne von ihnen war nun wegen ihr in Gefahr.

Doch trotz allem war sie davon überzeugt, dass sie dies tat, um die Menschen zu retten. Sie trug das Wissen in sich, mit denen sich die Rage bekämpfen ließen. Von Hashori wusste sie bereits, dass die Yautja immense Verluste erlitten hatten, und gemeinsam hatten sie aus erster Hand erfahren können, was aus einem von den Rage eroberten Sprungtor und der daran angeschlossenen Kontrollstation geworden war. Dieses Schicksal musste sich in der Sphäre herumgesprochen haben, doch selbst jetzt konnte es bereits zu spät sein.

In Wirklichkeit galt die Hauptsorge keineswegs ihr selbst. Das, was sie in sich trug, war das Einzige, was wirklich zählte. Das Einzige, für das sie Sorge tragen mussten.

Die Spuren der entfernten Gefechte verblassten von dem Schirm und Ware und ihre Crew schienen plötzlich sehr viel ängstlicher zu werden.

Hashori trat von einem Fuß auf den anderen. »Ich sollte da draußen sein, in meinem Schiff«, sagte sie. Fünf Yautja-Schiffe umkreisten Hell in einer Entfernung von mehreren hundert Meilen. Ihre Ankunft hatte mit einiger Sicherheit dazu geführt, dass man die Station in Kampfbereitschaft versetzt hatte, doch ihre Aufmerksamkeit richtete sich nach außen, nicht nach innen. Sie bereiteten sich auf die Ankunft des Feindes vor. Der General und seine Armee, die gerade erst eine Schlacht geschlagen hatten, würden kampfbereit sein.

»Danke, dass du hier bei mir bleibst«, sagte Liliya.

»Was geht da draußen vor?«, fragte Yvette.

»Ihr Mann scheint Einfluss zu haben«, sagte Ware. »Die Verteidigungssysteme von Hell sind scharf. Drohnen mit Atomraketen wurden gestartet, und mehrere Angriffsschiffe sind klar zum Start. Ein paar wenige Schiffe haben sich auch aus dem Staub gemacht, aber der größte Teil der Station bereitet sich auf einen Angriff vor.«

»Wie nahe sind sie heran?«, fragte Yvette.

»Sie dürften binnen einer Stunde hier sein«, schätzte Ware. »Der Computer verarbeitet gerade die Daten, die hereinkommen, danach sollten wir einen ersten Hinweis auf ihre Stärke haben.«

»Ein großes Schiff, mit unterstützenden Angriffskreuzern«, erklärte Liliya. »Alexanders Flaggschiff ist das Werk des Faze, mächtig und schnell, geschaffen für den Krieg. Seine Angriffskreuzer sind wendiger als die Schiffe der Yautja, außerdem stärker bewaffnet.«

»Was ist ein Faze?«, erkundigte sich Yvette.

»Das ist ein …« Liliya stockte. Sie hatte keine Ahnung, wie sie die Dinge beschreiben sollte, die sie auf dem weit entfernten außerirdischen Habitat vorgefunden hatten.

»Ihr Göttergatte ist wieder zurück«, meldete Hoot. Er war ein weiteres Mitglied der Crew, ein kleiner, stämmiger Mann, von dem eine unterschwellige, konstante Bedrohung auszugehen schien. Mit einem leisen Flüstern öffnete sich die Tür zur Brücke und Jiango erschien. Yvette stand auf, und für eine Weile herrschte auf der Brücke betretenes Schweigen, während sich das Paar umarmte. Vielleicht, weil ein Teil von ihnen nicht damit gerechnet hatte, dass sie sich wiedersehen würden.

»Und?«, fragte Ware nach.

»Sie haben sie beobachtet«, sagte Jiango. »Sie sind bereit zu kämpfen!«

»Um meinetwillen«, sagte Liliya.

»Nein«, korrigierte Jiango. »Um ihretwillen! Sie verteidigen Hell, und ich habe ihnen versprochen, dass wir alles in unserer Macht stehende tun werden, um ihnen zu helfen.«

Ware seufzte geräuschvoll. »Sie sollten sich so langsam mal entscheiden, Paps. Sollen wir Fersengeld geben und sie retten? Oder hierbleiben und kämpfen?«

»Ich dachte an eine Möglichkeit, mit der uns beides gelingen könnte«, erwiderte Jiango. Er warf einen Blick auf den Holo-Schirm, auf dem nun, da die entfernte Schlacht vorüber war, nur die dunkle, gähnende Unendlichkeit zu sehen war. Dann sah er Hashori an und bat Liliya, für ihn zu übersetzen. »Hör mir zu. Wir haben nicht viel Zeit.«

Der Angriff brach schnell und unbändig über sie herein.

General Alexander ließ sein Hauptschiff erst eine Million Meilen vor Hell unter Warp gehen, schoss mit maximaler Sub-Warp-Geschwindigkeit heran und entfesselte ein Sperrfeuer aus Atomraketen auf die Schiffe, die die Station umkreisten. Sieben solcher Schiffe waren gestartet, um die große Station zu verteidigen.

Die Atomraketen zogen unsichtbare Linien durch das All und dann explodierten sie zu grellen, brodelnden Flammenwolken, bevor sie wieder verglühten. Eine von ihnen zerstörte ein Bergungsschiff, das sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen konnte, während die anderen Schiffe ihnen auswichen und sich im Zick-Zack-Kurs ihren Weg durch die verblassende Glut der Zerstörung bahnten.

»Wo sind seine Angriffskreuzer?«, fragte Liliya verwirrt.

»Schätze, die behält er sich als besondere Überraschung noch vor«, sagte Ware.

Jiango hatte ihr die Zugangscodes zum Hauptrechner von Hell gegeben, der sie mit einem komplexen und ausführlichen Statusbericht des Angriffs versorgte. Sie wechselte durch die verschiedenen Ansichten, die auf den drei Haupt-Schirmen der Brücke zu sehen waren, und deutete dann auf einen von ihnen, auf denen die Leere hinter der Region zu sehen war, in der der hauptsächliche Angriff stattfand.

Und tatsächlich glommen dort wenige Sekunden später mehrere Lichtpunkte auf, als eine Reihe kleinerer Schiffe unter Warp ging.

»Und da sind sie auch schon.«

»Jetzt?«, fragte Robo.

»Nur noch ein paar Sekunden«, hielt Ware sie zurück. »Wenn das, was der alte Mann sagt, stimmen sollte …«

»Es ist unsere beste Chance«, warf Jiango ein.

»Er ist noch gar nicht so alt«, fuhr Yvette dazwischen, doch wenn es als mutiger Versuch gedacht war, die Stimmung aufzuheitern, scheiterte dieser kläglich.

»Heilige Scheiße, was ist das bloß für ein Ding?«, fragte Millard. Alexanders Flaggschiff, welches sich Hell langsam näherte und dabei funkelnd Gegenmaßnahmen ausspuckte, um die Raketen und Lasersalven abzuwehren, die darauf abgefeuert wurden, füllte jetzt einen der kleineren Holo-Schirme aus. Liliya versuchte sich auszumalen, wie es sich anfühlen musste, zum ersten Mal ein solches Schiff zu sehen. Monströs und in einem sanften pinken Farbton schimmernd, der es wie die Innereien einer riesigen Kreatur wirken ließ, rollte und wirbelte das Schiff auf sie zu, wehrte die Schüsse der Laserkanonen ab und feuerte gleichzeitig seine eigenen Waffen ab, deren Strahlen wie Samen durch die Nacht flirrten.

»Das ist das Werk des Faze«, sagte Liliya. Sie runzelte die Stirn, und überlegte, wie sie so vieles in so kurzer Zeit erklären könnte. Aber das war unmöglich, und deshalb ließ sie es bleiben.

Ein weiteres der verteidigenden Schiffe wurde getroffen und pulverisiert, und dann sprach Ware in ihr Kehlkopfmikrofon: »Hell, hier spricht die Satan‘s Saviour. Von Sektor Sechs-Sechs aus nähern sich Angriffskreuzer. Wir fangen sie ab.«

»Was?«, entfuhr es Yvette.

Ware reagierte nicht weiter auf ihren Einwurf. Ihre Crew stellte ihren Funkspruch nicht infrage, und binnen weniger Sekunden entfernten sie sich von ihrem Andockarm und Hell, die hinter ihnen immer kleiner wurde. Vor ihnen erstreckte sich das leere All.

Doch es blieb nicht lange leer.

»Hoot?«, fragte Ware.

»Bin schon dabei.« Ein Zittern fuhr durch das Schiff, als seine Waffensysteme das Feuer eröffneten. Laserschüsse stoben in die Nacht hinaus, drei Atomraketen brannten sich ihren Weg durch die Dunkelheit und ein pulsierendes Licht schien beinahe zu funkeln, während es sich im Zick-Zack-Kurs von ihrem Schiff entfernte wie tastende Finger eines blinden Riesen. Eine der Raketen explodierte, als sie auf einen der Gegner traf. Ein anderes Schiff fing Feuer, geriet ins Trudeln, trieb auf sie zu und dann über sie hinweg, als Ware ihren Kurs entsprechend leicht anpasste. Die restlichen Schiffe der Verstärkung verteilten sich im All.

»Zwei getroffen«, meldete Hoot. »Die anderen drei Schiffe sind an uns vorbeigezogen und halten auf Hell zu.«

»Oh nein«, seufzte Jiango. Liliya sah, dass er und seine Frau sich an den Händen hielten, und für einen Moment lang sehnte sie sich nach jemandem, der ihr hätte Trost spenden können. Aus den Augenwinkeln warf sie einen Blick auf Hashori. Die Yautja hatte sich ihren von früheren Kämpfen zerschrammten Helm aufgesetzt. Sie war unergründlich.

»Okay, wir drehen noch eine Runde, und dann verschwinden wir«, verkündete Ware. »Bist du bereit, Hoot?«

»Klar doch.«

»Dir bleiben vielleicht drei Sekunden.«

»Das ist mehr als genug.«

»Liliya, bist du bereit?«

»Natürlich.« Sie griff nach dem Kommunikator, den man ihr zuvor übergeben hatte. Sie hatte keine Ahnung, was sie sagen sollte. Aber wahrscheinlich spielte es keine allzu große Rolle.

Ware wendete ihr Schiff in einer engen Kurve, bis Hell im Zentrum des Haupt-Holo-Schirmes wieder in Sicht kam. Es überraschte Liliya, wie weit sie sich bereits von der Station entfernt hatten. Dann aber sank ihr Mut, als sie sah, dass die Station bereits erste Treffer einstecken musste.

Alexanders Flaggschiff war nun ganz in der Nähe, und sie konnte unzählige kleine Lichtpunkte ausmachen, die von dem Schiff aus auf die Station zuhielten, wie Pollen, die in einer unsichtbaren Windböe trieben. Überall flackerten Explosionen der Verteidigungseinrichtungen von Hell auf, die versuchten, den furchtbaren Angriff abzuwehren, aber sie blieben wirkungslos. Als sich schließlich auch die restlichen Angriffskreuzer näherten, verstärkte sich das erbarmungslose Feuer noch einmal zusehends.

»Wer sind die?«, fragte Yvette. Niemand antwortete ihr. Liliya hatte ihnen bereits erzählt, welche Art von Soldaten Alexander mit sich bringen würde.

»Wir hätten bleiben sollen«, sagte Jiango. »Wir könnten sie bekämpfen, wir alle. Jeder Einzelne von uns hätte etwas bewirken können.«

»Sie ist die Einzige, die etwas bewirken kann«, sagte Yvette, sah Liliya dabei aber nicht an, so als könnte sie ihren Anblick kaum ertragen. Stattdessen begrub sie ihr Gesicht am Hals ihres Ehemannes.

»Liliya«, rief Ware.

Liliya aktivierte ihren Kommunikator.

»Alexander«, sprach sie hinein. »Du schimpfst dich einen General? Du hast mich schon wieder entwischen lassen.«

»Okay«, sagte Ware. Sie wischte über ihre Kontrollen und Hell rutschte in die linke untere Ecke des Bildschirmes, wurde schnell immer kleiner und verschwand schließlich vollends, als die leistungsfähigen Triebwerke sie mit annähernder Lichtgeschwindigkeit von der Station wegbrachten. Der Warp-Antrieb war bereit, aber noch nicht aktiviert. Sie alle hatten sich darauf geeinigt, alles zu riskieren, um Alexanders Verfolgung aufzuhalten.

»Wir haben sie ihrem Schicksal überlassen«, sagte Yvette. »Alle, jeden Einzelnen auf Hell.«

»Sie wissen, wie man kämpft«, erwiderte Jiango.

Liliya wollte etwas einwerfen, entschied aber, dass es das Beste wäre, zu schweigen. Sie wusste, welchem Schicksal sich die Bewohner der Station nun gegenüber sahen. Sie wusste, dass sie keine Chance hatten. Es laut auszusprechen, würde niemandem helfen.

»Sie kommen«, rief Millard.

»Wie viele?«, erkundigte sich Ware.

»Alle. Das große Schiff und die drei übrig gebliebenen Kreuzer.«

»Sie haben den Angriff abgebrochen«, schlussfolgerte Hoot und warf über seine Schulter den Tanns einen Blick zu, der ihnen Hoffnung geben sollte. Dann bemerkte er jedoch Liliyas Gesichtsausdruck und erstarrte.

»Ich hoffe, Ihre Freunde treiben sich noch irgendwo da draußen herum«, sagte Ware.

»Das werden sie«, antwortete Liliya. »Alexander wird sie noch vor uns zu Gesicht bekommen.«

»Das ist gut, denn sie kommen sehr schnell näher. Millard, bring die Warpspulen auf Touren und warte auf mein Zeichen, auf Warp zu gehen.«

»Wir können den Warpsprung aber nicht einleiten, bevor …«, warf Liliya ein, doch der Captain fiel ihr ins Wort.

»Wenn die Yautja nicht in den nächsten sechs Sekunden hier auftauchen, machen wir uns verdammt noch mal aus dem Staub.«

Ein frostiges Schweigen senkte sich über die Brücke, welches nur von leisen Warntönen, dem Summen verschiedener Instrumente und dem konstanten Brummen der starken Triebwerke unterbrochen wurde.

»Da!«, rief Hoot. »Da, seht doch nur, sind sie nicht wunderschön, einfach wunderschön?«

Der Anblick, der sich hinter ihnen bot, wurde auf den Haupt-Holo-Schirm projiziert und verschlug ihnen den Atem.

Alexanders Flaggschiff, das sie verfolgte, wurde urplötzlich von einem Dutzend Explosionen in Brand gesetzt. Jede von ihnen schien Lichtblitze abzugeben, die einen Kreisbogen beschrieben und wieder und wieder in das Schiff einschlugen. Die Explosionen pulsierten und ein Lichtblitz nach dem anderen kroch um das Schiff herum. Die Angriffsschiffe, die mit ihm flogen, wurden ebenfalls zerstört, und dann sahen sie für einen kurzen Augenblick die wundervollen Spuren eines Yautja-Schiffes über den Bildschirm huschen.

Ohne Tarnvorrichtung und vollständig bewaffnet schwang das Schiff zusammen mit seinen vier Begleitern herum, um einen erneuten Angriff auf das Rage-Schiff zu starten.

»Direkter Treffer«, schrie Millard.

»Sie sollten sich noch nicht zu früh freuen«, warf Liliya ein.

»Die Yautja werden triumphieren«, sagte Hashori in ihrer eigenen Sprache, doch Liliya sah davon ab, es zu übersetzen.

Vielleicht hat sie ja recht, dachte sie bei sich. Vielleicht konnten wir ihn dieses Mal wirklich schlagen.

Aus dem Inneren der Feuersbrunst, in die sich Alexanders Schiff verwandelt hatte, schoss ein Laserstrahl, und eines der Yautja-Schiffe löste sich in Nichts auf.

Ein erschrockenes Keuchen war auf der Brücke zu hören.

»Niemand könnte so etwas überleben«, sagte Hoot.

Die Yautja griffen erneut an. Grell leuchteten Atomexplosionen und Ionenstrahlen zu wirbelnden Bällen aus Flammen und Zerstörung auf, heller als jede Sonne. Detonationen brachen scheinbar aus dem Nichts hervor und zuckten über die Bildschirme.

Das Verteidigungsfeuer blieb aus, und schließlich begannen sich die Flammen und die Glut zurückzuziehen. Sie ließen ein zerstörtes, treibendes Wrack zurück. Die Überreste von Alexanders Schiff trudelten langsam um die eigene Achse. Wrackteile lösten sich von dem Schiff und trieben mit anderen Trümmern dahin.

»Die sind erledigt«, kommentierte Ware. »Aber lieber die als wir.« Sie warf einen Blick über ihre Schulter und nickte Hashori anerkennend zu. Die Kriegerin erwiderte die Geste jedoch nicht.

»Hell«, sagte Jiango.

»Du weißt, dass wir nicht dorthin zurückkehren können«, sagte Yvette. »Was immer auf Hell passiert, ist jetzt deren Geschichte. Wir dürfen Liliya nicht aufs Spiel setzen, nicht nach all dem.«

Liliya hörte ihre Unterhaltung, doch sie schwieg. Sie musterte das Wrack, das einmal Alexanders Schiff gewesen war. Die Yautja umkreisten es. Zwei ihrer Schiffe manövrierten sich näher heran. Vielleicht suchten sie nach einer Trophäe für ihren Sieg. Das riesige zerstörte Schiff glühte noch immer von den nuklearen Feuern, die in seinem Inneren brannten, und sie versuchte, den Gedanken zu verarbeiten, dass sie nun endlich frei war.

Maloney, nun bin ich dir also endlich entkommen, dachte sie. Sie wünschte, sie hätten ihren Gedanken als eine Nachricht direkt in den Kopf dieser wahnsinnigen Frau senden können.

Ende der Leseprobe

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