Alien: Covenant

INHALTSBESCHREIBUNG


Auf dem Weg zu einem weit entfernten Planeten am anderen Ende der Galaxie entdeckt die Crew des Kolonisierungsraumschiffs Covenant einen Planeten, den sie für ein unentdecktes Paradies halten. Doch der vermeintliche Garten Eden entpuppt sich schnell als dunkle und gefährliche Welt.

Als die Crew sich daraufhin einer entsetzlichen Bedrohung jenseits ihres Vorstellungsvermögens gegenüber sieht, bleibt ihr nichts anderes als die Flucht. Doch diese fordert gnadenlos ihre Opfer …

Alien: Covenant ist das Schlüsselabenteuer, das dem bahnbrechenden ersten ALIEN-Film vorausgeht und zu Ereignissen führt, die den Kreis zu einer der furchterregendsten Sagas aller Zeiten schließen.

© 2017 Twentieth Century Fox

Pressestimmen

Die Geschichte war genau das was ich von der Alien Geschichte erwartet habe: Spannung, Nervenkitzel, Kampfszenen und eine Menge Blut.

Lesermeinung bei Büchertreff

Der Leser hat hier auch den Vorteil zu wissen, dass wo Alien drauf steht auch Alien drin ist.

Amazon Leser

Der Science-Fiction-Horror “Alien: Covenant” von Alan Dean Foster ist eine spannende, manchmal sogar philosophische Reise durch die Anfänge des Alien-Universums.

jiljordan

Kapitel 1

 

Es träumte nicht. Dazu war es nicht fähig. Das Fehlen dieser Fähigkeit war keine Absicht, kein Vorsatz. Es war einfach eine bekannte Konsequenz, die aus seiner Schöpfung resultierte. Der Gedanke dahinter war, dass es keine Überraschungen geben sollte.

Ohne ein unbewusstes Bewusstsein gab es auch keine abstrakte Begriffsbildung. Es fehlte die Ansammlung spekulativer Informationen, die zum Träumen notwendig war.

Und doch – gab es da etwas. Schwierig, es zu definieren. Im Grunde genommen konnte es nur seinen Zustand der Nichtexistenz definieren. Es konnte nur verstehen, was es nicht wusste, nicht sehen konnte, nicht spürte.

Im Fehlen des Träumens gab es auch keinen Schmerz. Es gab keine Freude. Von beidem gab es nicht einmal einen hypofraktionierten Prozentsatz. Es gab nur den anhaltenden Zustand eines nicht ganz vollständigen Nichts. Beinahe zu sein.

Dann eine Wahrnehmung, die zu einem Gedanken führte. Analyse: mögliche visuelle Reizaufnahme. Eine Voraussetzung für auxiliäre neurale Stimulation. Neuronen wurden abgefeuert. Elektrische Impulse verschickt. Es gab eine kleine aber unbestreitbar neuromuskuläre Reaktion.

Augen öffneten sich.

Es konnte sein Gesicht nicht sehen. Hätte es das gekonnt, und hätte es weitere kognitive Fähigkeiten gekannt und diese aktiviert, hätte es ein menschliches Gesicht bemerkt. Frisch, makellos, ohne Falten durch hohes Alter oder zu viel Nachdenken. Gleichmäßig und gut aussehend. Blaue, regungslose Augen. Neu. Dieses spezielle Gesicht würde nicht den Geist widerspiegeln, der dahinter verborgen lag. Sowohl das Gesicht als auch der Geist waren konzipiert worden – programmiert –, aber nur eines davon war in der Lage, sich zu verändern.

Akustische Wahrnehmung. Das Erkennen äußerer Geräusche. Als Reaktion darauf erwachten weitere neurale Verbindungen. Es hörte eine Stimme, die Worte formte. Sie zu verstehen, war leicht; sogar leichter als aufzuwachen.

»Wie fühlst du dich?«

Langsam.

Es musste sich langsam bewegen. Achtsamkeit war lebensnotwendig. Es war wichtig, dass der ungeduldige Körper dem beschleunigten Geist untergeordnet blieb.

Einen vorläufigen Test ausführen, und dann bestenfalls einen, bei dem verschiedene Systeme miteinander interagierten.

Langsam, methodisch, öffneten und schlossen sich Augenlider. Die Frage bedurfte einer verbalen Antwort. Die Bewegung von Luft, Lippen, Zunge.

»Lebendig.« Seine Stimme war ruhig, gleichmäßig. Normal. Vielleicht mit einer Spur Überraschung – die Aufmerksamkeit konzentrierte sich noch eher auf das eigene Befinden als auf den Fragesteller. »Blinzeln … fühlen … blinzeln.«

»Sehr gut« sagte die Stimme. »Was noch?«

»Leben. Blinzeln.« Zur Bekräftigung blinzelte es … er wieder. Die Programmierung bestätigte jetzt, ein Er zu sein … die gleichen neuralen Bahnen, leicht verbesserte Geschwindigkeit, gleiches Ergebnis. Gut. Erfolgreiche Wiederholung bestätigte die Funktionsfähigkeit.

Ganz in der Nähe lächelte ein Mann. Genugtuung war seinem Gesicht abzulesen, aber keine Wärme. Er legte den Kopf leicht schief, während er die Gestalt studierte.

»Was siehst du?« Als keine Antwort folgte, fügte er ermutigend – oder vielleicht befehlend – hinzu: »Sprich.«

Es-Er suchte den umgebenden Raum ab, analysierte, identifizierte. Eine Flut von Informationen externer Quellen: visuell und akustisch. Nichts davon überwältigend. Mühelos aufgenommen. Ein unerwarteter Genuss stellte sich ein, jene Art der Befriedigung, wenn man etwas besonders gut tat. Erkenntnisse stürzten auf ihn ein.

Der Raum war groß. Aus einem Boden aus Milchglas und Quarz wuchs eine Fülle an Mobiliar, alt und neu, wie seltene Blumen in einem sorgfältig angelegten Garten. Das Design war exquisit, der Geschmack erlesen. Kunstwerke zierten die Wände; und die Wände waren ihrerseits Kunstwerke, durch die Wahl der Materialien, mit denen man sie errichtet hatte. Die Beleuchtung variierte in dem Raum, je nach Bedarf.

Es-Er fuhr damit fort, den Raum zu untersuchen, während Es-Er gleichzeitig identifizierte. Die Identifizierung erfolgte verbal, wie gewünscht.

»Weiß … Raum … Stuhl. Thron. Carlo-Bugatti-Thron. Hauptbestandteile Walnuss und geschwärztes Holz. Zinn, Kupfer, Messing. Leicht restauriert.« Die Augen fuhren umher, fütterten das Gehirn mit Informationen. »Piano. Steinway Konzertflügel. Geeignet für alle Arten von Kompositionen. Von Pergolesi über Penderecki bis Pang-lin. Die Alliteration ist gewollt.«

»Spinnennetz in der Ecke«, fuhr Es-Er fort. »Pholcus phalangioides, Webspinne. Besser bekannt als Große Zitterspinne oder Daddy Langbein. Harmlos. Ebenfalls harmlos: Piano-Spinnen-Musik-Verbindung: Fred Astaire, Tänzer, Kinofilm Daddy Langbein, 1955.« Augen in Bewegung, alles in sich aufnehmend. Identifizierend und bewertend.

»Kunst. Natività, die Geburt Christi, von Piero della Francesca, Italiener, 1416 bis 1492 …« Sein Blick fand Weyland. Er verstummte.

»Ich bin dein Vater«, unterbrach Weyland das Schweigen.

Weyland, Sir Peter. Geboren am 1. Oktober, 1990. 2016 zum Ritter geschlagen.

Es-Er dachte sorgfältig nach, bevor Es-Er antwortete.

»Mensch.«

»Ich bin dein Vater«, wiederholte Weyland. Lag da ein Anzeichen von Verärgerung in seiner Stimme? Oder lediglich Ungeduld? Es-Er entschied, nicht länger auf dem Punkt zu beharren. Es gab nichts zu gewinnen. In Ermangelung weiterer Fragen schwieg Es-Er weiter.

»Blinzele«, befahl Weyland.

Es-Er tat es. Es bedurfte nicht länger einer Analyse vor der Befolgung einer Anweisung – nur die Reaktion. Die simple neuromuskuläre Erwiderung bedurfte nur einer kleinen Anstrengung. Weyland seufzte leicht und wählte seine nächsten Worte mit Bedacht.

»Bewege dich.«

Es-Er erhob sich von dem Platz, an dem Es-Er nicht gestanden hatte, und lief. Da es keine genaue Anweisung gab, entschied Es-Er, seinen Weg selbst wählen zu können. Das brachte Es-Er dazu, schrittweise ein paar Objekte in dem Raum zu untersuchen. Das tat Es-Er schweigend, ohne aus eigenem Antrieb eine Konversation zu beginnen.

»Perfekt«, sagte Weyland.

Es-Er hielt inne und lenkte seine Aufmerksamkeit vom Leblosen zum Lebendigen.

»Bin ich das?«

»Perfekt?« Weyland schien leidlich überrascht, zu diesem Zeitpunkt der kognitiven Entwicklung schon eine Frage gestellt zu bekommen. Überrascht, aber nicht erfreut. Es implizierte so viel mehr als die reine Fähigkeit zur Konversation. Das war zu erwarten gewesen, aber nicht so früh.

»Nein«, korrigierte Es-Er. »Bin ich dein Sohn? Gewisse Aspekte der Wahrnehmung korrelieren nicht mit dieser Schlussfolgerung.«

Weyland antwortete sofort, als hätte er mit einer solchen Frage gerechnet. »Du bist meine Schöpfung.«

Analyse: »Das ist nicht zwangsläufig das Gleiche.«

»Semantik«, beharrte Weyland. »Ich bestimme dich. Das genügt. Für deinen Einsatzzweck ist das ausreichend.«

Dieses Mal keine Diskussion. Stattdessen: »Wie heiße ich?«

Das verblüffte Weyland. Offenbar war er nicht auf alles vorbereitet. Er dachte einen Moment darüber nach. Er musste improvisieren, was auf ganz eigene Art für einen Erfolg mindestens so wichtig war wie gute Vorbereitung.

»Sag du es mir«, antwortete er. »Such dir deinen Namen aus. Deine erste selbstbestimmte Tat.«

Es-Er sah sich um. Die Einrichtung bot genügend Inspiration. Seine Gedanken schufen neue Bahnen. Es sollte bedeutungsvoll sein, aber leicht auszusprechen, leicht zu merken. Nichts emotional Aufdringliches.

Seine optischen Sinne stoppten und identifizierten Michelangelos David-Statue aus Carrara-Marmor. Es-Er konnte die leichten Erhebungen und Gravierungen des Flachmeißels erkennen. Eine Kopie möglicherweise, aber mit echter Kreativität angereichert. Nicht zwangsweise ein Widerspruch. Er lief zu ihr hinüber.

»David«, sagte er. Von Michelangelo di Lodovico Buonarroti Simoni. Im Sommer 1504 vollendet und errichtet. »Wir sind David.« Es-Er streckte eine Hand aus und stellte Kontakt mit dem Stein her. Er war kalt, trocken, unnachgiebig. Nicht menschlich, und doch so überaus menschlich. »Wunderschön und kalt.«

»In jeder Hinsicht perfekt«, pflichtete Weyland bei.

»David«, raunte er. Laut ausgesprochen in diesem wunderschönen, teuren, sterilen Raum, empfand er den Klang seines eigenen Namens als befriedigend. Er würde genügen. Er drehte sich zu Weyland um, der ihn beobachtete. Ein Netzwerk aus Neuronen erzeugte Neugier. »Warum hast du mich geschaffen?«

Der Industrielle war entzückt.

»Abstrakte Fragestellung, gut …«

Das war weder eine Antwort, noch schien es ausweichend gemeint zu sein.

David versuchte es noch einmal. »Warum hast du mich geschaffen, Vater?«

Die nächste Antwort wich der Frage aus. Sie implizierte eine Erwartungshaltung und Neugier. Beides korrelierte exakt mit dem, was David erlebte, und er verstand.

»Spiele.« Weyland deutete auf den Konzertflügel. David ging zu dem Instrument hinüber und nahm sich kurz Zeit, die Bank davor zu untersuchen. Ihre Höhe, Stabilität, Funktion.

Er nahm ohne Mühen Platz.

Schweigen, und dann fragte er: »Was möchtest du, dass ich spiele?«

Weyland dachte einen Moment darüber nach. »Wagner«, sagte er schließlich.

David antwortete, ohne zu zögern oder Weyland anzusehen: »Medley.«

Zum zweiten Mal wählte Weyland das Geschenk der freien Wahl. »Der Geber entscheidet.«

Die Antwort kam sofort: »Einzug der Götter in Walhall?«

Ein weiterer erstaunter Blick. »Ohne Orchester? Das wäre anämisch. Brians Gotische ohne die Chöre. Hovhanesses St. Helens ohne das Tam-Tam. Markhonim ohne den Berg. Verwässert.«

»Findest du?« David ließ sich nicht abbringen. »Wir werden sehen.«

Er begann zu spielen.

David spielte nicht einfach nur, indem er auf perfekte Art und Weise die berühmte Passage aus dem Rheingold wiedergab, sondern schuf während des Spiels gleichzeitig seine ureigene Variation des Themas. Die Musik schwoll an, während sich Weyland an seiner Schöpfung erfreute.

»Erzähle mir die Geschichte«, forderte er den Künstler auf.

»Das ist das Ende der Oper Das Rheingold.« Trotz der Hochherzigkeit der Musik blieb Davids Reaktion emotionslos. Seine Stimme blieb exakt die gleiche, während er spielte, egal, ob die Musik in pianissimo oder fortissimo erklang. An den geeigneten Stellen erzitterte das Instrument unter seinen Fingern, seine Worte jedoch nicht.

»Die Götter haben den Menschen den Rücken gekehrt, weil sie schwach, unbarmherzig und von Habgier besessen sind, und deshalb verlassen sie auf immer die Erde, um in ihr perfektes Himmelreich zurückzukehren – die Festung Walhalla. Doch jeder ihrer Schritte ist von Tragödien überschattet, denn die Götter sind verdammt. Es ist ihr Schicksal, in einem verheerenden Feuer zu sterben, das nicht nur sie, sondern Walhalla selbst verschlingen wird. Sie sind so korrupt wie die Menschen, die sie zurückließen, und ihre Macht ist nur eine Illusion.«

Unvermittelt hörte er auf zu spielen, irgendwo in der Mitte der Regenbogenbrücke.

»Es sind falsche Götter.«

Weyland war fasziniert. »Wieso hast du aufgehört? Du hast so wundervoll gespielt. Deine persönliche Interpretation war – perfekt.«

Zum ersten Mal beantwortete David eine Frage mit einer Gegenfrage. »Darf ich dich etwas fragen, Vater?«

»Bitte.« Es schien, als ob er damit gerechnet hatte. »Frag mich, was immer du willst.«

»Wenn du mich geschaffen hast«, sagte David, »wer schuf dann dich?«

»Ah, die Frage aller Fragen, von der ich hoffe, dass du und ich sie eines Tages beantworten werden. Du bist elegant, makellos und aufrichtig, David, während die Antwort auf diese Frage es nicht ist. Besonders nicht angesichts der ungeheuren Vielfalt von Optionen, wie sie von vielen begünstigt werden. Wir werden unsere Schöpfer finden, David. Schöpfer, denn was unsere Schöpfung anbelangt, glaube ich nicht an die Einzigartigkeit.«

»Außer bei dir selbst«, berichtigte David ihn. »Du bist einzigartig.«

»Das bin ich, im wahrsten Sinne des Wortes«, stimmte Weyland zu. »Aber ich bin eine Ausnahme.«

David dachte darüber nach. »Jeder hält sich selbst gern für einzigartig. Man kann sich nicht selbst definieren.«

Weyland tat die Bedenken seiner Schöpfung mit einem Schulterzucken ab.

»Dann werde ich es anderen überlassen, mich so zu definieren, wie sie wollen, und bin mit meiner persönlichen Meinung zufrieden. Ich wiederhole: Wir werden unsere Schöpfer finden. Wir werden uns ihnen zu erkennen geben und an ihrer Seite Walhalla betreten.« Er schritt durch den luxuriösen Raum und deutete auf eine unbezahlbare Skulptur, ein einzigartiger Guss, ein herausragendes Zeugnis der Fähigkeiten des Künstlers. Die ganze Zeit über wurde er von den beiden einzigen anderen Augen im Zimmer verfolgt. Gemustert.

»All das … diese Wunder an Kunst und Design und menschlicher Genialität, sind beispielhaft für die großartigsten Schöpfungen der Menschheit.« Er drehte sich um und betrachtete seinen Nachkommen. »Diese Dinge … und du. Die herausragendsten Schöpfungen von allen. Denn du bist Kunst, David.« Er deutete in den Raum. »Der David, der du bist, ist so viel Kunst wie diese außergewöhnliche Skulptur dort. Und doch ist alles, all das hier, und ja, auch du, bedeutungslos angesichts der einzigen Frage, die zählt. Woher kommen wir?«

David, der vor einem Triptychon von Bacon stand und von dessen sich vor Schmerzen krümmenden Monstern eingerahmt wurde, beantwortete die Frage erneut mit einer Gegenfrage: »Wieso glaubst du, dass wir von irgendwoher kommen?« Zum ersten Mal seit seinen ersten Worten war eine Betonung in Davids Worten auszumachen. »Die Vielen, die du erwähntest, glauben nicht daran, dass wir von irgendwoher kommen. Wieso sollten sie falsch liegen, und du richtig?«

Weyland stieß ein schwaches Grunzen aus.

»Die Geschichte der Wissenschaft ist ein ausgezeichnetes Beispiel für Minderheiten, die der Masse das Gegenteil bewiesen. Darum geht es in der Forschung. Darum geht es in der Kunst. Turner und Galileo studierten den Himmel und teilten die gleiche Geisteshaltung, während sie sich der Sache von verschiedenen Seiten aus näherten. Ich sehe mich selbst als einer von ihnen.«

»Ich weigere mich zu glauben, dass die Menschheit nur eine zufällige Randerscheinung molekularer Umstände ist«, fuhr er fort. »Kaum mehr als das Resultat eines biologischen Zufalls und träger Evolution. Wenn ich so etwas sage, dann als Wissenschaftler. Es gehört mehr dazu, als ein Blitz, der eine Kohlenstoffsuppe in Bewegung versetzt. Da ist mehr. Da muss mehr sein, und wir werden es finden, Sohn.« Er machte eine Handbewegung, die den Raum und seine ganze Pracht einschloß. »Anderenfalls hat nichts von alledem eine Bedeutung.«

David schwieg für einen Moment, bevor er antwortete. Dieses Mal nicht als Frage.

»Erlaube mir dann, darüber nachzudenken.«

Mit jedem Wortwechsel erstarkte er mehr und mehr als individuelles Wesen und sein Selbstvertrauen in seine Fähigkeit zur Kommunikation wuchs.

»Du hast mich geschaffen. Und doch bist du unvollkommen. Das lässt sich erkennen, auch wenn du es nicht direkt ansprichst. Ich selbst, der ich perfekt bin, werde dir dienen. Und doch bist du menschlich. Du suchst nach deinem Schöpfer. Ich sehe meinen vor mir. Du wirst sterben. Ich nicht. Das sind Widersprüche. Wie werden diese gelöst werden?« Er starrte den Industriellen mit undurchdringlicher Miene an.

Weyland deutete zu seiner Rechten.

»Bring mir die Tasse Tee.«

Ein dampfendes Teeservice stand auf einem Tisch weniger als einen Meter von ihm entfernt. Es wäre ein Leichtes für ihn gewesen, sich umzudrehen und die Tasse selbst aufzunehmen. Davids starrer Blick wich nicht von ihm, sein Gesichtsausdruck blieb unverändert. Weyland wiederholte die Frage, nur etwas nachdrücklicher.

»Bring mir die Tasse Tee, David.«

Um das zu tun, musste David den gesamten Raum durchqueren. Obwohl ihm die Unstimmigkeit zwischen der Bitte und der Realität nicht entging, folgte er der Aufforderung. Mit einer geschmeidigen Bewegung nahm er die Kombination aus Tasse und Untertasse auf und reichte sie Weyland.

Nach einem Moment, dessen Bedeutung wichtiger war als die reine Dauer, nahm Weyland die Tasse entgegen und nippte daran.

Die Frage war beantwortet und der Standpunkt dargelegt worden, mit einem Minimum an Worten. David war erschaffen worden, um zu dienen. Diese Beziehung duldete keine weitere Diskussion. Da gab es nichts zu debattieren, kein Abwägen von Befindlichkeiten. Die Schöpfung diente dem Schöpfer. Das war ein Fakt, und Fakten ließen sich nicht verändern. Vorausgesetzt, dass man sie zuvor als Fakt bewiesen hatte. Ausgehend von den wissenschaftlichen Grundsätzen war dies nur möglich, indem man seine Studien anwendete, um Beweise für seine Theorien zu finden. Wenn man hinreichend Beweise anhäufen konnte, hatte man einen Fakt. Der fehlende Bestandteil war die Zeit.

David stand schweigend neben Weyland und wartete auf die nächste Frage oder den nächsten Befehl. Er hatte eine Menge Fragen.

Und genügend Zeit.

Ende der Leseprobe

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