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ABENTEUER LASS NACH

ABENTEUER LASS NACH

  • Format: Taschenbuch
  • Seiten: ca. 432
  • ISBN: 978-3-95835-257-5

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ABENTEUER LASS NACH

  • ISBN: 978-3-95835-258-2

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Seit Martin Banks und seine Computerfreak-Freunde entdeckt haben, dass die Wirklichkeit nichts weiter als ein Computerprogramm ist, das nur darauf wartet, gehackt zu werden, reisen sie fröhlich in der Zeit hin und her und geben sich als mittelalterliche Zauberer aus. Dabei erleben sie die Art epischer Abenteuer, von denen andere Nerds nur träumen können. Aber selbst in ihren wildesten Träumen hätten sie sich nicht ausmalen können, dass sie eines Tages der Gnade ihres ehemaligen Lehrlings ausgeliefert sein würden, den sie wegen groben Magie-Missbrauchs und ganz allgemein bösen Verhaltens ins Gefängnis gebracht hatten.

Wer hätte gedacht, dass der rachgierige Todd entkommen würde, um dann ein Computerspiel voller Wölfe, Weibsbilder, Wüstenei und anderer grauenhafter Gefahren heraufzubeschwören—und seine unglückseligen ehemaligen Freunde darin gefangen zu halten? Ihrer magischen Kräfte beraubt, müssen sich die Möchtegern-Zauberer schrecklichen Gefahren, technischen Pannen und der Gesellschaft ihrer Freunde stellen.

Werden sie jemals ihr Zuhause im mittelalterlichen England — und ihre Lieblings-Science-Fiction-Filme auf VHS — wiedersehen? Werden unsere Helden dieses Magical-Mystery-Martyrium überstehen? Oder wird es sie und ihre spitzen Hüte nur noch weit größeren Gefahren aussetzen?

Prolog

Es war ein bedeutsamer Tag in Camelot. Nicht so bedeutsam wie der Tag, an dem ein zeitreisender Computerfreak namens Philip erschienen war, sich als Zauberer vorstellte und Fähigkeiten demonstrierte, bei denen es sich tatsächlich um wahrhaftige Magie zu handeln schien. Nicht so bedeutsam wie der Tag, an dem ein anderer Zauberer, der sich selbst Merlin nannte, den König dazu überredet hatte, seinen ältesten Sohn fortan in Arthur und die Stadt London in Camelot umzubenennen. Und ganz sicher nicht so bedeutsam wie der Tag, an dem die Bauarbeiten an der ungeheuer riesigen, vergoldeten Burg im Herzen Camelots abgeschlossen worden waren.

Möglich machte all diese Dinge eine Computerdatei, auf die Philip, Jimmy, Merlin – oder, wie er ursprünglich hieß und eines Tages auch wieder heißen würde –, und all die anderen Zauberer gestoßen waren. Die Datei war der Beweis dafür, dass die Realität lediglich ein Konstrukt war, das von einem Computerprogramm gesteuert wurde. Veränderte man die Datei, so konnte man damit die Realität selbst verändern, durch die Zeit reisen und sonstige Dinge hervorbringen, die, kurz gesagt, magisch waren. Dinge wie die Initiation eines neuen Zauberers, jenes bedeutsame Ereignis, welches an diesem Tag geplant war.

Niemand wusste, dass dies zugleich der Tag sein würde, welcher den Zauberern von Camelot zum ersten Mal einen Grund dafür liefern würde, einen Zauberer zu verstoßen und ihn zurück in seine eigene Zeit zu verbannen. Es war, wie wir bereits festgestellt haben, ein bedeutsamer Tag.

Alle Zauberer Europas waren in der großen Festhalle von Burg Camelot versammelt. Sie labten sich an gutem Essen, welches nicht gut für sie war, genossen sehr gute Drinks, welche überhaupt nicht gut für sie waren und unterhielten sich auch ansonsten sehr gut, weil eine Initiationszeremonie nun einmal genau so ablief. Außerdem sorgten die Kräfte, die ihnen die Computerdatei verlieh, dafür, dass das Essen und die Drinks ihnen nicht wirklich etwas anhaben konnten, weswegen sie die Party umso mehr genossen.

Etwa 20 Zauberer saßen um eine Tafel, die jeden halbwegs großen Raum ausgefüllt hätte, sich aber in der Weite der enormen Halle fast verlor. Die Halle bestand, soweit das Auge reichte, aus poliertem Marmor und Gold. Die Zauberer waren alle in wallende Gewänder gekleidet und trugen spitze Hüte. Die meisten hatten ihre Stäbe an den Tisch gelehnt oder hinter sich auf dem Boden abgelegt. Einige besaßen kurze, handliche Zauberstäbe. Schließlich gibt es in jeder Gruppe ein paar Unangepasste. Egal, welche persönliche Vorliebe sie für magisches Zubehör hatten, alle beendeten gerade ihr Mahl.

»Also Gary, wie hat es dir gefallen, einen Lehrling zu haben?«, fragte Philip, bevor er einen Schluck Bier aus seinem großen Steinkrug nahm.

Gary fuhr zusammen. Witzigerweise hatten die meisten Leute, die Gary kannten, so reagiert, als ihnen zu Ohren gekommen war, dass er an der Reihe war, einen Lehrling auszubilden.

»Ich weiß nicht«, antwortete Gary. »Es war ganz cool, schätze ich.«

Es folgte ein Schweigen, das als Aufforderung an seine Zuhörer gedacht war, ihn nach weiteren Einzelheiten zu fragen. Philip schwieg ebenfalls, um Gary zu ermuntern, er möge weiterzählen.

»Wir, ähm, wir sind nicht so richtig warm miteinander geworden«, fuhr Gary kopfschüttelnd fort. Er war ein großgewachsener, spindeldürrer Mann mit schlaff herabhängendem, schwarzem Haar, in einer schlaff herabhängenden, schwarzen Robe. Wenn er seinen Kopf schüttelte, flogen seine Haarspitzen umher wie die Quasten am Kleid eines Showgirls.

Tyler fragte: »Was meinst du damit? Hattet ihr Streit?«

Tyler und Jeff waren die anderen beiden Mitglieder der Abordnung aus der kleinen Stadt Leadchurch. Tyler war einer der wenigen Schwarzen, die jemals auf die Datei gestoßen waren und sie dazu genutzt hatten ins mittelalterliche England zu reisen, anstatt zum Beispiel ins antike Marokko. Jeff war ein zierlich gebauter Mann mit schwarzem Haar und genialem Verstand. Vor der Entdeckung der Datei war er als Ingenieur erfolgreich gewesen. Jeff und Tyler waren gute Freunde von Philip und noch bessere von Gary. Sie hingen für gewöhnlich ziemlich viel mit Gary ab, weil man Spaß mit ihm haben konnte. Sein Zuhause war eine Art Partyhaus oder besser gesagt eine Partyhöhle in Form eines Totenschädels. Sie hatten ganz bewusst ein wenig Abstand von ihm genommen, nachdem Gary sein Lehrling zugeteilt worden war.

»Wir haben uns nicht gestritten. Das ist es nicht«, erwiderte Gary. Er sah zum anderen Ende der Tafel hinüber. Der Lehrling, der heute in ihren Kreis aufgenommen wurde, saß am Kopf der Tafel. Wie es der Brauch verlangt, wurde er vom Vorsitzenden der Zauberer, Merlin, einer leichten Gehirnwäsche unterzogen. Die Zauberer aus Leadchurch saßen am anderen Ende der Festtafel, wo Philip regelmäßig seine Unterhaltung unterbrach, um Merlin einen finsteren Blick zuzuwerfen, sein Gesicht eine Fratze des Abscheus und der Verachtung. Auch dies entsprach ihren Bräuchen.

»Es ist nur…«, mühte sich Gary, »sein und mein Sinn für Humor haben nicht so richtig zusammengepasst.«

Jeff sagte: »Er fand dich also nicht witzig. Keine große Sache. Geht mir genauso. Meistens.«

»Nein«, widersprach Gary, »»es geht nicht darum, dass er mich nicht witzig fand, sondern dass er an den falschen Stellen meinte, ich sei witzig. Immer wenn ich etwas gesagt oder getan habe, das ich witzig fand, war er einfach nur verwirrt. Aber hin und wieder habe ich etwas Ernsthaftes gesagt und darüber hat er dann gelacht.«

»Zum Beispiel?«, fragte Philip.

»Als ich ihm erzählt habe, wir seien in der Lage dafür zu sorgen, weder Luft noch Wasser zu brauchen, hätten aber keine Möglichkeit gefunden, das Verlangen danach abzustellen, da meinte er, das sei das Witzigste, das er jemals gehört habe. Ich entgegnete, das sei furchtbar und er hat gesagt: ›Dann machen wir das nicht bei uns selbst. Heben wir uns das einfach für jemand anders auf.‹ Er hat sogar ein kurzes Makro geschrieben, nur um zu beweisen, dass es geht. Es macht dich außerdem unsichtbar. Er nennt es vergeistern

»Ich kann verstehen, dass dir das Unbehagen bereitet«, bestätigte Philip.

Gary sagte: »Ja, nicht wahr?«

»Na, ich würde mir mal keine Sorgen machen“, mischte sich Tyler ein. »Es würde nicht funktionieren.«

Philip blickte zum Kopf der Tafel. Jimmy – alle nannten ihn Merlin, aber für Philip würde er immer Jimmy oder, wenn er ganz ehrlich sein sollte, dieser Schwachkopf Jimmy sein – hatte sich breit lächelnd zum Lehrling hinübergebeugt und kichernd etwas gesagt. Philip war überzeugt, dass es nicht im Geringsten witzig war. Der Lehrling hatte dunkelbraunes Haar und ein Gesicht, das zum überwiegenden Teil von seiner Nase eingenommen wurde. Er trug eine nagelneue schokoladenbraune Robe. Sein Stab, ein lackiertes Stück Holz, so gerade wie ein Zeltpflock, lehnte am Tisch. Die Spitze war gekrönt von etwas, das aussah wie ein roter Pilz mit weißgepunkteter Kappe. Der Lehrling schaute teilnahmslos drein, als Jimmy, dieser Schwachkopf, lauthals loslachte und dem Lehrling auf die Schulter klopfte.

»Wie hieß er noch gleich?«, fragte Philip.

»Todd«, antwortete Gary.

»Wo kommt er her?«

»Phoenix, Arizona. 2005.«

»Wo hat er die Datei gefunden?«, hakte Tyler nach.

»Hat er nie erzählt«, erwiderte Gary achselzuckend.

»Was soll das heißen ›hat er nie erzählt‹?«, wollte Jeff wissen.

»Wenn ich sage, ›hat er nie erzählt‹, meine ich damit, dass er, Todd, es nie erzählt hat. Noch einfacher kann ich es nicht ausdrücken.«

»Ja«, sagte Jeff und verdrehte die Augen. »Das ist mir klar, aber, hast du ihn nicht gefragt? Wie konntest du fast einen Monat mit dem Kerl und seiner Ausbildung verbringen und ihn das nie fragen?«

»Ich habe nie gesagt, dass ich nicht gefragt habe«, erklärte Gary. »Ich habe nicht gesagt, dass ich nicht gefragt habe. Ich habe nicht nie gefragt. Ich habe nie nicht gefragt.«

»Soll das heißen, du hast gefragt?«, insistierte Jeff.

Gary sagte: »Ich habe jeden Tag gefragt. Ich habe gefragt, wo er die Datei gefunden hat. Ich habe gefragt, warum er hergekommen ist. Ich habe gefragt, ob er in seiner Zeit in Schwierigkeiten gesteckt hat. Teufel noch eins, ich habe gefragt, was er beruflich gemacht hat. Alles was ich jemals aus ihm rausbekommen habe, war, dass er aus Phoenix stammt, aus dem Jahr 2005. Dann hat er immer das Thema gewechselt. Schließlich dachte ich mir, mein Job ist es, ihn auszubilden, nicht seine Biografie zu schreiben.«

Philip blickte wieder zum anderen Ende der Tafel. Todd kicherte. Jimmy schien verwirrt und tauschte einen Blick mit seinem Gehilfen Eddie, dem es offenbar nicht besonders gut ging. Jimmy warf einen Blick in Philips Richtung. Philip beeilte sich, wegzuschauen. Er wollte nicht, dass Jimmy merkte, wie er ihn beobachtete. Philip wäre es furchtbar peinlich, wenn Jimmy glauben würde, es würde ihn kümmern, was Jimmy dachte.

»Was für Sachen haben ihn zum Lachen gebracht?«, fragte Philip.

»Ganz komisches Zeug«, antwortete Gary. »Dinge, mit denen man nicht rechnen würde. Ich habe ihm von all den tollen Streichen erzählt, die man Leuten mithilfe von Teleportation und Zaubersprüchen spielen kann, und er saß einfach nur da. Dann habe ich die Sprüche erwähnt, die uns verboten sind. Auch die Körpermodifikationen und so, du weißt schon, das gefährliche Zeug. Keine Ahnung, anscheinend fand er irgendwas an der Art, wie ich es beschrieben habe, witzig.«

Philip schaute wieder zum Kopf der Tafel. Jimmys Gehilfe Eddie redete gerade. Wie sein Chef hatte er sich einen falschen Namen zugelegt, unter dem er als Zauberer lebte, aber Philip war bereit, in seinem Fall ein Auge zuzudrücken. Eddie war der einzige asiatische Zauberer in Europa und trug deshalb eine Robe in Rot und Gold. Er arbeitete unter dem Namen »Wing Po, mysteriöser Zauberer des Orients.« In diesem Zeitalter hätten die Leute auch mit »Eddie, mysteriöser Zauberer des Orients« nichts anzufangen gewusst. Eddies breiter New Jersey-Akzent bereitete ihnen schon genug Schwierigkeiten. Eddie strahlte übers ganze Gesicht, während er mit Todd, dem Lehrling, sprach. Der starrte ihn hingegen die ganze Zeit ausdruckslos an. Jimmy sah zu Philips Ende der Tafel und blickte Gary durchdringend an, als wolle er dessen Aufmerksamkeit erregen. Ohne Erfolg – deshalb schaute Jimmy jetzt direkt Philip an. Etwas in Jimmys Gesichtsausdruck hielt Philip davon ab, einfach wegzusehen.

Philip war ein wenig unruhig gewesen. Jimmy schien sich unwohl zu fühlen. Das hatte Philip noch nie zuvor erlebt und es verstärkte seine Unruhe immens.

Philip überlegte kurz, dann fragte er Gary: »Sag mal, was für ein Makro wird Todd uns vorführen?«

Ein Makro ist eine Art einfaches Programm, das Computerexperten oft verwenden, um eine Reihe von Befehlen mit einem einzigen Tastendruck anzustoßen. Die Kräfte der Zauberer von Camelot speisten sich aus Computercodes. Deshalb setzten sie Makros zur Erzeugung komplexer magischer Effekte ein, um damit andere Zauberer zu beeindrucken oder die Einheimischen zu verstören.

»Keine Ahnung«, erwiderte Gary. »Er wollte mir nichts darüber verraten. Ich dachte, ich lasse ihm seine Überraschung. Er schien ganz aufgeregt deswegen. Ich denke, es wird etwas halbwegs Öffentliches werden. Er hat mir viele Fragen über die Einheimischen gestellt.«

Philip widmete seine Aufmerksamkeit wieder dem Kopf der Tafel. Todd lachte gerade herzhaft über etwas. Jimmy und Eddie blickten beide zu Philip. Dann schaute Jimmy kurz zu Todd und wieder zurück zu Philip. Dabei hob er eine Augenbraue, als wolle er eine Frage stellen. Philip wusste nicht, wie die Frage lautete, und konnte sie daher auch nicht beantworten. Also zuckte er mit den Schultern und beendete diese nonverbale Dreieckskonversation, in der genau genommen nur der Umstand kommuniziert worden war, dass keiner von ihnen wusste, was los war.

Jimmy runzelte die Stirn und sagte etwas zu Todd, der aufhörte zu lachen und sich in seinem Stuhl aufrichtete. Dann stand Jimmy auf und räusperte sich. Nach und nach verstummten alle Zauberer.

Jimmy breitete seine Arme aus. Die goldfarbenen Ränder seiner jadegrünen Robe leuchteten im Kerzenschein. Er sprach: »Nun, meine Freunde, ich hoffe, ihr habt alle euer Mal genossen.« Es gab Kopfnicken und zustimmendes Gemurmel.

Philip sagte: »Ich habe es auch genossen«, womit er zu verstehen gab, dass er sich nicht zu Jimmys Freunden zählte. Es war kein besonders geistreicher Zwischenruf, kein Vergleich zum Niveau, das man sonst von Philip gewohnt war. Aus irgendeinem Grund war er nicht mit ganzem Herzen bei der Sache.

Jimmy lächelte gekünstelt und fuhr fort, selbstsicherer als zuvor. Philips Feindseligkeit hatte dafür gesorgt, dass er sich ein wenig heimischer fühlte.

»Wie ihr alle wisst, sind wir hier, um die Ankunft eines neuen Zauberers zu feiern: Todd. Er wurde von Gary ausgebildet und stellt sich morgen seinen Prüfungen.«

Hierbei lächelten alle vor sich hin. Alle am Tisch, mit Ausnahme von Todd, wussten, dass die Prüfungen ein Schwindel waren und die echte Prüfung bereits im Gange war. Nachdem er einige Wochen bei einem Zauberer gelebt hatte und von diesem ausgebildet worden war, verbringt der Zauberanwärter den Abend damit, sich bei Tisch mit Jimmy zu unterhalten; dann fordert man ihn auf, ein paar Worte zu sagen und etwas von seiner eigenen Magie vorzuführen: sein Makro. Die meisten Kräfte der Zauberer stammten aus einem Shell-Programm, das Jimmy und Philip vor vielen Jahren geschrieben hatten. Damit konnte man die Datei, welche die Wirklichkeit steuerte, einfacher und sicherer bearbeiten. Das Makro des Lehrlings bestand üblicherweise aus einigen der Effekte, die bereits in der Shell gespeichert waren, und wurde durch ein simples Programm verknüpft. Es sollte den anderen Zauberer eine Vorstellung davon vermitteln, welche Art Magie sie von dem neuen Zauberer in Zukunft zu erwarten hatten. Danach versammelten sich alle nochmal ohne den Lehrling und stimmten ab. Es war eine Formalität. Bis zu diesem Abend war noch nie jemand abgelehnt worden. Am nächsten Morgen würden sie alles daransetzen, den Lehrling nervös zu machen. Irgendwann würden sie ihn in die Sache einweihen und dann mit allen Mitteln versuchen, den neuen Zauberer betrunken zu machen.

Jimmy sprach weiter: »Wie es Brauch bei uns ist, wird Todd nun ein paar Worte sagen; dann wird er uns sein Makro vorführen.«

Jimmy nahm wieder Platz. Todd atmete einmal tief durch, dann stand er auf und richtete sich an die Anwesenden. Er war weder ein großer noch ein gut aussehender Mann. Und dennoch war es nicht leicht, seine Augen von ihm abzuwenden. Irgendwann später würde Philip feststellen, dass es seine Augen waren. Etwas an seinen Augen zog die Aufmerksamkeit auf sich. Es war schwer, nicht hinzusehen, so schwer, wie bei einer Unterhaltung mit einem Polizisten, nicht dauernd auf dessen Waffe zu schielen.

»Ich bin kein Typ, der leicht neue Freunde findet«, begann Todd.

Dies war eine hervorragende Eröffnung. Man gelangte nicht an diese Tafel, ohne zuvor über eine sehr gut versteckte Computerdatei gestolpert zu sein. Das bedeutete, dass man zuvor viel Zeit damit verbracht hatte, auf Computern herumzutippen. Auf Partys verschwenden Leute selten Zeit, um auf Computern herumzutippen. Jeder seiner Zuhörer hätte dasselbe über sich sagen können. Bei Todds Geständnis nickten Köpfe still, beinahe unwillkürlich.

Todd fuhr fort: »Nach dem, was ich darüber weiß, nach dem, was wir alle hier darüber wissen, wie die Welt wirklich funktioniert, bin ich froh, dass ich es gar nicht erst versucht habe.«

Rundherum hörten die Köpfe still und leise auf zu nicken. Einige drehten sich leicht zur Seite.

»Denn jetzt finde ich mich hier wieder«, sagte Todd, »mit Euch allen. Ihr seid alle sehr nett gewesen und habt mich in Eurer Mitte aufgenommen.«

Dies beruhigte sein Publikum ein wenig. Philip konnte spüren, wie sich im Raum Entspannung breitmachte.

Todd lächelte. »Ich fühle mich hier wie zuhause, bei Euch allen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie schrecklich es mir gehen würde, solltet Ihr Euch gegen mich stellen, wie alle anderen es getan haben.« Seine Stimmung schien sich ebenso zu verfinstern wie die aller anderen Anwesenden.

»Doch ich hoffe, das wird nicht passieren“, kam Todd zum Ende. »Das wäre bedauernswert.«

Nach einer langen Pause stand Jimmy auf und klatschte in die Hände.

»Sehr schön“, kommentierte er mit gezwungen wirkender Fröhlichkeit. »Und jetzt, Todd, führ uns bitte dein Makro vor.«

Todds Miene hellte sich augenblicklich auf. Er verließ seinen Platz am Kopf der Tafel und stellte sich in den freien Raum daneben. Die Hälfte der Gruppe, die die ihm am nächsten saß, drehte sich um, um die Vorführung besser verfolgen zu können. Der Saal war riesig, dreißig Meter hoch und hundert Meter lang. Er war mehr als groß genug für alles, was Todd geplant haben könnte, aber er entfernte sich nur etwas mehr als fünf Meter weit vom Tisch.

»Ich weiß«, begann Todd, »dass die meisten von Euch ihr Makro als eine Art Begrüßung benutzen. Ihr holt es raus, wenn Ihr jemand Neues kennenlernt, um Eure Kräfte zu demonstrieren. Wie ich hörte, bedeutet das meist große Mengen umherfliegenden Feuers und Rauch.«

Eine Welle wohlwollenden Gelächters wogte über die Tafelrunde, als wolle die Gruppe gemeinschaftlich zum Ausdruck bringen: »Schuldig im Sinne der Anklage.«

Todd lächelte und lachte, aber es lag keine Freude darin. Es war das Lachen eines Mannes, der sich deinen Witz angehört hat und sich darüber amüsiert, dass du dumm genug bist zu glauben, er würde ihn lustig finden.

»Das ist doch nicht wirklich eine Demonstration magischer Kraft, oder? «, fragte Todd. »Nein. Ich meine, es zeigt, dass du Kräfte besitzt, doch es zeigt nicht, was diese Kraft ist, nicht wahr? Es beweist gar nichts. Es ist wie bei einer richtig coolen Explosion. Sicher, der Feuerball und der Riesenlärm erregen Aufmerksamkeit, doch in Wahrheit sind es der Krater und die zerstörte Kindertagesstätte, die Eindruck hinterlassen.“

Die anwesenden Zauberer kannten die Bedeutung jedes seiner Worte, wussten aber nicht, wie sie das Gesagte verstehen sollten.

Todd fuhr fort: »Ich werde es anders machen. Mein Makro deutet meine Kraft nicht bloß an, mit etwas Großem und Auffälligem. Es zeigt sie ganz deutlich, mit etwas Kleinem, aber Unmissverständlichem.«

Todd schwenkte seinen Stab über dem blanken Marmorboden neben ihm und sagte: »Tartesay Akromay.«

Geheimsprach-ay, dachte Philip. Das fängt ja toll an.

Es gab eine Explosion, die einen hellen Blitz erzeugte, ein dumpfes Geräusch und einen kleinen, schmuddeligen Rauchpilz. Als der Rauch sich verzogen hatte, stand Todd neben einer blauen Plastikplane, die ganz eindeutig um einen großen, menschlichen Körper gewickelt war.

Todd kicherte und rieb sich die Hände. Er bückte sich und ergriff eine Ecke der Plane mit seiner freien Hand und hielt seinen Pilzstab mit der anderen in die Höhe.

Er verkündete: »Leute, lasst mich Euch zeigen, wie wahre Macht aussieht.« Er riss die Plane ab und warf sie in schwungvollem Bogen davon. Die Plane ging in Flammen auf, kaum dass er sie losgelassen hatte. Das lenkte die Zauberer mehr von Todds Vorführung ab, als er vorgehabt hatte, da er sie aus Versehen genau in ihre Richtung geworfen hatte, und sie sehr viel langsamer abbrannte als erwartet. Die brennende, flatternde Plane landete mitten auf der Festtafel und legte sich über mehrere Stühle und zwei Zauberer, die etwas zu langsam reagiert hatten und ihr nicht mehr ausweichen konnten. Die Zauberer fluchten und schlugen um sich, bis sie außer Gefahr waren. Dann sahen sie der Plane zu, die noch einige Sekunden weiterbrannte; erst jetzt widmeten alle ihre Aufmerksamkeit wieder Todd.

Ein hochgewachsener Mann, der einen ganzen Kopf größer und an den Schultern fast doppelt so breit war wie Todd, stand regungslos neben diesem. Er wirkte beunruhigend selbstzufrieden. Viele der Zauberer zogen sogleich den Schluss, Todd habe das Bild eines Menschen erschaffen und läge bei den grundlegenden Größenverhältnissen schwer daneben. Die Zauberer aus Leadchurch wussten es jedoch besser. Leadchurch war ein zu kleiner Ort, als dass jemand so Großes wie Kludge unbemerkt geblieben wäre.

Kludge war der zweitgrößte, zweitstärkste und zweitgewalttätigste Mensch in Leadchurch. Die Tatsache, dass die größte, stärkste und gewalttätigste Person der Stadt eine Frau namens Gert war, hatte dazu geführt, dass Kludge mit Abstand zum wütendsten Bürger der Stadt geworden war.

Gary, der seinem Lehrling unmissverständlich klargemacht hatte, dass Nichtzauberer beim Bankett nicht zugelassen waren, stellte die Frage: »Was macht der denn hier, Todd?«

»Was immer ich will«, quietschte es beinahe aus Todd hervor, »und nur, was ich will. Er kann keine Bewegung machen, solange ich ihn nicht bewege. Ich habe ihn völlig unter Kontrolle.«

»Wenn du ihn also nicht bewegst, wird er bis zu seinem Tod einfach nur so dastehen?«, wollte Philip wissen.

»Er würde auch noch länger so dastehen. Er wird an Ort und Stelle gehalten, von unsichtbaren Kraftbändern an mehrere Stellen seines Körpers. Selbst wenn er völlig erschlaffen sollte, würde er in Habachtstellung bleiben, doch das wäre nicht sonderlich lustig, nicht wahr?« Todd murmelte etwas Unverständliches, fasste in seinen Hut und zog einen Gegenstand hervor, den Philip noch nie zuvor gesehen hatte. Es war ein seltsam geformtes Plastikteil. Damit es aussah wie Metall, war es, wenig überzeugend allerdings, lackiert worden. Es besaß zwei Hebel und war mit Schaltern, Tasten und Knöpfen bedeckt.

Jeff fragte: »Ist das ein Nintendo Wavebird?«

»Ja«, antwortete Todd. »Gutes Auge. Nie wurde ein besserer Controller gebaut.« Todd legte einen Schalter um und ein kleines Lämpchen am Controller begann zu leuchten. Er hielt ihn mit beiden Händen. Seinen Stab hatte er sich unter den Arm geklemmt. Todd schaute Kludge an, kicherte kurz, dann drückte er den kleinen Joystick mit seinem linken Daumen nach vorne. Kludges rechter Fuß ruckte vorwärts, als wäre er urplötzlich besessen vom unwiderstehlichen Drang, einen Käfer zu zertreten. Für einen Moment stand er regungslos da; dann schnellte sein linker Fuß vor und stampfte mit markerschütternder Wucht nieder. Wieder ruckte sein rechter Fuß vor, gefolgt von seinem linken, und dieser Ablauf wiederholte sich, während er unaufhaltsam auf die Zauberer zulief. Nach einigen ungelenken Schritten schwenkte er langsam auf eine Kreisbahn ein und er begann um Todd herumzulaufen. Jeder Schritt ein mächtiges Stampfen, als wollte er mit seinen Absätzen den Boden zu Staub zermahlen. Oberhalb der Taille jedoch blieb Kludge stocksteif, als wäre seine untere Hälfte ein Gefährt, das seinen Oberkörper herumkutschierte.

»Ich weiß, der Bewegungsablauf muss noch verfeinert werden«, räumte Todd ein, während Kludge ihn weiter umkreiste, »aber ihr müsst zugeben, es ist ein guter Machbarkeitsnachweis. Und das ist noch nicht alles. Ich kann auch seine Arme steuern.«

Todds rechter Daumen bewegte einen weiteren, kleineren Joystick nach links, woraufhin Kludges beide Arme in die gleiche Richtung schnellten, so als würde er den aggressivsten Hula der Welt tanzen wollen. Todd bewegte den Stick nach rechts und Kludges Arme reagierten entsprechend.

Todd drehte den Stick, und Kludge wedelte über Kopf mit seinen Armen, während er weiter stampfend seine Kreise um Todd herumzog.

Todd kündigte an: »Ich kann auch seinen Kopf drehen.“ Schon verrenkte Kludge seinen Kopf erst nach links, dann nach rechts, nach hinten und nach vorne. Dabei fuchtelte er weiter herum und stapfte seine Runden um seinen Gebieter ab.

»Halt ihn an!«, schrie Philip. »Halt ihn sofort an!«

»Auch das geht«, meinte Todd. Er nahm seine Finger und Daumen von der Steuerung und Kludge kam auf der Stelle zum Stehen. Todd blickte in die fassungslosen Gesichter der anderen Zauberer. An Jimmy gewandt sagte er: »Herr Vorsitzender, möchten Sie es sich genauer ansehen?«

Jimmy trat vor. Philip folgte ihm, auch wenn die Einladung nicht ihm gegolten hatte. Als sie sich dem jetzt regungslosen Kludge näherten, konnten sie sehen, dass er zwar unnatürlich steif vor ihnen stand; seine Augen jedoch waren äußerst lebendig, blinzelten heftig und rollten wild umher.

Jimmy fragte Todd: »Ist er wach?«

»Ja«, erwiderte Todd.

»Warum?«, wollte Jimmy wissen.

Todd schnaubte. »Wahrscheinlich ist er nicht müde.«

»Aber, ich dachte, du hättest gesagt, dass du ihn völlig unter Kontrolle hast«, sprudelte es aus Philip hervor.

»Habe ich auch«, entgegnete Todd. »Ich habe totale Kontrolle über seine Bewegungen.«

»Aber nicht über seinen Verstand«, stellte Jimmy fest.

Todd zuckte mit den Schultern. »Gut, ja, du hast mich erwischt. Nein, ich kann sein Gehirn nicht steuern, aber ich bin mir ziemlich sicher, ich weiß, was er denkt.«

Philips blickte hinauf in die Augen des großen Mannes, der wütend auf ihn hinabstarrte und dachte: Ja, ich glaube das weiß ich auch.

Jimmy fragte: »Kann ich mit ihm sprechen?«

Todd sagte: »Tu dir keinen Zwang an.«

Jimmy und Philip tauschten wieder Blicke aus; dann erkundigte sich Jimmy: »Wird er mit seinen eigenen Worten antworten oder mit deinen?«

Todd verkündete: »Er selber kann nichts sagen, aber ich kann ihn sprechen lassen. Schaut euch das mal an.«

Todd drückte einen Knopf und Kludges Mund wurde aufgerissen, bis an die Grenze dessen, was seine Kiefermuskulatur auszuhalten im Stande war. Dann schloss sich der Mund schlagartig wieder, nicht ganz synchron mit den Silben einer Aufnahme von Todd, der mit tiefer, bedrohlicher Stimme zu vernehmen war: »Hallo Welt! Ich bin Todds Sklave! Ist das nicht großartig?

Eine Welle unbehaglichen Gemurmels lief durch die Reihen der Zauberer. Philip und Jimmy schauten sich an, beide äußerst beunruhigt. Philip wusste, was er selbst von Todds Werk hielt, und er hatte eine klare Vorstellung davon, was Jimmy darüber denken sollte. Aber bei Jimmy konnte man sich nie ganz sicher sein. Vielleicht sollte ich etwas sagen. Ganz offen sein, dachte Philip. Es würde diejenigen bestärken, die wissen, dass das hier inakzeptabel ist, und vielleicht die wenigen Unentschlossenen umstimmen. Jedenfalls hoffe ich, dass es nur wenige Unentschlossene gibt.

»Todd«, sagte Philip, »das ist furchtbar.«

Todd klang jetzt verärgert: »Langsam, langsam, ich weiß, was du denkst. Na gut, die Lippen bewegen sich nicht synchron und der Riesenklotz bewegt sich irgendwie ungelenk. Aber du musst zugeben, es hat Potenzial. Ich habe Euch noch nicht mal alles vorgeführt, was er kann. Hier. Moment mal. Seht euch das an.«

Todd drückte eine Tastenkombination, zu schnell für Philip, um sie genau nachvollziehen zu können. Kludges Arme schnellten vor, die Handflächen voraus. Sein Mund schnappte auf, und eine höhnische Aufnahme von Todds Stimme rief: »Doppel-High-Five!«

Erneut warfen sich Philip und Jimmy einen Blick zu. Jimmy zuckte mit den Achseln und wollte der Aufforderung gerade nachkommen, als Todd einen Finger hob und sagte: »Sekunde.«

Einen Moment später ertönte die Aufnahme: »Komm schon, Alter! Lass mich nicht hängen!« Kludge hatte die Augen geschlossen, als ob er sich selbst davon zu überzeugen versuchte, dass nichts von alledem wirklich passierte. Doch sein Mund folgte weiterhin den Worten der Tonaufnahme wie bei einer widerwilligen Bauchrednerpuppe.

Jimmy schüttelte den Kopf, dann hob er seine Arme hoch, um Kludges Hände abzuklatschen. Gerade als sich ihre Hände berührten, sauste Kludges rechter Arm in einem blitzschnellen Bogen abwärts und traf Jimmy mit solcher Wucht in den Unterleib, dass es ihn von den Füßen hob.

Jimmy torkelte rückwärts, fiel zu Boden und rollte schmerzverkrümmt auf den Rücken. Einige Zauberer liefen zu ihm, um ihm zu helfen. Philip schlenderte an seine Seite, um ihn sich anzusehen. Jimmy schaute hoch zu Philip. Der Ausdruck in seinen Augen ließ bei Philip jegliche Zweifel schwinden, die er über Jimmys Meinung zu Todds Makro gehegt hatte.

Philip betrachtete Kludge, der in seiner Tiefschlagpose verharrte. Er hatte die Augen immer noch geschlossen. Philip sah eine einzelne Träne, die langsam Kludges Wange hinunterkullerte. Philips Blick wanderte hinab zu Kludges Hand. Offenbar war Todd nicht in der Lage, dessen Finger zu steuern. Folglich hatte er Kludge nicht dazu bringen können, eine Faust zu ballen, weshalb mindestens zwei seiner Finger böse gebrochen zu sein schienen.

 

***

 

Am nächsten Morgen war Philip wieder zurück in Leadchurch und stand in einem kleinen Nebenraum in dem bleigedeckten Gotteshaus, welches der Ortschaft seinen Namen gab. Er sah auf den schlafenden Kludge hinab, der mit dicken Lederriemen auf einem schweren Eichentisch festgeschnallt worden war. Drei Finger seiner rechten Hand waren mit Holzstöcken geschient, seine Arme und die Stirn waren mit dunklen Blutergüssen übersät. In gewisser Hinsicht könnte man sagen, Kludge habe sich die Blutergüsse selbst zugefügt, weil er gegen Todds Kraftfelder angekämpft hatte. Philip vermutete, dass es überall an Kludges Körper noch mehr davon gab. Das würde er aber nicht überprüfen.

Philip fragte: »Wie geht es ihm?«

Bischof Galbraith, der mürrische, bärbeißige Herr der bleiernen Kirche, antwortete: »Er hat es bequem und ruht sich aus.«

Philip schüttelte den Kopf. »Diese Riemen sehen nicht sehr bequem aus.«

»Vielleicht nicht für ihn«, wandte Bischof Galbraith ein, »aber ich fühle mich besser damit. Ohne die Fixierung wäre ich nicht gern in seiner Nähe sein, wenn er aufwacht und ihm wieder einfällt, was ihr alles mit ihm angestellt habt.«

»Natürlich. Bitte richtet den Schwestern meinen Dank aus, weil sie sich um ihn gekümmert haben. Ich möchte, dass Sie wissen, Eure Exzellenz, nicht wir alle haben ihm das angetan. Es war das Werk eines einzelnen Zauberers.«

Der Bischof hob eine Hand und erwiderte: »Ich vertraue darauf, dass Ihr Euch darum kümmern werdet. Macht Euch nicht zu viele Gedanken über diesen Einfaltspinsel. Es ist nicht halb so schlimm, wie manche der Dinge, die er in seinem Leben schon anderen Leuten angetan hat. Einige der Dorfbewohner könnten sogar eine bessere Meinung von Zauberern kriegen, sollte sich das hier herumsprechen. Ich würde Euch allen allerdings empfehlen, Kludge in Zukunft aus dem Weg zu gehen. Vergeben und vergessen, gehört nicht zu seinen Fähigkeiten.«

»Da müssen Sie sich keine Sorgen machen«, versicherte Philip. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendeiner von uns nachlässig genug sein wird, sich von ihm überrumpeln zu lassen.«

»Und was ist mit demjenigen unter Euch Heiden, der ihm das angetan hat?«

»Es war ein Lehrling.«

Dem Bischof entfuhr ein Pfiff. »Ein Lehrling war das? Wer war sein Meister? Wer wäre so unverantwortlich, so etwas direkt vor seinen Augen geschehen zu lassen?«

Philip sagte: »Sein Meister war der Nekromant von der Schädelschlundhöhle.«

»Ah«, bemerkte Galbraith. »Das passt. Was habt ihr für den Lehrling vorgesehen?«

»Wir werden sicherstellen, dass er nie wieder jemanden etwas antun kann.«

Bischof Galbraith sagte: »Jawohl, keine einfache Sache, aber ihn zu töten, ist wahrscheinlich die einzige Möglichkeit.«

»Was? Nein. Tut mir leid, Ihr habt mich missverstanden. Wir werden ihn nicht töten.«

Der Bischof schüttelte den Kopf. »Nun, ich verstehe den Drang, nachsichtig zu sein. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass, wenn Ihr es nicht tut, Kludge selbst den Lehrling abmurksen wird, sobald er wieder auf den Beinen ist. Und das wird weit weniger sauber ablaufen, als wenn Ihr es tun würdet.« Der Bischof warf Philip einen Seitenblick zu und grinste. »Oder ist das Euer Plan? Ihr dürft Gnade zeigen, der Lehrling bekommt seine gerechte Strafe, und Kludge bekommt seine Rache. Philip, ich hätte nicht gedacht, dass du so ausgefuchst bist.«

»Das ist nicht unser Plan«, widersprach Philip.

»Oh«, sagte Galbraith. »Okay. Gut zu wissen, dass ich richtiglag.«

»Damit, dass ich nicht ausgefuchst bin?«, wollte Philip wissen.

»Ja, Philip«, antwortete der Bischof, ein wenig langsamer, als es nach Philips Meinung nötig gewesen wäre.

»Keine Sorge, Eure Exzellenz. Während Ihr und die Schwestern Euch um Kludges Wunden gekümmert habt, haben wir die ganze Nacht einen Plan geschmiedet, wie wir mit dem Mann verfahren werden, der das hier getan hat. Wir werden ihn an einen Ort schicken, an dem er vor Kludge sicher ist, und alle sicher vor ihm sind. Wir haben dafür gesorgt, dass er nie wieder zurückkehren kann.«

»Was habt ihr im Sinn? Eine Art Kerker?«

»Schlimmer«, sagte Philip. »Viel schlimmer. Ich gebe Ihnen mein Wort, dass er den Rest seines Lebens an einem Ort verbringen wird, den viele Leute schlimmer finden würden als den Tod.«

Ende der Leseprobe

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