Buchcover:

Alien: Invasion

von Tim Lebbon

Serie: Rage Wars
Band 2

»Wer Fan von einem oder beiden Franchises ist, wird seine helle Freude daran haben, Menschen, Predators und Aliens wieder im Kampf um die jeweils eigene Existenz vereint zu erleben.« [City of Films]

INHALTSBESCHREIBUNG


Über Jahrhunderte versuchte die Weyland-Yutani-Cooperation, die Aliens als Waffe zu nutzen. Doch nun scheint ihnen jemand zuvorgekommen zu sein, der den Raum der Yautja durchkämmt und die Jäger zu Gejagten macht. Angesichts der überwältigenden Macht der Rage schmieden die Vertreter der Erde eine unerwartete Allianz mit den Predatoren. Doch selbst die vereinten Kräfte der beiden Rassen könnten am Ende nicht ausreichen, um das Massaker aufhalten, denn ein gnadenloser Schwarm der Xenomorphs überfällt einen Planeten nach dem anderen und dringt unaufhaltsam immer tiefer in die menschliche Heimatwelt vor. ALIEN INVASION ist der zweite Band aus Tim Lebbons RAGE-WAR-Trilogie.

Pressestimmen

Xenomorphs & Predatoren – Die Schreckgespenster der Science-Fiction sind endlich wieder zurück. Tim Lebbon schenkt uns in Alien Invasion einige schrecklich schöne neue Alpträume. Die Schlinge um den Hals der Menschheit schließt sich immer weiter und ein Entkommen aus der Vernichtung scheint schier unmöglich. Heftig, aber dafür auch unheimlich und gut!

SciFiNews

Kapitel 1

JOHNNY MAINS

 

Yautja-Habitat UMF 12, jenseits des Outer Rim, September 2692

 

General Patton lachte, und Johnny Mains, der Anführer des kärglichen Rests der 5th Excursionists, genannt VoidLarks, wusste, dass er sterben würde.

Aber er weigerte sich, kampflos aufzugeben.

Die kratzenden, schabenden Geräusche der sich nähernden Xenomorphs wurden lauter. Sie näherten sich der Brücke dieses seltsamen Schiffes, vielleicht, weil sie der Androide, der sie befehligte, gerufen hatte. Vielleicht griffen sie aber auch aus eigenem Antrieb an. Doch warum auch immer, es würde ihr Ende bedeuten. Mains und Lieder, die letzten verbliebenen Excursionists, verfügten kaum noch über Munition. Die Energie ihrer Kampfanzüge war verbraucht. Sie hatten sich wacker geschlagen und auf ihrem Weg viele gute Freunde und Kameraden verloren, und dies würde nun ihr letztes Gefecht sein.

»Wir bleiben zusammen«, sagte Mains. »Konzentriertes Feuer. Versuche, sie an den Türen aufzuhalten – wenn sie erst einmal die Brücke erreicht haben, werden sie sich aufteilen und uns überwältigen. Munition?«

»Die Com-Rifle hat noch ein paar Nano-Schüsse, wenig Laser-Energie und eine Plasma-Ladung. Dann hab ich noch die Pistole. Und du?«

»Schrotflinte. Und ein paar Granaten.«

»Dann können wir auch gleich versuchen, sie anzuspucken.«

»Ein paar werden wir erwischen. Die letzte Granate spare ich für uns auf.«

Sie warf ihm einen starren Blick zu, als er zu ihr zurückwich, aber widersprach ihm nicht. Darüber war er froh. Sie hatten zu viele Menschen bei einem Angriff der Xenomorphs sterben gesehen, um die Absicht zu haben, auf die gleiche Weise zu enden. Wenn sie gemeinsam eine Granate umklammerten und sich umarmten, würden sie so zumindest sicherstellen, gemeinsam zu sterben.

Der Android Patton gluckste wieder. Ein feuchtes, mechanisches Geräusch, das an Mains' Nerven zerrte.

»Darf ich ihn erschießen?«, fragte Lieder. Aber sie kannte die Antwort. Es wäre reine Munitionsverschwendung gewesen.

Patton hing noch immer an der hinteren Wand, aufgespießt vom Speer eines Yautja. Zu seinen Füßen lagen die Leichen eines einzelnen Yautja sowie unzähliger Xenomorphs verteilt, deren glitschige Kadaver bei den Selbstzerstörungsprozessen während ihres Todes auseinandergeplatzt waren. Ihr säurehaltiges Blut war an vielen Stellen gegen Wände und auf den Boden gespritzt, hatte dort ätzende Spuren hinterlassen, und noch immer hing der giftige Geruch in der Luft.

Mains hatte noch nie zuvor gehört, dass die Xenomorphs so etwas tun würden. Selbstmord war eigentlich der große Trick der Yautja, überlegte er. Ein weiteres Mysterium.

»Sie sind nah«, sagte Lieder.

Das hätte man Mains nicht sagen müssen. Die Energiereserven seines Anzugs waren nach allem, was sie durchlitten hatten, beinahe aufgebraucht, und die Systeme spielten verrückt. Aber zumindest übermittelten sie noch die Scans der Bewegungsdetektoren an sein Visier. Die Anzeigen waren zahllos und direkt vor ihnen.

Patton stieß ein seltsames Geräusch hervor. Hinter seiner unmenschlichen Stimme ratterten angestrengte, ächzend elektrische Klicklaute. Mains verspürte den Drang, mit dem Androiden zu kommunizieren, um ein paar Antworten zu erhalten. Es bestand kein Zweifel, dass er die Xenomorphs befehligte – immerhin war sein Name in den Schädel jedes einzelnen Exemplars eingebrannt. Aber wie war das möglich? Was wollte er? Woher kam er? Und warum hatten sie dieses Habitat der Yautja angegriffen?

Mains hasste die Vorstellung, sterben zu müssen, ohne eine Antwort auf diese Fragen finden zu können.

»War mir eine Ehre, Johnny«, sagte Lieder und drückte seine Hand.

»Scheiß auf die Sentimentalitäten, Private«, erwiderte Mains, drückte aber auch die ihre.

»Da kommen sie.«

Der erste Xenomorph huschte durch die Türöffnung und auf die Brücke. Lieder schlitzte ihn vom Hals bis zum Unterbauch mit einem Laserschuss auf und er ging um sich schlagend zu Boden, rutschte gegen die Wand und zerstörte sich selbst in einem Schwall aus verspritzendem ätzenden Blut.

Zwei weitere folgten. Mains feuerte mit seiner antiken Schusswaffe dreimal auf den ersten Angreifer. Dieser stolperte und verschwand hinter einer der Kontrollkonsolen, dann sprang er wieder auf und kam direkt auf Mains zu. Das zersetzende Blut, das aus ihm heraustropfte, hinterließ Spuren am Boden. Doch ein weiterer Schuss streckte ihn schließlich nieder.

Lieder tötete die dritte Kreatur mit einem Nano-Schuss, und die flackernden Lichtblitze der abertausenden kleinen Explosionen hüllten den Eingang zur Brücke ein. Die Ladung erwischte noch zwei weitere Xenomorphs, die sich durch den Korridor näherten, und als der erste explodierte, musste er wohl den zweiten mit in den Tod gerissen haben, dessen Todesschrei durch das Schiff gellte.

Patton begann herumzuzappeln, wand sich, griff nach dem schweren Yautja-Speer, der ihn festhielt, und versuchte, ihn herauszuziehen. Doch es gelang ihm nicht. Funken stoben aus der Eintrittswunde in seiner Brust und kleine Lichtbögen flammten immer wieder zwischen ihm und der Waffe auf. Er krallte nach dem Schaft, dann versuchte er, seine Finger in seine Wunde zu stecken.

»Plasma!«, rief Lieder.

Drei weitere Xenomorphs stürmten durch den Eingang zur Brücke, zwei am Boden und einer an der Decke, wie eine monströse Spinne. Mains Visier verdunkelte sich automatisch, als Lieder ihre letzte verbliebene Plasma-Ladung auf sie abfeuerte. Der Schuss traf das Alien an der Decke und ließ es in einer grellen heißen Eruption zerplatzen, die geschmolzenes Fleisch und Sehnen auf seine Kameraden unter ihm herabregnen ließ. Sie kreischten vor Schmerzen, trippelten weiter auf die Brücke, brachen zusammen und explodierten.

Die Luft war erfüllt von dem Dunstschleier des extrem heißen Gases. Ihre Kampfanzüge filterten das meiste davon heraus, aber trotzdem schien es Mains, als würde sein Visier beschlagen.

Patton heulte auf. Ein grauenhafter, hochfrequenter Laut, der in eine Art Gelächter überging. Er war ein eigenartiger Android, mit ausdruckslosen und nur entfernt menschlich erscheinenden Zügen, bei denen man sich offensichtlich nicht die Mühe gemacht hatte, ihnen eine gewisse Persönlichkeit mit auf den Weg zu geben. Das ließ seine im Gegenzug sehr menschlich wirkenden frustrierten Schmerzenslaute nur noch unheimlicher erscheinen.

Vielleicht hätte ich ihm einen Schuss aus der Schrotflinte in den Kopf verpassen sollen, dachte Mains.

Die Plasma-Entladung hatte den Eingang in weißliches Feuer getaucht und damit für ein paar Sekunden die angreifenden Xenomorphs zurückgedrängt.

»Lange werden sie nicht warten«, sagte Mains.

»Sollen sie auch nicht«, antwortete Lieder. »Ich bin leer geschossen. Was zur Hölle macht er da nur?« Sie deutete mit einem Kopfnicken auf Patton. Der hatte mittlerweile seine beiden Hände in seine Brustwunde gegraben. Seine Finger steckten mehrere Glieder tief in den fleischigen äußeren Lagen seiner Haut und silberne Energiebögen tanzten zwischen seinen Fingerknöcheln umher.

»Spielt keine Rolle«, sagte Mains. »Unsere Yautja-Freunde haben sich schon um ihn gekümmert.«

Die Yautja waren alles andere als ihre Freunde. Seit mehr als einem Jahr hatte Mains' Einheit – die 5th Excursionists, Spitzname VoidLarks – das massive Yautja-Habitat mit der Bezeichnung UMF 12 beschattet und darauf geachtet, dass sie keine Schiffe in die Menschliche Sphäre aussandten. In jüngster Zeit hatte es eine Reihe von Yautja-Angriffen quer durch das Rim gegeben; Attacken, die die obligatorische Jagd und viele Tote zur Folge hatten. Die VoidLarks waren in einer dieser Attacken involviert gewesen, als man sie während einer Nachschublieferung zur Southgate Station 12 rief. Sie hatten zwei ihrer Leute verloren, um die Yautja dort auszuschalten, und das war ihnen zu der Zeit als großer Verlust erschienen.

Als sie zu UMF 12 zurückkehrten, wurden sie sehr schnell in weitere Kämpfe mit Yautja-Schiffen verwickelt, die auf die Menschliche Sphäre zuhielten. Mit schweren Schäden mussten sie ihr Arrow-Schiff Ochse auf dem riesigen Habitat notlanden und überlebten dort einen Monat mit nur gelegentlichen Zwischenfällen. Sie übten sich im Versteckspielen, doch erst die Entdeckung dieses großen, eigenartigen Schiffes führte zu ihrem blutigen Ende. Weder erkennbar menschlichen oder Yautja-Ursprungs war das Schiff zu ihrem Missionsziel und letztlich auch ihrer letzten Ruhestätte geworden.

Nun war ihr Ende nahe. Jetzt, wo nur noch zwei der ursprünglich acht VoidLarks übrig waren, kämpften sie auf verlorenem Posten.

Patton gluckste wieder, so als hätte er bemerkt, dass sie ihn beobachteten. Es war ein unheimliches Geräusch, angefüllt mit Humor, obwohl es aus einem völlig regungslosen Gesicht kam. Seine Augen waren tief eingesunken und dunkel, in ihnen ließ sich nichts erkennen. Sein Blut war mittlerweile viel zu weiß, seine Haut käsig und bleich.

»L-T!«, schrie Lieder.

Mains kauerte sich hin und feuerte auf die Xenomorphs, die sich nun wieder durch das Plasmafeuer und die Überreste ihresgleichen drängten. Erst waren da sechs von ihnen, dann acht. Er entsicherte eine seiner zwei Granaten und warf sie in hohem Bogen in die untere Ebene der Brücke.

Lieder und er gingen in Deckung. Die Explosion zerriss Kontrollpulte und Panzer der Xenomorphs, dann richteten sie sich auf und feuerten wieder. Drei weitere Aliens platzten und zerfielen am Boden.

»Zurück«, rief Mains über die abscheulichen Geräusche hinweg. »Zurück an die hintere Wand.«

»Ich weiche nicht mehr zurück«, antwortete Lieder. Ihre Stimme wurde direkt über das Headset in ihren Kampfanzügen durch die Explosionen, das Kreischen und das allgemeine Chaos hindurch übertragen. Ihre Entschlossenheit und ihr Kampfeswille erfüllten ihn mit Stolz.

»Das ist kein Rückzug«, sagte er, und als sie ihn ansah, zeigte er ihr die letzte Granate. »Wir pressen die hier zwischen uns und die Außenhülle. Mit etwas Glück fegt es den gesamten Inhalt des Schiffes hinaus ins All.«

Das außerirdische Schiff hing an einem der aus der Oberfläche am Ende des Habitats herausragenden Andocktürme. Die Luft auf der Oberfläche war dünn, aber atembar, und das Habitat erzeugte zudem eine leichte künstliche Schwerkraft, die es ihnen ermöglicht hatte, von einem Ort zum anderen zu laufen.

Wenn man jedoch ein Loch in die Hülle des Schiffes schlug, würde es alles hinaus in die Leere fegen. Die Überreste ihrer Leichen, im Tod miteinander verschmolzen, zusammen mit den Leichen der Yautja, den in Fetzen gerissenen Körpern der Xenomorphs und allem, was sich noch an Bord befinden würde.

»Was für eine Art, draufzugehen«, meinte Lieder.

»Hinter dir!«, schrie Mains.

Lieder reagierte sofort und ihre Finger spannten sich um den Abzug, als sie sich duckte und gleichzeitig herumwirbelte. Sie hatte ihren Laser auf breiteste Streuung gestellt und erwischte so zwei Xenomorphs mit einem Schuss. Ein Dritter schoß auf sie zu, holte sie von den Füßen, stürzte sich auf sie und schlug ihr die Waffe aus der Hand, während sein Kopf zu ihr hinabschnellte.

Mains sah zu, wie sie vor Angst die Augen weit aufriss und seinen Blick suchte.

Er trat einen Schritt vor und feuerte seine letzte Schrotpatrone in die Seite des Alienschädels. Ätzendes Blut spritzte auf seine Hände und Unterarme und tropfte auf Lieders Brust. Ihre Anzüge begannen sofort, an den betroffenen Stellen auszuhärten, um die Säure abzuhalten, doch ihre Energiereserven waren so gut wie aufgebraucht, und es dauerte nicht lange, bis er spürte, wie sich die giftige Substanz durch das geschwächte Material fraß.

Mit einem gewissen Gefühl der Traurigkeit warf er die Schrotflinte beiseite. Die antike Waffe, die keineswegs zur Standardausrüstung gehörte, hatte ihm mehr als einmal das Leben gerettet. Nun hatte sie auch Lieder vor dem Tod bewahrt, gerade noch rechtzeitig, damit sie gemeinsam sterben konnten.

Sie rappelte sich auf. Mains schlang seinen Arm um sie, und gemeinsam zogen sie sich über die Brücke zurück. Ein Großteil der Technik hier blieb ein Mysterium, doch ein paar der Elemente ließen ihren Ursprung erkennen. Das Schiff machte den Eindruck, als wäre es ursprünglich von Menschen konstruiert und ausgesandt worden, um das große Yautja-Habitat mit zu Waffen umfunktionierten Xenomorphs anzugreifen, gelenkt von einem wahnsinnig gewordenen Androiden. Erneut bedauerte Mains, dass sie sterben würden, ohne hinter das Geheimnis des Schiffes zu kommen.

Weitere Xenomorphs erschienen und pirschten sich näher heran. Jetzt, wo sie ihre Beute wehrlos vor sich sahen, bewegten sie sich langsamer. Vielleicht konnten sie ja noch immer Pattons Befehle empfangen.

Der Android hing zuckend und sich windend an der Wand und versuchte weiterhin, in das Innere seiner durchbohrten Brust zu gelangen. Er suchte nach etwas. Möglicherweise versuchte er, etwas in sich zu reparieren.

Mains schob die Granate zwischen sich und die Wand und lehnte sich dagegen. Hinter ihm, nur eine Handbreit entfernt, befand sich die unerbittliche Kälte des Weltraums. Bald würde er ihr begegnen.

Lieder trat zu ihm, sah ihn an und presste ihren Körper an seinen. Auf die Art würde noch mehr der Sprengkraft gegen die Hülle gerichtet werden. Und außerdem konnten sie sich so küssen. Durch die durchsichtigen Visiere ihrer Helme würden sie sich nicht berühren, aber das dünne Material war biegsam, und Mains stellte sich vor, ihren Atem riechen und ihre Wärme spüren zu können.

»Private, Sie übertreten hier eine Linie«, murmelte er.

Lieder lächelte.

Sein Daumen strich über den Schalter, mit dem sich die Granate scharfmachen ließ. Noch eine Berührung, dann blieben ihnen nur noch fünf Sekunden.

Er berührte die Schaltfläche.

Sie konnte es ebenfalls spüren.

Fünf …

Aus seiner Funkeinheit drang ein Knistern und Knacken. »Johnny Mains, du alter Bastard, halt dich besser irgendwo fest!«

Vier …

»Was zur Hölle war das?«, flüsterte sie.

Drei …

Mains kam die Stimme bekannt vor.

Die Xenomorphs, die offenbar spürten, dass sich etwas verändert hatte, hielten auf sie zu. Sechs Exemplare, die mit klappernden und kratzenden Gliedmaßen auf die Kontrollkonsolen sprangen.

Zwei …

»Halt dich an mir fest, so sehr du kannst!«, rief Mains. Er warf die Granate durch den Raum und stieß sich seitwärts von der Wand ab. Mit Lieder, die sich an ihn klammerte, hechtete er so unter eines der Steuerpulte.

Eins …

»Wurfhaken und Gurte!« Für einen Sekundenbruchteil fürchtete er, dass sein Kampfanzug nicht mehr über genügend Energie verfügte, um den Befehl auszuführen. Doch dann hörte er das schwache Zischen, als der kleine Wurfhaken aus einer Tasche an seiner Hüfte gefeuert wurde. Er schlug gegen die schwere Wandpaneele hinter ihm, bohrte sich hinein, und kleine Widerhaken schnappten zusätzlich heraus und hielten ihn an Ort und Stelle.

Die Granate explodierte. Ein Xenomorph kreischte. Mains und Lieder hielten sich aneinander fest. Der Knall klingelte ihnen in den Ohren.

»Komm ja nicht auf die Idee, mich loszulassen«, sagte er.

»Johnny, was zur Hölle ist hier denn nur los?«

Der Schatten eines Aliens fiel auf sie herab. Seine Umrisse waren klar und gefährlich auszumachen. Giftiger Speichel troff von seinen Zähnen und mit einem siegesgewissen Zischen streckte es seine Klauen nach ihnen aus.

»Durante ist los«, antwortete er.

Die zweite Explosion war um einiges lauter als die erste. Der Boden bäumte sich unter ihnen auf, ein greller Lichtschein zuckte über die Brücke, dann schien alles um sie herum zu kreischen. Mains zwang sich, die Augen offenzuhalten, denn sein Anzug hatte sein Visier abgedunkelt, um sie vor dem blendenden Gleißen zu schützen. Etwas riss an ihm und Lieder, und er zog sie fester an sich, umklammerte sie, so fest er konnte, wild entschlossen, sie keinesfalls allein sterben zu lassen.

Es wird uns auseinanderreißen, dachte er bei sich. Es wird uns Arme und Beine abreißen, dann in unsere Körper eindringen und …

Aber es war kein Xenomorph, der an ihnen zog.

Die Luft wurde nach draußen gesogen. Etwas hatte irgendwo auf der Brücke ein Loch in die Außenhülle gesprengt, durch das tosend Luft ins All entwich und alles mit sich riss, was nicht befestigt war. Darunter auch die Leichen der Yautja und Aliens sowie die restlichen lebenden Xenomorphs, die trudelnd ins All hinausfegten.

Das Seil, das seinen Anzug mit dem Greifhaken in der Wand verband, war zum Zerreißen gespannt, aber es hielt.

Er hoffte nur, dass es lange genug halten würde.

Als sein Visier wieder aufklarte, veränderte er seine Position und rollte sich auf die Seite, sodass er und Lieder unter dem Kontrollpult die Brücke überblicken konnten. Das Loch in der Hülle war so groß wie eine durchschnittliche Tür, aber es wurde mit jedem schweren Gegenstand, der dagegen prallte, immer größer. Zwei Xenomorphs wirbelten direkt hindurch, doch ein dritter bekam den Rand zu fassen und klammerte sich mit seinen spinnenartigen Klauen verzweifelt in das beschädigte Material. Mehrmals prallten Trümmerteile gegen ihn. Es ließ jedoch nicht los, und schaffte es sogar, ein wenig gegen den Sog anzukämpfen.

Dann schlug eine menschliche Leiche gegen das Alien, und gemeinsam verschwanden sie in der Dunkelheit. Faulkner war Mains bester Freund gewesen. Er war tapfer gestorben und würde nun für immer dort draußen durch die Unendlichkeit treiben.

Der starke Sog der entweichenden Luft ließ nach. Irgendwo auf dem seltsamen Schiff mussten sich Notfallschots geschlossen haben. Der Lärm ebbte ab, und nur ein paar Sekunden umgab sie eine beinahe quälende, bedrohliche Stille.

Lieder erhob sich als Erste und half Mains auf die Beine. Sie hatten ihre Pistolen gezückt, und Mains wusste, dass seine Laser-Pistole nur noch Energie für ein oder zwei Schüsse übrig hatte.

Zumindest aber war der Android tot. Was immer Patton in seinen letzten Minuten versucht hatte, war fehlgeschlagen, als die Explosion ihm einen faustgroßen Metallsplitter ins Gesicht getrieben hatte. Sein Kopf war nur noch ein blutiges Durcheinander aus Fleisch, seinem Titanschädel und zerstörten Innereien. Im Bruchteil einer Sekunde war sein unvorstellbar komplexes Computersystem zerstört worden. Er mochte eine künstliche Lebensform gewesen sein, doch in der Realität war er genauso zerbrechlich wie ein Mensch gewesen.

»Johnny!«, sagte Lieder. Sie klopfte ihm auf die Schulter und griff mit ihrer anderen Hand nach ihrer Pistole. Er drehte sich um und spähte in die Richtung, in die sie sah.

In dem gezackten Loch der Schiffshülle bewegte sich etwas. Und als er sah, was es war, glaubte er für einen Moment, zu träumen. Vielleicht war er ja bereits tot.

»Warte«, sagte er und hielt sie am Arm zurück.

»Heilige Scheiße«, presste Lieder hervor.

Zwei Schemen tauchten in dem Loch auf. Zwischen ihnen hing ein Sicherheitsseil, das in den Weltraum hinausführte. Sie waren schwer bewaffnet.

»Sauerstoffwerte kritisch«, meldete sein Anzug. Ihm blieb nur noch Luft für zehn Minuten.

»In was für eine Scheiße seid ihr denn gelatscht?«, fragte eine Stimme.

»Durante«, sagte Mains. »Eddie … bist du's wirklich?«

Der Mann, der nun die Brücke betrat, war über zwei Meter groß, breitschultrig und kräftig. Sein Kampfanzug spannte bereits an einigen Stellen, obwohl er speziell für ihn angefertigt war.

»Ich wusste schon immer, dass ich dir eines Tages den Arsch retten würde«, antwortete der Hüne. Dann grinste er Lieder an. »Und wen haben wir hier?«

»Du gräbst nicht etwa schon meine Kameradin an, oder?«, fragte Mains.

Durante zuckte mit den Schultern.

Mains musste lachen: »Solche wie dich verspeist sie zum Frühstück.«

Durante sah sich auf der zerstörten Brücke um, als sich ein weiterer Umriss durch das Loch hereinschob.

»Hier war ganz schön was los, was, Johnny?«

»Es waren ein paar harte Wochen.«

»Was du nicht sagst.«

»Was soll das heißen?«, fragte Mains.

Durante sah ihn verwirrt an.

»Wir waren hier abgeschnitten. Keine Kommunikation, weder rein noch raus, außer dem Signal, das wir vor ein paar Minuten absetzten.«

»Dann wisst ihr also nicht, was da draußen los ist?«

»Nein. Wieso?«

»Ich erzähle es euch an Bord der Navarro. Seid ihr die Einzigen, die übrig sind?«

»Leider. Wie habt ihr uns gefunden?«

»Wir haben ein Notsignal von der Ochse aufgeschnappt. Wo ist sie?«

Die Ochse war nur wenige Minuten nach ihrer Bruchlandung auf dem Habitat explodiert. Eine Folge schwerer Gefechte, die sie sich mit einigen Yautja-Schiffen geliefert hatten, die von UMF 12 gestartet waren. Frodo, der Schiffscomputer, musste das Notsignal nur wenigen Minuten vor seiner Zerstörung ausgesendet haben.

»Die ist hinüber«, sagte Mains. Frodo war ihm ans Herz gewachsen. Der Schiffscomputer hatte beinahe so etwas wie eine Persönlichkeit entwickelt und sie alle hatten ihn als vollwertiges Mitglied ihrer Crew angesehen.

Durante grunzte, und dann bedeutete er ihnen, ihm zu folgen.

»Es sei denn, ihr habt diesen Ort mittlerweile so lieb gewonnen, dass ihr …«

»Bringen Sie uns bloß weg von hier«, unterbrach ihn Lieder. »Und lassen Sie auf Ihrem Schiff eine Verbindung nach Tyszka Star vorbereiten.«

»Wie es aussieht, haben wir uns alle einiges zu erzählen«, sagte Durante, als sie sich auf den Weg machten.

Mains und Lieder hielt sich aneinander fest, während sie unter den wachsamen Blicken von Eddie Durante und seinen HellSparks die Brücke überquerten.

Mains hatte den Mann seit über sieben Jahren nicht mehr gesehen. Auch er war ein Excursionist und befehligte ein weiteres Arrow-Schiff, das den Auftrag hatte, entlang der Grenze des Outer Rim zu patrouillieren. Sie hatten gemeinsam auf Tyszka Star trainiert und zuvor im gleichen Regiment der Colonial Marines gedient. Damals waren sie bereits gute Freunde gewesen, aber nachdem sie beide für die Excursionists ausgewählt worden waren, war ihre Freundschaft noch gewachsen. Trotzdem hätte Mains nie gedacht, Durante jemals wiederzusehen. Denn das sah ein Leben als Excursionist eigentlich nicht vor.

»Danke, dass du vorbeigekommen bist«, sagte er, als sie sich dem rauchenden Loch in der Hülle näherten.

»Hatte grad nichts Besseres zu tun«, sagte Durante. Er und Mains starrten hinaus auf die riesige, gewölbte Oberfläche des Yautja-Habitats und die unpersönliche Weite des Alls um sie herum.

Mains glaubte nicht an Gott, und deshalb dankte er im Stillen nicht ihm, sondern Eddie Durante, als man ihn und Lieder hinüber auf die Navarro brachte.

So wie auf allen anderen Schiffe der Arrow-Klasse war auch das Innere der Navarro von der HellSparks-Crew den eigenen Bedürfnissen angepasst worden. Die Aufteilung entsprach zwar im Prinzip der auf der Ochse, aber das Schiff fühlte sich trotzdem seltsam fremdartig an.

Nachdem sie die Luftschleusen passiert hatten und ihre Kampfanzüge herunterfuhren, ließen sich Mains und Lieder in zwei Flugsitze sinken und Durantes Sanitäter unterzogen sie einer ersten flüchtigen Untersuchung.

Radcliffe, eine kleine, elfenhafte Frau, verschaffte sich Zugang zu den CSU's der Anzüge, um ihren aktuellen körperlichen Zustand und einen möglichen dringenden Bedarf an Medikamenten abzufragen.

»Meine Güte, was habt ihr beiden denn da unten getrieben?«, fragte sie, überprüfte noch einmal die Anzeigen auf dem schwebenden Holo-Schirm und sah Lieder dann staunend und voller Ehrfurcht an.

»Wir haben mal die Seele baumeln lassen«, sagte Lieder. »Abends ein paar Drinks, eine Runde Backgammon und Kuschelsex zum Einschlafen.«

»Verstehe«, antwortete Radcliffe. »Also, ich werde mal was zusammenrühren, dass ich euch beiden verabreiche. Damit sollte es euch ein wenig besser gehen.«

»Sehr viel schlechter ist auch kaum noch möglich«, warf Mains ein. »Aber danke.«

»Kein Problem.« Radcliffe rief eine medizinische Einheit heran und verband sie mit dem Holo-Schirm. Dann tippte sie auf ein paar Kontrollen und sah zu, wie eine Reihe von Medikamenten ausgewählt wurden. Während sie mit ihrer Arbeit beschäftigt war, ließ sich Durante in einen Sitz neben ihnen fallen.

»Wir verschwinden von hier«, sagte er. »Die Sensoren zeigen an, dass sich auf diesem seltsamen Schiff immer noch einige dieser Mistviecher hinter den Notfallschotts herumtreiben.«

»Sie werden durchbrechen und versuchen, auf dein Schiff zu gelangen«, erwiderte Mains.

»Durch das Vakuum?«, fragte Durante zweifelnd.

»Sie werden kontrolliert«, erklärte Lieder. »Der Android, den du gesehen hast … er ist jetzt tot, aber er nannte sich selbst Patton, und irgendwie war er in der Lage, ihnen Befehle zu geben.«

»Xenomorphs, die als Waffe eingesetzt werden?« Durante riss die Augen auf.

Mains nickte. Ihm wurde schwindelig und er spürte, wie die Übelkeit in ihm aufstieg. Er schluckte das Gefühl wieder herunter. Dafür war jetzt nicht der richtige Moment.

»Patton … Patton …«, sinnierte Durante stirnrunzelnd.

»Ein General aus dem zwanzigsten Jahrhundert«, half ihm Lieder aus.

»Aber was soll das Ganze?«, fragte Durante. »Und was hat das mit der Invasion der Yautja zu tun?«

»Der was?«

Durante brachte sie auf den neuesten Stand. Er berichtete von den verschiedenen Kontakten quer durch das Outer Rim, von den Kämpfen, von der Armada der Yautja, die immer tiefer in die Menschliche Sphäre eindrang, und von den verschiedenen Anschlägen gegen Basen von Weyland-Yutani und den Colonial Marines. Die Zahl der Toten war enorm. Man hatte die Excursionists von jenseits des Rim zurückbeordert, um an der Grenze entlang zu patrouillieren, und obwohl im Augenblick so eine Art Waffenstillstand vereinbart worden war, befand man sich weiterhin im Krieg.

»Die Yautja fallen nirgendwo ein«, sagte Lieder.

»Das ist es ja, was allen solche Sorge bereitet«, antwortete Durante.

»Das ist es nicht.« Mains schüttelte den Kopf. Seine Übelkeit stieg wieder in ihm auf, und dieses Mal konnte er nicht anders, als sich seitlich vornüberzubeugen und sich zu übergeben. Ihm war hundeelend zumute. Er würgte mehrere Male und sein Erbrochenes klatschte auf den Boden und gegen die Stuhlbeine. Dankbar nahm er zur Kenntnis, dass die künstliche Schwerkraft der Navarro aktiv war. Er wünschte sich, jede furchtbare Erinnerung an die letzten Wochen mit herauskotzen zu können – die Erinnerung an all seine Freunde, die er hatte sterben sehen müssen.

»Du hast mein Schiff vollgekotzt«, stellte Durante fest.

»Ja.« Mains wischte sich den Mund ab. »Tut mir leid. Aber Eddie, ich muss dringend eine Nachricht zurück nach Tyszka Star schicken. Denn es nicht das Ziel der Yautja, um das wir uns Sorgen machen müssen. Sondern vielmehr das, wovor sie fliehen.«

Mains wusste, dass es einige Zeit dauern würde, bis General Wendy Hetfield, die Führerin der Excursionists, seine Nachricht empfangen und eine Antwort absenden würde. Und er wusste auch, dass Durante ungeduldiger wurde, dass er UMF 12 verlassen und seine Reise zurück ins Outer Rim fortsetzen wollte.

Dennoch konnte er seinen alten Freund dazu überreden, in einem stabilen Orbit um das Habitat zu bleiben, während er das kurze Signal verschickte. Es sei wichtig, erklärte er ihm. Vielleicht die wichtigste Botschaft, die er je verschickt hatte. Als Durante fragte, worum es darin ging, schlug Mains ihm vor, sich zu setzen und zuzuhören.

Genaugenommen lud er dazu sogar die gesamte Crew ein. Alle acht HellSparks, Lieder und er selbst drängten sich auf der kleinen Brücke zusammen, die ursprünglich nur für acht Personen ausgelegt war – und Durante nahm allein genug Platz für zwei Personen ein.

Dank des Arznei-Cocktails, den Radcliffe ihnen verabreicht hatte, ging es Mains und Lieder schon wesentlich besser. Um ihre unzähligen Verletzungen würde man sich ebenfalls bald kümmern, doch es würde länger dauern, die Folgen des wochenlangen Kampfes, der Dehydrierung und des Hungers zu kompensieren. Die Medikamente dienten im Moment nur als Puffer.

Schweigend saß Mains einen Moment lang da und ging in Gedanken noch einmal seine Nachricht durch. Dabei beschlich ihn das ungute Gefühl, dass diese vielleicht ihr aller Schicksal bestimmen könnte. Dann begann er.

»Hier spricht Lieutenant Johnny Mains, Kommandeur der 5th Excursionists-Einheit VoidLarks. Nach dreißig Tagen an Bord des Yautja-Habitats UMF 12 wurden wir von Lieutenant Eddie Durante und seiner 19ten Excursionist-Division gerettet. Sechs Soldaten meines achtköpfigen Teams sind tot. Nur Private Lieder und ich haben überlebt. Unser Schiff, die Ochse, ist zerstört. Während unseres Aufenthalts auf UMF 12 haben wir einige beunruhigende Entdeckungen gemacht.

Sofort nach unserem Eintreffen waren wir Kämpfen mit den Yautja ausgesetzt. Wie bei dieser Spezies üblich, griffen sie uns hauptsächlich einzeln und unabhängig voneinander an. Wir unternahmen mehrere Versuche, an Bord eines der Yautja-Schiffe zu gelangen, mit der Absicht, eines davon für eine Flucht zu verwenden, aber es gelang uns nicht, diese zu fliegen. Dann entdeckten wir ein seltsames Raumschiff, welches am Ende des Habitats angedockt war. Dort stießen wir auf Yautja-Leichen, die aussahen, als wären sie auseinandergerissen worden. Wir vermuteten zuerst, dass es sich um eine Art von Rebellion handelte, aber wir wurden eines Besseren belehrt.

Auf dem Habitat befanden sich Xenomorphs. Sie waren mit dem eigentümlichen Schiff dort eingetroffen, und obwohl uns auf diesem Schiff vieles rätselhaft vorkam, schien es doch menschlichen Ursprungs zu sein. An Bord des Schiffes befand sich ein Android, der sich selbst Patton nannte, wie ein General aus dem zwanzigsten Jahrhundert, und es hatte den Anschein, als wäre Patton in der Lage, die Aliens zu kontrollieren. Irgendwem muss es gelungen sein, diese Spezies in eine Waffe zu verwandeln.

Wenn die Xenomorphs tödlich verwundet werden, zerstören sie sich selbst. Manchmal explodieren sie, manchmal schmelzen sie auseinander. Teile ihres Exoskeletts bleiben aber hin und wieder erhalten, und so konnten wir bei verschiedenen Exemplaren Pattons Namen finden, der am Hinterkopf der Kreaturen eingebrannt war.«

Mains ließ seinen Blick über die Crew der Navarro schweifen. Ein paar von ihnen wirkten schockiert, während andere ihn ansahen, als hätte er vollkommen den Verstand verloren. Er konnte ihre Skepsis verstehen. Er war ausgemergelt, schwach, erschöpft und hatte offensichtlich einiges durchgemacht. Wahrscheinlich dachten sie, er wäre weltraumkrank geworden.

Andererseits saß Lieder neben ihm und bestätigte schweigend seine Geschichte. Es war unmöglich, dass zwei Personen die gleichen Wahnvorstellungen teilten.

»Aber da ist noch mehr«, sagte er. »Wir erreichten die Brücke des Schiffes, und nur wenige Augenblicke, bevor die Xenomorphs zu ihrem letzten Angriff ansetzten und Lieutenant Durante und seine HellSparks uns zu Hilfe eilten, entdeckte Private Lieder einige seltsame Signale, die von den Tiefenraumscannern aufgezeichnet wurden. Ich denke, es ist das Beste, wenn Lieder ihre Entdeckung selbst erläutert.«

Mains nickte Lieder zu. Sie beugte sich nach vorn und sprach in den Holo-Schirm, der ihr Bild und ihre Worte aufzeichnen und dann über Lichtjahre hinweg durchs All schicken würde. Mains wusste, dass diese Worte ungeheure Auswirkungen haben würden, obwohl er das, was sie erlebt hatten, selbst kaum glauben konnte.

»Ich habe Signaturen von Schiffen entdecken können, die sich dem Outer Rim aus einer Region weit jenseits von UMF 12 nähern. Mein Kampfanzug verfügt über gewisse … Modifikationen. Ich habe Zugang zu einigen verbotenen Quantenspeichern, von denen die Company sicher nicht … wie auch immer, das spielt nun keine Rolle mehr. Was jedoch eine Rolle spielt, ist die Tatsache, dass wenigstens sieben dieser Signaturen auf menschlichen Ursprung schließen lassen. Es sind Fiennes-Schiffe.«

Ein Raunen ging durch die Crew. Durante sah Mains fragend an. Mains nickte.

»Sie flogen mit unglaublich hohen Geschwindigkeiten«, fuhr Lieder fort. »Mit Sicherheit aber schneller, als es jedem Fiennes-Schiff möglich sein dürfte, und wahrscheinlich sogar noch schneller als unsere Arrow-Schiffe. Die CSU in meinem Anzug konnte zwei der Schiffe als die Susco-Foley und die Aaron-Percival identifizieren. Beide Schiffe verließen bereits vor Jahrhunderten das Sol-System. Keines dieser Schiffe war dafür konzipiert worden, jemals zurückzukehren, und auf jedem von ihnen befanden sich Zehntausende Kolonisten im Kälteschlaf. Nun, da ein Zusammenhang mit den Xenomorphs zu bestehen scheint, fürchten wir, dass …« Sie verstummte.

»Brutstätten«, sprang Mains für sie ein. »Wir befürchten, dass diejenigen, unter deren Kommando auch der Android stand, die Xenomorphs als Waffen missbrauchen und einen Angriff auf die Menschliche Sphäre planen, indem sie die alten Fiennes-Schiffe als Brutstätten für ihre neuen Waffen benutzen.«

Auf der Brücke wurde es still. Mains wusste, dass dieser Punkt reine Spekulation war, aber die Fakten sprachen für sich.

»Wir erwarten Ihre Befehle«, schloss er, dann nickte er Durantes Kommunikationsoffizier zu, der den Holo-Schirm abschaltete.

»Verdammt«, sagte jemand.

»Können Sie die Nachricht jetzt abschicken?«, fragte Mains. Der Kommunikationsoffizier nickte, dann sah er zu Durante, um sich von ihm die Erlaubnis abzuholen.

»Raus damit«, sagte Durante. »Und dann bringen wir unsere Freunde mal auf den neuesten Stand, was so alles passiert ist, während sie bei den Yautja Urlaub gemacht haben. Ich habe so das Gefühl, als würden uns interessante Zeiten bevorstehen.«

Ende der Leseprobe

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