Buchcover:

Alamo

INHALTSBESCHREIBUNG


Bei seinem langen Rückzug aus Philadelphia erreicht das Erste Bataillon unter Lt. Colonel Lee die geheime Regierungsanlage auf Mount Weather. Sofort lässt Lee das Fort rund um das Operationszentrum absichern, doch dann erfährt er von einem Ausbruch der Seuche in den darunter befindlichen Bunkeranlagen, in denen sich die US-Regierung verschanzt hat. Die Präsidentin selbst wurde infiziert.

Während außerhalb des Komplexes Tausende der infizierten Klowns den Zufluchtsort belagern, dringen Sergeant Muldoon, Corporal Rawlings und ein Platoon der Lightfighters in die unterirdischen Tunnelgänge der Anlage vor. Ihre Mission lautet, die Präsidentin der Vereinigten Staaten zu töten.

Kapitel 1


Kichernd, glucksend, gackernd, es gab so viele Arten zu lachen.

Gehässig, jubelnd, wiehernd, kreischend wie ein Baby, jede Art drückte etwas anderes aus.

Die Nuancen der Freude, die Klaviatur des Schmerzes.

Überall in Amerika setzte sich das Gemetzel mit einem misstönenden, künstlichen Lachen fort.

Das Ende war nah.

 

Kapitel 2


Das verlorene Bataillon wälzte sich durch Geisterstädte und wirbelte dabei eine gigantische Staubwolke auf.

Ausgebrannte Häuser. Gebäude, die von Graffiti verunstaltet wurden. Allgegenwärtiger Abfall.

Verworrene Dioramen voller Schmerz und Folter, geronnenem Blut und Tod. Körperteile, die in einer gewaltigen Spirale auf einem grasbedeckten Feld angeordnet worden waren. Ein Trio aufgespießter Polizisten, die in den Himmel starrten, während ihre Hände hinter dem Rücken zusammengebunden und ihre Münder in einem letzten, verzweifelten Schrei erstarrt waren. Ein Kind, das an eine Tür genagelt worden war.

Alles Totems, die ein Territorium markierten. Dieses Land war ihr Land.

Das Bataillon erinnerte kaum noch an eine militärische Einheit. Die gigantische Karawane aus Fahrzeugen und Überlebenden, die zu Fuß unterwegs waren, bewegte sich nur noch im Schneckentempo vorwärts. Zahlenmäßig waren die Zivilisten den Soldaten längst überlegen. Das Bataillon war ein zusammengewürfelter Haufen, der sich in den letzten heißen Sommertagen auf Nebenstraßen vorankämpfte. Nur dank der Gnade Gottes waren sie immer noch am Leben.

Sie waren aus Philadelphia geflüchtet und hatten Maryland auf dem Highway 1 erreicht, bevor sie auf dem Weg nach Westen Wilmington und Baltimore im großen Bogen umrundeten. Ihr Ziel war weiterhin Florida, obwohl sie sich nach der langen Zeit fragten, ob das überhaupt noch existierte.

Nachts leuchtete der Horizont im Osten rot auf. Die tief hängenden Wolken glühten wie heiße Kohlen. Gedämpftes Donnern unterbrach die Stille. Panzer. Washington wurde immer noch von der 1st Marine Division gehalten. Um die Stadt zu retten, hatten sie diese zwar zerstören müssen, aber die Marines gaben nicht auf. Sie würden die Hauptstadt so lange halten, bis die Munition aufgebraucht war und danach ihre Bajonette aufstecken.

In drei Tagen sollte das Bataillon die High Point Special Facility auf dem Mount Weather erreichen. Im Emergency Operations Center würden sie ihre Vorräte auffrischen können und Schutz finden. Dort hielt sich momentan die Regierung der Vereinigten Staaten auf und operierte aus ihrem unterirdischen Bunker heraus. Das Bataillon könnte sich ausruhen und neu organisieren. Ihren Familien Schutz bieten. Sich den Überresten der U.S. Army anschließen. Sie waren schon so nah.

High Point. Das Alamo der U.S. Regierung.

 

Kapitel 3


Ein Wald aus Kreuzen.

Zuerst waren da nur die Strommasten. Masten aus Fichtenkiefer, die sich alle hundert Yards mehr als zehn Yards über den Boden erhoben. An jedem Mast hing an den Handgelenken oder den Füßen ein Mann, eine Frau oder ein Kind, viele ausgeweidet, andere geblendet.

Der Anblick der Toten war schon schrecklich genug, doch einige der Gepfählten lebten sogar noch, infiziert und keuchend vor Gelächter. Als das Bataillon weiterzog, wurde das Gelände neben der Fahrbahn nach und nach von aufwendigen Konstruktionen aus Brettern und Möbeln bedeckt, auf denen man gekreuzigte menschliche Überreste mit Stacheldraht festgezurrt hatte.

Dunkle Schwärme wütender Fliegen erfüllten die Luft.

Lt. Colonel Harry Lee starrte aus seinem Humvee heraus auf diesen neuen Horror und murmelte: »Colonel Bell meinte, die Klowns wären die nächste Stufe der Evolution.«

»Okay, aber der Kerl war doch vollkommen durchgeknallt, Sir«, antwortete Sergeant Mike Murphy, der am Steuer des Humvees saß.

»Selbst eine kaputte Uhr zeigt zweimal am Tag die richtige Zeit an.«

Eine ganze Stadt war an diesem einsamen Abschnitt der Straße, die nach Bluemont führte, gekreuzigt worden. Der ungeheure Aufwand, den man dafür betrieben haben musste, überstieg Lees Vorstellungsvermögen.

Er fühlte bei dem Anblick nicht einmal Abscheu. Ganz egal, was die Klowns ihm zeigten. Er fühlte überhaupt nichts. Und das war erschreckender als alles andere.

Selbstmorde forderten inzwischen mehr Leben als die Klowns. Selbstmorde und Fahnenflucht. Das Bataillon brauchte dringend eine Pause. Einen Moment, um wieder zur Vernunft zu kommen.

Murphy räusperte sich und meinte dann: »Denken Sie, dass er richtig lag? Damit, dass sie die nächste Stufe sind?«

»Evolution bedeutet doch das Überleben des Stärkeren, oder?«

Der Sergeant antwortete nicht. Lee stellte sich eine Welt vor, in der sie ausgelöscht sein würden. Eine Welt voller Kannibalen. Lachende Wahnsinnige, die in den Ruinen einer Zivilisation herumtobten, die sie selbst zerstört und längst vergessen hatten. Eine Stammesgesellschaft, aufgebaut auf Sadismus.

Kriegsführung als Ritual, bei dem der Gott des Schmerzes verehrt wurde. Das Konzept der Familie als Keimzelle jeder Gesellschaft war verschwunden, Kinder waren die Ergebnisse von Vergewaltigungen, wenn überhaupt noch welche geboren wurden. Die Menschheit würde langsam aussterben.

»Wir sind immer noch stark, Sir«, antwortete Murphy nach einer Weile. Doch er klang nicht wirklich überzeugt davon.

Das Funkgerät übertrug eine endlose Folge von Routinemeldungen und Fragen. Der Humvee vor ihnen stieß fauchend eine Abgaswolke in die heiße Sommerluft aus. Ein großer Soldat stand kerzengerade in der Kuppel, das .50 Maschinengewehr zur Seite gerichtet.

Lee antwortete: »Ich glaube auch, dass wir das sind. Wir müssen uns in Mount Weather nur neu organisieren.«

Sie hatten inzwischen wesentlich mehr Münder zu stopfen. Deswegen mussten sie eine Inventur ihrer Vorräte machen und sich ein neues Verteilungssystem für Essen und Wasser einfallen lassen. Wenn die eine Hälfte der Kriegsführung Feuerkraft war, so bestand die andere aus Logistik. Sie brauchten unbedingt mehr Fahrzeuge und Treibstoff, sonst würden sie auf Dauer mit vier Meilen pro Stunde dahinschleichen. Die Reste der 56. Stryker Brigade, die zusammen mit ihnen aus Philadelphia geflüchtet waren, mussten integriert werden. Eine gewaltige Aufgabe.

Lee seufzte erschöpft. Er hatte seit sechsundzwanzig Stunden nicht geschlafen. Seine Kopfschmerzen, die in Boston angefangen hatten und sich seitdem zu einem konstanten brennenden Schmerz hinter seinen Augen entwickelten, ließen einfach nicht mehr nach. Selbst alles Advil der Welt konnte ihnen nicht die ätzende Schärfe nehmen.

Lee war müde. Murphy war müde. Sie alle waren vollkommen erschöpft. Besiegt und in den Rückzug getrieben von gewaltigen Armeen aus Kannibalen, die noch vor Monaten durchschnittliche amerikanische Bürger gewesen waren. Vollbärtig und ausgemergelt durch die ständige Rationierung der Lebensmittel. Lee fragte sich, warum sie überhaupt noch weitermarschierten. Ziel ihres Rückzuges war es ursprünglich, nach Florida zu gelangen und sich dort wieder der Armee anzuschließen. Doch dann hatten bahnbrechende Ereignisse stattgefunden, die Major Walker vorausgesehen hatte. Sie schafften es gerade noch rechtzeitig aus Boston heraus, schlugen sich bis nach Fort Drum durch und entgingen dort nur knapp einem Blutbad. Sie machten sich nach Philadelphia auf, das unter Belagerung stand, und mussten mit ansehen, wie die Stadt durch zivile Jumbojets ausradiert wurde.

Während sie all das durchstanden, fand ein weiteres bahnbrechendes Ereignis statt. Das militärische Funknetz verstummte. Eine Einheit nach der anderen verschwand aus dem Netz. Nur die Marines in Washington waren permanent auf Sendung. Manchmal hörten die Funker kreischendes Gelächter und Schreie von Funkstationen, die noch Tage zuvor funktionierende militärische Einheiten gewesen waren.

Das Amerika, das sie kannten, lag im Sterben.

Selbst die Notfallbunker der Regierung verstummten Stück für Stück. Das Bataillon hatte bereits einen von ihnen passiert, Site R, den Raven Rock Mountain Complex in Philadelphia. Sie nannten es auch das Untergrund-Pentagon. Während High Point das Alamo der Regierung war, stellte Site R das des Militärs dar.

Lee hatte einen Aufklärungstrupp losgeschickt, um den Standort zu überprüfen, während der Konvoi durch Gettysburg rollte. Lieutenant Ellis stellte fest, dass ein gewaltiger Waldbrand den gesamten Berg in Flammen gesetzt hatte. Inzwischen hatten sie auch den Kontakt mit der High Point Special Facility verloren. Trotzdem war diese Einrichtung immer noch ihr Ziel. Ihnen blieb gar keine andere Wahl, als zu hoffen. Doch Lee hatte keine Ahnung, was sie dort erwartete.

Manchmal dachte er, dass sie wohl besser in Boston gestorben wären. Sie hatten zwar bisher überlebt, aber man konnte es kaum Leben nennen.

Mit vor der Brust hängendem Gewehr ging ein Soldat an Lees kriechendem Fahrzeug vorbei und trug dabei ein kleines schlafendes Mädchen auf dem Rücken. Um ihre Familien zu retten, hatten sich die Lightfighter ihren Weg über vierhundert Meilen freigeschossen. Etliche von seinen Männern hatten es nicht bis nach Philadelphia geschafft. Vielen ihrer Familienmitglieder ging es ähnlich. Aber genau so viele wurden wieder vereint. Sie hatten es schließlich doch überlebt, und allein das fühlte sich wie ein Sieg an.

Es fühlte sich an, als ob es trotz allem so etwas wie eine Zukunft für sie geben könnte.

Das Amerika, das Lee kannte, lag vielleicht im Sterben, aber diese Menschen waren noch am Leben, und das war alles, was zählte. Seine Welt war in den letzten Monaten deutlich kleiner geworden. Ihre Mission bestand nicht länger darin, das Land zurückzuerobern, sondern einfach nur zu überleben.

»Wir werden nicht aufgeben«, sagte Lee.

Jemand musste überleben.

Ende der Leseprobe

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