Robert Blake Whitehill im Interview



Robert Blake Whitehill ist Autor der erfolgreichen Blackshaw-Serie (bisher im Luzifer Verlag erschienen: Deadrise, Nitro Express, Tap Rack Bang). Um sich seinen deutschen Lesern vorzustellen, beantwortete er sehr bereitwillig unsere neugierigen Fragen.

Das Interview:

Wo schreibst du (am liebsten)?

Mein für alle Zeiten liebster Platz zum Schreiben war der Wärterturm der Old Severn River Bridge vor Annapolis, Maryland, unweit der United Staes Naval Academy. Der Turm befand sich mittig der Brücke im Severn River. Während meiner 12- oder 24-Stunden-Schichten war ich ständig allein, mit einem atemberaubenden Blick aufs Wasser, auf Vergnügungsboote, Trainingsschiffe der Navy und absolut fantastische Stürme. Ja, ich musste die Woche über von Zeit zu Zeit die Brücke öffnen, und an den Wochenenden öfter, aber es war ein besonderer Platz, und die ortsansässigen Geschäfte waren glücklich darüber, mir Pizza dort hinaus zu liefern, um mich am Leben zu halten.
Heute schreibe ich in meinem Büro, welches sehr komfortabel, wenngleich alltäglicher ist (aber das Essen ist definitiv besser).

Welche Bücher magst du besonders? Welche haben deinen eigenen Schreibprozess beeinflusst?

Jules Vernes »Die geheimnisvolle Insel« wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Ich genoss es zu sehen, wie sich die Handlung entfaltete und mitzuverfolgen, wie eine kleine Gruppe versuchte, ihre eigene funktionierende Gesellschaft auf einer Insel zu gründen, von der sie nicht entkommen konnten. Es war so aufregend herauszufinden, dass die unsichtbare Kraft, die hinter ihren Bemühungen steckte, niemand anderes als der einzig wahre Kapitän Nemo gewesen war, in der Fortsetzung von »Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer«. In meiner Blackshaw-Serie kommen ebenfalls Inseln und wichtige wiederkehrende Charaktere vor, von daher schätze ich, dass ich Verne Dank schulde, einen so großen Einfluss auf meine Arbeit zu haben.

Was benötigt ein Robert B. Whitehill zum Schreiben?

Die wichtigsten Dinge, die ich brauche, um einen Blackshaw-Roman oder ein Drehbuch zu schreiben, sind Ruhe und starker Kaffee. Mein Vater, der Autor Joseph Whitehill, konnte schreiben, während den ganzen Tag klassische Musik im Radio lief, ich hingegen empfinde aber jede Art von Musik als zu beruhigend und als zu große Ablenkung von dem Wahnsinn in meinem Kopf. Oh, und ein komfortabler Sessel ist natürlich nicht zu verachten!

Woher kommen die Ideen?


Meine Inspirationen kommen aus den aktuellen Krisen auf dieser Welt, denen ich mich so machtlos gegenüber sehe. Also kleide ich diese Probleme in ein leicht verschleiertes  fiktives Gewand und hetze den Bösewichten Ben Blackshaw auf den Hals. Zumindest in meiner Fantasie werden die Probleme auf diese Art gelöst.
Ich mag es, die Action in meine Geschichten einzuplanen, denn ich möchte sie so einfach wie möglich in Filme übertragen können. Die meisten Filme erlauben keinen großartigen Zugang zu der Gedankenwelt eines Charakters. Was immer ein Charakter auch sagt, die einzige Wahrheit liegt darin, was er schlussendlich tut. Wenn ein Charakter gegen diese Regel verstößt, dann nur, weil es um Leben und Tod oder um die Liebe geht. Manche Leute sagen, dass Action gleich Charakter sei. Ich sage, Action ist gleich Wahrheit.

Gibt es Vorlieben/Obsessionen?

Meine seltsamen Obsessionen oder Vorlieben beim Schreiben? Ich muss mich selbst in jeder Szene überraschen können. Meine Arbeit muss immer wieder neu oder andersartig sein. Selbst ein bekanntes Szenario kann verändert, nuanciert oder komplett auf den Kopf gestellt werden, um auf erfrischende Art verstörend zu wirken. Wenn ich mich als Autor selbst langweile, langweile ich auch meine Leser, und das wäre furchtbar.

Was macht einen guten Tag für dich aus?

Um einen guten Tag zu haben, muss ich ihn mit meiner Familie beginnen, und mit Kaffee – bestenfalls beides zusammen. Später muss ich beim Schreiben mein Seitenziel erreichen. Wenn etwas von diesen essenziellen Dingen fehlt, würde sich mein Tag leer anfühlen.

Möchtest du deinen deutschen Lesern noch etwas mitteilen?

Ich verehre meine deutschen Leser sehr. Sie haben meine amerikanischen Geschichten überaus wohlwollend aufgenommen. Sie investieren fünfzehn Stunden ihres Lebens in jedes neue Ben Blackshaw-Abenteuer, das sind fünfzigtausend Herzschläge pro Geschichte. Es ist eine Ehre, für ein derart hungriges, zugängliches und dankbares Publikum schreiben zu dürfen. Ich schätze mich glücklich, ihnen etwas bieten zu können.

Wir danken Robert Blake Whitehill sehr für diese Einblicke in seine schriftstellerische Tätigkeit und hoffen, den ein oder anderen Leser auf Roberts Bücher neugierig gemacht zu haben.


Über den Autor: Robert Blake Whitehill wurde in eine Quäkerfamilie in Mardela Springs geboren, etwas außerhalb von Salisbury auf der Maryland’s Eastern Shore Halbinsel. Das Haus der Familie lag neben einem Teich, der ein Relikt aus der Kolonialzeit antrieb: die Barren Creek Mühle. Früh erlernte er das Segeln auf dem Chesapeake Bay und einem seiner schönsten Nebenflüsse, dem Chester River.

Nach seinem Abschluss an der Westtown Schule ging Whitehill nach Pennsylvania und machte seinen BA in kreativem Schreiben an den Colleges Haverford und Bryn Mawr. Später arbeitete er als Schauspieler an der Royal Academy of Dramatic Art in London und am Neighborhood Playhouse in New York City. Wie bei David Mamet verwandelten die eingehenden Studien der besten englischsprachigen Dramen für Bühne und Leinwand den aufstrebenden Schauspieler in einen leidenschaftlichen Schriftsteller.


Whitehill gewann Preise beim Hudson Valley Film Festival und beim Hamptons International Film Festival, wo er auch ein Alfred P. Sloan Stipendium für sein Drehbuch UXO (Unexploded Ordnance) bekam. Sein Manuskript Blue Rinse, welches er zusammen mit Andrea Shane schrieb, wird derzeit von Produzent Bill Jarblum (Charley Bartlett, The Little Traitor, Cloudburst) geprüft.

Neben dem Schreiben von Episoden zu Discovery/Times Channel’s The New Detectives, Daring Capers und The Bureau, arbeitete er als Vizepräsident der Independent Film Acquisitions für Centerseat.com, in Entwicklung und Verwaltung des Independent Film Channels.

Sein erster Thriller der Ben Blackshaw Serie, Deadrise, wurde von Cyrus Webb zu den Conversations Book Club Top 100 Büchern des Jahres 2012 gewählt, sein zweites Buch der Reihe, Nitro Express, wurde in die Conversations Book Club Top 50 Bücher Fiktion gewählt, und die dritte Blackshaw Mission, Tap Rack Bang wurde das Conversations Book Club Buch des Monats Oktober 2014 und ein Top-Ten-Book of Summer.
Das Filmstudio HatLine Productions möchte die drei Bücher als Spielfilme produzieren.

Whitehill spricht auf Buch-Festivals und Kongressen, einschließlich des Chester Book Festival und des Baltimore Book Festival, zu Themen wie Schreiben, Verlagswesen, Drehbuch, die Chesapeake Bay, Posttraumatischem Stress und Menschenhandel.

Whitehill lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in New Jersey. Wenn er nicht segelt oder mit einer Cessna 152 den Himmel unsicher macht, schreibt er Beiträge für das Chesapeake Bay Magazine und The Audiophile Voice.

 

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Eine Bemerkung zu “Robert Blake Whitehill im Interview

  1. Bin eben mit Deadline durch, in drei Tagen geschafft, hatte die Zeit dazu und war wie gefesselt. Einfach klasse geschrieben, es läuft beim lesen ein Film im Kopf ab, wie im Kino. Das abtasten und ausloten zwischen Bob und Ellis einfach cool. In etwa gibt’s auch bei uns noch im Norden so schöne Wortduelle in Rätsel verpackt. Ein sehr gutes Buch zur Weiterempfehlung. Klasse geschrieben von Robert Blake. C. Bülow

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