Nitro ExpressNitro Express 3D

Robert Blake Whitehill

NITRO EXPRESS

Band 2
Serie: Blackshaw

Thriller

TASCHENBUCH
ca. 350 Seiten
ISBN: (gedruckt noch nicht lieferbar)
eISBN: 978-3-95835-196-7
ERSTERSCHEINUNG: 2016

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BeschreibungAutorMeinungen zum BuchJetzt reinlesen

In seinem kalten Versteck in einem New Yorker Keller erhält Ben Blackshaw von einem früheren Vorgesetzten einen codierten Notruf. Die anschließende Jagd nach einem mysteriösen Scharfschützen führt Blackshaw einmal um die ganze Welt, von den chilenischen Wüsten bis hin zu den eisigen Einöden Kanadas. Blackshaw überlebt den Absturz mit einer Drohne, gerät in Los Angeles ins Visier des Scharfschützen, und zusammen mit seinem alten Freund Knocker Ellis Hogan versucht er, den Todesschützen in eine Falle zu locken. Aber dieser ist ihnen wie ein Geist immer eine Nasenlänge voraus.

Es dauert nicht lange, bis Blackshaw Verbindungen zu einer weitaus größeren und gefährlicheren Verschwörung aufdeckt, die nicht weniger als einen profitablen Krieg in Südafrika plant.
Doch es gibt einen Ort, an dem Blackshaw gegenüber seinem Widersacher im Vorteil sein könnte …

Robert Blake Whitehill lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in New Jersey. Wenn er nicht segelt oder mit einer Cessna 152 den Himmel unsicher macht, schreibt er Beiträge für das Chesapeake Bay Magazine und The Audiophile Voice.

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In der Kabine des Global Hawk war es eigenartig leise, trotz des Rolly-Royce-Mantelstromtriebwerks, das hinter Ben brüllte. Er mampfte ein Sandwich, ohne irgendeine Ahnung, was vor sich ging oder welcher Teil der Welt zwanzig Kilometer unter ihm vorbeirauschte. Er war nahe am Rande des Weltraums, da oben bei Angel 65, wie Piloten eine Höhe von fünfundsechzigtausend Fuß bezeichneten, aber er kam sich vor, als säße er in einem Sessel auf solidem Boden.
  Eine Stimme krächzte aus einem Lautsprecher. »Äh, hi.«
  »Bist du das, Winnie?«
  »Keine Namen. Die Leitung ist verschlüsselt, aber na ja … man kann nie vorsichtig genug sein.«
  »Falls das so ist, sollte ich in einem Greyhound-Bus sitzen, meinst du nicht?«
  Winstedt ignorierte die Bemerkung. »Der Code, den Sie brauchen, lautet folgendermaßen. Bereit?«
  Ben kam sich ein wenig wie Slim Pickens vor, als der die nuklearen Zielkoordinaten in Dr. Seltsam entgegennahm, und zog den Aluminiumkoffer vom Kabinenboden auf seinen Schoß.
  »Bereit zum Empfang.«
  Winstedt diktierte ihm über Funk eine zehnstellige Nummer. Ben gab die Zahlen über das Tastenfeld am Koffer ein. Ein internes Schloss klackerte. Ben hob den Deckel nur zwei Fingerbreit, um sicherzugehen.
  »Hat es funktioniert?«, fragte Winstedt.
  »Wie geschmiert. Danke, Kumpel.« Es gab eine kurze Pause. »Bist du noch da?«
  »Wie ist es denn so?«
  Ben dachte einen Moment nach. »Bordunterhaltung ist nicht so doll. Keine Aussicht. Der Flug läuft recht reibungslos. Flugbegleiter ist unscheinbar. Es ist, was es ist, Winnie. Wo bin ich?«
  »Das darf ich nicht sagen. Kate … ich meine, dein Pilot hat 'nen tollen Start hingelegt, oder?«
  »Keine Beschwerden«, sagte Ben. »Sag ihr Danke von mir.«
  »Das werde ich.« Stolz schwang in Winstedts Stimme mit.
  Ben wechselte das Thema. »Sag mal, Winnie, ich suche nach 'nem Zigarettenanzünder in diesem Ding. Ich glaub, ich kann die Pinkelflasche als Aschenbecher nehmen, aber …«
  Winstedts Stimme war panisch, als er unterbrach. »Nein! Oh Gott, bitte nicht rauchen! Es könnte die Komm-Einrichtung durcheinanderbringen. Ich meine, Sie sitzen in einer Druckkabine, 'ne Menge O2, dann ein Feuer und wir werden den Gestank nie wieder aus dem Polster bekommen. Wie bei Apollo 1, wissen Sie? Gut durchgebraten.«
  Ben lächelte. »Entspann dich, ich mach nur Spaß.«
  »Wirklich? Überhaupt nicht lustig.« Winstedt sammelte sich wieder. »Okay. Das war's, schätze ich. Nur zurücklehnen und entspannen. Sie sind in guten Händen, hoffe ich. Machen Sie's gut, Ben.«
  Das Funkgerät verstummte. Also kannte Winstedt Bens Namen. Er war wohl doch kein so schlechter Lügner. Als ob seine derzeitige Lage nicht schon heikel genug war, spürte Ben, dass ihm die Kontrolle über die Situation entglitt. Er war von seiner verborgenen Arbeit weggelockt worden, hin zu einer Mission, die selbst mysteriös war. Vier Millionen Dollar in Gold lagen verlassen und unbewacht in einer feindseligen Stadt hinter einem Vorhängeschloss und einer Kette, die in Minuten mit einem Schweißbrenner durchtrennt werden konnten. Ben fühlte sich wie ein Trottel. In diesem Augenblick, eingepfercht in der kleinen Kapsel hoch über der Erde, überspülte ihn ein überwältigendes Gefühl der Einsamkeit.
  Ben öffnete den Aktenkoffer vollständig. Aus Einsamkeit wurde Wut. Fotos bebten in seiner Hand, obwohl es keinerlei Turbulenzen gab.

*** 

Ben las den Inhalt des Aktenkoffers wieder und wieder und studierte die Fotografien. Sie hatten mit dem Mord an der Sängerin in Los Angeles zu tun, ein niederschmetterndes, öffentliches Massaker. Auf eine Weise, wie es nur Soldaten verstehen konnten, machte die Sinnlosigkeit des Mordes Ben wütend. Insgesamt warf die eilig zusammengestellte Akte sehr viel mehr Fragen auf, als sie beantwortete.
  Eine elektronische Stimme, die wie Perfect Paul klang, der automatisierten Stimme des Wetterberichts der nationalen Ozean- und Atmosphärenbehörde, unterbrach seine Betrachtungen per Funk. »Hier spricht Ihr Captain vom Flugdeck. Wenn diejenigen auf der linken Seite der Kabine aus dem Fenster sehen, werden Sie feststellen, dass es kein Fenster gibt.« Eine Art von Sprachverzerrer kaschierte die Identität des Sprechers. Dies hieß, dass Ben die Stimme vielleicht wiedererkannte, wenn sie nicht verzerrt wäre.
  Ben sagte: »Warte schon ewig auf den Getränkeservice. Ist es bereits Zeit, sich anzuschnallen?«
  Die monotone, roboterhafte Stimme sagte: »Noch nicht. Wette, du könntest einen Drink gebrauchen. Weißt du schon, was du dir da ansiehst?«
  Ben hielt seinen Spott gerade so im Zaum. »Das Gleiche wie immer. Nur die halbe Geschichte.«
  »Gut. Wenn du ankommst, kann ich vielleicht dabei helfen. Einem Mann wie dir muss die Akte ziemlich dünn vorkommen. Wir haben noch mehr Informationen gesammelt, seit du an Bord bist.«
  »Zum Beispiel?«, fragte Ben.
  »Wirst du schon sehen. Sorry für die Umstände. Du verstehst das sicherlich.«
  »Sicherlich nicht. Wie sieht's mit der voraussichtlichen Ankunftszeit aus?«
  Die Stimme sagte: »Kenntnis nur bei Bedarf.«
  »Ich hab Bedarf … abzuhauen.«
  »Improvisieren, Anpassen, Überwinden. Ich seh dich auf dem Boden.«
  Der Lautsprecher verstummte. Ben erkannte die letzte altkluge Bemerkung als eigentümliche Form von Marine-Corps-Ermunterung. Ohne den Tonfall oder die Nuancen einer normalen menschlichen Stimme, die ihm Hinweise auf die Identität des Sprechers hätten geben können, konnte Ben sich nur auf das Tempo, die Ausdrucksweise, Sprechpausen, Allgemeingültiges und Eigenheiten des Vokabulars stützen. Die Indizien sprachen für einen männlichen Sprecher, was etwas mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ausschloss. 
  Die Annahme eines militärischen Hintergrundes grenzte den Kreis der Verdächtigen nochmals ein. Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten trumpften derzeit mit einer aktiven Belegschaft von etwas mehr als einer Million und vierhundertdreiundsiebzigtausend auf. Zweihundertdreizehntausend davon waren Frauen. Das verringerte die Zahl nochmals, aber nicht viel. Da war etwas Vertrautes an diesem Sprecher, aber nichts Spezifisches. Ben war Tausenden von Soldaten begegnet oder hatte mit ihnen zusammengearbeitet und jeder Einzelne von Ihnen mochte Witze genauso sehr wie jeder andere. Die Zahl blühte wieder auf, falls aus dem Dienst entlassene Soldaten wie er einbezogen wurden. Die Stimme erinnerte ihn sicher nicht an irgendjemanden aus dem kleinen Kader an Freunden, die den Code kannten, den er heute Morgen an seiner Wand gefunden hatte.
  Ben glättete die Kanten der Papiere und Fotos und steckte sie in den Aluminiumkoffer. Da er jedes mögliche Fitzelchen an Informationen aus ihnen herausgeklaubt hatte, griff er auf das Soldaten-Credo zurück, das den römischen Legionären zugeschrieben wurde. Wenn du nicht marschieren musst, steh. Wenn du nicht stehen musst, setz dich hin. Wenn du dich hinlegen kannst, tu das. Wenn du ein Schläfchen machen kannst, nur zu. Er hatte die Sandwiches und die M&Ms bereits gegessen.
  Als er so am Dösen war, arbeitete sein Unterbewusstsein munter weiter. Im verschwommenen Zwielicht, befreit vom Geschnatter höheren Intellekts, spürte das Tier in ihm die volle Gefahr, selbst die Unvernunft seiner Lage. Vielleicht war er zu gelangweilt und eingesperrt gewesen, als er im dunklen, feuchten Keller ein Kunstwerk nach dem anderen erstellt hatte. Vielleicht hatte ein älteres Verlangen nach einer Mission ihn nach draußen gelockt. Was auch immer ihn bewogen hatte, er hatte seine Tarnung aufgegeben und sein gesamtes Unterfangen in New York aufs Spiel gesetzt. Alles für ein Versprechen, dass er vor langer Zeit einem Kameraden gegeben hatte. Würde er wirklich jemandem helfen wollen, der Omega so schlecht behandeln musste, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen?
  Andere Ansätze sprangen in Bens Gedanken. Das Geld. Es war überall. La Luz' Karriere, ihre Chance, eine wahre Legende zu werden, das war vorbei. Ihre Plattenfirma im Speziellen und die bereits angeschlagene Musikindustrie im Allgemeinen würde ihr Tod finanziell schwer treffen. Wer würde davon profitieren? Ben hatte vorerst keine Antwort.
  Die Kosten dafür, ihn aufzuspüren, waren immens, überlegte er. Er beherrschte sein Spionagehandwerk. Er wusste, wie man zum Geist wurde und in den Augen der meisten Einrichtungen, die sich für ihn interessieren könnten, tot blieb. Ihn aufzuscheuchen hatte eine Menge Geld gekostet. Falls dieser Botendienst Ben das Leben kostete, würde das wirklich eine Rolle spielen? Der Großteil der Welt hielt ihn sowieso für tot. Diese Tatsache würde demjenigen, der ihn herausgelockt hatte, sehr entgegenkommen; das allein wäre manchen die Ausgabe wert. Und das bedeutete, dass diese Nummer nach Geheimoperation stank.
  Und schließlich fielen astronomische Fix- und Betriebskosten dafür an, ihn in einen Global Hawk zu setzen. Jemand wollte ihn in beträchtlicher Distanz neu aufstellen, aber mit minimalem Kontakt zu anderen Zivilisten. Noch mehr Abstreitbarkeit. Das war für Ben okay. Je weniger Fragen er zu seiner ungelegenen Wiederauferstehung beantworten musste, desto besser. Diese Mission also, dieses Problem, das er lösen sollte, musste beträchtlich sein für jemanden, der eine Menge zu verlieren hatte, sollte er versagen. Ben rutschte in seinem Sitz hin und her. Die ganze Zeit über in New York hatte jemand ohne sein Wissen minutengenaue Kenntnis über seine Position gehabt und ihn in Reserve gehalten. Ben sinnierte wieder darüber nach, dass niemand entbehrlicher war als ein Geist.
  Die Intuition eines Soldaten weckte Ben aufgrund irgendeiner undefinierten Gefahr. Als der Schlaf von ihm wich, bemerkte er, dass der Flug sich genauso fortzusetzen schien wie zu dem Zeitpunkt, an dem er weggenickt war. Das Brüllen des Triebwerks hinter ihm schien ruhig und gleichmäßig. Die sanft keuchende Klimakontrolleinheit pustete ihn immer noch durch die Drehlüfter an, selbst wenn die Luft inzwischen etwas verbraucht war. Der Flugwinkel war gerade, soweit er das beurteilen konnte, was weder Steig- noch Sinkflug bedeutete. Sein unterer Rücken wurde langsam steif. Wie lange hatte er geschlafen? Eines war sicher: Ein wachsendes Angstgefühl, durch das er sich wie eine in einer Kiste gefangenen Ratte fühlte, während hungrige Katzen draußen herumschlichen.

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